Catherine Themengebiet Sex

In der Übung 'Spieletester' der Philosophischen Fakultät an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf beschäftigten sich die Studierenden mit digitalen Spielen im pädagogischen Kontext. Unter verschiedenen Aspekten sind Texte zu dem Spiel Catherine entstanden. Die kompletten Inhalte aus der Übungen gibt es auf der Webseite zu dem Kurs: spieletester.phil.hhu.de.

Sexting

Eine Thematik, die im Spiel besonders heraussticht ist Sexting. Sexting ist ein Trend, welcher sich seit dem Beginn der Multimedia Messaging Services wie Whatsapp, Snapchat oder Facebook, verstärkt durch die Nutzung von Smartphones verbreitet hat.
Sexting kommt aus dem amerikanischen Raum und setzt sich aus den Wörtern „Sex“ und „Texting“ zusammen und bedeutet nichts weiter als das Versenden von erotischen Textnachrichten, sowie sexuellem Bildmaterial.
Dieser Trend wird vor allem stark von Teenagern bzw. jungen Erwachsenen praktiziert, sei es, um miteinander zu flirten, Sextreffen auszumachen, zur sexuellen Selbstinszenierung oder zur Bestätigung des eigenen Egos.
Hier in Deutschland wurde das Thema in den Jahren 2013/2014 lauter. Grund dafür waren erste Lehrer, welche vermehrt Eltern als auch Schüler vor dem anbahnenden Trend gewarnt haben. Ebenso traten vermehrt Meldungen in den Medien auf, bei denen Schülerinnen und Schüler Nacktfotos von Mitschülern meldeten, welche im Internet ihre Runden machten. Einmal kursierende Fotos können die betroffene Person auf unterschiedlichste Weise schädigen. Sie können schwere Schäden in der Psyche eines heranwachsenden Menschen verursachen, als Erpressungsmittel verwendet werden sowie als Mittel zum Rufmord fungieren.

Im Spiel macht sich Sexting durch versandte anzügliche Nachrichten der Antagonistin Catherine übers Handy bemerkbar.
Während der Story hat man die Möglichkeit über sein Handy Nachrichten anderer Personen zu empfangen. Dabei schickt Catherine Vincent Brooks, dem Protagonisten, immer wieder Nacktfotos, um ihn zu erpressen und somit an sich zu binden.
Als Spieler kann man auf ihre Sextings eingehen oder sie komplett ignorieren. Je nach Antwort wird man auf einer Art Karma-Anzeige gelistet, welche die Handlungen im Spiel, auch außerhalb des Sextings, bewertet. Hierdurch schlägt der Spieler bzw. der Protagonist einen moralisch guten oder bösen Pfad ein (Law and Chaos). Bei den Antworten muss man sich immer bewusst sein, dass man schon eine feste Freundin namens Katherine hat, welche das genaue Gegenteil von Catherine wiederspiegelt, da sie sehr bodenständig und rational auftritt. Diese Einordnungen wirken sich auf die Geschichte des Spiels aus und ermöglichen dem Spieler das Freischalten von bis zu neun Enden.
Schon zu Beginn bekommt Vincent eine Nachricht eines unbekannten Absenders (Catherine) mit der Frage, ob er ihre Nachricht bekommen hat. Wenn man es bestätigt, will sie ihm ein Bild von ihr senden.

Anhand der Wortwahl kann man vermuten, dass es sich um ein Nacktbild handelt. Gegen Ende des Spiels bekommt man eine Nachricht, in der sich Catherine auf einem Foto als nacktes Geschenk präsentiert, symbolisiert mit einer riesigen roten Schleife.
Obwohl man aus moralischer Sicht auf diese Nachrichten nicht eingehen sollte, kitzelt das Spiel die Neugier des Spielers heraus und lässt ihn fast ausschließlich den bösen Pfad wählen, da die Auswirkungen der Antworten keine Angst vor möglichen Konsequenzen versprühen und dem Spieler mit Nacktbildern von Catherine belohnen. Lediglich am Ende der Story und in einigen wenigen Handlungsabschnitten machen sich diese Entscheidungen bemerkbar. Das Spiel ist so konzipiert, dass es mehrfach durchgespielt werden kann. Hierdurch können verschiedene Entscheidungsmöglichkeiten sowie ihre entsprechenden Konsequenzen innerhalb der Handlung offengelegt werden.

Von Fabian Thoma // Wintersemester 2017/2018

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Monogamie vs. Polygamie?

Katherine, Catherine oder vielleicht sogar beide?

Diese Frage muss sich Vincent Brooks stellen. Mit Katherine ist er bereits fünf Jahre in einer Beziehung, als die 10 Jahre jüngere Catherine in sein Leben tritt. Als er eines Morgens neben ihr aufwacht, realisiert er was er getan hat – er hat seine Freundin betrogen. Im Verlauf des Spiels quält ihn jetzt die Frage, wie er damit umgehen soll.
Das Spiel setzt sich mit Polygamie und Monogamie auseinander. Der folgende Abschnitt dieses Dossiers beschäftigt sich mit der Darstellung und der Bewertung beider Konzepte.
Monogamie beschreibt eine Zweierbeziehung zwischen zwei Menschen. Dem gegenüber steht die Polygamie, die wiederum definiert, dass ein Individuum mit mehreren anderen Menschen sexual aktiv ist.
Vincent Brooks ist zu Beginn des Spiels seit fünf Jahren in einer Beziehung, als ihn die ersten Alpträume heimsuchen. Zu diesem Zeitpunkt zweifelt er bereits an seiner Beziehung. Er sieht sich noch nicht bereit mit Katherine eine Familie zu gründen. Am darauffolgenden Tag lernt er in der Bar Catherine kennen.

Die junge Frau verdreht ihm den Kopf und am nächsten Morgen wacht er neben ihr auf.
Vincent muss sich nun mit der Frage quälen, zu welcher Frau er halten möchte, oder ob er sogar damit durchkommen könnte, wenn er seine Affäre geheim hält.
Im Verlauf des Spiels kommt er jedoch immer mehr zu dem Schluss, dass es so nicht weitergehen kann und dass er sich zwischen den beiden Frauen entscheiden muss. Ihn plagen Gewissensbisse. In späteren Spielabschnitten sind nur noch wenige bis gar keine Anspielungen zur Polygamie vorzufinden. Die Enden, die neutralen Enden ausgeschlossen, beschäftigen sich nur mit der Beziehung von Vincent und einer der beiden Frauen. Lediglich Catherines true Ending weißt polygame Merkmale auf, dort legt das Spiel jedoch den Fokus auf Catherine und Vincent.
Zwischen den Alpträum-Leveln muss Vincent Fragen beantworten. Einige Fragen beschäftigen sich mit der Einstellung des Spielers gegenüber Mono- bzw. Polygamie. Beispielsweise wird erfragt: würdest du mit jemandem ausgehen, der bereits verheiratet ist, oder hast du deinen Partner schon einmal betrogen?
Abschließend soll nun geklärt werden, wie Mono- und Polygamie im Spiel bewertet werden.
Polygamie wird in Catherine fast ausschließlich als etwas Negatives bewertet. Viele Charaktere der Geschichte sprechen sich gegen Fremdgehen und Polygamie aus. Der einzige Charakter, der Polygamie nicht gänzlich als etwas Negatives betrachtet ist Orlando, Vincents langjähriger Freund und Aushilfsseelsorger. Orlando ist geschieden und wurde betrogen, seitdem hat er seinen Lebensstil geändert und will sich nicht mehr binden. Dennoch hegt er Groll gegenüber seiner Ex-Frau, was Polygamie erneut als etwas Negatives darstellt. Vincents andere Freunde und Bekannte haben zwar unterschiedliche Ansichten zu Polygamie, dennoch sind alle eher als negativ einzustufen. Sogar seine dämonische neue Bekannte Catherine spricht sich gegen Betrügen aus und droht Vincent zu verletzen, wenn er einen Seitensprung unternehmen sollte.
„Vincent … You can live however you want, too… Just so long as you never think of cheating on me“ -Catherine

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Debatte um Monogamie bzw. Polygamie nur einen kleinen Teil des Spiels einnimmt. Vincent beschäftigt sich nur wenige Momente mit dem Gedanken, mit beiden Frauen gleichzeitig Beziehungen führen zu können. Dem Spieler wird ebenfalls nahegelegt, dass Polygamie etwas Negatives darstellt. Das Spiel fokussiert sich jedoch eher darauf, für welche Frau sich Vincent entscheiden soll.

Von Joel Beyer // Wintersemester 2017/2018

Pädophilie?

Pädophilie bezeichnet das sexuelle Interesse von Erwachsenen an Kindern vor Erreichen der Pubertät. Der Charakter Catherine besitzt Hentai-Anleihen und kann aus unserer westlichen Sicht mit dem Begriff „Pädophilie“ in Verbindung gebracht werden. Sie ist eine 22-jährige weiße, äußerlich eher westlich geprägte Frau, welche eine sexuelle Beziehung mit dem Hauptcharakter Vincent eingeht. Sie wird durch ihre Darstellung im Videospiel teilweise verniedlicht und soll somit auch jünger erscheinen. Dies wird vereinzelt durch ihr unschuldiges Auftreten sowie der Wahl ihrer kindlichen Frisur hervorgebracht. Ansonsten ist Catherine körperlich, sowie geistig auf dem Level einer erwachsenen Frau. An vereinzelten Stellen im Spiel versucht sie jedoch durch kindliche Phrasen niedlicher zu wirken.

Im Remake „Catherine: Full Body“, welches im Winter 2018 erscheinen soll, erscheint jedoch der neue Charakter „Rin“, der dem kindlichen Bild deutlich näher angesiedelt scheint. Da sie eine der drei Liebesinteressen im Spiel sein soll und sie körperlich eher in Richtung Kind als Erwachsene neigt, könnte man in diesem Fall vielleicht von Pädophilie ausgehen. Momentan gibt es außerhalb von einer kleinen Vorschau keine weiteren Informationen zu dem Spiel oder ihrem Charakter.

Sexismus

Sexismus ist ein Thema, das sich nicht erst seit der #meToo-Debatte in vielen Bereichen unseres Alltags wiederfindet. Ob in diversen Formen von Medien oder in der Realität, sexistische Elemente scheinen schwer umgehbar. Was Sexismus im realen Alltag für Auswirkungen hat, soll an dieser Stelle jedoch weniger die Frage sein. Vielmehr soll klargestellt werden, in welcher Form und Sprache sich Sexismus in Catherine zeigt.
Anfangen wollen wir hierbei bei dem Bild und optischen Eindruck des Spiels. Beginnt man nämlich das Spiel wird der Spieler direkt mit einer sehr freizügigen rothaarigen Dame konfrontiert, die einen an der Bar empfängt und ins Spielgeschehen einführt. Der Ausschnitt des Kleides der Frau zieht sich dabei nicht nur weit hinunter, sondern steht auch stark im Zentrum des Kamerageschehens. Sexistische Elemente dieser Art stellen sich im weiteren Verlauf des Spiels jedoch als keine Seltenheit dar.

So wird das erste Treffen zwischen dem Hauptcharakter Vincent Brooks und einer entscheidenden Nebenfigur Catherine in einem ebenfalls von Sexismus geprägten Licht präsentiert. Die beiden finden sich hierbei im Bett des Protagonisten wieder. Dabei wird jedoch kein Fokus auf die Gesamt-Komposition des Geschehens gelegt, sondern lediglich Gebrauch gemacht von einer hineingezoomten Ansicht auf die bloßen Brüste von Catherine. Das Limitieren des Frauenbilds auf größtenteils erotische Bereiche des Körpers ist durchaus ein Mittel, welches sich in vielen Punkten des Spiels wiederfindet.
Gelegentlich stößt man jedoch auch auf sexistische Anspielungen in Bezug auf Männer. Und hier soll ebenfalls eine Brücke geschlagen werden von Bild zur Sprache.

So sind auch Szenen präsent, die zwei ältere Damen in einem Dialog darstellen. Dieser Dialog wiederum dreht sich lediglich um erotische männliche Züge, die zum Genuss der alten Damen in den Vordergrund gerückt werden. Belanglos werden Männer im Gespräch degradierend als Spielinstrumente vorgeführt. Eine weitere Szene zeigt Vincent und Orlando, einen seiner besten Freunde, in einem Dialog über feste und lockere Liebesbeziehungen. Vincent offenbart Orlando seinen Seitensprung mit Catherine.
Hierbei drückt Vincent aus, dass ihn die Schuldgefühle des Fremdgehens zwar stark bedrücken. Dennoch scheint der Protagonist, sich nicht sicher zu sein, wie es überhaupt zu der ganzen Situation sowie dem vermeintlichen Geschlechtsverkehr gekommen ist. Orlando hingegen versucht nicht, Vincent zu trösten, sondern etwas Gutes in all den Geschehnissen auszumachen. So behauptet dieser, dass solange es sich dabei um ein „süßes Mädchen“ handelt, mit dem Vincent fremdgegangen ist, keinerlei Probleme bestehen. Im Gegenteil, für Orlando handelt es sich hierbei vielleicht sogar um ein „glückliches Missverständnis“.

Von Iskender Bajramov // Wintersemester 2017/2018

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Klassische Geschlechterrollen?

Geschlechtsbilder in Japan – ein kurzer Blick
Die Geschlechtsbilder sind in Japan im Gegensatz zum Westen noch sehr traditionell geprägt. Für Frauen gilt immer noch das Bild der genügsamen Hausfrau, die sich zu Hause um die Kinder kümmert und das Essen für den hart arbeitenden Ehemann zubereitet. Frauen können zwar eine Karriere verfolgen, aber nur bis sie verheiratet sind und Kinder haben. Das Bild einer arbeitenden Mutter ist in Japan immer noch sehr ungewöhnlich und gesellschaftlich auch nicht sehr akzeptiert. Männer gelten als die traditionellen ,,Ernährer“ oder ,,Geldeinbringer“ der Familie, d.h. sie sollten in der Lage sein, eine Familie zu ernähren. Außerdem sollten Männer fleißig, verantwortungsvoll, selbstbewusst und entschlossen sein.

Japanische Geschlechtsbilder in CATHERINE?

  • Vincent Brooks: “Why live a life without doing what you want? That’s just a recipe for misery.“

Da Vincent der Hauptcharakter des Spiels ist, kann der Spieler den Charakter von Vincent größtenteils selber bestimmen. Doch einige Charakterzüge bleiben außerhalb der Kontrolle des Spielers. So ist Vincent das Paradebeispiel eines Mannes, der beinahe das exakte Gegenteil des japanischen Idealbildes eines Mannes ist. Er hat zwar einen Beruf, doch der ,,wahre Geldeinbringer“ in seiner Beziehung mit Katherine ist Katherine selber. Vincent ist sehr unentschlossen und hat große Bindungsängste. So gerät er regelrecht in Panik, als Katherine ihm mitteilt das sie schwanger ist. So versucht er ständig sie und sich selbst zu überzeugen, dass die Schwangerschaft noch nicht klar ist, was heißt das er vor seiner Verantwortung fliehen will.

  • Katherine McBride: “No…I usually do the killing in my dreams.“

Katherine scheint auf den ersten Blick das Idealbild einer japanischen Frau zu sein. Sie wünscht sich mit Vincent eine Familie zu gründen. Bei genauerem Hinsehen merkt man aber, dass sie das Gegenteil einer perfekten japanischen Frau ist. So plant sie nach der Geburt des Kindes wieder zu arbeiten und ist generell ein ,,Workaholic“ und stellt ihre Karriere über alles. Sie ist über dem sehr dominant und zielorientiert. So übernimmt sie die Kontrolle der gemeinsamen Finanzen, nachdem sie den Eindruck hat, das sVincent sein Geld verschwendet. 

  • Catherine: “Marriage is just a ‚tradition‘, right?“

Catherine ist das genaue Gegenteil von Katherine McBride, was aber nicht bedeutet, dass sie das Idealbild einer japanischen Frau ist. Sie entspricht, genau so wenig wie Katherine McBride, dem Idealbild, da sie z.B. der Ehe sehr ablehnend gegenüber steht. So bezeichnet sie die Ehe als eine Art antiquierte Tradition, die in der heutigen Gesellschaft nicht mehr wirklich gebraucht wird. Sie wirkt sehr sorg- und verantwortungslos, wobei sie genauso wie Vincent dauerhafte Bindungen verabscheut. Sie ist sehr extrovertiert und versucht ständig verführerisch zu wirken.

  • Nebencharaktere:

Zu den Nebencharakteren ist an sich nicht viel zu erwähnen. Orlando, Jonny und Toby entsprechen alle drei nicht dem Idealbild eines japanischen Mannes. Orlando wurde von seiner Exfrau betrogen und glaubt nicht mehr an Treue. Jonny hat zwar eine Freundin, doch für ihn ist diese Beziehung nichts Dauerhaftes. Der Jüngste unter den Dreien, Toby,  ist naiv und leichtgläubig. Erica ist von allen Charakteren die Person die am ehesten dem Idealbild entspricht, doch am Ende des Spiels erfährt man, das sie früher ein Mann war. D.h. sie hat eine Geschlechtsumwandlung hinter sich und ist somit wohl der kontroverserste Charakter im gesamten Spiel.