Catherine Themengebiet Moral

In der Übung 'Spieletester' der Philosophischen Fakultät an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf beschäftigten sich die Studierenden mit digitalen Spielen im pädagogischen Kontext. Unter verschiedenen Aspekten sind Texte zu dem Spiel Catherine entstanden. Die kompletten Inhalte aus der Übungen gibt es auf der Webseite zu dem Kurs: spieletester.phil.hhu.de.

Ehe

Bei der Behandlung des Themas Ehe in „Catherine“ spielt eine zentrale Rolle, ob der Protagonist sich langfristig an seine Partnerin binden möchte. Sein Zwiespalt zwischen Zuneigung und Bindungsängsten manifestiert sich in der Frage: „Soll Vincent seine Freundin heiraten oder nicht?“
Die beginnt gleich zu Anfang, das Thema Heirat zu eröffnen. Vince unterbindet diesen Dialog, bevor er wirklich starten kann. Nichtsdestotrotz befindet er sich damit in einer Drucksituation, die Ausgangspunkt für die moralischen Fragen im Spiel werden. Grundsätzlich funktioniert die Ehe als Mittel der Bindung, ähnlich wie im weiteren Verlauf eine mögliche Schwangerschaft von Katherine.
Ein Element im Gameplay, indem die Ehe immer wieder Gegenstand einer moralischen Auseinandersetzung ist, befindet sich mit dem Beichtstuhl am Ende von Puzzle-Episoden. Dort ist die Bewertung von Antworten klar verteilt. Zwar wird dem Spiel die Entscheidung überlassen, die Ehe zu bewerten. Doch durch das Bewertungssystem der Antworten konnotiert das Spiel die Institution positiv.
So wird die Ehe synonym mit einem sicheren und stetigen Leben verwendet. Daher verursachen Antworten, die die Institution Ehe befürworten grundsätzlich im Moralkompass einen Ausschlag Richtung „Law“. Vince selbst sieht zu Beginn des Spiels die Ehe als Gefängnis. Direkt nach seinem ersten Seitensprung empfindet der Protagonist Reue. Dennoch bleibt der Ausbruch aus der Beziehung mit Katherine, an deren Ende eine Hochzeit steht, weiter eine Option. Je nach Spielart können sich unterschiedliche Konsequenzen ergeben.

Von Michael Swoboda & Niklas Tröschel // Wintersemester 2017/2018

Beziehung

Catherine und Katherine sind im Spiel die wichtigsten Bezugsperson für Protagonist Vincent. Dabei stellt nicht nur Katherine als langjährige Partnerin die Vorstellung von einer Liebesbeziehung fest. Nach dem ersten Seitensprung forciert Catherine ebenfalls eine Beziehung mit Vincent. Dabei werden einige moralische Pfeiler relativ schnell deutlich. Während Vincent sich für das Betrügen seiner Freundin schuldig fühlt, macht auch Catherine am zweiten Morgen schnell klar, dass Vincent tun kann, was er will, solange er sie nicht betrügt. Später droht sie ihm sogar im Fall der Untreue mit dem Tod. Später ändert sie scheinbar ihre Haltung. Als Vincent ihr von seiner Partnerschaft erzählt, zeigt sie sich bereit, die Beziehung polygam weiter zu führen, solange sie die „Nummer 1“ bleibt. Treue und dementsprechend Monogamie scheint für das Spiel nichtsdestotrotz ein zentraler Eckpfeiler für eine zu befürwortende Beziehung zu sein. Denn auch die Entscheidungsfragen im Beichtstuhl drehen sich häufig um das Thema Treue.
Jemand gräbt Ihren Partner an! Was machen Sie?
Law: Dem Partner vertrauen // Chaos: Dazwischen gehen
Hier zeigt sich, dass Treue und damit einhergehendes Vertrauen positiv bewertet werden. Grundsätzlich sollen negative Aspekte einer Beziehung nicht gleich zum Anlass für dessen Ende genommen werden. Klare Grenze ist dabei ein Verhältnis zu einer dritten Person.
Ihr Partner betrügt Sie. Was machen Sie?
Law: Die Beziehung beenden // Chaos: Auch betrügen
Hier scheint selbst das Bemühen um den Partner als „chaotisch“.

Von Michael Swoboda & Niklas Tröschel // Wintersemester 2017/2018

Alkohol

Seitdem Vincent Catherine getroffen hat, scheint sein Leben aus den Fugen zu geraten. Den Stress, kurz vor einer langfristigen Bindung zu stehen und gleichzeitig die Beziehung mit einer Affaire zu gefährden, versucht der Protagonisten über weite Strecken des Spiels mit einem einfachen Mittel zu kompensieren: Er trinkt.
Nicht umsonst findet das Rollenspiel hauptsächlich in einer Bar statt. Dort kann Vincent so viel Alkohol bestellen, wie er möchte. Dabei wählt er zwischen Sake, Bier, Cocktails und Whiskey aus. Je nachdem was „Vince“ verlangt, bietet das Spiel Informationen zum Getränk. Von Anleitungen für bestimmte Cocktails bis zu Erläuterungen zum Begriff „Bierbauch“. Nimmt er dann einen kräftigen Schluck, hat das einen kurzfristigen Effekt. Die Einnahme des Getränks lässt ihm über sein aktuelles Problem reflektieren. An sich selbst gerichtet schmiedet er meist einen Plan für den kommenden Tag. Im weiteren Verlauf lösen sich seine meist guten Vorsätze jedoch häufig in Luft auf.

Kämpft Vincent nachts in seinen Träumen ums Überleben, spielt der zuvor konsumierte Rolle ebenfalls eine entscheidende Rolle. Eine Anzeige in Flaschenform gibt Auskunft über den Grad der Alkoholisierung. Drei Flaschen sind das Maximum. Vincent kann zwar mehr trinken, der Effekt bleibt jedoch gleich: Je mehr Alkohol er intus hat, desto schneller bewegt er sich von Block zu Block. Viele Fallen können mit schneller Reaktion überlistet werden. Schnellere Bewegung ist da entscheidender Vorteil.
Zwar spielt Alkohol bei „Catherine“ nur eine untergeordnete Rolle. Es ist dennoch nicht zu unterschätzenden auf wie vielen Ebenen Alkohol einen positiven Effekt auf das Leben des Protagonisten hat. Tagsüber lässt er Vincent seine Probleme in Ruhe Revue passieren, nachts kann es ihm durch schnellere Bewegungen das Leben retten. In den Zwischensequenzen nimmt „Vince“ ebenfalls eine ganze Reihe von Getränken zu sich. In Panik vor der anstehenden Lebensentscheidungen greift er beherzt zu. Bedenklich dabei ist nicht das Vorhandensein von Alkohol an sich, oder die in Teilen durchaus interessanten Infotexte zu Getränken, die im täglichen (oder nächtlichen) Leben durchaus eine Rolle spielen können. Zu kritisieren ist das Ausbleiben von negativen Konsequenzen bei übermäßigen Konsum. Ein leicht debiler Laufstil in der Bar ist der einzige Effekt auf Vincent. Was er tut oder sagt bleibt unbeeinflusst. Alkohol als einen Teil der Spielwelt zu integrieren ist legitim, in der realen Welt ist es nicht anders. Doch in „Catherine“ wir eine Art Trinkkultur zelebriert – negative Konsequenzen werden dabei weitestgehend ausgeblendet.

Von Michael Swoboda & Niklas Tröschel // Wintersemester 2017/2018

Sex

Das Thema Sex nimmt bei dem Spiel eine große Rolle ein. Oft spürt der Spieler die Sehnsucht der Hauptfigur nach der körperlichen Liebe. Das Spiel hinterfragt vor allem die Motivation für Sex.
Beispielsweise bei der Frage:
Könnten Sie sich vorstellen, Sex mit einem attraktiven Geist zu haben?
Law : Keine Geister bitte // Chaos: Warum nicht?
Bei einem „ja“ wird Vincent näher ans Chaos geführt. Sex zur reinen Befriedigung der Gier hat für den Charakter also negative Konsequenzen. Somit ist zu vermuten, dass eine monogame Beziehung als fördernd angesehen wird. Der Eindruck verstärkt sich bei nach genannter Frage:
Ihr Partner betrügt Sie. Was machen Sie?
Law: Die Beziehung beenden // Chaos: Auch betrügen

Allerdings bezieht sich das Spiel nicht nur auf die reine Ausübung der körperlichen Liebe, sondern auch schon auf die Gedanken und die reine Lust auf den Beischlaf. So muss der Spieler häufig entscheiden, ob Vincent den Verführungen von Catherine widersteht oder ihnen verfällt. Sie agiert häufig als Sirene, wenn sie Bilder schickt und Vincent entscheiden muss ob er sie öffnet oder wenn sie eindeutige Angebote gemacht. Allein der Gedanke auf die Angebote einzugehen, wird als chaosfördernd eingestuft.
Daher überrascht auch folgende Frage nicht:
Welche Art der Untreue ist schlimmer?
Law: Emotionale Untreue // Chaos: Körperliche Untreue
Die Suche nach einem Abenteuer und die Lust auf eine risikoreiche Affäre ist der Motor für die Beziehungskrise, in der sich Katherine und Vincent befindet.

Von Michael Swoboda & Niklas Tröschel // Wintersemester 2017/2018

Freunde

Das Thema Freunde drängt sich beim ersten spielen nicht in den Mittelpunkt. Daher überrascht die folgende Frage im Spiel:
Für wen würden Sie sich entscheiden? Bester Freund oder Partner?
Law: Partner! // Chaos: Freund!

Warum führen Freunde ins Chaos, warum werden Partner gegen Freunde ausgespielt? Um das zu beantworten, lohnt eine nähere Betrachtung des Spiels, denn für Vincent sind Freunde wichtig. Sie sind der Hafen für ihn, ohne dabei viel zu agieren. Sie wirken selber niedergeschlagen. Selten greifen sie durch Ratschläge in das Leben von Vincent ein. Allerdings resultiert daraus auch eine demotivierende Ausstrahlung, die die scheinbar ausweglose Situation, in der sich Vincent befindet, unterstreicht. Anders ist das Verhältnis zu Erica. Sie arbeitet als Thekenkraft in dem Lokal. Im Spiel hakt sie nach, stellt Fragen und gibt Ratschläge. Sie scheint die große Unruhe, die in Vincent herrscht, zu spüren. Zwar redet sie ihm ins Gewissen und beeinflusst damit indirekt den Spieler, dennoch sind die Freunde für den Handlungsstrang nicht entscheidend. In Abgrenzung zu seiner Freundin. Sie ist der Ausgangspunkt für das Unheil, das ihm widerfährt. Das zeigt: Freunde werden als Hafen gesehen, den man verlassen kann. Die Beziehung zum Partner wird als eine engere Bindung interpretiert, die wichtig für die Stabilität des Lebens ist.

Von Michael Swoboda & Niklas Tröschel // Wintersemester 2017/2018

Beruf und Konkurrenz

Vincent muss bei seinen nächtlichen Klettereien gelegentlich andere Schafe in den Tod stoßen, um erfolgreich den Berg zu erklimmen. Um wieder ein normales Leben führen zu können, muss er somit das Leben anderer zerstören. Allerdings weiß er nicht, welches Leben er zerstört, schließlich sind alle Akteure Schafe. Interessanterweise spiegelt sich diese Moral nicht in den Fragen wieder. Die Karriere wird nicht als Ziel des Lebens definiert. Bei einem ordentlichen Leben wird der Job nur als ein Teil des Lebens begriffen:
Steht Ihr Job bei Ihnen immer an erster Stelle?
Law: Nein // Chaos: Ja
Der Konkurrenzkampf um das Überleben kann als Dystopie auf ein Leben verstanden werden, welches das Ziel hat, der Beste zu sein:
Welches Leben ist besser?
Law: Lang und glanzlos // Chaos: Kurz und reichhaltig

In dem Zusammenhang sind auch die unterschiedlichen Frauentypen zu betrachten. Catherine ist Ausdruck des Verspielten, des Unberechenbaren. Ihre Zöpfe wie bei einem Schulmädchen zusammengeflochten, ihre Art unterwürfig, aber gleichzeitig dominant im Ziel ihn zu verführen.
Katherine wirkt im Gegensatz dazu erwachsener, ihre Kleidung zurückhaltender. Beide können damit als Sinnbild für die beiden divergierenden Lebensentwürfe gesehen werden.

Von Michael Swoboda & Niklas Tröschel // Wintersemester 2017/2018