Sony Wonderbook

Zwischen virtuellem Pop-Up Buch und Edutainment-Wunder

Wenn Eltern ihren Kindern vorschlagen ein Buch zu lesen, stoßen sie nicht selten auf Frust und Widerwillen. Diesem Problem möchte Sony mit dem Wonderbook begegnen. Es lässt das klassische Bücherlesen mit dem interaktiven Gefühl eines Spiels verschmelzen. Dieses Prinzip könnte nicht nur für Kinder interessant sein.

  

 

Das Wonderbook sieht zunächst von außen aus wie ein normales Buch. Schlägt man jedoch die erste Seite auf, springt dem Spieler sofort ein großer QR-Code ins Auge. Es ist also kein herrkömmlicher Text zu sehen. Das Wonderbook funktioniert mit der Move™-Kamera für die Playstation 3. Weiterhin wird ein Move™-Controller benötigt. 

Der Aufbau gestaltet sich denkbar einfach. Kamera verbinden, Controller in der Konsole registrieren und das Buch im Sichtfeld der Kamera platzieren und öffnen. Wenn man nun auf den Fernseher schaut erscheint das Wonderbook nun nicht mehr blau und mit QR-Codes, sondern hat sich in ein braunes, altes Buch mit Ledereinband verwandelt. Der Move-Controller sieht auch nun nicht mehr wie ein Mikrofon mit Leuchtkopf aus, sondern wie ein hölzerner, knöcherner Zauberstab. Diesen kann der Spieler eigenständig aus 3 vorgefertigten Modellen je nach Belieben auswählen.

Das erste Spiel, welches in verschiedenen Bundles mit dem Wonderbook erscheinen wird, ist „Das Buch der Zaubersprüche – von Miranda Habicht“. Dieses Spiel entstand in Zusammenarbeit mit J.K. Rowling, der Autorin der Harry Potter Bücher. Wem „Wingardium Leviosa“. Miranda Habicht ist eine fiktive Person, welche das Buch vor 200 Jahren geschrieben haben soll. Wem „Lumos“ oder „Accio“ bekannt vorkommen, der liegt mit der Vermutung richtig, dass dieses Spiel dem Zauberlehrbuch aus den Harry Potter Filmen entspricht. Man erlernt fast alle Zaubersprüche aus dem bekannten Harry Potter Universum nicht nur durch das Schwingen eines Zauberstabs, sondern muss sie auch noch laut und deutlich nachsprechen, das kamerainterne Mikrofon erkennt die ausgesprochenen Zaubersprüche.

 

Das Erlernen eines Zaubers hat immer eine feste Reihenfolge. Zunächst besteht die Möglichkeit zu jedem Zauber die Entstehungsgeschichte zu erfahren. Dazu erscheint über dem Wonderbook, welches sich auf dem Bildschirm von einem blauen Pappbuch in ein richtiges Zauberbuch verwandelt hat, eine Art Papp-Theaterbühne in einem 3D-Modell. Man kann das Buch hochheben und drehen und sowohl von oben in das Theater hineinsehen, als auch von der Seite. Es wirkt als ähnlich wie bei einem Pop-Up, das aus dem Buch hochgeklappt. Das Theaterstück wird mit einem Erzähler aus dem Off unterstützt, der fortführend als unser Zauberlehrer agiert. Es werden um jeden Zauberspruch witzige Geschichten aus verschiedenen Jahrhunderten erzählt. Beispielweise erfindet ein Dieb den Alohomora-zauberspruch, um Schlösser lautlos öffnen zu können. Diesen Spruch wenden nun aber auch viele andere Zauberer an und er hält sich einen riesigen Löwen, der sein Hab und Gut schützen soll. Eines Tages vergisst er den Löwen zu beruhigen und wird von ihm gefressen. Diese und ähnliche witzige Geschichten, die die Zauberspruchherkunft mit Missgeschicken und Malheuren ausschmücken, gestalten die Spielwelt kindgerecht und interessant.

Als nächsten Schritt beim Erlernen eines Zauberspruchs wird man aufgefordert das dazugehörige Wort laut und deutlich auszusprechen. Das Wort wird vom Zauberlehrer vorgesprochen und mit Tipps zur Aussprache wird man angewiesen ihm nachzusprechen.

Nun geht es über zum richtigen Zaubern. Man erfährt vom Zauberlehrer die Geste, die man mit seinem Zauberstab, in diesem Falle dem Move-Controller, nachahmen soll. Dies muss nicht perfekt, aber erkennbar sein. Um ein Gefühl für den Zauber bekommen zu können werden kleinere Aufgaben gestellt, wie beispielweise das vorsichtige Anheben eines Glases oder eines Frosches. Diese Elemente erscheinen auf dem Fernsehbildschirm in einem 3D-Modell auf dem Buch. Das reale Buch liegt weiterhin offen mit den QR-Codes sichbar für die Move™-Kamera auf dem Tisch und weist keine Veränderung auf. Das ganze Spielgeschehen findet auf dem Fernsehbildschirm statt.

Nach den kleineren Übungsspielchen sind größere Aufgaben zu bewältigen. Dazu wird das Bild des Spielers inklusive Wonderbook und Zauberstab etwas verkleinert und ein größerer Raum erscheint. Man schaut als Spieler meist von oben auf das Spielgeschehen. Es gilt einem Wassergeist Zaumzeug anzulegen, mit dem „Lumos“-Zauber in einem dunklen Raum Dinge zu erkunden oder Alraunen, kleine wurzelartige Wesen, die lautlosschreien, sobald sie aus der Erde gezogen werden, umzutopfen. Diese Aufgaben gestalten sich etwas schwieriger, da man mit Zauberstab genau zielen lernen muss. Für die Lösung der Aufgaben gib es Hauspunkte, angelehnt an die vier Häuser in der Zauberschule Hogwarts. Je schneller und präziser man die  Aufgaben löst, desto mehr Hauspunkte können gesammelt werden. Zudem gibt es die mittlerweile üblichen Achievements für das Playstation Network für vollendete Aufgaben und Kapitel.

Dieser Ablauf gestaltet sich in für jeden Zauberspruch in etwa gleich. Nach Abschluss eines Kapitels werden alle erlernten Zaubersprüche in einer umfassenden Prüfung erprobt und man kann seine Erfahrung auffrischen. Die darauffolgenden Kapitel greifen stellenweise die schon erlernten Zaubersprüche auf. 

 

Der Umgang mit dem Zauberstab ist sehr intuitiv erlernbar. Man sieht auf dem Bildschirm direkt, was man tut und erhält somit eine direkte Erfahrung des eigenen Handelns; In diesem Falle das Zaubern. Die Spielwelt und die grafische Gestaltung sowie die Vertonung der Geschichten und der Zauberkurse ist für Kinder ansprechend gestaltet. Schreckmomente werden mit musikalischer Untermalung und ironischen Kommentaren zu Missgeschicken heruntergespielt und die beruhigende, sonore Stimme des Zauberlehrers lässt in keiner Situation Unbehagen oder Angst aufkommen. Es wird somit eine geschützte Atmosphäre geschaffen in der sich das Zaubern zwanglos erlernen lässt. Die USK- Einstufung ab 6 Jahren ist gerechtfertigt, denn zum einen sind Vorkenntnisse in der Harry Potter Welt ausschlaggebend für den Spielspaß, aber nicht zwingend notwendig. Zum anderen werden viele Aufgaben nicht nur durch Sprache vorgegeben, sondern auch in Textform dargestellt. Die Fähigkeit zu lesen ist hier von Vorteil. Die Fähigkeit zur Abstraktion der herbeigezauberten Wesen und des Spielgeschehens in Verbindung mit dem Realitätsbezug durch das reale Buch vor dem Spieler ist mit 6 Jahren ausreichend vorhanden.

 

Das Wonderbook in Verbindung mit dem Buch der Zaubersprüche bietet für Harry Potter Begeisterte und Kinder im Alter zwischen 6-10 Jahren eine gelungene und spannende Möglichkeit selbst den Zauberstab zu schwingen, die aus den Filmen bekannten Sprüche auszuprobieren und seine Fähigkeiten als Zauberer unter Beweis zu stellen. 

Die neue Technik des Wonderbooks 3D-Inhalte mit dem Buch, welches fassbar vor dem Spieler liegt, birgt ein ganz neues Spielgefühl. Man erlebt Dinge und verspürt die direkte Einflussnahme auf Abläufe. Das Medium Buch versprach bislang keine Möglichkeit von großer Interaktion. Man darf gespannt sein, ob sich weitere spannende Spielinhalte für das Wonderbook finden und umsetzen lassen. Denkbar wären in Zukunft Spiele, die das Lesen und Schreiben unterstützen oder Malsoftware. Interessant ist auch der Gedanke Märchen und beliebte Kindergeschichten interaktiv neuzugestalten. So könnten Klassiker wie Grimm´s Märchen neue Begeisterung durch das Wonderbook erfahren. Diese Ausblicke sind speziell auf Kinderinteressen gerichtet. Für ältere Jugendliche oder Erwachsene könnten Krimi, Science-Fiction oder aktuelle Bestseller Romane mit dem Wonderbook interaktiv und auf eine neue Art erlebbar umgesetzt werden. Die bisherige Umsetzung lässt viel Raum für kreative Ideen rund um das „alte Medium“ Buch.

Derzeit wird das Wonderbook ohne ein Move-Starter Set für rund 39,95€ angeboten. Zum Kauf einer neuen Playstation 3 Superslim ist ein Bundle mit Move-Starter Set und inklusive Wonderbook erhältlich. Für die reine Hardware inklusive des Spiels „Das Buch der zaubersprüche“ ist im Vergleich zu aktuellen VollpreisSpielen mit rund 70€ eine günstige Spielsoftware. Hier stimmt das Preis/Leistungs-Verhältnis.