Silver Gamer in Köln

Senioren spielen Computerspiele

Wer behauptet, Senioren und Computerspiele passen in etwa so gut zusammen wie Joggen und Stöckelschuhe, der hätte sich bei den Silver-Gamer im Oktober 2009 eines Besseren belehren lassen können. An einem ganz gewöhnlichen Montagnachmittag verwandelte sich der Festsaal des Seniorenzentrums Riehl in eine „ kleinere Ausgabe der gamescom “, so der Geschäftsführer Otto Ludorff bei seiner Eröffnungsrede. 

Von Nicola Furch


An die Spiele, fertig, los…

An 10 Spielstationen und einer PC-Insel probierten etwa 100 Besucher die gängigen Computer- und Konsolenspiele aus, spielten miteinander oder gegeneinander und informierten sich über Allgemeines aus dem Bereich der Computer und Spielekonsolen. Den größten Teil der Besucher stellten Bewohner dieser Einrichtung, aber auch Senioren aus der Umgebung interessierten sich für die Veranstaltung. Das kostenlose Angebot wurde im Vorfeld beworben und war nicht nur für SBK-Bewohner offen, sondern auch für alle interessierten Kölner über 55 Jahre.

An jeder Station bekamen die Teilnehmer von Medienpädagogen eine Einweisung in das jeweilige Spiel und eine Hilfestellung bei der Steuerung.
In diesem geschützten Rahmen erhielten ältere Menschen die Möglichkeit, sich an neue Techniken heranzuwagen. Für viele Besucher war es besonders erfreulich, dass sich einige Jugendliche aus den Spieletestergruppen und der Jugendredaktion des Spieleratgeber-NRW eingefunden hatten, um die Senioren z.B. am PC-Tisch zu unterstützen und anzuleiten. Mit viel Freude, Geduld und Engagement brachten sie die Spiele, die bereits in den Testergruppen gespielt wurden, der älteren Generation näher.
Durch die Mitwirkung junger Menschen an der Aktion, sei es durch Jugendliche aus den Testergruppen oder Studenten, sollte die Verständigung der Generationen untereinander gefördert werden. Jung und Alt spielten miteinander und kamen dabei ins Gespräch.


Welche Spiele eignen sich?

Die ausgewählten Spiele sollten die  Kommunikation untereinander anregen, die Senioren geistig aktivieren, ihnen aber vor allem Freude bereiten. Außerdem sollte die Neugier auf die vielen Möglichkeiten, Spiele am PC oder mittels einer Spielkonsole zu spielen, geweckt werden. Auf diese Weise wurden Bewegung und Aktivität selbst bei solchen Senioren wiedererweckt, die sich schon lange nicht mehr körperlich betätigt hatten.
So wurden nicht nur Murmeln durch ein Labyrinth balanciert oder Figuren durch tippen auf einen Karton bewegt, sondern auch an der X-Box 360 mit dem Rennwagen durch die Straßen geheizt, auf der Playstation3 Fußball gespielt und mit dem Wii-Balance-Board Yogaübungen gemacht. An den PCs wurde vorrangig das Gedächtnis und das logische Denken trainiert.
Ein besonderes Augenmerk lag auf der Handhabung der Spiele. Die teilnehmenden Senioren sollten insbesondere bei der Bedienung der Spiele möglichst wenige Probleme haben. Die Steuerung darf nicht zu kompliziert sein und am besten Schritt für Schritt erklärt werden. Hier trifft das Prinzip „Weniger ist Mehr“ in Kraft, denn zu viele Funktionen überfordern zu schnell. Zudem ist zu beachten, dass Grafik und Darstellung des Spiels groß genug, aber nicht zu vollgepackt sind, damit sich der Spieler auf die wesentlichen Aufgaben konzentrieren kann und das Spiel jederzeit begreifbar bleibt. Denn ein zu hektisches, aufregendes oder unübersichtliches Spielprinzip kann vor allem Senioren schnell entmutigen.

Sehr günstig ist es, wenn Themen in den Spielen aufgegriffen werden, die der Spieler aus realen Erfahrungen kennt. So sind einige Spiele selbsterklärend und man weiß, was z.B. beim Wii-Golf zu tun ist. Wie auch bei der jungen Generation zeigte sich, dass eher solche Spiele angesteuert werden, die die Interessen und Hobbies des Einzelnen aufgreifen. So schnappt sich ein fußballbegeisterter Mensch eher den Controller für FIFA09 und jemand, der gerne knobelt und rätselt, zieht das Gehirntraining vor.

Generell gilt für Senioren: Keine Angst vor Computerspielen – einfach Probieren und Mitmachen! Spaß und Bewegung stehen im Vordergrund. Niemand blamiert sich, wenn es mit dem Spiel nicht auf Anhieb klappt!

Folgende Spiele wurden eingesetzt.

Am PC:
• Peggle - Geschicklichkeit
• Gehirntraining mit Dr. Kawashima - Denken und Geschicklichkeit
• Augentraining am PC - Denken und Geschicklichkeit
Crayon Physics Deluxe - Denken und Geschicklichkeit durch Malen
Crazy Machines 2 - Denken und Geschicklichkeit
• Mehr Gehirnjogging - Denken und Geschicklichkeit

An der Nintendo Wii:
• Mario und Sonic bei den Olympischen Spielen - Sport
• Wii Sport Resort - Sport
Wiifit – Sport
Boom Blox - Geschicklichkeit
Kororimpa - Geschicklichkeit
Wii Sport - Bowling und Mehr
• Let’s tap - Geschicklichkeit und Fingerspitzengefühl

An der x-box 360:

• Need for Speed Shift - Autorennen

An der Playstation 2 und 3:

SingStar Schlager - Karaoke an der Konsole
Fifa 09 - Fußball


Die Computerspielbranche entdeckt Senioren als potentiellen Kunden


In den letzten Jahren war zu beobachten, dass die Computerspielbranche ihre Zielgruppe mehr und mehr erweitert. So fühlten sich z.B. von dem Kassenschlager „Die Sims“ (Simulationsspiel) hauptsächlich Mädchen angezogen. Mit „Dr. Kawashimas Gehirn Jogging“ für den Nintendo DS werden zudem Erwachsene angesprochen. Außerdem ist die Spielekonsole Wii von Nintendo nicht nur bei Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern beliebt, sondern wird immer mehr von der älteren Generation entdeckt. Dies liegt insbesondere an dem leicht zu bedienenden Spielprinzip: Mit einer Art Fernbedienung in der Hand werden Bewegungen auf den Bildschirm übertragen. So kann man Sportarten wie z. B. Bowling, Tennis und Golf in den eigenen vier Wänden spielen, ohne auf den entsprechenden Platz gehen oder eine Halle aufsuchen zu müssen. Diese Spiele erfreuen sich mittlerweile bei Senioren großer Beliebtheit, weil hier Reaktion und Hand-Auge-Koordination trainiert werden und kleine Bewegungen auch im Sitzen durchgeführt werden können.
Einige Einrichtungen für Senioren haben bereits das Interesse an dem Medium bekundet. So treffen sich seit Anfang 2009 im SBK zweimal wöchentlich mehrere Teams zum virtuellen Bowling. Acht Teilnehmerinnen wurden sogar Bundessieger bei der Wii Sports Bowling Seniorenmeisterschaft Deutschland im Juli 2009.

Nicht nur die Wii kam bei den Besuchern gut an. Mit Sing Star für die Playstation 2 wurden munter Schlager gesungen. In diesem Bereich hat sich Sony mit einer großen Palette an verschiedenen Musikrichtungen immer mehr Nutzer-gruppen geangelt.
Beim Karaoke-Singen mit Liedern wie „An der Nordsee-küste“ oder „Fiesta Mexikana“ erinnerte die 1. Silver-Gamer an ein großes stimmungsvolles Fest für Jung und Alt. Mit dem Kommentar: „Ich hab ja nichts zu verlieren“ gaben besonders die Teilnehmerinnen ganz unbekümmert allzeit beliebte Hits zum Besten.

Eine solch gelungene Aktion ruft nach einer Wiederholung, so wird es im kommenden Jahr sicherlich eine 2. Silver-Gamer in Köln geben.