Bundestag sieht Computerspiele als Leitmedium

Bei der Präsentation des „Medien- und Kommunikationsbericht 2008“ diskutierten Deutsche Politiker unter Anderem die aktuelle Bedeutung von Computerspielen. Viele sehen in Spielen das neue Leitmedium jüngerer Generationen. Für Kulturstaatsminister Bernd Neumann "bilden sich bei jungen Nutzern mit den interaktiven Bildschirmspielen neue Leitmedien heraus. Sie verdrängen bei den Jugendlichen die Medien Tonträger, Film und Fernsehen aus ihrer Rolle als Leitmedien." Die Rolle von Computerspielen als neues Leitmedium bestätigt auch SPD-Abgeordnete und Sprecherin der Arbeitsgruppe Kultur und Medien, Monika Griefahn. „Computerspiele haben heute - wie der Film - eine ganz wichtige Funktion auch im künstlerischen Bereich. Die Musikentwicklung, die Designentwicklung, die Kostümentwicklung und alles, was im Film passiert, gibt es auch in den Computerspielen.“
Sehr positive Reaktionen gab es auch aus den Reihen der, sonst eher spielekritischen Fraktion der CSU. CSU-Abgeordnete Dorothee Bär erklärte: „Als Mitglied der Jury kann ich versichern, dass es ganz außergewöhnliche Spiele gibt, die künstlerisch und pädagogisch wertvoll sind. Deswegen ist es wichtig, dass wir an die Gegner, die immer alles pauschal verurteilen, das klare Signal senden, dass durch die Forderung nach einem pauschalen Verbot nur die ganze Branche verunglimpft wird und dadurch geleugnet wird, dass die Computerspiele zur großen Vielfalt der Kulturlandschaft Deutschlands beitragen.“
Anstatt der üblichen Rufe nach Verboten ruft Bär die Schulen auf, das Thema Medien dort verstärkt aufzugreifen. Für Bär ist klar, „dass ein Fach wie Medienkunde heutzutage eigentlich unabdingbar ist.“ Bär fordert einen neuen Ansatz beim Jugendschutz. Die Trennung der Medien durch die verschiedenen Prüfungsbehörden wie USK für Filme und FSK für Filme sei heute womöglich nicht mehr zeitgemäß. „Wir müssen uns stärker mit der Frage auseinandersetzen, ob für das Zusammenwachsen der Medienstrukturen nicht eine sektorübergreifende Medienordnung notwendig ist. Ich glaube, ja.“

Quelle: Golem.de