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Cloudpunk
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Cloudpunk

Genre
Action-Adventure
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
ION LANDS, Maple Whispering Limited
Erscheinungsjahr
2020.04
Systeme
PC, Playstation 4, Xbox One, Nintendo Switch
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Abenteuer als Lieferfahrerin im Cyberpunk-Setting
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Fans von gesellschaftskritischen Geschichten, Neo-Noir-Ästhetik und Liefermechaniken in Spielen
Sprache
englische Vertonung, deutsche Untertitel
Grafik
Cyberpunk-Ästhetik und Minecraft-Optik
Sound
Mischung aus belebter Hightech-Großstadt, isolierter Unterwelt und futuristischen Klängen

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Lieferfahrerin Rania
Mehrspielermodus
nicht vorhanden
Spielforderungen
Interesse an einfachem Gameplay kombiniert mit tiefgehender Geschichte
Zusatzkosten
Sequel-DLC namens City of Ghosts
Problematische Aspekte
Schimpfwörter und gesellschaftskritische Themen
Redaktion
Dustin Heye
Spieleratgeber-NRW
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Siehe auch

Spielbeschreibung:
Du lieferst Pakete von A nach B und stellst keine Fragen! Das ist die Philosophie der illegalen Lieferfirma Cloudpunk, zu deren Zuständigkeit die Cyberpunk-Metropole Nivalis gehört. Trotz ästhetischer Licht- und Laser-Optik, die die ganze Stadt schmückt und einer Hightech-Gesellschaft mit fliegenden Autos, ausgereiften künstlichen Intelligenzen, Hologrammen und sonstigen technischen Innovationen, herrschen dystopische Zustände. Kriminelle Untergrundorganisationen, illegale Machenschaften und skurrile Aufzüge, die Menschen fressen wollen. Mittendrin befindet sich Protagonistin Rania, die für Cloudpunk als Paketlieferantin in ihrem fliegenden Auto unterwegs ist. Auch wenn sich Rania anfangs versucht, aus den Problemen der Gesellschaft rauszuhalten, gerät sie verstärkt in moralische Dilemmas und erfährt, dass ihr Umfeld und die Gesellschaft einige Geheimnisse hüten, wie etwa die Bedeutung hinter der Abkürzung CORA.

Pädagogische Beurteilung:
Du lieferst Pakete von A nach B … wortwörtlich
Was wie ein interessanter Aspekt der Spielbeschreibung wirkt, ist tatsächlich der Kern des Gameplays. Denn das ganze Spiel über geht es wahrlich darum, Pakete von Punkt A nach Punkt B zu liefern. Nebenbei entwickelt sich die Handlung, die das Spiel und die Charaktere vorantreibt und viele neue Details über die Spielwelt offenbart. Die Mechanik, wie hier Handlung und Gameplay kombiniert werden, erinnert hierbei stark an Death Stranding. Das Gameplay überfordert hierbei nie und ist auch für Einsteiger*innen geeignet, erfahrene Spieler*innen könnten sich jedoch mit der Zeit gelangweilt fühlen, weil durchaus eine gewisse Repetivität entstehen kann. Hin und wieder sorgen Aufgaben aber auch für kleine Variationen, zum Beispiel wird Rania bei einer Lieferung von ihrem Fahrzeug getrennt und muss einen alternativen Weg finden.

Vielfältige Charaktere treiben Handlung voran
Die interessante Rahmenhandlung entfaltet sich langsam während der Missionen und zeichnet sich durch eine Vielfalt an Charakteren aus, die alle durch ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten glänzen. Die große Vielzahl ermöglicht es auch, Bindungen zu den Charakteren aufzubauen. Dazu gehören Camus, eine scharfsinnige künstliche Intelligenz in Form eines Hundes, oder Huxley, ein Privatdetektiv, der sämtliches Geschehen, ähnlich wie es in alten Detektivgeschichten der Fall ist, aus der dritten Person und mit diversen Metaphern beschreibt. Die Handlung demonstriert dazu die Vielschichtigkeit, die eine Gesellschaft bieten kann. Armut, Reichtum, Zensur, Kriminalität und Mentalitäten, die sich nicht einfach den Kategorien Gut oder Böse zuordnen lassen. In Cloudpunk haben die Charaktere ihre Gründe, warum sie sich so benehmen, wie sie es tun, wodurch sie authentisch wirken. Spieler*innen lernen hier viel über gesellschaftliche Schichten und wie diese Menschen prägen und ihre moralischen Prinzipien beeinflussen können.

Moralische Dilemmas sorgen für Variation
Die Spieler*innen liefern zwar Pakete aus, befinden sich aber bei weitem nicht in der Rolle einer neutralen Lieferantin. Immer wieder werden sie in moralisch fragwürdige Situationen geworfen. So fängt ein Paket beispielsweise plötzlich an zu ticken. Die Vermutung, dass es sich um eine Bombe handelt, liegt nahe. Lieferst du sie trotzdem an die Adresse aus und riskierst, dass die Empfänger und unschuldige Menschen im Umfeld eventuell verletzt werden? Oder lässt du das Paket verschwinden und riskierst Ärger vom Arbeitgeber und persönliche Drohungen vom Absender? Ein anderer Lieferauftrag wurde vom Empfänger abgelehnt, da er das Paket, welches sehr wertvolle Gegenstände enthält, nicht mehr benötigt. Da Protagonistin Rania sehr knapp bei Kasse ist und ein Leben in Armut führt, stellt sich die Frage, ob man die Gegenstände verkauft und das Geld behält, oder das Paket pflichtbewusst wieder beim Arbeitgeber abgibt. Solche Entscheidungen ziehen sich durch das gesamte Spiel und beeinflussen das Geschehen. Spieler*innen lernen, sich mit Entscheidungen sowie den Konsequenzen und Auswirkungen auseinanderzusetzen, da die große Spielwelt auf die Handlungen und Entscheidungen reagiert.

Noch nie haben Pixel so schön ausgesehen
Die Spielwelt besteht aus der Cyberpunk-Metropole Nivalis und bietet dementsprechend durchgehend eine wunderbare Licht- und Laseroptik, die stark an Cyberpunk 2077 erinnert und ästhetisch ein innovatives Erlebnis bietet. Vor allem jüngere Spieler*innen werden sich durch das visuell ansprechende Neo-Noir Setting in die Welt hineingezogen fühlen, die auf den ersten Blick eine Mischung aus Party, Freiheit und Abenteuer vermittelt. Was dieses Cyberpunk-Erlebnis so besonders macht, ist die zeitlose, stilistische Pixel-Grafik. "Cyberpunk 2077 meets Minecraft" beschreibt die Grafik am besten. Durch die stilisierte Optik wird auch die Wirkung der teilweise düsteren und zynischen Atmosphäre sowie der erwachsenen Thematiken für Jüngere abgemildert. Aber auch darüber hinaus schafft die Grafik einen individuellen Stil, der dem Spiel eine persönliche Note verleiht.

Fazit:
Cloudpunk greift ernste Themen wie Kriminalität, Gewalt oder Propaganda auf, aber geht nicht in zu explizite oder gewaltvolle Dimensionen über. Die Themen wie Moral, Leid und Unrecht werden hauptsächlich in Form von Dialogen vermittelt, aber nie explizit dargestellt, auch wegen der minimalistischen Pixel-Grafik. Das Gameplay kann gerade für jüngere und unerfahrene Spieler*innen eine Möglichkeit sein, Videospiele kennenzulernen und gleichzeitig in eine tiefgründige Handlung einzutauchen.