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Through the Darkest of Times
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Through the Darkest of Times

Genre
Strategie
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 14 Jahre
Vertrieb
HandyGames
Erscheinungsjahr
2020.01
Systeme
PC, Playstation 4, Xbox One, Nintendo Switch, iOS, Android
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Historisch korrektes Strategiespiel in bedrückender Atmosphäre
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
lesefreudige Spieler_innen mit Interesse für deutsche Geschichte
Sprache
Deutsch
Grafik
durchdachter Stil, erinnert an den Expressionismus
Sound
atmosphärisch, bedrückend

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Widerstandsgruppe
Mehrspielermodus
nicht vorhanden
Spielforderungen
Leselust, Kontextverständnis
Zusatzkosten
nicht vorhanden
Problematische Aspekte
Gewalt, sehr textlastig
Redaktion
Jan Wall
Spieleratgeber-NRW
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Spielbeschreibung:
Through the Darkest of Times beweist uns, dass Spiel und Spaß nicht Hand in Hand gehen müssen, denn das historische Strategiespiel schlägt uns im Minutentakt in die Magengrube. In die Rolle des Widerstands gegen den Nationalsozialismus versetzt, erleben wir die dunkelste Zeit Deutschlands in Spielform - akkurat und hoffnungslos.

Pädagogische Beurteilung:
Der Anfang
Die Geschichte startet mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler, doch bevor man sich als Widerstandsgruppe dem Regime stellen kann, benötigen wir unsere Hauptfigur, welche als Kopf der Gruppe agiert. Diese erstellen wir per Zufallsprinzip, was uns unter anderem Geschlecht, Name, Berufung und Ideologie auswürfelt. Außerdem besitzt unser Protagonist bzw. unsere Protagonistin wie jede andere Figur im Spiel 5 Talentpunkte, welche ebenfalls rein zufällig bestimmt werden.
Nachdem wir uns in die Handlung begeben, schließen sich unserer Gruppe zwei weitere Mitglieder an, welchen wir Woche für Woche verschiedene Aufgaben zuteilen, um uns der steigenden Bedrohung durch die Nationalsozialisten entgegenzustellen.

Vorsicht und Fortschritt
Das Spielprinzip ist damit relativ simpel erklärt, denn im Kern ist TtDoT eben ein Strategiespiel. Die auf der abstrakten Karte von Berlin verteilten Aufträge setzen verschiedene Talente voraus, welche mehr oder weniger erfüllt werden können. Die Wahrscheinlichkeit des Erfolges, aber auch die Gefahr, entdeckt zu werden, sind von dieser Entscheidung beeinflusst. Wird man zu unvorsichtig und ignoriert die Gefahr, werden die Braunhemden aufmerksamer und kontrollieren das Stadtviertel vermehrt. Je öfter sich ein Mitglied dem Risiko aussetzt, desto höher steigt der Verfolgungsgrad und damit die Wahrscheinlichkeit, im Gefängnis zu landen. Außerdem müssen die Moral der Gruppe und die Anzahl der Unterstützer stets im Blick gehalten werden, um die eigene Existenz nicht zu gefährden. Mit 4-5 Stunden Spielzeit erscheint das Gameplay trotz der starken Geschichte teilweise aber etwas repetitiv.

Mehr als ein Stilmittel
Die gesamte Präsentation des Spiels könnte jedoch durchdachter nicht sein. Der Stil erinnert an den Expressionismus, eine von den Nazis als entartet propagierte Kunstform. Die dunklen, nur selten gebrochenen Farbtöne spiegeln die empfundene Stimmung passend wider. Die eingängige Grafik wird meist von früher Jazz-Musik begleitet, welche ebenfalls unter Hitler verboten war. In spannenden Momenten ist der Soundtrack drückend und einschüchternd, weshalb die in der Aufmachung einfach gehaltenen Dialoge nicht an Dramatik verlieren. Lesefaule Spieler_innen müssen sich für die komplette Erfahrung sehr investieren, denn Gespräche und Erzählungen sind außer weniger Ausnahmen nicht vertont.

Sozialadäquanz
TtdoT ist das erste Spiel, welches in Deutschland verfassungswidrige Symbole wie das Hakenkreuz oder den Hitlergruß zeigen darf. Der von der USK ab 12 Jahren freigegebene Titel fällt unter Berücksichtigung der sogenannten Sozialadäquanz, was eine Darstellung erlaubt, da sich klar gegen das NS-Regime positioniert wird und eine Verharmlosung oder Verherrlichung des Regimes in keinster Weise zu erkennen ist. Jugendliche, welche nicht mit der Geschichte des Nationalsozialismus vertraut sind, sollten über Kontext und Bedeutung dieser Symbole aufgeklärt werden. Die ethischen und moralischen Botschaften, welche das Spiel vermittelt, wurden von der jugendlichen Testergruppe verstanden. Ein erklärendes Gespräch bzgl. der Thematik hat manchen Spieler_innen allerdings beim Verständnis und der Einordnung einzelner Geschehnisse geholfen. Als Protagonist der Gruppe wird man unter anderem mit Folter und schwierigen moralischen Entscheidungen konfrontiert, jüngere Jugendliche könnten sich hier überfordert fühlen.

Fazit:
Paintbucket Games liefert mit Through the Darkest of Times einen der wichtigsten Titel des Jahres. Die Unberechenbarkeit, die Hoffnungslosigkeit und die ständige Angst des dritten Reiches werden authentisch in einem stilsicheren, historisch korrekten und vor allem aber pädagogisch wertvollen Spiel transportiert. In Zeiten, in denen Fremdenfeindlichkeit und rechtes Denken so präsent sind wie lange nicht, leistet der Titel einen wichtigen Beitrag dazu, das Erinnern an die Schrecken des Nationalsozialismus lebendig zu halten.