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Call of Cthulhu
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Call of Cthulhu

Genre
Rollenspiele
USK
ab 16 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 16 Jahre
Vertrieb
Focus Home Interactive
Erscheinungsjahr
2018.10
Systeme
PC, Playstation 4, Xbox One, Nintendo Switch
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Hinweis(e)
via Xbox Live, Playstation Network, Steam, Nintendo eShop
Kurzbewertung
Gruseliger Survival Horror
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Freund_innen gepflegter Horror Geschichten
Sprache
Deutsch/Französisch/Italienisch/Spanisch/Englisch
Grafik
düsteres Setting
Sound
atmosphärische Hintergrundmusik

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Edward Pierce
Mehrspielermodus
nicht vorhanden
Spielforderungen
wenig
Zusatzkosten
nicht vorhanden
Problematische Aspekte
gruselige Atmosphäre und kleine Schocker
Gruppenleiter
Dirk Poerschke
Game On/Two Kinderhilfezentrum Düsseldorf
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung: 
Bei Call of Cthulhu handelt es sich nicht, wie anzunehmen, um die spielerische Umsetzung der Kurzgeschichte von Howard Phillips Lovecraft “Der Ruf des Cthulhu“. In diesem Schlüsseltext des Horror-Autors steht nicht mehr das einzelne bedrohte Individuum im Mittelpunkt, sondern die Menschheit als Ganzes. Das Spiel verlegt unterschiedliche Versatzstücke des Cthulhu-Mythos auf eine Walfängerinsel und bedient sich des wenig fassbaren, aber umfassenden Horrors vom Untergang aller Werte und Normen, die H.P. Lovecraft’s Geschichten so berühmt gemacht haben. Im Mittelpunkt steht der von Albträumen verfolgte Privatdetektiv und Kriegsveteran Edward Pierce zur Zeit nach dem ersten Weltkrieg in Boston, USA. Eines Tages kommt ein bekannter Kunsthändler in sein Büro und bittet ihn, seine Tochter zu rehabilitieren. Der Tochter, selbst eine berühmte Malerin, wird vorgeworfen, ihre Familie mit einem vorsätzlich oder im Wahn gelegten Brand getötet zu haben. Eines ihrer Gemälde lässt den Kunsthändler an ihrer Schuld zweifeln. Das Gemälde zeigt ein seltsames Wesen mit seltsamen Symbolen auf der Brust. Pierce nimmt den Auftrag an und reist mit dem Schiff nach Darkwater Island, einer Walfängerinsel vor der Ostküste Amerikas. Bei seiner Ankunft zeigt sich schnell, dass die Insel unter furchtbaren wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten leidet.

Pädagogische Beurteilung:
Detektivarbeit in gruseliger Atmosphäre
Um den Fall zu lösen, müssen wir mit vielen Personen auf der Insel sprechen und kleinere Rätsel lösen. Wirklich knifflige Aufgaben werden dabei kaum gestellt, und falls es mal etwas anspruchsvoller wird, werden kaum zu übersehende Hinweise gegeben. Offensichtlich geht es den Entwickler_innen eher um die Story. Gelöste Rätsel oder gefundenen Gegenstände schlagen sich in Punkten nieder, die den Charakter unserer Spielfigur beeinflussen. So kann Pierce z.B. seine Ermittlungsfähigkeiten oder Redegewandheit verbessern. Wie sich allerdings z.B. die Fähigkeit der eigenen Stärke auswirkt, blieb uns ein Rätsel. Das ging uns mit anderen Fähigkeitspunkten ähnlich. Die Dialoge finden ausschließlich mit unangenehmen, oft frustrierten Menschen statt. Die Menschen auf der Insel reagieren überwiegend deprimiert, versoffen oder brutal auf ihre schlimme Situation. Die Ablehnung gegenüber den Ermittlungen des Privatdetektivs ist überall zu spüren, auch in der gesamten Kulisse der Insel. In giftgrünes Licht getaucht, wirkt die Insel wie ein feuchtes, verfaulendes Stück Land. Überall finden sich verfallene Holzschuppen, Fischkadaver und ölige Flecken auf dem Boden. Man spürt förmlich den Verwesungsgeruch, der über der Insel liegt. Eine Schmugglerin, die wir bei den Recherchen kennenlernen, beschreibt die Insel zutreffend als Rattenloch. Vom Hafen aus führt die Spur Pierce in das Innere der Insel, zum abgebrannten Herrenhaus der Tochter des Kunsthändlers. Während wir in der Geschichte vorankommen, verstärken sich die Albträume von Pierce, sein Alkoholproblem tritt noch stärker in den Vordergrund und manchmal überschneiden sich wahnhafte Vorstellungen mit der Realität der Umgebung. Begleitet wird Pierce dabei vom vernarbten Dorfpolizisten der Insel. Vieles, wie bei H.P. Lovecraft’s Horrorvisionen üblich, verdichtet sich immer mehr zu einem dystopischen Höllenritt.

Augsburger Puppenkiste
Während die Spielumgebung, die Soundeffekte und die musikalische Untermalung die gruselige Geschichte am Laufen halten, wird dies in der grafischen Umsetzung seltsam unterbrochen. Während in vielen Zwischensequenzen die Animationen der Figuren noch einigermaßen flüssig ablaufen, wirken die Inselbewohner in ihren Bewegungen seltsam hölzern, zum Teil sogar wie Marionetten. Das ergibt für uns einen ganz sonderbaren Effekt. Die Situationen wirken dadurch noch unwirklicher und nicht weniger bedrohlich. Das Spiel ist nichts für Kinder und ängstliche Erwachsene. 

Fazit:
In Call of Cthulhu geht es nicht um ein einfaches Gut-gegen-Böse-Szenario. Weshalb verfällt die Walfängerinsel? Zu welchen Wesen hatte die Malerin in ihrem Wahn Kontakt? Wieso versucht sich ein Teil der Inselbewohner bei dem unheimlichen Grauen durch okkulte Handlungen anzubiedern? Keine eindeutigen Antworten auf solche wichtigen Fragen zu geben, machen oft die Faszination der Geschichten von H.P. Lovecraft aus. Es wird auf psychologischen Horror gesetzt und wir werden trotz der Schwächen im Gameplay und der Darstellung überzeugt. Wer sich mit dem Mythos Cthulhu beschäftigen möchte, dem empfehlen wir, sich im Vorfeld mit den Geschichten H.P. Lovecraft’s zu befassen, auch, um die teils verstörenden Bilder besser einordnen zu können. Außerdem wird man ganz viele Elemente seiner Erzählungen in anderen Horrorgeschichten wiederentdecken, von den Alien-Filmen bis zum Necronomicon. Eine weitere Empfehlung betrifft die durch die USK vergebene Alterseinstufung ab 16 Jahren, der wir uns anschließen möchten – nicht ohne den Hinweis, dass Call of Cthulhu nichts für schwache Nerven ist und es bei H.P. Lovecraft fast nie ein Happy End gibt.

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Spieletester
GamesLab GamingGroup
Düsseldorf
Bewertung Spielspass