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The Last of Us Part II
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The Last of Us Part II

Genre
Action-Adventure
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Sony Interactive Entertainment
Erscheinungsjahr
2020.06
Systeme
Playstation 4
System im Test
Playstation 4
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Hochgradig gewalthaltiges Action-Adventure mit abgründiger Story
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Abgehärtete, volljährige Fans von storygetriebenen Spielen
Sprache
Deutsch, Englisch
Grafik
realistische, grafisch opulente Charaktere und Spielwelt
Sound
bedrohliche Soundkulisse, melancholischer Soundtrack

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Die Hauptfiguren begehen extreme Gewalttaten, Identifikation nur sehr bedingt möglich
Mehrspielermodus
nicht vorhanden
Spielforderungen
Reaktionen, Geduld
Zusatzkosten
nicht vorhanden
Problematische Aspekte
Überbordende Brutalität, moralisch fragwürdige Handlungen, urplötzlich eintretende Schock-Momente
Autor
Ingmar Böke
Einzeltest
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4
Siehe auch

Spielbeschreibung:
2013 veröffentlichten die Uncharted-Macher von Naughty Dog mit The Last of Us ein düsteres Action-Adventure, das insbesondere durch seine Charaktere und Dramatik populär wurde. Unter großer medialer Aufmerksamkeit veröffentlichte Publisher Sony Interactive Entertainment nun The Last of Us Part II. Die Handlung setzt fünf Jahre nach dem Vorgänger ein und ist erneut in einer postapokalyptischen, zombieverseuchten Gegenwart angesiedelt. Filmreife Zwischensequenzen wechseln sich mit Passagen ab, in denen die wir den Spielcharakter durch die Umgebungen navigieren, die Welt erkunden und mit Schuss- und Nahkampfwaffen gegen menschliche wie nichtmenschliche Gegner kämpfen. Durch die starke Technik wirken die Hauptfiguren sehr realistisch, wodurch der ultrahohe Gewaltgrad auch für einige Volljährige zum Problem werden kann.

Pädagogische Beurteilung:
Blutiger Rachefeldzug
Im ersten Teil wurden wir Zeugen, wie Protagonist Joel zu Beginn der Erzählung seine Tochter verlor. Nach einem Zeitsprung lernte der verbitterte Mann mittleren Alters die junge Ellie kennen und entwickelte zunehmend eine väterliche Bindung zu dem aufgeweckten Mädchen, mit dem er eine dramatische Reise quer durch die USA erlebte. Auch im Nachfolger spielt das Verhältnis der beiden eine wichtige Rolle, allerdings verbringen wir dieses Mal viele Stunden mit Ellie als spielbarer Hauptfigur. Im Kern wird eine Rache-Story erzählt, die Ellie und ihre Verbündeten nach Seattle führt. Im Kampf gegen Zombies und menschliche Fraktionen erleben wir, wie sich Ellie in einer brutalen Welt zunehmend unmenschlicher verhält und auf ihrer Mission extreme Gewalttaten verübt. Einige davon finden ausschließlich in Zwischensequenzen statt, andere müssen wir zum Vorantreiben der Story selbst ausüben. Auch wenn die Spielareale größer als im Vorgänger ausfallen, gibt es nur einen Zwischenabschnitt mit offener Umgebung. Im Großen und Ganzen handelt es sich um einen sehr linearen Titel, in dem wir einem vorgegebenen Erzählpfad folgen, ohne diesen zu beeinflussen.

Konflikt zwischen Handlung und Spielmechanik
Lediglich im Kampf liegt es an uns, über unser Vorgehen zu entscheiden. So können wir bestimmen, ob wir leise vorgehen und unsere Widersacher von hinten niedermeucheln oder uns offensiv verhalten. In jedem Fall erweisen sich die Auseinandersetzungen als äußerst brutal. Im Verlauf stechen und schlagen wir beispielsweise zigfach mit Messern und anderen Nahkampfwaffen auf Gegner ein oder setzen diese mit Molotov-Cocktails oder Feuerpfeilen in Brand und hören sie unter Qualen zugrunde gehen. Erzählerisch wird früh die Botschaft deutlich, dass Gewalt zu Gegengewalt führt. Spielerisch findet hier ein Bruch statt, da wir den Charakter immer weiter aufleveln und noch effektiver und spektakulärer töten zu können. The Last of Us Part II erzählt eine kompromisslose Geschichte über blinde Rache und Empathie. Dass es auf spielerischer Ebene als Action-Game „Spaß machen soll“, verträgt sich deutlich weniger mit der Prämisse als im Vorgänger. 

Eine Frage der Perspektive
Je nachdem, wie gründlich sich mit der Spielwelt beschäftigt wurde, um Munition, Crafting-Materialien, Briefe oder andere Objekte zu entdecken, wird es zwischen 25 und 35 Stunden dauern, bis das Ende erreicht ist. In dieser Zeit erleben wir etliche Story-Wendungen, die oft darauf ausgelegt sind, Emotionen beim Zuschauer auszulösen. Das Leid, das die Hauptfiguren während der Handlung erleben, ist ebenso immens wie das Leid, das sie anderen Charakteren zufügen. The Last of Us Part II fühlt sich wie ein zunehmendes Versinken in einen Gewaltstrudel an, aus dem es kein Entrinnen gibt. Dabei wird schnell deutlich, dass unsere „Feinde“ am Ende nicht viel anders sind als wir: dass es sich um Menschen handelt, die nicht nur schlimme Dinge tun. Menschen, die ebenso Freund*in und Lebenspartner*innen anderer Personen sind wie wir selbst. Dies wird auch dadurch verdeutlicht, dass unsere Widersacher verzweifelt den Namen einer Person rufen, die wir gerade getötet haben. Eigentlich handelt es sich um eine clevere Idee, die leider jedoch etwas verpufft, da sie einfach zu oft genutzt wird. Ohnehin hätte eine kürzere Spielzeit dem zweiten Teil von The Last of Us gut zu Gesicht gestanden. Zu oft wird die Handlung durch Kämpfe gegen Gegnerhorden unterbrochen, die man im Verlauf schon zig Mal erlebt hat. Diesen Umstand können auch die vielfältigen Verhaltensweisen der Gegner nur bedingt auffangen.

Reise ins Herz der Finsternis
Im zweiten Teil der Reihe haben die Zombies an inhaltlicher Bedeutung verloren. Die Suche nach einer möglichen Heilung scheint nicht mehr relevant zu sein. Stattdessen werden die verschiedenen Zombie-Formen lediglich als Gegner für die Action- und Schleichszenen genutzt. Spieler_innen ab 18, sollten nicht nur einen großen Bogen um diesen Titel machen, wenn sie sich an exzessiver Gewalt stören, sondern gleichermaßen, wenn sie keine Affinität für Horror besitzen. Neben der abstoßenden Inszenierung der Zombies kommt es regelmäßig zu plötzlich auftretenden Schockmomenten. Ohnehin wird häufig ein starkes Gefühl der Anspannung erzeugt. Gerade die hochwertige Sound-Untermalung sorgt regelmäßig für Beklemmung. 

Diverse Charaktere
Trotz einiger Schwächen dürfte es vielen Volljährigen schwerfallen, nicht am Ball zu bleiben. Ein großer Anreiz wird aus der permanenten Frage, wie es den stark ausgearbeiteten Hauptfiguren ergehen wird, gezogen. Dass sich diese wie menschliche Wesen anfühlen, ist übrigens auch den Synchronsprecher_innen zu verdanken, die größtenteils einen exzellenten Job leisten. Durch die cineastische Inszenierung vermittelt die Handlung das Gefühl eines riesigen interaktiven Films. Angenehm: Wie schon im ersten Teil ist immer wieder Zeit für ruhige Szenen, die den Charakterisierungen dienen. Hinzu kommt ein diverses Figurenarsenal, das sich vom Gaming-Mainstream abhebt. Ellie führt eine lesbische Beziehung mit ihrer Freundin Dina, die in einer Szene beiläufig erwähnt, Jüdin zu sein, ohne, dass diese Entscheidung der Entwickler erzwungen wirkt. Ebenfalls sehr begrüßenswert ist die Transsexualität einer wichtigen Figur, mit der die Macher jedoch sehr viel weniger subtil umgehen. Hier wäre deutlich mehr Potenzial vorhanden gewesen, um dem Innenleben des Charakters gerecht zu werden. 

Barrierefreiheit wird großgeschrieben
Ein großes Lob verdienen die zahlreichen Optionen, in denen der Schwierigkeitsgrad bis ins kleinste Detail angepasst werden kann und über 60 Einstellungsmöglichkeiten bezüglich Barrierefreiheit zu finden sind. Auf diese Weise soll Spieler_innen mit geringer Feinmotorik, einer Hör- und Sehschwäche und/oder blinden Menschen der Zugang ermöglicht werden. Diese Praxis könnte gerne Schule machen.

Fazit:
In seiner kompromisslosen Härte und Gewaltdarstellung richtet sich The Last of Us Part II ausschließlich an Spieler_innen ab 18 Jahren. Auch volljährige Fans von Storylastigkeit sollten nur zugreifen, wenn sie kein Problem mit extremer Gewalt, Horrorelementen und/oder moralisch fragwürdigen Protagonist_innen haben.