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Gaming ohne Grenzen Ferienworkshop
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Gaming ohne Grenzen Ferienworkshop

Zum Start der Sommerferien in NRW fand in der OT Ohmstraße ein Ferienworkshop im Rahmen des seit April aktiven Projekts "Gaming ohne Grenzen" statt.

Von Holger Monschau

Mein Name ist Holger Monschau. Ich bin 30 Jahre alt und studiere an der Katholischen Hochschule NRW (Standort Köln) im siebten Semester Soziale Arbeit. Mein Praxissemester, das Teil meines Studiums ist, absolviere ich an der Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW. Im Rahmen dieses Praktikums war es mir möglich, einer vom Projekt "Gaming ohne Grenzen" geplanten Aktivität beizuwohnen.

Beim Projekt "Gaming ohne Grenzen" handelt es sich um ein Konzept, das Computer- und Konsolenspiele hinsichtlich ihrer Barrierefreiheit testet. Denn wie im realen Leben ist es auch in der virtuellen Welt wichtig, dass sämtliche Angebote von allen möglichen Menschen genutzt werden können. Nähere Informationen hierzu gibt es bald auf der Homepage des Projekts, die sich momentan in der Entwicklung befindet. Kern des Projekts ist das gemeinsame Testen von Spielen mit der Zielgruppe. Hierbei können mithilfe bestimmter Utensilien verschiedene Einschränkungen simuliert werden. An den Start gegangen ist "Gaming ohne Grenzen" bereits im April. Zielgruppe sind vorrangig Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren, allerdings durften in den Ferienaktionen auch jüngere Kinder mitwirken.

Durchgeführt wurde die Ferienaktion in der OT Ohmstraße, einer inklusiven Jugendeinrichtung in Köln-Porz. An vier aufeinanderfolgenden Tagen durften zwei Gruppen der OT verschiedene Spiele testen. Hierbei wurden Wünsche seitens der Kinder berücksichtigt. Aufgrund meines Praktikumsbeginns konnte ich das Projekt nur am 01. Juli und am 02. Juli 2020 begleiten. Das Projektteam hat die Gruppen gemeinsam mit den Mulitplikator_innen vor Ort betreut.

Die Spielangebote starteten an beiden Tagen um 09:00 Uhr und dauerten bis 14:00 Uhr an. Natürlich war es dem gesamtem Team wichtig, dass die zu betreuende Gruppe sich nicht den ganzen Tag vor einem Bildschirm oder an einer Konsole befindet, weshalb mehrere Zeitfenster freigeräumt wurden, um Spiele im Freien zu ermöglichen. Die Konsolenspiele wurden nicht nur auf einen Bildschirm übertragen, sondern auch via Beamer auf Wandflächen projiziert. Wir hatten sehr viele Spiele mit, aus denen sich die Kinder und Jugendlichen bestimmte Angebote aussuchen konnten. So kamen beispielsweise Mario Kart 8, Minecraft, Just Dance und 1-2-Switch zum Einsatz.

An beiden Tagen wurde ein Spiel unter dem Vergrößerungsglas betrachtet und zusammen mit den anwesenden Kindern im Sinne des Projekts "Gaming ohne Grenzen" bewertet. Dabei steht stets die Frage im Vordergrund, ob das jeweilige Spiel für Menschen mit Einschränkungen spielbar ist. Am 01. Juli wurde ein anderer Bewertungsbogen verwendet als am 02. Juli, was auf das Durchschnittsalter der Gruppe zurückzuführen ist: Am Mittwoch war das Durchschnittsalter der Gruppe höher als am Donnerstag, weshalb der anspruchsvollere und mehrere Seiten umfassende Bewertungsbogen genutzt wurde, der später auch auf der zum Projekt gehörenden Homepage zu finden sein wird. Am Donnerstag wurde ein einseitiger Bewertungsbogen genutzt, der wesentlich einfacher zu verstehen war und die Fragen sowohl textlich als auch symbolisch formulierte bzw. veranschaulichte.

Am Mittwoch wurde das Spiel Minecraft hinsichtlich seiner Barrierefreiheit getestet und am Donnerstag 1-2-Switch. Da ich beide Titel bis dato nur vom Hörensagen kannte, konnte ich beide Spiele aus der Sicht eines Neulings bewerten. So fand ich Minecraft beispielsweise recht kompliziert, wohingegen ein paar Kinder bereits viele Erfahrungen gemacht hatten. Die Einstellungen in Bezug auf Grafik, Spielweise und Steuerung waren dermaßen umfassend, dass ich die Kinder als Neuling fast schon ein wenig dafür bewunderte, dass sie sich so gut auskannten. Dennoch schnitt das Spiel hinsichtlich der Barrierefreiheit nicht nur positiv ab, was auch damit zusammenhängt, dass manche Extras und Features nicht auf jeder Version existieren. So weist die Minecraft-Version für die PlayStation beispielsweise keine Untertitel auf, obwohl sie in die PC-Version integriert wurden. Beispielsweise fehlen vor allem im Überleben-Modus, der vom Kreativ-Modus abzugrenzen ist, entscheidende Informationen für gehörlose Spieler_innen.


Aufgrund der Komplexität ist es in meinen Augen positiv anzumerken, dass die Gruppe mit dem höheren Durchschnittsalter Minecraft bewertet hat und die Gruppe mit dem niedrigeren Durchschnittsalter das Spiel 1-2-Switch. Wegen der vielen verschiedenen Minispiele, in denen immer wieder eine andere Fähigkeit im Vordergrund stand, hat 1-2-Switch bei den Kindern sehr positiv abgeschnitten. Manche davon konnte ich mir bereits am Mittwoch anschauen, aber am unterhaltsamsten fanden die Kinder vor allem die Minispiele "Revolverhelden", "Safeknacker", "Schatzkiste" und "Wettmelken". Auf dem einseitigen Fragebogen konnten die Kinder angeben, ob ihnen das Spiel Spaß gemacht hat, ob es einfach zu verstehen gewesen ist, ob man beide Hände gebraucht hat und ob man hören, sehen oder etwas lesen musste.

Ich habe die beiden Tage in der OT Ohmstraße sehr genossen und kann gar nicht oft genug betonen, dass ich das Projekt "Gaming ohne Grenzen" sehr sinnvoll finde und gerne unterstütze. Für jemanden wie mich, der in seinem Leben noch nicht allzu viele Computer- und Konsolenspiele angerührt hat, ist es allerdings auch eine Herausforderung, mit teilweise recht komplexen Spielen wie Minecraft konfrontiert zu werden. Auf der anderen Seite ermöglicht mir die Sicht eines Neulings neue Einblicke, die erfahrene Spieler_innen nicht mehr haben.