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Death Stranding
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Death Stranding

Genre
Action-Adventure
USK
ab 16 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 16 Jahre
Vertrieb
Sony Interactive Entertainment
Erscheinungsjahr
2019.11
Systeme
Playstation 4
System im Test
Playstation 4
Homepage des Spiels
Hinweis(e)
soll im Sommer 2020 für PC erscheinen
via Playstation Network
Kurzbewertung
Tiefgründige Zukunftsvision, die zum Nachdenken anregt
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Fans von Hideo Kojimas speziellem und surrealem Stil
Sprache
Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch
Grafik
realistische Darstellung mit vielen Details
Sound
mitreißender Soundtrack mit geheimnisvollen Klängen und Horrorelementen

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Norman Reedus als Sam Porter Bridges und weitere bekannte Schauspieler_innen
Mehrspielermodus
asynchroner Mehrspielermodus zum Teilen der Hilfsmittel
Spielforderungen
schnelle Reaktionsfähigkeit, Organisationsfähigkeit
Zusatzkosten
nicht vorhanden
Problematische Aspekte
bedrohliches, postapokalyptisches Setting
Redaktion
Rafael Rauh
Spieleratgeber-NRW
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Spielbeschreibung:
Nachdem sich Konami und Hideo Kojima zerstritten hatten, verließ der Spieleproduzent den Publisher und gründete ein neues Studio mit dem Namen Kojima Productions. Das erste unabhängig produzierte Spiel Death Stranding wurde letztlich auf der E3 2016 angekündigt und führte zu vielen Mysterien und Diskussion unter den Fans. Jeder neue Trailer warf weitere Fragen auf und die Spieler_innen fragten, was im Spiel eigentlich gemacht werden soll.
Die Geschichte von Death Stranding spielt in der Zukunft und behandelt das Leben der Menschheit, nachdem sie von der Katastrophe des "gestrandeten Todes" heimgesucht wurde. Die zahlreichen Explosionen auf der Erde haben viel Zerstörung angerichtet, fast die gesamte Menschheit ausgelöscht und die Weltordnung aus dem Gleichgewicht gebracht. Die wenigen Überlebenden haben sich in unabhängig agierende Städte zurückgezogen und die menschliche Gemeinschaft ist zerbrochen. Die Umstände dieser Katastrophe liegen im Dunkeln und werden in der rund 40 Stunden langen Geschichte aufgedeckt.

Pädagogische Beurteilung:
Gemeinsam sind wir stark!
Die Spieler_innen übernehmen die Rolle von Sam Porter Bridges, der von dem langjährigen Walking Dead-Schauspieler Norman Reedus verkörpert wird. Sam ist ein legendärer Bote der Firma Bridges und macht Frachtlieferungen mit lebenswichtigen Lebensmitteln und Medikamenten in die einzelnen Städte der ehemaligen USA. Der gestrandete Tod hat die Welt in eine gefährliche und lebensfeindliche Umgebung verwandelt, in der sich sichtbare und unsichtbare Bedrohungen herumtreiben. Dadurch können diese Landschaften nur von erfahrenen Boten der Lieferfirmen Bridges oder Fragile durchquert werden. Der Bridges-Konzern plant die verbliebenen Städte der USA unter dem Titel der United Cities of America (UCA) wiederzuvereinen. Die Spieler_innen erhalten somit den Auftrag, von der Ost- zur Westküste zu reisen und die besuchten Städte während der Lieferungen über eine neuartige Netzwerktechnologie zu verbinden. Death Strandings Handlung wird durch berühmte Personen aus der Filmbranche (Léa Seydoux, Guillermo del Toro, Mads Mikkelsen) mit viel Leben gefüllt und lässt während der Zwischensequenzen ein echtes Kino-Feeling aufkommen. Jederzeit erinnert das Setting daran, dass die Menschheit wieder zusammenfinden muss, um so gemeinsam diese Katastrophe überstehen zu können. Möglicherweise wendet sich die Geschichte damit auch an das aktuelle Weltgeschehen, das von einer Spaltung in Politik und unterschiedlichen Meinungen geprägt ist. Der Titel will uns daran erinnern, dass wir wieder eine gemeinsame Linie finden müssen, um auf der Welt wieder Ordnung herstellen zu können. Dennoch hat Kojima im öffentlichen Raum immer wieder betont, dass Death Stranding keine politische Message vertreten würde.

Hallo, ein Paket für Sie
Das zerstreute Amerika bildet den Aufhänger für die Hauptaufgabe, nämlich das Ausliefern von Paketen. Die verschiedenen Lieferungen sind in Aufträge speziell für Sam und Standardaufträge unterteilt. Die Aufträge speziell für Sam sind meist Missionen, die die Geschichte vorantreiben oder besondere Belohnungen hervorbringen. Neue Lieferaufträge werden an einem Terminal angenommen und klären darüber auf, welche Fracht transportiert werden muss und welche Gefahren auf dem Weg lauern. Es ist zu empfehlen immer so viel wie möglich mitzunehmen, um das Optimum aus jedem beschwerlichen Lieferweg herauszuholen. Nachdem die Lieferungen bestätigt wurden, ist es nun die Aufgabe, alle Frachtstücke so symmetrisch wie möglich in Sams Rucksack, an seinen Armen und seiner Hüfte zu verstauen bzw. zu verteilen. Glücklicherweise bietet das Spiel eine Funktion, die es ermöglicht, alle Pakete automatisch stapeln zu lassen. Aber Vorsicht, manche Fracht kann nur waagerecht transportiert werden, was diese Funktion nicht berücksichtigt.
Schwer beladen machen sich die Spieler_innen nun zu ihrem Ziel auf. Auf einer Karte können Wegpunkte festgelegt oder sogar ganze Routen geplant werden, die dann per Hologrammlinie angezeigt werden. Dies ist auch bitter nötig, da die Landschaft mit Abgründen, Steilhängen, feindlichen Lagern und gefährlichen Wetterzellen gefüllt ist, die es zu umlaufen gilt. Am Ziel angekommen, können sich die Empfänger auf ihre Bestellung freuen und geben je nach Zustand der Fracht mehr oder weniger Likes, die dazu dienen, Sams Fähigkeiten zu verbessern. Sams Fähigkeiten sind in fünf Kategorien aufgeteilt und Levelaufstiege führen beispielweise dazu, dass er mehr tragen kann oder langsamer erschöpft wird.
Die Fracht ist von einer Schutzhülle umgeben, die ein gewisses Maß an Schaden absorbieren kann. Ist die Hülle kaputt, erhält auch die enthaltene Fracht Schaden. Dennoch kann die Fracht auch mit einer intakten Schutzhülle Schaden nehmen, sofern sie bei einem Sturz fallen gelassen wird. Als Unterstützung steht der Geländescanner zur Verfügung, der anhand von Farben anzeigt, wo gefährliche Stolpersteine lauern. Somit ist es am wichtigsten stets das Gleichgewicht zu halten, um Stürze zu vermeiden und die Lieferstücke so heil wie möglich auszuliefern. 

Hilfsmittel, Fahrzeuge und gegenseitiges Teilen
Damit natürliche Hindernisse wie Steilhänge oder Abgründe überwunden werden können, stehen den Spieler_innen Leitern, Kletterverankerungen oder Brücken zur Verfügung. Um schneller voranzukommen gibt es Motorräder und Trucks, die das eigene Tragevolumen deutlich erweitern. Der Akku der Fahrzeuge kann durch die Sonne oder Generatoren aufgeladen werden. Bauwerke wie Brücken, Generatoren oder Aussichtstürme können mithilfe eines tragbaren 3D-Druckers gedruckt werden, sofern eine chirale Netzwerkverbindung verfügbar ist. Das chirale Netzwerk wird erweitert, indem im Laufe der Handlung neue Knotenpunkte für die UCA erschlossen werden. Sobald ein Gebiet an das chirale Netzwerk angeschlossen ist, werden auch die Bauwerke und Fahrzeuge der anderen Spieler_innen sichtbar, wodurch die Möglichkeiten des asynchronen Mehrspielermodus ersichtlich werden. Indem diese fremden Bauwerke und Fahrzeuge genutzt werden können, wird ein Gefühl von Gemeinschaft erzeugt, obwohl Sam eigentlich immer nur alleine unterwegs ist. Darüber hinaus erleichtert das gegenseitige Teilen auch ungemein die Fortbewegung durch bereits erschlossene Gebiete.

Das BB als treuer Begleiter
Das Bridgebaby ist ein Kind einer Mutter, die bei der Geburt gestorben ist. Das Kind wird in einer Kapsel aufbewahrt und ist über eine Nabelschnur angeschlossen. Es verfügt über besondere Fähigkeiten, da es als "Brücke" eine Verbindung zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten herstellen kann. Sam trägt das Baby an einer Halterung vor seinem Bauch mit sich herum und wird von ihm beim Aufspüren von unsichtbaren Bedrohungen unterstützt. Befindet sich Sam in einer stressigen Situation, überträgt sich dieser Stress auch auf das Bridgebaby. Es muss darauf geachtet werden, dass sich die Belastungsanzeige nicht komplett leert, da sonst das BB krank und handlungsunfähig wird. Die einzige Heilmöglichkeit ist es, das Baby in einem privaten Raum an eine Apparatur anzuschließen und ihm etwas Ruhe zu gönnen. Die Belastungsanzeige kann jedoch auch wieder gefüllt werden, indem Sam das Baby ruhig hin und her wiegt oder ihm ein beruhigendes Lied auf einer Mundharmonika spielt. All diese Fürsorge führt dazu, dass die Beziehung zwischen Sam und dem Bridgebaby steigt, wodurch es widerstandsfähiger wird und nicht so schnell anfängt zu weinen. 

GDs und der Zeitregen
Beginnt es zu regnen, sollte schnell ein Unterstand gesucht werden, da es in der Welt von Death Stranding keinen normalen Regen gibt. Hierbei handelt es sich um Zeitregen, da alles was mit den Regentropfen in Berührung kommt, sofort drastisch altert. Sam trägt einen speziellen Anzug, der in schützt und so kann er sich gefahrlos durch den Zeitregen bewegen. Der Regen greift jedoch auch die Behälter der transportierten Fracht an, wodurch ein Behälter-Reparaturspray benutzt oder ein Unterstand für eine Pause gesucht werden sollte. Auch die Bauwerke der Spieler_innen werden geschädigt und können nur durch ständige Reparaturarbeiten bestehen bleiben. Der Alterungsprozess ist aber nicht die einzige Bedrohung in einer Regenfront. Nur im Regen tauchen sogenannte GDs auf, verstorbene Menschen, die über eine Nabelschnur an die Welt der Lebenden gebunden sind und daher dort verweilen müssen. Mithilfe des Bridgebabys können die unsichtbaren Gegner aufgespürt werden, um sie zu umlaufen oder mit passenden Waffen zu erledigen. Bemerken die GDs Sam, muss dieser um sein Leben laufen. Bei Kontakt mit den GDs verwandelt sich der Boden zu einer Teermasse und schwarze Kreaturen versuchen Sam zu Fall zu bringen. Wenn er stürzt, wird er in eine Parallelwelt transportiert, in der er sich einem GD-Boss stellen muss. Schafft man es die Bedrohung auszuschalten, erhält man viele chirale Kristalle, die zum Bau und Verbessern von Ausrüstung genutzt werden können.

Privater Raum zum Ausruhen und Kraft tanken
Nach einem langen Tag und einem anstrengenden Lieferweg freut sich Sam auf einen erholsamen Schlaf in einem der vielen privaten Räume der Lieferzentren. Das Ausruhen füllt seine Ausdauer und seine Gesundheit wieder auf. Nach einer erholsamen Nacht sollte Sam zunächst einmal eine erfrischende Dusche nehmen, um den Dreck des vergangenen Tages abzuwaschen. Die Duschkabine kann sich auch in eine Toilette transformieren, um sich im Sitzen oder Stehen zu erleichtern. Auf einem Tisch stehen einige Energy Drinks, mit denen Sams Ausdauer um 25% gesteigert werden kann. Das Bridgebaby hängt an einer Apparatur, die Erholung bietet und Stress abbaut. Er kann das Baby noch zusätzlich beruhigen und mit ihm interagieren. An einem Waschbecken können alberne und lustige Grimassen geschnitten werden, was Sams ernsthafte Rolle ein wenig auflockert. Gegenüber von seinem Bett ist ein riesiger Waffenschrank aufgebaut, der sich im Laufe der Handlung immer weiter füllt. An einem digitalen Terminal kann Sam E-Mails lesen, Interviewdaten anschauen und Musik abspielen. Der Komponist Ludvig Forssell ist für den emotionalen und filmreifen Score verantwortlich, der die Handlung immer mit passender Musikuntermalung begleitet. Ebenfalls sind noch weitere Lieder von unterschiedlichen Künstlern zu finden, wobei die Band Low Roar hervorsticht, da besonders viele ihrer Songs enthalten sind und die anstrengenden Wanderungen durch ihre beruhigenden Songs auflockern.

MULEs und Terroristen
Nicht nur die Landschaft und das Wetter stellen Bedrohungen dar, auch menschliche Kontrahenten machen einem das Leben schwer. MULEs sind ehemalige Lieferanten, die Lieferanten wie Sam verfolgen, um ihn mit Elektrospeeren zu betäuben und anschließend um all seine Fracht zu erleichtern. Nachdem er wieder aufwacht, kann Sam in den Stützpunkt der MULEs schleichen, um seinen Besitz im Lager wieder an sich zu nehmen. Im späteren Verlauf trifft er noch auf weitaus bedrohlichere Gesellen, die ihn mit Schusswaffen ins Visier nehmen und zu töten versuchen. Diesen Terroristen geht es nicht nur um die Fracht, sondern auch darum, durch ihre Angriffe möglichst viel Chaos zu stiften. Da die Grafik sehr detailreich und realistisch ist, sind auch einige Gewaltdarstellungen durch Schusswechsel oder Faustkämpfe realistisch inszeniert. Letztendlich ist die Darstellung aber nie so explizit, sodass Jugendliche ab 16 Jahren diese Szenen einordnen können. 

Fazit:
Death Stranding ist ein besonderes Spiel geworden, das sich nicht so einfach in bestehende Genres kategorisieren oder mit anderen Titeln vergleichen lässt. Hideo Kojima hat ein Werk geschaffen, das nicht für jedermann interessant ist, wodurch jeder für sich selbst herausfinden muss, ob er Lust auf diesen verrückten Trip hat. Fans vergangener Kojima Spiele und Spieler_innen, die Spaß am Planen und Organisieren haben, können mit Death Stranding viele unterhaltsame Stunden verbringen. Die Gewaltdarstellungen sind nicht sonderlich explizit, dennoch richtet sich das Spiel an ältere Jugendliche.