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John Wick Hex
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John Wick Hex

Genre
Strategie
USK
nicht USK geprüft (?)
Pädagogisch
ab 14 Jahre
Vertrieb
Gambitious Digital Entertainment
Erscheinungsjahr
2019.10
Systeme
PC, Mac
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Strategiespiel im John Wick-Universum
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Fans der XCOM-Serie und von Strategiespielen
Sprache
englische Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln
Grafik
Action in einem Neon-Comic-Stil
Sound
spannender Filmsoundtrack mit dynamischen Rhytmen

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
John Wick, Winston und Charon
Mehrspielermodus
nicht verfügbar
Spielforderungen
taktisches Denken, Frustrationstoleranz
Zusatzkosten
nicht enthalten
Problematische Aspekte
ausweglose Situationen, die Neustarts erfordern
Redaktion
Rafael Rauh
Spieleratgeber-NRW
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Spielbeschreibung:
Seit 2014 fegt der ehemalige Auftragskiller John Wick über die Leinwand und beeindruckt stets mit seinen stylisch choreographierten Kampfszenen und coolen Sprüchen. In den vergangenen sechs Jahren hat die Reihe bereits drei Filme hervorgebracht und ist noch lange nicht am Ende angekommen. Der weltweite Erfolg der Filmreihe machte eine Videospielumsetzung unausweichlich und so kam am 08.10.2019 John Wick: Hex exklusiv für den PC im Epic Games Store heraus. Das Spiel wurde von Bithell Games entwickelt, die bereits für das Indie-Puzzlespiel Thomas Was Alone verantwortlich sind. Dennoch ist dieser Titel nicht der erste Videospielauftritt des Actionheldens, da bereits 2014 John Wick als spielbarer Charakter im Shooter Payday 2 ergänzt wurde. Der weltweit bekannte Battle Royale-Titel Fortnite erhielt 2019 einen John Wick Charakterskin und verschiedene Gegenstände aus den Filmen, wie die berühmten Goldmünzen. Im Februar bekam der Virtual Reality-Bereich noch den Titel John Wick Chronicles spendiert, in dem, mit einer passenden Brille, voll in das John Wick-Universum eingetaucht werden kann. Die actionlastige Reihe lässt einen bei einer Spielumsetzung wahrscheinlich zunächst an einen Shooter denken. Überraschenderweise hat sich Bithell Games für ein rundenbasiertes Strategiespiel entschieden.

Pädagogische Beurteilung:
Einige Zeit vor den Ereignissen
Die Geschichte von John Wick: Hex ist vor dem ersten Film angesiedelt, da John noch für Viggo als Auftragskiller arbeitet und seine spätere Frau Helen noch nicht kennengelernt hat. Die Handlung dreht sich um den mysteriösen Mann Hex, der sich vom High Table, einem zwölfköpfigen Rat von Kriminellen, betrogen fühlt, da ihm sein rechtmäßiger Platz dort verwehrt geblieben ist. Um seinen Platz im Nachhinein beanspruchen zu können, hat Hex die altbekannten Charaktere Winston und Charon entführt, um so den High Table zu erpressen. Die Hohe Kammer reagiert prompt und schickt John Wick los, um beide Personen zu retten. Beide Rollen werden auch im Spiel von den Originalschauspielern Ian McShane und Lance Reddik verkörpert und vertont. Troy Baker haucht Hex Leben ein, wohingegen Keanu Reeves nur als visuelle Vorlage genutzt wurde und der Auftragskiller deshalb durchgehend stumm bleibt. Im Verlauf seiner Rettungsaktion wird John Wick durch sieben Kapitel gesteuert und bewegt sich dabei durch Nachtclubs, Kunstgalerien und Lagerhäfen. 

Ohne Planung geht nichts
Zu Beginn eines Kapitels können die Spieler_innen auf einer Übersichtskarte erkennen, wie viele Level vor ihnen liegen und anhand dessen ihren Einsatz so gut wie möglich planen. Jede Missionsplanung beginnt mit einer vorgegebenen Anzahl an Goldmünzen, die für verschiedene Verbesserungen im kommenden Level ausgegeben werden können. Je nach Spielfortschritt werden neue Erweiterungen freigeschaltet, die jedoch nur für ein Kapitel gelten. Dabei kann Johns Fokusleiste oder Gesundheitsleiste erhöht werden. Die Münzen können aber auch anderweitig eingesetzt werden, indem sie gegen versteckte Waffen oder Heilgegenstände eingetauscht werden. So kann der geringe Heilungsvorrat erweitert werden, wodurch das Spielerlebnis ein wenig vereinfacht wird. Dennoch müssen die versteckten Gegenstände erst einmal gefunden werden, da sie immer an unterschiedlichen Plätzen verborgen werden. 

Lasst die Fäuste sprechen
Die Spielfigur wird aus der Vogelperspektive gesteuert und mithilfe einer frei bewegbaren Kamera können sich die Spieler_innen einen Überblick von der jeweiligen Situation machen. In der Spielwelt sind überall Punkte verteilt, die veranschaulichen, wohin sich John bewegen kann. Jede Aktion kostet eine bestimmte Menge an Zeit, wodurch Zeitmanagement der Schlüssel zum Erfolg ist. Am oberen Bildrand befindet sich eine ausführliche Zeitanzeige, die die eigenen Aktionen und die Aktionen der Gegner veranschaulicht. Das Ziel besteht darin zu versuchen, stets vor den Gegnern die eigene Aktionen zu starten, um unnötigen Schaden vermeiden zu können. Wird John von einem Gegner getroffen, verliert er nicht nur Lebens- und Fokuspunkte, sondern die geplante Aktion wird auch abgebrochen.
Fokuspunkte werden für besonders starke Attacken, wie beispielsweise Judowürfe, genutzt. Ist die Leiste aufgebraucht, können diese Attacken nicht mehr eingesetzt werden und John muss sich neu fokussieren, indem er seinen Kopf schüttelt. Jede Situation muss individuell eingeschätzt und anhand dessen die effektivste Aktion erschlossen werden. Ist der Gegner bereits kurz vor seiner Handlung, hilft nur noch eine Parade, um die Aktion unterbrechen zu können. In einem anderen Zusammenhang ist eine Rolle in einen anderen Raum die beste Idee, was jedoch sehr viel Fokus verbraucht. Indem ein Gegner geschubst wird, können die Spieler_innen auch aus dem Sichtfeld der Gegner verschwinden und ein Judowurf kann besonders schwache Gegner sofort ausschalten.

Wählen Sie ihre Waffe, Mr. Wick.
Dennoch lässt John nicht nur seine Fäuste sprechen, sondern nutzt auch verschiedenste Schusswaffen. John Wick: Hex beinhaltet Pistolen, Revolver, Sturmgewehre, Schrotflinten und Maschinenpistolen, die alle unterschiedlichen Schaden verteilen und eine unterschiedliche Vorbereitungszeit besitzen. Zu Beginn eines Kapitels startet John mit seiner altbekannten Pistole, die voll geladen ist und zusätzlich noch ein Ersatzmagazin bietet. Die Munition hält jedoch nicht ewig, weshalb von Gegnern fallengelassene Waffen aufgehoben werden können. Diese Waffen sind jedoch nie voll geladen, wodurch oft ein Waffenwechsel angesagt ist. Dennoch können leere Waffen geworfen werden, um einen Gegner für ein paar Sekunden zu betäuben. Bei der Planung der nächsten Aktion sollte stets die Trefferchance beachtet werden, damit keine Kugel verschwendet wird. John ist nicht in der Lage eine Zweitwaffe aufzuheben, was die Möglichkeiten unnötig einschränkt und keinen Sinn macht, da der berüchtigte Auftragskiller in seinen Filmen problemlos zwei Waffen mit sich führt.

Gegner ohne Ende
Die KI der Gegner ist nicht besonders ausgefeilt, da die Widersacher meistens John nur hinterherlaufen oder ihn dann erst bemerken, wenn es schon zu spät ist. Stehen plötzlich mehrere Gegner vor einem, steigt der Schwierigkeitsgrad jedoch rapide an und kann bei schlechtem Taktieren auch schnell in einem Game Over enden. Besonders solche Situationen stellen die Nerven der Spielenden auf eine besondere Probe und machen eine große Frustrationstoleranz erforderlich. Der problematischste Aspekt ist jedoch der Umstand, dass es möglich ist, sich in ausweglose Situationen zu spielen, die nach vielen Minuten einen frustrierenden Neustart vom Anfang des Kapitels erforderlich machen. Gerade solche Probleme lassen den Titel unfertig wirken. Der Standard-Schwierigkeitsgrad ist schon so anspruchsvoll, dass der noch schwierigere Agenten-Schwierigkeitsgrad, in dem nur fünf Sekunden pro Entscheidung zur Verfügung stehen, einfach überflüssig wirkt. Ein dritter Schwierigkeitsgrad, der ein frustfreies Erlebnis gewährleistet, hätte dem Spiel gut getan.
Jedes Kapitel schließt mit einem Bosskampf ab, der je nach der zufälligen Positionierung der Gegner einfacher oder schwerer ausfällt. Letztendlich lassen sich die Bosse aber mit der immer gleichen Taktik besiegen. Mit einer vollen Schusswaffe und Fokusleiste bewaffnet, gehen die Spielenden so nah an den Boss heran, indem sie ihn einfach zu sich locken. Dann wiederholen sie den Judowurf so lange, bis die Fokusleiste des Endgegners komplett geleert ist, wodurch er lange Zeit handlungsunfähig ist. Nun muss nur noch aus allen Rohren gefeuert werden, um den Endboss problemlos zu erledigen. Somit bieten auch die Bosskämpfe keine sonderliche Abwechslung und können auf Dauer etwas ermüden. 

Warum so steif, Mr. Wick?
Die Wiederholungen eines Levels decken auf, dass Johns Animationen sich oft wiederholen und sehr hölzern wirken. Die Dynamik aus dem Trailer will in den Wiederholungen einfach nicht aufkommen, wodurch auch keine Filmatmosphäre erzeugt wird. Im Test blieb in einer Wiederholung Johns Charaktermodell sogar an einer Wand hängen und blieb dort stehen, obwohl das Level komplett durchgespielt wurde. Dadurch können die Spielenden nach ein paar Wiederholungen gelangweilt sein und die Wiederholung als störend empfinden. Auch die Zwischensequenzen sind nur mit Standbildern gestaltet und lassen keine Dynamik aufkommen. Das Erkunden der Level wird nicht belohnt, sondern stattdessen mit kontinuierlichen Gegnerwellen bestraft. Somit ist das schnelle Ablaufen der Level meist die beste Idee. Die Idee hinter dem Spiel ist interessant und hat Potential und auch die Musik ist gelungen und vermittelt eine Filmatmosphäre. Dieser Aspekt wird jedoch durch die schlichte grafische Darstellung wieder geschmälert, da alles so comichaft wirkt. Dies führt jedoch auch dazu, dass die Gewaltdarstellungen sehr simpel und unproblematisch sind, da Treffer nur durch pinke Spritzer visualisiert werden. Damit ist das Spiel bereits für Jugendliche interessant, die sich mit Strategiespielen auskennen und erreicht damit eine größere Zielgruppe als die Filme. 

Fazit:
Bei John Wick: Hex schränken die spielerischen und technischen Mängel die Möglichkeiten so ein, dass diese Filmumsetzung nur eine durchschnittliche Qualität vermittelt. Zudem benötigen die Spieler_innen eine ausgeprägte Frustrationstoleranz und ein hohes Durchhaltevermögen, um das Ende erreichen zu können. Die schlichte grafische Darstellung entschärft die Gewaltdarstellung deutlich, wodurch John Wick: Hex bereits für Jugendliche interessant ist. Dennoch brauchen Spielende das nötige Alter, um das komplexe Zeitsystem voll erfassen zu können, weshalb die pädagogische Altersempfehlung bei 14 Jahren liegt.