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Gamedesign-Tools in der Jugendarbeit
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Gamedesign-Tools in der Jugendarbeit

Gamedesigner_in und Spieleentwickler_in sind bei vielen Kindern und Jugendlichen Traumberufe. Einfache Tools für die medienpädagogische Praxis bieten sich hier an, um Arbeitsschritte kennenzulernen und kleine Games selber zu programmieren. 

von Linda Scholz, Lena Morgenstern, Karolina Albrich, Sven Radtke, Rafael Rauh und Selina Sandmöller

Denn vielen Heranwachsenden ist nicht bewusst, welche Kompetenzen gefordert werden, um selber Spiele zu entwickeln. So ist es wichtig, Kindern und Jugendlichen einen realistischen Blick auf das Tätigkeitsfeld zu vermitteln, jedoch auch Methoden und Tools vorzustellen, um sie in ihrer Neugierde und Kreativität zu fördern. Es gibt verschiedene Tools, die zugängliche Methoden liefern, um unterschiedliche Aspekte der Entwicklung von Spielen kennenzulernen und praktisch zu vermitteln. Auch das benötigte Vorwissen variiert und Programmierkenntnisse können hier neu kennengelernt oder weiter vertieft werden. Kinder und Jugendliche erfahren so nicht nur, welche Kompetenzen gefordert werden, sie werden auch in ihrer Neugierde und Kreativität bestärkt. 

Gerade im Game Design findet sich eine hervorragende Möglichkeit, Heranwachsende nicht nur im Umgang mit informationstechnischen Systemen allgemein, sondern speziell in Softwareentwicklung zu schulen. All dies findet am Gegenstand der Videospiele statt, welcher sich nah an der Lebenswelt der Jugendlichen befindet, und durch diese Nähe für erhöhte Motivation bei der Zielgruppe sorgt. Durch den Blick hinter die Kulissen und den Einstieg in die Erstellung, werden aus Konsument_innen von Videospielen Produzent_innen.

Hier stellen wir verschiedene Tools für die medienpädagogische Praxis vor.

Scratch

Durch Scratch können kleine Spiele mit einfacher Blockprogrammiersprache entwickelt werden. Besonders beliebt und einfach umzusetzen sind hierbei kleinere Geschicklichkeitsspiele und Jump&Runs. Hierzu können auch eigene Figuren, Hintergründe und Objekte gestaltet werden, um diese in das Spiel zu integrieren. Die Programmierumgebung kann im Browser genutzt werden, alternativ kann man auch den Offline-Editor herunterladen. Die Webseite bietet einen separaten Bereich für Lehrkräfte. Hier finden sich neben Ideen und Coding-Karten auch Tutorials. Auch Lernkarten findet man online.

In der Praxis bietet es sich an, den Teilnehmenden vorab eine feste Übungsaufgabe zu geben, um das Programm kennenzulernen. Hier werden erste Programmierkompetenzen vermittelt. Anschließend können die Kinder und Jugendlichen in Gruppen gemeinsam überlegen, welche Projekte sie umsetzen möchten und möglichst kreativ sein. Im Idealfall kennt man sich als Begleitperson etwas besser mit dem Programm aus, um einschätzen zu können, was möglich ist.

Bitsy Game Maker

Mit Bitsy können eigene pixelbasierte Abenteuer entworfen werden. Hier können kleine Pixelgrafiken erstellt werden, um Abenteuer und Geschichten zu gestalten. Im Vergleich zu anderen Tools, geht es hier weniger um Programmierung, vielmehr stehen narrative Aspekte im Vordergrund.

Die Bedienung ist sehr einfach und lädt zum Ausprobieren ein. Über die Werkzeugleiste am oberen Bildschirmrand können die verschiedenen Fenster ein- und ausgeblendet werden. Hier können Kinder und Jugendliche eigene Avatare und Objekte in einfacher Pixeloptik zeichnen, Dialoge schreiben, Farben bestimmen, Spielumgebungen gestalten und mögliche Enden festlegen. Bitsy ist kostenlos nutzbar. Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Zudem kann das fertige Spiel einfach heruntergeladen und an Freunde verschickt werden. Beispiele aus Projekten der Fachstelle für Jugendmedienkultur finden sich online.

Calliope

Die Calliope ist ein Einplatinencomputer, mit dem unter anderem kleine Spiele erstellt werden können. Hiermit verbindet sie als Mikrocontroller Soft- und Hardware. Die Programmierung findet am PC statt und die fertigen Programme können dann auf die Calliope geladen werden.

Die Calliope ist in der Anschaffung vergleichweise kostspielig, da im besten Falle für alle Teilnehmenden eine Calliope vorhanden sein sollte. Dann können aber kleiner Spiele, wie Stein, Papier, Schere, programmiert werden. Hier lernen Kinder erste Blockprogrammiersprache auf einem Anfänger-Level kennen. Auch aufgrund der Haptik bietet sich die Calliope als Einsteiger-Tool an.  Dafür bietet die Calliope aber nur begrenzt Möglichkeiten, um eigene Spiele zu programmieren. Vielmehr eignet sie sich als Tool mit verschiedenen Funktionen, wie Messen der Temperatur, da sie über verschiedene Sensoren verfügt, wie Temperatursensor oder Lichtsensor sowie einen Kompass und ein Mikrofon.

Bloxels

Um Videospiele zu designen, bietet Bloxels ein gutes Werkzeug, welches sowohl einsteigerfreundlich, als auch haptisch erfahrbar ist und vielerlei Möglichkeiten zur kreativen Medienarbeit bietet. Gerade für jüngere Kinder ist eine Verbindung von haptischer und digitaler Design-Umgebung sinnvoll. Durch die Verbindung der digitalen Welt in Form der App und der analogen Welt in Form des Bloxels-Boards, lassen sich die Zusammenhänge der digitalen Welten besser greifen und die Designvorgänge lassen sich, unabhängig davon, deutlich vereinfachen.

Bloxels lässt sich jedoch auch komplett ohne das analoge Spielbrett steuern. Hierzu benötigt man lediglich die App. In dem digitalen Baukasten können auch nur digital Level gebaut und gespielt werden.

Twine

Mit Twine entstehen individuelle Text-Adventures, in denen einzelne Entscheidungen über den Verlauf einer Geschichte entscheiden. Was viele Lesefreund_innen noch in gedruckter Buchform kennen, findet sich hier digitalisiert in Form von simpel editierbaren Textelementen wieder. Mit Hilfe von leicht zu erlernenden Textcodes erschaffen Autor_innen am Ende eines Textabschnitts Handlungsmöglichkeiten. Mit Klick auf das zugehörige Wort im Text werden Leser_innen zu neuen Abschnitten geleitet, in denen die Geschichte jeweils einen anderen Verlauf nehmen kann. Auf diese Weise werden nicht nur kreative, interaktive Geschichten geschrieben, sondern auch niedrigschwellig die Prinzipien des Programmierens erlernt.

Allen Nutzer_innen, die sich mit den Grundzügen des Programms vertraut gemacht haben, stehen Zusatzfunktionen zur Verfügung: Schrift und Hintergrund sind formatierbar, zudem können Medien, wie bspw. Fotos und Links, eingefügt werden. Auch für das Storytelling hält Twine Gestaltungsmöglichkeiten bereit: Zufallsgeneratoren, unsichtbare Textelemente oder Variablen bringen zusätzliche Abwechslung in die Programmierung der ganz persönlichen Geschichte. Online finden sich zudem hilfreiche Übersichten aller Basis- und Zusatzfunktionen. 

Twine bietet objektiv betrachtet lediglich ein kostenloses Tool, das die Verlinkung verschiedener Websites untereinander ermöglicht. Die Verbindungen werden für Nutzer_innen jedoch übersichtlich und niedrigschwellig visualisiert. Durch den gut dosierbaren Schwierigkeitsgrad dürften sowohl Einsteiger_innen als auch fortgeschrittene Spieler_innen Gefallen an Twine finden.

Draw Your Game

Mit dieser App können eigene Jump&Run Level erstellt werden, indem man sie einfach auf ein Blatt Papier malt. Zur Erstellung dürfen nur die Farben Schwarz, Rot, Blau und Grün verwendet werden. Mit Schwarz zeichnen die Spieler_innen den Boden. Durch Rot werden Feuer oder Gegner, die die Spielfigur oder bewegliche Objekte zerstört, dargestellt. Mit Blau werden bewegliche Objekte, die von den Spieler_innen verschoben werden können, gezeichnet. Mithilfe von Grün können Objekte gemalt werden, auf denen die Spielfigur, wie auf einem Trampolin, springen kann. Entspricht die fertige Kreation den eigenen Vorstellungen, muss das Blatt Papier nur noch abfotografiert werden und die App erstellt aus der Zeichnung ein spielbares Level.

Neben dem Erstellungsmodus bietet Draw Your Game auch einen Spielmodus, in dem eigene oder Level aus aller Welt gespielt werden können. Erstellte Spiele können auf zwei unterschiedliche Arten gelöst werden. Beim Fluchtmodus muss das Level so schnell wie möglich beendet werden. Bei der Erstellung sollte man jedoch darauf achten, dass ein Ziel in Form einer Öffnung am Rande des Blattes eingezeichnet wird. Im Zerstörungsmodus müssen alle blauen Elemente zerstört werden, um das Spiel abzuschließen. Dabei ist zu beachten, dass man die blauen Gegenstände über roten Elementen platziert, damit diese zerstörbar sind. Mit einer Internetverbindung können eigene Level hochgeladen bzw. von anderen Spieler_innen im Abenteuermodus gespielt werden. Damit erhält man mit Draw Your Game Zugang zu einer endlosen Zahl an kreativen Kreationen, die von Leuten aus aller Welt erstellt wurden.

Die App ist im Android und im iOS Store sowie bei Steam verfügbar. Die Android- und iOS-Versionen sind kostenlos (Erweiterungen können per In-App-Käufe erworben werden), wohingegen die Steamversion 4,99 Euro kostet. Draw Your Game ist eine gute Möglichkeit, um Kindern und Jugendlichen die Themen Computerspieldesign und Computerspielentwicklung grundlegend näherzubringen.

Adventure Game Maker Studio

Mit dem Adventure Game Maker Studio können kleine Adventure Spiele entwickelt werden. Es können eigene Welten, Charaktere und Rätsel in beliebiger Grafik erzählt werden. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Die kostenlose Software kann direkt auf der Website heruntergeladen werden. Das Programm ist nur in englischer Sprache erhältlich und setzt daher Englischkenntnisse voraus. Zu Beginn stehen mehrere Tutorials zur Verfügung, die einen ersten Überblick über die zahlreichen Fenster und vorhandenen Tools liefern. Die Bedienung des Adventure Game Maker Studio erfordert keine vorhandenen Programmierkenntnisse, lebt jedoch von Eigeninitiative und Ehrgeiz. Das Spiel kann schon in der Entwicklung getestet werden. Fertige Adventures können mit Freunden geteilt oder auf der Website der Entwickler hochgeladen werden. 

Freggers Play

Die App ermöglicht das Erlernen von Blockprogrammierung, ohne dass irgendwelche Vorkenntnisse erforderlich sind. Spieler_innen können eigene Spiele erstellen oder eigene Filme animieren. Fünf unterschiedliche Welten stellen dabei die Gestaltungsbasis dar und ermöglichen beispielsweise Piraten-, Western- oder Mittelalterwelten zu erstellen. In der oberen linken Ecke befindet sich die Objektbox, in der alle verwendbaren Objekte und Charaktere zu finden sind. Mit einem Fingerwisch lassen sich alle Gegenstände einfach in das Level hineinziehen und mit einem Fingertipp lässt sich das Programmierfenster öffnen.

Zum Programmieren stehen USB-Stecker in fünf verschiedenen Farben zur Verfügung. Gelbe Stecker stellen Startbefehle dar und ermöglichen festzulegen, was passieren soll, wenn die Figur berührt wird, mit etwas kollidiert oder was geschehen soll, sobald das Level gestartet wird. Mit blauen Steckern können Bewegungen, Drehungen und Sprünge einprogrammiert werden. Unsichtbarkeit, Vergrößerung oder Verkleinerung von Gegenständen kann durch grüne Stecker erreicht werden. Violette Stecker ermöglichen das Ergänzen von Sprechblasen, Kamerafahrten, Explosions- und Soundeffekten. Zuletzt gibt es noch die orangefarbenen Stecker, mit denen Programmpassagen beschleunigt, pausiert, wiederholt oder angehalten werden können.

Freggers Play kann im Android oder iOS Store kostenlos heruntergeladen werden und ist besonders kinderfreundlich, da es keine Werbung und keine versteckten Kosten beinhaltet. Die App trainiert das räumliche Vorstellungsvermögen, fördert kreatives Denken und bietet Spieler_innen die Möglichkeit, ihrer Fantasie in dreidimensionalen Welten freien Lauf zu lassen.

Kodu GameLab

Mit Kodu Game Lab können einfache Spiele in einer 3D-Umgebung gestaltet werden. Ein Schwerpunkt liegt auf der Gestaltung der dreidimensionalen Spielwelt. Dies funktioniert einfach und intuitiv durch verschiedene Befehle. Anschließend können Objekte und Figuren in der Welt platziert und programmiert werden. Die Programmierung erfolgt in einfacher visueller Programmiersprache. So können Objekte einfache WENN/DANN-Funktionen zugewiesen werden.

Das englischssprachige Programm wurde von Microsoft herausgegeben und kann kostenlos heruntergeladen werden. Vorkenntnisse sind hilfreich, aber nicht notwendig. Fertige Spielwelten können zudem auf der Webseite hochgeladen werden. Ebenso lassen sich Spiele anderer Nutzer runterladen und spielen.

Pixel-Art online erstellen

Pixel-Grafik ist auch heute noch eine attraktive Darstellungsform im Gamedesign. Diese lässt sich kostenlos und anfängerfreundlich online erstellen und herunterladen. Das Einbinden der online-erstellten Designs in Spieleprojekte gestaltet sich dadurch sehr einfach. Tools, die die Möglichkeit bieten, Pixel-Art zu erstellen, ermöglichen nicht nur das Gestalten von Hintergründen, Objekten und statischen Spielcharakteren. Mit dem Erstellen animierter 2D-Pixel-Sprites wird die eigene Kreativität lebendig und spielbar.

Die Nutzung und Struktur der Onlineprogramme ist, mit einer sehr überschaubaren Toolbox, recht einfach gehalten. Zwei Onlineprogramme zum Erstellen von Pixel-Art, die nicht gedownloadet werden müssen, sind Piskel und Pixilart.

Sketch Nation Create

Bei dieser App handelt es sich um ein sehr einsteiger_innenfreundliches Tool für Game Design. Zu Beginn stehen den Erstellenden Spielgenres zur Verfügung. Diese sind Action, Adventure und Puzzle. Jedes Genre hat anschließend noch verschiedene Gameplays zur Auswahl. Diese bilden die Grundeinstellungen für das Spiel, was erstellt werden möchte. Haben sich die Game Designer_innen ein Genre und ein Gameplay ausgesucht, kann es auch schon losgehen.

Zuerst werden ein paar Einstellungen vorgenommen. Wie einfach oder wie komplex soll das Spiel werden und wie hochauflösend soll die Grafik sein? Hier gilt es zu beachten, zu Beginn erst einmal den einfachsten Spielmodus auszuwählen. Je komplexer dieser eingestellt wird, desto komplexer wird es auch das Spiel zu designen.

Danach kann man die ersten eigenen Veränderungen vornehmen. Je nach Gameplay und Spielkomplexität unterscheiden sich hier die Möglichkeiten. In der Regel können die Game Designer_innen den Hintergrund, den Avatar und Interaktionselemente, wie zum Beispiel Hindernisse, zeichnen und nach ihren Wünschen designen. Denn das ist es, was Sketch Nation Create hauptsächlich ausmacht: das Zeichnen. Mit dem Finger oder einem Tablet-geeigneten Stift zeichnet man die Bestandteile des Spiels. Auch Fotos können hochgeladen werden.

Ist das Spiel nach den eigenen Wünschen designt, muss es natürlich noch ausprobiert werden. Die App ist kostenlos im iOS und Android Store zum Download verfügbar. Leider ist Sketch Nation Create bisher nur auf Englisch verfügbar, lässt sich aber trotzdem leicht mit Grundkenntnissen der Sprache bedienen. Bei bestehender Internetverbindung können auch erstellte Spiele von anderen gespielt bzw. die eigenen hochgeladen werden. Sketch Nation Create ist in jedem Fall ein simpler Game Design Baukasten, mit dem schnell tolle Ergebnisse erzielt werden können.