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Outward
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Outward

Genre
Rollenspiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Deep Silver
Erscheinungsjahr
2019.03
Systeme
PC, Playstation 4, Xbox One
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Klassisches Rollenspiel mit Zweispielermodus
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Fans von klassischen Rollenspielen, Entdecker_innen, Spielende die Spaß an kooperativen Mehrspieler haben
Sprache
Deutsch, Englisch, weitere in Schrift und Ton
Grafik
realistische 3D-Grafik, teils düster gehalten, mit vereinzelten Fantasy-Effekten, wie Zauber
Sound
stimmige Soundkulisse, minimalistische, jedoch passende Musikuntermalung

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
eigener Avatar
Mehrspielermodus
kooperativ zu zweit
Spielforderungen
Lesefähigkeit und -bereitschaft, Aufmerksamkeit, Geduld, Durchhaltevermögen, Kombinationsfähigkeit, Gefühl für Taktik und Timing
Zusatzkosten
nicht vorhanden
Problematische Aspekte
Frustration, weil das Spiel nicht an die Hand nimmt. Kämpfe können überfordern
Redaktion
Patrick Habetz
Spieleratgeber-NRW
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Spielbeschreibung:
Outward ist als klassisches Rollenspiel in einem westlichen Mittelaltersetting angelegt, welches leicht mit Fantasyelementen durchsetzt ist. Spielende starten als ein Niemand in der Wildnis in der Nähe einer kleinen Hafenstadt und müssen sich zunächst einmal um ihr Überleben kümmern. Denn als ein zentrales Element bei diesem Titel bedrohen Hunger, Durst, Kälte, Müdigkeit, Krankheit und Verletzung, neben feindlichen Kreaturen und Bösewichten, das virtuelle Leben des eigenen Helden. Allerdings haben es Spielende auch sonst nicht leicht, denn der Titel versteht sich als Rollenspiel der alten Schule und stellt die Recken auch im Spielgeschehen und in der Handlung vor Herausforderungen, die aus heutiger Sicht als unangenehm schwierig wahrgenommen werden können. Dafür besteht jedoch die inzwischen ebenfalls eher rare Möglichkeit, zu zweit auf Abenteuerreise zu gehen und sich kooperativ zu unterstützen.

Pädagogische Beurteilung:
Oldschool im heutigen Zeitgeist
Rollenspiele haben sich, wie die meisten anderen Genres auch, über die letzten 20-30 Jahre enorm verändert. Viele früher gängigen Spielelemente, welche teils zwar anstrengend waren, jedoch auch mehr Immersion boten, finden sich heute aufgrund von Konformität und auch Gemütlichkeit nicht mehr in Spielen. Outward versucht einige dieser Änderungen zurückzudrehen, um dieses frühere Spielgefühl zu bieten. Zum Beispiel finden sich Aufgaben heutzutage bei Nichtspielercharakteren, die eine auffällige Markierung aufweisen, wie etwa ein Ausrufezeichen über dem Kopf. Dieser Charakter teilt den Recken dann auch umgehend mit, wo genau welches Ziel zu finden ist, eine omnipräsente Karte zeigt automatisch Markierungen an und weist mit einem Pfeil in die richtige Richtung. Anders in diesem Titel: Von Ausrufezeichen keine Spur, nur Gespräche führen zu Hinweisen, wer vielleicht eine Aufgabe anbietet, und das auch nur, wenn zuvor ein wohlwollender Dialog geführt wurde. Es folgt eine grobe Beschreibung der Aufgabe und der Name eines Ortes, der so noch nicht bekannt ist. Markierungen und ein Pfeil für die Richtung gibt es ebenfalls nicht, selbst die Karte muss erst einmal in Besitz gebracht werden. Wo es die gibt? Das muss erst einmal in Erfahrung gebracht werden. Diese ganzen Abläufe ziehen logischerweise auch eine Vielzahl an Dialogen und damit zumeist Text mit sich, der aufmerksam gelesen und beantwortet werden muss.
So funktionierten Rollenspiele vor 20 Jahren, alles war etwas mühsamer, langsamer und fordernder. Für diese Struktur begeistern sich auch heute noch viele, allerdings gefällt dies im heutigen Zeitgeist der Spielekultur bei weitem nicht mehr jedem. Gerade Jüngere können hier schnell das Interesse verlieren oder sogar frustriert werden, ohne wirklich etwas vom Spiel gesehen zu haben.

Erlebe den nächsten Tag
Spielende werden hier auf vielerlei Arten herausgefordert, um dem virtuellen Tod zu entkommen. Neben den klassischen Bedrohungen durch Monster oder Bösewichte, haben hier auch Hunger, Durst, Erschöpfung oder Krankheit eine Wirkung. Am Strand findet sich mehr als genug Wasser, doch da es sich um Salzwasser handelt, wird der Durst hier eher verstärkt als verringert. In der Stadt gibt es einen Brunnen, aber ist das Wasser sauber oder werden die Abenteurer_innen hier krank? Hat man kein Geld für Nahrung, um den Hunger zu stillen? Also lieber stehlen oder wilde Beeren essen, die vielleicht giftig sind?
Survivalaspekte in Rollenspielen sind ebenfalls beliebte Mechaniken. Da sie aber immer wieder Aufmerksamkeit und Arbeit benötigen und für den Spielfluss als eher störend statt bereichernd wahrgenommen werden können, sind auch diese eine mögliche Frustrationsquelle. Auf der anderen Seite bieten sowohl diese Elemente als auch die zuvor beschriebenen Herausforderungen das Potential zur Vermittlung von Kompetenzen, wie Geduld, Belastbarkeit oder dem Gefühl, für die gestellten Ziele auch Aufwand betreiben zu müssen. Denn dies sind Kompetenzen, die sich auch an eine Anwendung im Alltag anlehnen.

Training und Kooperation
Aufgrund der bisher beschriebenen Umstände wäre ein Übungsmodus mit grundlegenden Erklärungen hilfreich. Tatsächlich gibt es diesen zum Glück auch. Jedoch benötigt es auch hier zumindest die Geduld, die erläuterten Texte zu lesen, die Lektionen vermitteln und Funktionen beibringen wollen. Auch wenn dieses Tutorial nicht jeden Aspekt aufgreift, ist es doch umfangreich und spielt sich wie ein eigener Level.
Das Schöne ist nun die Möglichkeit, gerade diesen Titel samt dessen Herausforderungen zu zweit zu bestreiten. Sämtliche Abenteuer, die Suche nach sauberem Wasser, Essen, der nächsten Aufgabe oder dem richtigen Ort sowie der gemeinsame Kampf gegen ein hartnäckiges Monster sind mit Unterstützung und Teamwork nochmal eine andere Erfahrung. Lästiges kann aufgeteilt werden, etwa dass eine Person Trinkwasser besorgt und die andere frisches Brot beim Bäcker erwirbt, während die gemeinsame Suche, das Erkunden oder der Kampf richtig spannend und interaktiv unterhaltsam sein können. Clevere Absprachen und kombinierende Taktik im Kampf können im gemeinsamen Erfolg sowohl Spaß bringen als die Beziehung zwischen den Spielenden stärken und Kompetenzen des Teamworks auf- sowie ausbauen.

Fazit:
Outward bietet eine Kombination aus klassischen Rollenspielelementen und Survival-Mechaniken, mit der Möglichkeit, sämtliche Inhalte im Koop zu zweit zu erleben. Auf der einen Seite können die verschiedenen klassischen Elemente, welche bewusst an Oldschool-Rollenspiele angelehnt sind, im heutigen Zeitgeist der Gamingkultur als frustrierend und unattraktiv wahrgenommen werden, wie etwa die Tatsache, dass der Titel Spielenden keine direkten Hilfestellungen gibt, um weiterzukommen. Hinweise oder ganze Aufgaben sind in Dialogen versteckt, eine Karte mit automatischen Markierungen und Richtungsweiser gibt es nicht. Auch gesunde Nahrung und sauberes Wasser zu finden ist nicht ohne weiteres sofort verfügbar. Obwohl der Titel in diesen Aspekten vergleichsweise fordernd ist, ermöglicht der Koop-Modus jedoch lästige Aufgaben aufzuteilen und schwierige Herausforderungen oder Suchen nach neuen Aufgaben, Informationen und Orten als spannende Teamaktivität zu verknüpfen. Diese erfordert zwar ein gewisses Absprechen und Teamwork, kann diese Kompetenzen allerdings auch entwickeln und fördern.

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Spieletester
Games4Kalk
Köln
Bewertung Spielspass