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Wreckfest: Drive Hard. Die Last.
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Wreckfest

Genre
Rennspiele
USK
ab 6 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 10 Jahre
Vertrieb
THQ Nordic
Erscheinungsjahr
2018.06
Systeme
PC, Playstation 4, Xbox One
System im Test
Playstation 4
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Ultimativer Autospielplatz für Fans von Zerstörungsorgien
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Fans der Flatout- und Burnout-Reihe
Sprache
Deutsch
Grafik
realistische Grafik mit detaillreichem Schadensmodell
Sound
authentische Motorengeräusche mit Punk-Rock-Untermalung

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
eigener Fahrer im Rennanzug
Mehrspielermodus
online mit 2-16 Spieler_innen
Spielforderungen
Reaktionsgeschwindigkeit, Geduld
Zusatzkosten
durch Erweiterungspakete
Problematische Aspekte
erhöhter Zeitaufwand zum Geldverdienen und wegen Neustarts
Redaktion
Rafael Rauh
Spieleratgeber-NRW
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Spielbeschreibung:
Es geht doch nichts über den Geruch von Benzin und verbranntem Gummi am Morgen. Mit Wreckfest setzt der finnische Entwickler Bugbear Entertainment Ltd. den Erfolg ihrer Flatout-Reihe fort und erfüllt damit den Wunsch vieler langjähriger Fans von Fahrzeugkampfspielen. Nach dem Motto "Fahr oder Stirb" der Fast & Furious-Reihe geht es darum, in Rennen den eigenen Wagen in einem Stück aufs Treppchen zu bringen und in Demolierungs-Arenen den letzten fahrenden Wagen zu besitzen. Verrückte Events, wie Rasenmäher- oder Mähdrescherrennen, lockern dabei die Rennatmosphäre auf und sorgen für die nötige Abwechslung. Zeigt die Ampel grün, lasst Gummi brennen und Metall zerbersten!

Pädagogische Beurteilung:
Ein selten gewordenes Spielgenre
Den Grundstein für Fahrzeugkampfspiele (vehicular combat games) bei denen Unfälle oder zerstörerische Fahrweisen belohnt werden, setzte Reflections Interactive (heute Ubisoft Reflections) mit ihrer Destruction-Derby-Reihe, die 1995 das Licht der Welt erblickte und insgesamt 5 Teile hervorbrachte. Die Entwicklung von Wreckfest begann 2012 unter dem Namen "Next Car Game". Nach einer gescheiterten Kickstarter-Kampangne brachte eine Vorbesteller-Demoversion der verwendeten Zerstörungsengine genügend Aufmerksamkeit für eine erfolgreiche Early Acess Phase. Die Early Acess Phase dauerte vier Jahre und im Juni 2018 konnte Wreckfest endlich für den PC herausgebracht werden. 2019 folgte schließlich der Release für PS4 und Xbox One, der mehr Inhalt als die PC-Version enthielt. Nachträglich wurde die PC-Fassung durch ein großes Update an die Konsolenversionen inhaltlich angeglichen.

Wer bremst, verliert mehr als nur das Rennen
In Wreckfest geht es nicht darum, wer die schönste Lackierung hat, sondern darum, wer es als Erster heil über die Ziellinie schafft und während dem Rennen gleichzeitig noch am aggressivsten gefahren ist. Dabei muss darauf geachtet werden, wann defensive oder offensive Aktionen am besten zum Sieg führen. Die Kampagne ist in 5 unterschiedliche Meisterschaften aufgeteilt, die vom Schwierigkeitsgrad stetig schwerer werden und mehr Events enthalten. Jede Meisterschaft besitzt ein individuelles Punkteziel, das erfüllt werden muss, um die nächste Meisterschaft freizuschalten. Die eigene Platzierung bestimmt dabei, wie viele Punkte man pro Veranstaltung erhält.

Mit Vollgas voraus
Die erste Gameplaykomponente von Wreckfest folgt eher der klassischen Rennspielformel, wie bei Gran Turismo oder Forza Motorsport, da dort 24 Fahrzeuge über klassische Rundkurse gefahren werden und das Preisgeld umso üppiger ausfällt, je höher man platziert ist. Bei diesen Rennen kommt es besonders darauf an, so viel Gewicht am Fahrzeug einzusparen, indem man zum Beispiel Panzerung entfernt und viele Leistungssteigerungen installiert, um das Auto so schnell wie möglich zu machen. In den klassischen Rennen gibt es keine Regeln und es kann jedes dreckige Mittel dazu verwendet werden, um an die Spitze des Feldes zu gelangen. Auch die Gegner sind mit allen Wassern gewaschen und versuchen, um jeden Preis die Spieler_innen vom Sieg abzuhalten. Das kann dazu führen, dass die Gegner einige Neustarts erforderlich machen, da ein schwerer Unfall so viel Zeit kostet, dass es gar nicht mehr möglich ist, an die Spitze zu kommen. Statt einer Rückspulfunktion steht eine Rücksetzfunktion zur Verfügung. Da diese einen aber nur im Stand zurücksetzt und man all seine Geschwindigkeit verloren hat, ist ein Neustart immer noch die effektivste Variante, um einen neuen Versuch zu starten. Besonders Strecken mit Kreuzungen können zu einigen Frustmomente führen, wenn man an der letzten Kreuzung vor dem Ziel in einen Unfall verwickelt und schließlich überholt wird. 

Immer voll drauf
Die zweite Gameplaykomponente stellen die sogenannte Demolition-Derbys dar, die in unterschiedlichen Arenen stattfinden. Hierbei geht es darum, sein Auto so lange wie möglich am Leben zu halten, indem die Zustandsanzeigen des Fahrzeugs besonders beachtet werden. Bemerkt man, dass die Frontpanzerung des Wagens schon stark beschädigt ist, sollte in den Rückwärtsgang geschaltet und mit dem Heck weiter gerammt werden, um unnötig hohen Schaden zu vermeiden. Für das Rammen und Ausschalten der gegnerischen Fahrzeuge bekommen die Spieler_innen Erfahrungspunkte, wodurch das Fahrerlevel ansteigt. Um möglichst lange im Rennen zu bleiben, sollte in der Werkstatt so viel Panzerung wie möglich verbaut werden, um alle Ecken des Fahrzeugs zu schützen. Werden offensive und defensive Taktiken so effektiv wie möglich genutzt, haben die Spieler_innen eine gute Chance, sich gegenüber dem restlichen Feld als letzte Überlebende durchzusetzen. Die gegnerischen Fahrzeuge sind aber auf keinen Fall unbewegliche Ziele, sondern besitzen ausgeprägte Ausweichmethoden, wodurch der letzte Kampf Eins gegen Eins zu einem ziemlichen Katz-und-Maus-Spiel werden kann. Dies kann unter gewissen Umständen ein wenig Zeit kosten, dennoch nimmt es nie störende Ausmaße an.

Verrückt, verrückter, Wreckfest
Bereits Flatout-Reihe stach durch ihre witzigen Minispiele hervor, wobei der eigene Fahrer aus dem Auto geschleudert werden konnte, um mit ihm Basketball, Dart oder Golf zu spielen. So albern wird es in Wreckfest zwar nie, dennoch haben sich die Entwickler einige spaßige Spezialevents überlegt, die durch verrückte Fahrzeugkombination hervorstechen und den Rennalltag auflockern.
Bei einem Event fahren zum Beispiel alle Spieler_innen mit Rasenmähern gegen einen einzigen Mähdrescher, der durch das Fahrerfeld pflügt. In einer anderen Veranstaltungen tritt man mit einem dreirädrigen Kleinwagen gegen ein Gegnerfeld aus Schulbussen an und muss als Erster über die Ziellinie kommen. Dann gibt es noch fahrende Sofas, die mit Rädern, Motor, Auspuff und Spiegeln ausgestatet wurden und auf Rundstrecken für Rennen genutzt werden. In diesem Zusammenhang wird schon klar, dass Bugbear in all den Jahren nichts von ihrem bizarren Humor verloren haben und sich keine Sekunde zu ernst nehmen.

In der Werkstatt gibt es viel zu schrauben
Um mit den Kontrahenten mithalten zu können, ist das stetige Verbessern der eigenen Fahrzeuge unerlässlich. Durch aggressives Fahrverhalten, abgeschlossene Rennziele oder gute Platzierungen erhält man Erfahrungspunkte, die das eigene Fahrerlevel erhöhen. Je höher das Fahrerlevel ist, desto mehr Tuningteile stehen zur Verfügung. Dabei bietet Wreckfest eine umfangreiche Auswahl an Leistungverbesserungen, Panzerungen, optischen Anpassungsmöglichkeiten und neuen Fahrzeugen an. Leistungsverbesserungen erhöhen die Beschleunigung und die Endgeschwindigkeit, wohingegen Panzerungsteile das Gewicht erhöhen und damit das Fahrzeug robuster, aber auch langsamer machen. Optische Anpassungsmöglichkeiten verbessern ausschließlich die Optik des Wagens. Stattdessen sollte das Geld zunächst nur in Leistung und Panzerung investiert werden, da optische Anbauteile eh meistens nach der ersten Kurve schon abfallen und das Geld nicht an Bäumen wächst. In manchen Veranstaltungen können nur bestimmte Fahrzeugtypen antreten. Dies bringt einen manchmal in die Situation, dass die gesamten Ersparnisse für ein neues Auto investiert werden müssen. Da ein ungetuntes Auto nicht wettbewerbsfähig ist, muss anschließend erstmal Geld gesammelt werden, um erforderliche Leistungssteigerungen einbauen zu können. Dieser Aspekt ist mit einem erhöhten Zeitaufwand verbunden und kann ungeduldige Spieler_innen unter Umständen demotivieren. 

Detailgetreue Zerstörung dank ausgefeilter Physikengine
Die Grafik-Engine und das Physiksystem stützen sich auf die Soft-Body-Dynamik (soft-body dynamics), die eine realistische physikalische Simulation der Bewegung und Eigenschaften von deformierbaren Objekten garantiert. Dank der ausgefeilten Technik kommen somit herrliche Verformungen der Autos zustande, Betonmauern brechen realistisch kaputt und Reifenstapel fliegen physikalisch korrekt umher, wenn sie gerammt werden. All diese Faktoren untermauern den realistischen Ton und tragen zu einem authentischen Spielerlebnis bei. Die Grafik ist nicht auf dem Level von Forza Horizon 4, da die Hintergründe sehr schlicht und auch in manchen Fällen etwas simpel gehalten sind. Dennoch gleichen die detaillierten Verformungen die grafischen Schwächen aus und die Optik untermauert das rasante Gameplay. Der Sound knallt mit kernigen V8- und aggressiven Importmotorengeräuschen aus den Lautsprechern und transportiert einen ganz nah an das Renngeschehen und die Reifen quietschen und qualmen bei jeder Gelegenheit. Der Soundtrack unterstützt das Navigieren durch die Menüs und das Renngeschehen mit Punk-Rock-Liedern, die sich gut in das raue Gameplay einfügen. Der sehr überdrehte Stil von Wreckfest macht es jüngeren Spieler_innen leicht zwischen der virtuellen Welt und der Realität zu unterscheiden. Dennoch ist für das erfolgreiche Abschließen der Veranstaltungen ein gewisses Maß an Reaktionsgeschwindigkeit und Geduld erforderlich, was von jungen Spieler_innen nicht erwartet werden kann. 

Fazit:
Bei Wreckfest kommen Zerstörungsfans voll auf ihre Kosten und können in den 5 unterschiedlichen Meisterschaften etwa 20 unterhaltsame Stunden verbringen. Besonders Fans, die an die beständige Qualität von Flatout 1 und 2 gewöhnt sind, können mit dem Titel in alten Erinnerungen schwelgen. Die verrückte Atmosphäre und die lustigen Spezialevents bieten jüngeren Spieler_innen genug Möglichkeiten, um einfach zwischen Spiel und Realität zu unterscheiden. Darüber hinaus finden die Rennen auf fiktiven Rundstrecken statt und nicht in Stadtzügen, wie beispielsweise bei Burnout Paradise. Dieser Aspekt bietet weitere Abgrenzungen zum allgemeinen Straßenverkehr und erleichtert das Einordnen des Spielgeschehens. Um den wahren Spielspaß zu entfalten und in den verschiedenen Veranstaltungen erfolgreich sein zu können, ist ein gewisses Maß an Reaktionsgeschwindigkeit, Geduld und Frusttoleranz erforderlich, was von sechsjährigen Spieler_innen nicht erwartet werden kann. Aus diesem Grund erhält Wreckfest eine pädagogische Altersempfehlung von 10 Jahren.