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Days Gone
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Days Gone

Genre
Action-Adventure
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Sony Interactive Entertainment
Erscheinungsjahr
2019.04
Systeme
Playstation 4
System im Test
Playstation 4
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
spannende Bikergeschichte in einem postapokalyptischen Amerika
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Fans von storygetriebenen Open-World-Spielen
Sprache
Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Italienisch, Französisch und Spanisch
Grafik
realistisch und cineastisch inszeniert
Sound
heroischer Soundtrack mit Horrorelementen

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Kopfgeldjäger Deacon St. John und Nebencharaktere
Mehrspielermodus
nicht vorhanden
Spielforderungen
Geduld, Geschicklichkeit und Reaktionsfähigkeit
Zusatzkosten
nicht vorhanden
Problematische Aspekte
explizite Gewaltdarstellungen, unmoralische Handlungen möglich
Redaktion
Rafael Rauh
Spieleratgeber-NRW
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Spielbeschreibung:
Nachdem die Welt von einer Pandemie heimgesucht wurde, die weltweit beinahe alles Leben ausgelöscht hat und Millionen von Menschen zu Freakern mutiert sind, ist Deacon St. John einer der letzten Überlebenden, die sich in dieser postapokalyptischen Welt gegen Freakers, Menschen und Tiere zur Wehr setzen müssen. Kurz nachdem die Pandemie ausbrach, verlor Deacon seine Frau Sarah, die er kurz zuvor geheiratet hatte. Der Verlust seiner Liebe verbitterte ihn stark und bewegte ihn dazu, ein Kopfgeldjäger zu werden. Angetrieben von dem Glauben, dass seine Frau noch lebt, erkundet Deacon zusammen mit seinem Freund William Gray ,,Boozer'' die Farewell-Wildnis, die dem amerikanischen Bundesstaat Oregon nachempfunden ist, um seine Frau wiederzufinden. Gleichzeitig versucht er hinter das Geheimnis zu kommen, warum die Pandemie überhaupt ausgebrochen ist.

Pädagogische Beurteilung:
Eine fremde und feindliche Welt
Zu Beginn des Spiels sind bereits zwei Jahre vergangen, seitdem der Ausbruch des Virus die Welt für immer verändert hat. Die soziale Ordnung ist komplett verloren gegangen und rivalisierende Fraktionen haben die unterschiedlichen Bereiche der Farewell-Wildnis eingenommen. Städte wirken wie ausgestorben und Freaker durchstreifen die Landschaft in Gruppen. Zu Beginn können diese nur in kleinen Gruppen angegriffen werden, da große Gruppen mit den anfänglichen Waffen nicht bezwungen werden können. Die Natur hat die Welt wieder zurückerobert und die Aufgabe der Menschheit besteht darin, die Welt auf ganz neue Weise zu erschließen. Die Spielwelt besteht aus 6 Gebieten, die sich nicht nur optisch unterscheiden, da im Norden Schneestürme wüten, die die Sicht einschränken und die Straßen rutschig machen. Generell bietet Days Gone ein dynamisches Wettersystem, das Regen, Gewitter, Nebel und Schneestürme generieren kann. Dies trägt dazu bei, dass die Welt einen realistischen und lebhaften Eindruck macht. Die Karte kann durch das Reisen durch die Spielwelt oder indem man auf Radiotürme steigt aufgedeckt werden. Die Radiotürme erinnern an die selbe Mechanik, die auch in Far Cry oder Assassin's Creed genutzt wird, um Gebiete auf der Karte freizuschalten.

Es gibt viel zu tun
Auf seinem Weg durch diese postapokalyptische Welt trifft Deacon verschiedene Verbündete, die ihm bei seinem Vorhaben unterstützen. Diese Verbündeten haben sich in fünf Camps zusammengefunden und versuchen die Zivilisation so aufzubauen, wie sie vorher war. Die Spieler_innen steuern den Outlawbiker Deacon St. John aus der Third-Person-Perspektive und reisen durch die abwechslungsreiche Karte und erledigen Story-Missionen. Für erledigte Missionen gibt es Vertrauen und Camp-Credits. Je höher das Vertrauen in einem Camp ist, desto mehr Waffen und Motorrad-Upgrades können gekauft werden. Die Camp-Credits stellen die Währung dar, mit der Waffen, Munition und Motorrad-Upgrades gekauft werden können. Über die Karte sind verschiedene Nero-Stationen verteilt, die jeweils einen Nero-Injektor beherbergen. Ein Nero-Injektor ist eine Spritze, die entweder die Gesundheit, Ausdauer oder den Fokus steigert. Mit dem Fokus kann beim Zielen kurzzeitig die Zeit angehalten werden, um besonders schwere Treffer landen zu können. Durch das Töten von Gegnern, Erobern von feindlichen Camps und Erledigen von Haupt- oder Nebenmissionen erhalten die Spieler_innen Erfahrungspunkte, mit denen Fähigkeiten erworben werden können, die sich in die Bereiche Nahkampf, Fernkampf und Survival aufteilen. Durch diese Erweiterungsmöglichkeiten können Deacons Fähigkeiten stetig erweitert werden.

Das Motorrad ist der beste Begleiter
Das Drifter-Bike garantiert eine besonders schnelle Fortbewegung durch die Umgebung und ermöglicht im Notfall die Flucht vor großen Freaker-Horden. Es stehen technische und visuelle Verbesserungen zur Verfügung, die das Motorrad schneller und robuster machen. Satteltaschen bieten die Möglichkeit, zusätzliche Munition mitzunehmen und ein größerer Tank erweitert die Reichweite der Schnellreise. Ein Fahrzeug als Begleiter und die Art der Verbesserungsmöglichkeiten erinnern an die Mechaniken aus dem Spiel Mad Max, das 2015 erschien. Wenn das Bike beschädigt ist, muss es mit gesammeltem Schrott repariert und stetig aufgetankt werden, da es sonst irgendwann nicht mehr weiterfährt. Dies ergänzt ebenfalls den realistischen Ton des Spiels.

Freaker sind nicht die einzige Bedrohung
Freaker stellen die Hauptgegner dar und erinnern an Zombies, wie beispielsweise aus dem Blockbuster World War Z. In Days Gone stellen Freaker aber keine klassischen Untoten dar, da sie lebende Menschen sind, die sich einen Virus eingefangen haben und anschließend mutiert sind. Sie können sehr schnell rennen, sind nachtaktiv und müssen essen und trinken. Freaker weisen verschiedene Typen auf, die sich im Bezug auf Größe, Aussehen und Schnelligkeit unterscheiden. Schwärmer treten in kleineren Gruppen auf, Kreischer locken andere Freaker an und Brecher sind Kolosse, die Unmengen an Schaden einstecken können. Im Laufe der Geschichte trifft man auf die erste Horde von Freakern, die die größte Bedrohung darstellen. Diese muss erledigt werden, um die Hauptgeschichte abschließen zu können. Die restlichen 36 Horden, welche 50-400 Freaker beherbergen, stellen eine optionale Aufgabe dar, die nach oder während der Story in Angriff genommen werden kann, wenn man alle Fähigkeiten und die besten Waffen sein Eigen nennt.
Menschliche Gegner, wie die ,,Marauder'', stellen Hinterhalte, indem sie fast unsichtbare Seile über die Straße spannen, wodurch Deacon vom Bike stürzt und angreifbar ist. Rippers sind brutale, fanatische Leute, die die Freakers als gottgleiche Figuren verehren und äußerst feindlich eingestellt sind.

Eine brutale und unbarmherzige Welt
Wie in Red Dead Redemption 2 können sich die Spieler_innen auf einer großen Karte frei bewegen und haben viel Handlungsfreiheit. Die Spielwelt ist realistisch und authentisch gestaltet, was dafür sorgt, dass die Kämpfe einen ausgeprägten Gewaltgrad aufweisen. Blut spritzt bei jeder Art von Kampfaktion und mithilfe von gefundenen Ressourcen werden provisorische Nahkampfwaffen wie Sägeblätteräxte gebaut, mit denen Köpfe und Gliedmaßen abgetrennt werden können. Die lebensechte Grafik untermauert den ernsten Ton des Spiels und die Musik passt durch das Verwenden einiger Horrorelemente zum jeweiligen Geschehen.
Days Gone ist innerhalb der Kämpfe voll von expliziten Gewaltdarstellungen und unmoralischen Handlungen. Die raue Atmosphäre wird von Rückblicken zu Deacons und Sarahs damaliger Beziehung unterbrochen, die besonders rührend gestaltet sind. Allgemein erinnern die Cutscenes an die auch von Sony stammende Reihen Uncharted oder The Last of Us. In regelmäßigen Abständen besucht er das Grab seiner Frau und spricht mit ihr, was seine gefühlvolle Seite beleuchtet. Indem Deacon Leuten in Not hilft, nimmt er neben seiner kalten Persönlichkeit auch die Rolle eines Helden ein. Gerade im Spielverlauf können die Spieler_innen dazu verleitet werden, sich mit Deacon als Anti-Held zu identifizieren, wodurch die Fähigkeit erforderlich ist, das Spielgeschehen richtig einordnen zu können. Gerade von Kindern oder auch Jugendlichen kann diese Fähigkeit entwicklungsbedingt nicht immer vorausgesetzt werden.

Fazit:
Die postapokalyptische Bikergeschichte erinnert an eine Mischung aus Sons of Anarchy und World War Z. Die Beziehung zwischen dem Protagonisten und seinen Begleitern ist geprägt von Bruderschaft und Vertrauen. Die ernste Handlung wird von lockeren und gefühlvollen Momenten unterbrochen, letztendlich überwiegt aber eine kalte und raue Atmosphäre. Besonders Minderjährige können von den häufigen Gewaltdarstellungen und den plötzlichen dramatischen Situationen nachhaltig überfordert werden. Die spielerische Freiheit ermöglicht unmoralische Handlungen, die in einer fiktiven Zukunftsvision spielen. Dennoch bedarf es der Fähigkeit, eine gewisse Distanz zum Geschehen aufbauen zu können. Dies kann von jüngeren Spieler_innen aber nicht erwartet werden, wodurch ausschließlich Erwachsene mit Days Gone etwa 50 spannende Stunden verbringen können.