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Comic Con Experience 2019
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Comic Con Experience 2019 - Ein Eindruck

Vom 27. bis zum 30.06.2019 fand erstmalig in Köln die Comic Con Experience (CCXP) statt. Auf der koelnmesse kamen Fans von Comicbüchern, Filmen und Serien, Superhelden, aber auch Videospiel-, Rollen- und Brettspiel- sowie Cosplaybegeisterte zusammen, um gemeinsam ihren Leidenschaften nachzugehen und diese auszuleben.

 von Patrick Habetz

Der Umfang
Die Convention erstreckte sich über zwei Hallen plus deren Außenbereiche. Für die verschiedenen Interessensfelder gab es eigene Areale, die auch relativ klar zu erkennen waren. Verschiedene große Filmreihen waren mit eigenen Ständen und vereinzelt mit Angeboten vertreten, wie zum Beispiel die Avengers von Marvel, Batman von DC, Star Wars, Transformers, Harry Potter oder auch Stephen King's Es 2. Außerdem gab es einen Bereich von LEGO, jeweils ein großer Brettspiel- sowie Cosplaybereich, eine Künstlerarea, einen Shoppingebereich und weitere kleine Angebote.
Ein Highlight sollte wohl die Bühne mit dem angrenzenden Autorgrammbereichen sein. Es wurden Stars und Artists aus bekannten Filmen, Serien oder ähnlichen Bereichen eingeladen, um Talks zu geben und sich spannenden Diskussionen auf der Bühne vor Publikum zu stellen. Außerdem konnten Autogramme ergattert und Fotos gemacht werden. Ein Beispiel hierfür war der Besuch von Schauspieler Nikolaj Coster-Waldau, welcher vor allem durch eine Hauptrolle in Game of Thrones bekannt ist.

In den Außenbereichen der Hallen fanden sich indes einzelne Aussteller_innen, welche thematisch eher an die ehemalige Role Play Convention (RPC) erinnerten. Die RPC fand 2018 zum letzten Mal statt und wurde nun zum Teil in die Comic Con Experience integriert. Hier konnten Besucher_innen Stände und Angebote, die sonst eher auf Mittelaltermärkten zu finden sind, anschauen. So gab es beispielsweise einen Schmied oder einen Falkner, der seine Tiere im Gepäck hatte.

Der Andrang
Die Convention wirkte, im Gegensatz zur gamescom oder auch zur RPC, von der Besucher_innenanzahl sehr angenehm und überschaubar. Zu keiner Zeit gab es Gedränge. Trotz des heißen Wetters waren die Hallen dadurch angenehm klimatisiert. Was auf der einen Seite wirklich positiv klingt, wirkt auf der anderen Seite jedoch auch ernüchternd: die Experience wirkte nicht gut besucht, die Angebote hielten sich in Grenzen. Insbesondere mangelte es an Ständen, an denen es Mitmachangebote gab.

So ließen sich beispielsweise aus dem Bereich "Gaming" nur zwei Angebote finden. Es gab eine Rennsimulation zu Fast & Furious: Hobbs & Shaw und eine VR Simulation zu Star Wars. Doch auch abseits vom Gaming wirkten manche Stände leer und verlassen. Ein Beispiel bietet hier der Harry Potter-Stand, der ein schlichtes Schaubild aus dem Film zeigte, wo aber nichts weiter geschah. Auch interaktive Bereiche, wie die vielen Tische für Brettspiele, blieben oft unbesetzt. Der große Aufhänger, die Bühne und die Autogrammtische mit den Stars, waren von vereinzelten Ausnahmen eher sporadisch besucht.

Inhalte für Kinder und Jugendliche
Es gab durchaus positive Angebote für minderjährige Besucher_innen. Gerade für die Kleinsten gab es auf der einen Seite einen speziellen Bereich mit Beschäftigungsangeboten mitsamt kindlichen Motiven sowie eine Hüpfburg. Auch der LEGO-Stand lud mit einer offenen Bauecke samt riesigem Haufen Steine zum Austoben ein.

Negativ war jedoch, dass es keine räumliche Trennung zu den Angeboten für Erwachsene gab. Der große, typisch düster gehaltene Batman-Bereich mitsamt Figur und martialisch anmutenden Fahrzeugen befand sich in der Nähe des Kinderbereiches und auch generell waren mehrere Stellen und Ecken eher sporadisch ausgeleuchtet, wodurch eine düstere Atmosphäre entstehen konnte. Eine lebensgroße Figur von Marvels Hulk stand am Rand einer der Hauptgehwege und war derart unvorteilhaft von oben angestrahlt, dass er aus Kinderperspektive im Halbdunkel erschien und durchaus schaurig aussah. Auch die über die Messe laufenden Cosplayer_innen, konnten je nach Kostüm schon respekteinflößend wirken und auftreten. Für medienerfahrenere und ältere Kinder sollten diese Aspekte jedoch kein Problem darstellen.

Die Filmtrailer der Vertreter_innen des Horrorgenres waren zwar nur ab einem bestimmten Alter zugänglich, der Sichtschutz auf die Monitore bei einem der Stände (eine Wand aus roten Luftballons) war jedoch nicht lückenlos. An dieser Stelle hätten sich unsere Redakteur_innen mehr jugendschutzgewährleistende Vorkehrungen gewünscht.

Fazit
Gerade für Kinder und Jugendliche stellte sich die Frage, ob es sich lohnt, die Messe zu besuchen. Am glücklichsten und interessiertesten waren wohl die Besucher_innen, welche von vorneherein aus einem ganz expliziten Grund oder mit einer fixen Vormotivation dorthin gegangen waren. Zum Beispiel um ein bestimmtes Autogramm zu ergattern, sich im Cosplay mit Gleichgesinnten auszutauschen oder um mit anderen Fans Brettspiele zu spielen.
Alles in allem bot die Comic Con Experience eine angenehme Erfahrung. Insbesondere für Interessierte, die sich nicht durch übervolle Menschenmassen quetschen und stundenlang anstehen wollen. Andererseits jedoch blieb die Veranstaltung hinter den im Vorfeld geschürten Erwartungen zurück. Ein Erlebnis, gerade als Erfahrungseinstieg für Conventions mit diesen künstlerisch-kulturellen Hintergründen, bietet die Comic Con Experience jedoch auf jeden Fall.