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Silence
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Silence

Genre
Adventure
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Daedalic Entertainment
Erscheinungsjahr
2016.11
Systeme
PC, Playstation 4, Xbox One, Mac, Linux
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Fantasy-Abenteuer mit einsteigerfreundlichen Rätseln
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Liebhaber von kniffligen Rätseln im märchenhaften Design
Sprache
deutsch
Grafik
handgezeichnet, cineastisch inszenierte Zwischensequenzen
Sound
passende Musikuntermalung

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Noah, Renie und die kleine Raupe Spot
Mehrspielermodus
nicht vorhanden
Spielforderungen
knifflige Rätsellösen
Zusatzkosten
nicht vorhanden
Problematische Aspekte
nicht vorhanden
Autor
Ingmar Böke
Einzeltest
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Der sechzehnjährige Noah und seine kleine Schwester Renie leben in einem nicht genannten Kriegsgebiet. Während eines Luftangriffs suchen die beiden Zuflucht in einem Bunker, wo sie auf ein Portal zu Silence stoßen: einer Welt zwischen Leben und Tod, die von einer bösen Königin bedroht wird. Schnell wird deutlich, dass das Schicksal von Silence unweigerlich mit dem der Geschwister verbunden ist. Gemeinsam mit der liebenswerten Raupe Spot begeben sich Noah und Renie auf eine abenteuerliche Reise, die all ihren Zusammenhalt und Mut erfordert.  

Inhaltlich knüpft das Fantasy-Adventure an den 2009 erschienen Titel “The Whispered World“ an. Die Geschehnisse des Vorgängers werden im Intro zusammengefasst; Vorkenntnisse werden somit nicht vorausgesetzt. Sämtliche der zweidimensionalen Hintergründe wurden mit viel Liebe zum Detail per Hand gezeichnet. Das Gefühl, sich in einem interaktiven Trickfilm zu befinden, wird von cineastisch inszenierten Zwischensequenzen abgerundet. Mit den dreidimensionalen Protagonisten Renie, Noah und Spot rätseln wir uns durch eine sympathische Märchenwelt, die von finsteren Mächten bedroht wird. Auch wenn das Thema Humor nicht zu kurz kommt, beinhaltet “Silence“ sehr emotionale und dramatische Momente. Der Schwierigkeitsgrad erweist sich im Gegensatz zum Vorgänger als sehr einsteigerfreundlich. Die Spielzeit ist mit circa sechs bis acht Stunden überschaubar. Erst spät im Spiel lassen sich bedeutsame Entscheidungen treffen, die zu inhaltlichen Abweichungen führen.

Pädagogische Beurteilung:
Komfortables Abenteuer
Gesteuert werden die spielbaren Charaktere (auf dem PC) wahlweise mit Maus oder Gamepad. Um im Spiel voranzukommen, müssen bildschöne Schauplätze auf Interaktionspunkte abgesucht werden. So können Objekte manipuliert oder aufgenommen, beziehungsweise andere Figuren angesprochen werden. Im Gegensatz zu eher klassischen Adventures verfügt das Spiel nicht über ein Inventar. Kann ein Gegenstand aufgesammelt werden, muss er in unmittelbarer Umgebung mit einem anderen Objekt benutzt werden. Da innerhalb eines Spielabschnitts immer nur wenige Hintergründe zugängig sind, lassen sich viele Rätsel recht schnell lösen. Regelmäßige Erfolgserlebnisse sind somit wichtiger Bestandteil des Spiels.

Erfahrene Adventure-Spieler können diverse Hilfefunktionen abschalten, die Interaktionspunkte hervorheben, Objekte namentlich beschreiben und Tipps zur aktuellen Aufgabe liefern. Gelegentliche Mini-Spiele – etwa die gleichmäßige Zuordnung von Gewicht auf zwei Seiten einer Brücke – können auf Wunsch übersprungen werden. Geschicklichkeitseinlagen enthalten zumeist einen Hilfebalken, der Spielern die Orientierung erleichtert. Balanciert der Spieler beispielsweise auf einem Objekt, muss eine Markierung möglichst in der Mitte des Balkens gehalten werden, damit die Spielfigur nicht aus dem Tritt gerät. In seltenen Situationen können die Spielfiguren ihr Leben verlieren, wobei deren Tod nicht gezeigt wird. Wurde eine solche Szene nicht erfolgreich gemeistert, wird sie neu geladen, was beliebig viele Versuche ermöglicht. Das freie Abspeichern von Spielständen ist grundsätzlich nicht möglich, stattdessen speichert das Spiel sehr regelmäßig automatisch. Als etwas frustrierend können sich die recht langen Ladezeiten bei Schauplatzwechseln erweisen.

Eine kleine Raupe von großer Bedeutung
Einerseits ist die treue Raupe Spot mit ihren Kulleraugen und ihrer gutmütigen Natur ein großer Sympathieträger, der gerade jüngere Spieler begeistern dürfte. Anderseits erweist sich Spot aber auch als elementarer Bestandteil des Rätsel-Designs. Viele Aufgaben können nur gelöst werden, in dem Spots Fähigkeit genutzt wird, seine Form zu verändern. Muss Noah etwa einen Abhang überqueren, kann sich die Raupe platt wie eine Flunder machen und als Mini-Brücke fungieren. Muss Renie hingegen einen Sprung aus ein paar Metern Höhe wagen, lässt sich Spot zu einem Ball aufplustern, der den Aufprall abfedert. Formwandlungsrätsel wie diese lassen sich in “Silence“ zuhauf finden und stellen oft einen sehr kreativen Ansatz dar, Hindernisse zu bewältigen.

Die Handlung wartet mit vielen humorvollen Momenten auf den Spieler, kann aber auch sehr traurig, ernst und berührend sein. Die Wichtigkeit von Freundschaft, Treue und Zusammenhalt ist von elementarer Bedeutung. Explizite Gewaltszenen sind nicht vorhanden. Die Antagonisten sind visuell nicht übermäßig gruselig gestaltet. Einige düstere und bedrohliche Situationen können sich jedoch für Jugendliche unter 12 Jahren als zu furchteinflößend erweisen. Sowohl Renie als auch Noah kommen im Verlauf mit bewusstseinserweiternden Pilzen in Berührung. Sieht man von einen anschließenden Satz Noahs ab, in dem er einen Kater beklagt, ist die Wirkung der Halluzinogene unkritisch-humorvoll besetzt.

Entwicklung der Figuren
Gleichwohl wir auf einige sehr liebenswert-schrullige Figuren wie die Steinwesen Ralv und Yngo treffen, bleibt inhaltlich bedeutsameren Nebenfiguren oftmals nur eine Statistenrolle. Hier fehlt der charakterliche Feinschliff, der die plastischen Hauptfiguren auszeichnet. Gerade die Entwicklung der kleinen Renie ist essenziell wichtig. Lernen wir sie zunächst als verängstigtes kleines Mädchen kennen, so wird sie im Verlauf des Abenteuers zunehmend selbstbewusster, kecker und mutiger. Ihre betont niedlich-infantile Sprache könnte den ein oder anderen Jugendlichen allerdings abschrecken. Im Kontrast verwenden andere Figuren leichte Kraftausdrücke wie etwa das Wort “Scheiße“. Derartige Momente lassen sich allerdings nur sehr selten finden.

Sowohl Sprache als auch Text sind vollständig in deutscher Sprache verfügbar. Das Entwicklerstudio Daedalic Entertainment, das unter anderem auch für die Comedy-Adventure-Reihe “Deponia“ bekannt ist, hat seinen aktuellen Titel durchgängig mit hochwertigen Sprechern besetzt. Der Soundtrack trägt entscheidend zur atmosphärischen Spielwelt bei und verstärkt emotionale Szenen in ihrer Wirkung. 

Fazit:
“Silence“ bietet eine audiovisuelle Erfahrung der Extraklasse. Spieler ab 12 Jahren werden auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitgenommen. Der “Whispered-World“-Nachfolger ist von großem Charme geprägt, beinhaltet aber auch düstere Situationen. Der Spielkomfort ist durchgehend hoch, die Rätsel bewegen sich auf Einsteigerniveau, zeugen jedoch regelmäßig von kreativen Design-Ideen. Wer partout nicht auf knifflige Denksportaufgaben verzichten möchte, mag wenig Gefallen an Silence finden. Wer diesen Anspruch nicht hegt, und sich ansatzweise für Märchen oder Fantasy begeistern kann, dürfte hingegen große Freude an diesem Titel haben.