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Tom Clancy's The Division
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Tom Clancy's The Division

Genre
Shooter
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Ubisoft
Erscheinungsjahr
2016.03
Systeme
PC, Playstation 4, Xbox One
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Düsterer Rollenspiel-Shooter
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Shooter-Fans
Sprache
Deutsch/Englisch, komplett vertont, raue Sprache
Grafik
3D realistisch
Sound
Spielentsprechende düstere Soundkulisse

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Individuell anpassbarer Charakter
Mehrspielermodus
Online- Koop , kein Local-Koop
Spielforderungen
Hand-Auge Koordination, Reaktionsfähigkeit, Erfahrungen mit Shootern
Zusatzkosten
Season Pass (39,99€) enthält drei große Erweiterungen und Zusatzcontent + monatliche exklusive Inhaltspakete, keine Ingame-Einkäufe
Problematische Aspekte
Gewaltinhalte
Redaktion
Lisa Welter
Spieleratgeber-NRW
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Spielbeschreibung:
"Tom Clancy's The Division" spielt in den Vereinigten Staaten unser Zeit. Ganze Großstädte sind fast menschenleer. Schuld daran ist ein Virus, der von Terroristen am Black Friday über Geldscheine verbreitet wurde. Der Konsumwahn der Menschen führte dazu, dass die Bevölkerung in wenigen Tagen stark minimiert wurde und der absolute Ausnahmezustand ausgerufen wurde. Verlassene Autos blockieren die Straßen und die Häuser sind aufgrund der niedrigen Temperaturen kaum mehr bewohnt. Als einer der Überlebenden schlüpft der Spieler in die Rolle eines Agenten der „Division“. Die Agenten sollen die schutzlose Bevölkerung in der Krisensituation beschützen. Denn bei all dem Chaos in den Großstädten haben einige Banden die Situation dazu genutzt, für sich selber Ressourcen zu horten und dabei alles aus dem Weg zu räumen, was sie daran hindert. Als Agent ist es die Aufgabe des Spielers, Ressourcen für die Auffangstationen zu sammeln und Zivilisten zu beschützen oder zu befreien. Dies kann der Spieler durch Nebenmissionen und kleine Events tun. Neben der großen Open-World Spielkarte, auf der nur virtuelle Personen (NPCs) anzutreffen sind, gibt es noch eine Besonderheit des Spiels: die „Darkzone“. Dies ist ein abgegrenztes Areal, in dem Spieler gegen Spieler (PVP) antreten können. Hier gibt es besonders viele Ressourcen, die hart von anderen menschlichen Spielern umkämpft sind.

Pädagogische Beurteilung:
Charaktererstellung
Wie es oft in Rollenspielen üblich ist, muss man auch in "The Division" zu Anfang seinen eigenen spielbaren Charakter erstellen. Hierbei hat man die Auswahl zwischen dem weiblichen oder männlichen Geschlecht. Nach eigenem Geschmack kann man dann seinen Agenten anpassen. Man hat je nach Geschlecht die Auswahl zwischen 8 Gesichtern, 5 verschiedenen Frisuren sowie unterschiedlichen Accessoires, Tattoos und Kriegsbemalungen. Im Vergleich zu anderen aktuellen Genre-ähnlichen Top-Titeln ist dies eine eher maue Auswahl. Die allgemeine Anpassung des eigenen Charakters bietet nicht sehr viele Möglichkeiten. Zwar gibt es verschiedene Kleidungsstücke, doch machen diese keinen großen Unterschied aus. Der eigene Spieler kann sich nur schwer individuell abheben, da alles im selben Stil gehalten wurde.

Wer hetzt verpasst alles
Die Vorgeschichte wird zu Beginn kurz mithilfe eines Videos erklärt, danach wird der Spieler direkt in das Geschehen geworfen. Was "The Division" jedoch leider fehlt, ist ein roter Faden. Nach dem sehr linearen Intro, werden die Agenten lediglich in der Stadt New York abgesetzt. New York wurde für das Spiel in verschiedene Stadtgebiete aufgeteilt, in denen es jeweils einen Stützpunkt und viele verschiedene Missionen gibt. Anfangs liegt das Interesse des Spielers hauptsächlich darin, die eigene Hauptzentrale auszubauen. Denn in dieser fehlen wichtige Bereiche wie Technik-, Medizin- und Sicherheitsflügel. Wenn diese jedoch durch verschiedene Hauptmissionen freigeschaltet wurden, steht der Spieler ganz ohne langfristiges Ziel da. Schnell begibt man sich in die offene Welt und erledigt verschiedene Missionen. Diese Selbstständigkeit ist so eigentlich auch von dem Spiel gewollt, doch kann es genau bei diesem Spielprinzip schnell dazu kommen, dass Spieler die Missionen nur abklappern. Viele Handlungsstränge und Geschichten werden gar nicht wirklich wahrgenommen, sondern nur noch erledigt, um an die Belohnungen für die Missionen zu gelangen. Auch die sogenannten ECHO´s, die ein vergangenes Ereignis nochmal zeigen, können nur durch Klick eingesammelt werden und die Reise kann weitergehen. Nicht selten verstecken sich jedoch hinter ihnen eigentlich interessante Hintergrundinformationen zu der Spielgeschichte. Auch Nebenmissionen und ihre beinhaltenden Charaktere bieten einen schönen Einblick in die Spielwelt. Dass diese Handlungsstränge so schnell unbeachtet bleiben, liegt wohl mit daran, dass der rote Faden nicht klar gezogen wurde und die Geschichte sich sehr dem Gameplay und damit dem Sammeln von Ausrüstung unterordnet.
Wer sich also Zeit nimmt, kann auch viele atmosphärische Eindrücke des Spiels erleben. Doch wird keine zusammenhängende Hauptstory vermittelt, sondern nur kleine, oft vergangene Ereignisse. Da diese immer an verschiedenen Orten erlebt werden, kommen viele Handlungsstränge durcheinander oder haben gar keine Zusammenhänge.

Es ist und bleibt im Kern ein Shooter
Neben den kosmetischen Möglichkeiten den Charakter individuell zu gestalten, können dazu auch die vielfältigen Fähigkeiten und Talente genutzt werden. Dieses Element ist typisch für das Genre. Auch das Aufsteigen des Charakter-Levels durch Erfahrungspunkte wurde integriert. Der Spieler kann so bis Level 30 aufsteigen. Im Spielfortschritt schaltet der Spieler dadurch immer neue Fähigkeiten und Talente frei.
Doch auch wenn das Spiel viele Rollenspielelemente beinhaltet, so glänzt die Spielmechanik letztlich durch ihre realistischen Straßenschießereien. Während der Spieler in Call of Duty mitten auf dem Schlachtfeld stehen kann, ohne dass ihm ein Härchen gekrümmt wird, sieht es bei "The Division" anders aus. Hier ist es erforderlich, sich in Deckung zu begeben und taktisch zurückzuziehen oder vielleicht auch voran zu stürmen. Wer nicht in der Deckung steht, wird gnadenlos zu Boden gebracht. Wenn man mit anderen Spielern zusammen spielt, kann man in so einer Situation gerettet werden. Im Einzelspieler-Modus ist man aber direkt K.O. und muss wieder beim letzten Stützpunkt starten.
Verschiedene Waffenarten erfordern immer einen anderen Spielstil. Eine Schrotflinte erfordert eine kurze Distanz, um Gegner effektiv treffen zu können. Mit einem Scharfschützengewehr lauert man dagegen eher abseits und macht auf lange Distanz Schaden. Wie man sich auch entscheidet, jede Waffe hat ihre Vor-und Nachteile. Es liegt letztlich an dem Spieler, welchen Spielstil er bevorzugt. Obwohl das Spiel mit Handlungssträngen und Levelsystem einige Rollenspielelemente enthält, so ist es im Kern letztlich doch „nur“ ein Shooter. Die Missionen bestehen zum größten Teil aus Feuergefechten, die mit zunehmender Spielzeit irgendwann recht eintönig werden können. Und gerade die NCP´s bieten im späteren Spiel keinen großen Reiz mehr.

Alleine kommst du nicht weit
Das Spiel ist dafür konzipiert, dass man es gemeinsam mit Freunden oder Fremden – welche man bei den Safepoints treffen kann - spielt. Es fällt schon sehr früh im Spiel auf, dass solo zu spielen eine große Herausforderung darstellt. Gerade Bosskämpfe gestalten sich besonders schwer. Denn diese sind nicht selten sehr stark und habe eine große Anzahl an Gegnern um sich herum. In der teils sehr offenen Spielkarte verliert man dabei rasch den Überblick und der Spieler kann sehr schnell von den Gegnern überrannt werden. Selbst die Deckung hilft dann bei wuchtiger Feuerkraft nicht mehr aus.
Umso wichtiger ist es deshalb, sich Kameraden zu suchen. Ob direkte Freunde oder Fremde aus dem Spiel ist hierbei nicht wichtig. Ein integrierter Sprachchat bietet den Spielern die Möglichkeit, sich über Mikrofon miteinander abzusprechen und Strategien zu entwickeln. Für Eltern ist hier zu beachten, dass Jugendliche und Erwachsene ohne Filter miteinander spielen und kommunizieren können. Über die Risiken von Internetkommunikation sollte mit Jugendlichen jedoch im Alter von 16 Jahren bereits gesprochen und Regeln vereinbart worden sein.

Die Darkzone - nicht nur PVP
Die Darkzone ist der große „Spieler gegen Spieler“ Bereich des Spiels. Die Geschichte hinter der Dark Zone ist, dass dort der Ausbruch des Virus angefangen hat und dieses Gebiet abgesperrt wurde, damit sich der Virus nicht weiter ausbreiten konnte. Dort ist es möglich, seltene Ressourcen und Waffen zu finden. Außerdem besitzt dieser Spielmodus ein eigenes Levelsystem. Wenn der Spieler mit Level 30 in die Darkzone geht, muss er dort wieder auf Level 1 anfangen, kann dort jedoch ein Maximal-Level von 50 erreichen. Die große Besonderheit: In der Darkzone trifft man auf andere Spieler, die ebenfalls dort sind, um Ressourcen zu suchen und Erfahrung und Geld zu sammeln. In der abgesperrten Zone ist es nämlich möglich, durch das Töten von NCP´s oder während Expeditionen in die kontaminierten Gebiete Kisten mit Ausrüstungen zu finden. Diese müssen dann schließlich durch ein Helikopterteam heraufbefördert werden, wobei der Transport anderen Spielern, die sich ebenfalls in der Zone befinden, angezeigt wird. Dieses Szenario zeigt nun einen ganz interessanten Aspekt auf. Während der Spieler also wartet, bis der Helikopter ankommt, greifen nicht nur NCP´s an, auch andere Spieler können sich dazugesellen. Hierbei können die verschiedensten Szenarien entstehen. Die Spieler von außerhalb können helfen, angreifen oder dem Spieler letztlich sogar in den Rücken fallen. Wenn man stirbt, verliert man all seine gesammelten seltenen Gegenstände, die dann offen freiliegen und von jedem aufgesammelt werden können. Nicht selten ist das ein Grund, weshalb andere menschliche Spieler Jagd auf andere Spieler machen. Denn auch ohne den Transportevent kann man auf andere Spieler treffen. Wie das ausgeht, zeigt meist spontan die Situation.
Spieler, die andere Spieler töten, werden zum „Rogue Agenten“. Das bezeichnet Agenten, die andere Agenten umbringen und somit Verräter sind. Nach diesen wird in der Darkzone gefahndet und jedem Spieler werden die Verräter angezeigt. Das Töten eines solchen Spielers bringt überdurchschnittlich viel Geld, Erfahrung und natürlich auch die gesammelten Gegenstände des Agenten ein. Die Rogue Agenten bekommen durch Tötungen jedoch ebenfalls mehr Geld und Erfahrungspunkte. Mit dere eigenen Währung der Darkzone kann man bei den speziellen Händlern Waffen und Ausrüstung kaufen.
Durch all diese Faktoren bietet die Darkzone interessante Spielerlebnisse, da jederzeit immer etwas Unerwartetes passieren kann. Es bietet vielen Spielern den Nervenkitzel und den Schwierigkeitsgrad, der in der Hauptstory manchmal fehlt. Es entstehen nicht selten unvergessliche Situationen und Ingame-Freund-/Feindschaften stehen auf der Tagesordnung.

Schön sein oder im Hamsterrad des Grinding
Online Rollenspiele zielen fast immer auf die Suche nach besserer Ausrüstung ab und Spieler müssen viel Zeit investieren, um an die beste Ausrüstung zu kommen. Auch "The Division" weicht von diesem Schema kaum ab und schickt den Spieler auf die stundenlange Jagd nach besserer Ausrüstung. Auch hierin liegt die Schwäche der erzählten Geschichte, da es dem Spieler ab einem gewissen Zeitpunkt nur noch darum geht, an eine bessere Waffe oder ein besseres Kleidungsstück zu kommen. Das Spiel kann an einer solchen Stelle keine moralischen Fragen mehr aufwerfen oder eine packende Geschichte erzählen, da es dem Spieler darauf nicht mehr ankommt und er lediglich daran interessiert ist, die Hindernisse zwischen sich und dem Loot (der Beute) zu beseitigen. Was interessieren ihn da noch die Motive der Gegner oder gar die der eigenen Fraktion.
Ein weiterer Effekt dieses Spielprinzips ist, dass Spieler viel Zeit aufwenden müssen und immer der Karotte an der Angel hinterherlaufen. Die Stufen/Level haben kaum Auswirkung auf die Spielfähigkeiten der eigenen Figur, maßgeblich beeinflusst werden die Fähigkeiten bloß durch bessere Ausrüstung. Gerade Jugendliche sind oftmals noch nicht in der Lage, sich selbst in ihren Spielzeiten zu begrenzen. Eltern sollten sehr genau beobachten, ob die Kinder in der Lage sind, sich ohne Probleme aus dem Spiel auszuloggen und klare Regeln für Spielzeiten und Länge aufstellen.

Gewalt wie in einem Bruce Willis Film
"The Division" hat ein gewalthaltiges Setting. Waffen werden permanent zur Wahrung der eigenen Interessen eingesetzt und in der Regel wird nicht gefragt, sondern geschossen. Die Gefechte sind taktisch geprägt und finden in einem realistischen urbanen Setting statt. Gegner werden sichtbar getroffen, jedoch ist die Darstellung von Treffern als moderat zu bezeichnen. Allerdings kann es z.B. vorkommen, dass Gegner am Boden krabbeln und der Spieler ihnen „noch den Rest geben muss“. Die dargestellte Gewalt geht nicht über die Darstellung von Action-Filmen mit einer höheren Alterseinstufung hinaus.

Held oder Bösewicht?
Letztlich stellt sich in einem solchen Szenario natürlich die Frage: „Bin ich nun Held oder nicht?“ In der Regel steuert der Spieler den strahlenden Helden der Geschichte, der den Armen hilft und die Welt rettet. Im ersten Moment ist es auch zu erwarten, dass der Spieler als Division Agent für die Armen und Schwachen kämpft. Und es wird mehrfach durch Nebenmissionen klar, dass man z.B. durch Geiselbefreiung etwas Gutes tut .Doch gibt es in einer Anarchiesituation immer noch eine klare Abgrenzung zwischen Gut oder Böse? Eine gute Frage und die lässt sich nur so erklären: Es ist eine Frage der eigenen Moral und der Sicht auf die Welt. Denn eigentlich kämpft jede der feindlichen Gruppen nur für das eigene Überleben. Wenn man diese tötet, um damit eigene Ressourcen aufzustocken, dann macht man als Spieler letztlich auch nichts anderes als die „Banditenbanden“. Diese Problematik wird vor allem im englischsprachigen Raum diskutiert, z.B. auf killscreen.com.

Fazit:
"Tom Clancy's The Division" bietet durch seinen Mehrspieler-Modus und der Darkzone eine gute Langzeitmotivation. Das Spiel ist atmosphärisch, actionreich und bietet einige interessante Geschichten. Leider gehen diese während des actionreichen Gameplays sehr schnell unter. Das Spiel ist von der USK mit der Alterfreigabe „Keine Jugendfreigabe“ versehen worden, was faktisch einer Einstufung ab 18 Jahren entspricht. Die raue Atmosphäre, die dargestellte Gewalt und das anarchistische Szenario mit einer zweifelhaften Moral ist für Jugendliche unter 18 nicht geeignet.