Spieleratgeber NRW - Druckansicht von Seite #4329
Utopolis - Aufbruch der Tiere
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Utopolis - Aufbruch der Tiere

Genre
Apps
USK
nicht USK geprüft (?)
Pädagogisch
ab 10 Jahre
Vertrieb
Reality Twist
Erscheinungsjahr
2015.03
Systeme
iOS, Android
System im Test
iOS
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Demokratieprozesse können auf spielerische Weise nachvollzogen werden
Redaktion
Daniel Heinz
Spieleratgeber-NRW
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Spielbeschreibung:
Dass politische Bildung durch Games vermittelt werden kann, beweisen inzwischen zahlreiche Beispiele. Gerade durch die Interaktivität können Zusammenhänge besser verstanden werden, als es beim Lesen von Texten der Fall ist. Bei "Utopolis – Aufbruch der Tiere" können interessierte Kinder und Jugendliche nun auf spielerische Art und Weise auf Mobilen Geräten erfahren, wie sich eine Gemeinschaft nach den Prinzipen der Demokratie organisieren lässt. Eine Gruppe von maximal 25 Waldbewohnern wird durch das „Rote Leuchten“ bedroht. Nur durch eine abenteuerliche Reise ins ferne Utopolis haben sie die Chance auf Rettung. Und hierbei gilt es Entscheidungen zu treffen, Regeln zu vereinbaren und mit den Ressourcen zu wirtschaften.

Pädagogische Beurteilung:
Einstieg und Spielprinzip
Zu Beginn wählt der Spieler eine Tierart mit bestimmten Stärken als virtuellen Stellvertreter aus. Der Hirschkäfer kann als Handwerker Stahl bearbeiten und wichtige Werkzeuge für die Gemeinschaft schmieden. Das Wildschwein kümmert sich hingegen um die Verpflegung und kann Holzblöcke zu Balken weiterverarbeiten. Wenn es um Abenteuer geht, kommt der Wolf mit seiner Stärke zum Einsatz und die Spinne fertigt mit ihren alchemistischen Kenntnissen wertvolle Tränke für die Gemeinschaft. Hier wird schnell deutlich, dass jeder Mitspieler ein wertvoller Teil der Gemeinschaft sein kann - wenn er sich denn kooperativ verhält.

Der Clou
Die Zusammenarbeit der einzelnen Spieler ist entscheidend für den Erfolg des Abenteuers. Und dies geschieht durch Diskussionen im integrierten Chat und das Aushandeln von Regeln. Wer soll Rohstoffe besorgen? Ist genügend Nahrung vorhanden? Wer baut einen nützlichen Gegenstand? Mit solchen und ähnlichen Fragen ist die Gruppe immer wieder konfrontiert und muss eine Einigung finden. So kann jeder Spieler mit mehreren Vorlagen eigene Gesetze erstellen und der Gruppe unterbreiten. Über diese wird dann demokratisch abgestimmt. 

Politisches Lernen
Zwar repräsentieren Aushandlungen mit 25 Mitspielern nicht die Komplexität eines echten Staates, dennoch kann in diesem Selbstversuch herausgefunden werden, welche Probleme bei abweichenden Interessen trotz eines gemeinsamen Zieles auftreten können. Dass Kompromisse gefunden werden müssen und man sich nicht immer über andere Meinungen und Ansichten hinwegsetzen kann, können Heranwachsende hier spielerisch nachvollziehen. Denn unliebsamen und nicht kompromissfähigen Mitspielern wird auch schon mal das Stimmrecht entzogen.

Präsentation
Das Geschehen wird in Textform vor bunten und gezeichneten Hintergründen präsentiert. Eine gewisse Lesefähigkeit wird also gefordert, um das Spiel und die Kommunikationen innerhalb der Gruppe nachvollziehen zu können. Die Menüführung ist verständlich und viele Wahlmöglichkeiten sind zusätzlich bebildert dargestellt, was die Zugänglichkeit noch erhöht.

Fazit:
In diesem Mobilen Spiel für maximal 25 Personen können verschiedene Gesellschaftsmodelle und Herrschaftsformen spielerisch nachvollzogen werden. Für Heranwachsende ab 10 Jahren ist es möglich, Erfahrungen über das verantwortungsvolle und selbstbestimmte Handeln in der Gruppe in einem interaktiven Kontext zu sammeln. Durch eine pädagogische Begleitung und Nachbereitung kann das Erfahrene noch zusätzlich verfestigt ergänzt werden. Das Spiel ist kostenlos und kommt ohne In-App-Käufe aus. Negativ fiel auf, dass sich nicht immer sofort eine Gruppe an Mitspielern findet.

"Utopolis - Aufbruch der Tiere hat den Deutschen Computerspielpreis 2015 in der Kategorie Bestes Serious Game gewonnen.