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Evolve
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Evolve

Genre
Shooter
USK
ab 16 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 16 Jahre
Vertrieb
2K Games
Erscheinungsjahr
2015.02
Systeme
PC, Playstation 4, Xbox One
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Asymmetrischer Multiplayer-Shooter, bei dem Teamplay wichtiger denn je ist
Redaktion
Alexander Hundenborn
Spieleratgeber-NRW
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Vier Jäger stürzen sich aus einem Raumschiff Richtung Boden des fremden, düsteren Planeten mit Namen Shear. Vor einiger Zeit wurden hier noch wichtige Rohstoffe für die menschlichen Kolonien abgebaut, doch monströse Aliens haben die Minen und Fabriken zum Stillstand gebracht. Arbeiter und Bewohner der dortigen Kolonien mussten evakuiert werden. Die Jäger haben den Auftrag, die Monster zu finden und zu erledigen. Die Spielerinnen und Spieler haben die Wahl zwischen vier Jägerklassen oder dem Monster.
Die Aufgaben orientieren sich an den Rollen Medic, Assault, Trapper und Support. Der Medic heilt die Mitstreiter und kann das Monster verlangsamen, sowie Schwachstellen in der Panzerung durch gezielte Schüsse aus dem Scharfschützengewehr verursachen. Der Assault ist der Charakter mit der größten Durchschlagskraft. Zu Beginn kann den Aliens auf dem Planeten mit Maschinen- oder Blitzgewehr und Minen zu Leibe gerückt werden. Ein eigener Schild macht den Assault für kurze Zeit unverwundbar. Der Trapper legt Fallen, um das Monster zu verlangsamen, bzw. an Ort und Stelle zu binden. Dazu kann er zusätzlich eine Art Käfig über einen gewissen Teil der Karte spannen. Der Support besitzt die Möglichkeit, durch einen Schild einen der Mitstreiter zu schützen, solange er in Reichweite ist. Zudem kann er Luftschläge anfordern, um über kurze Zeit einen hohen Schaden auf einer begrenzten Fläche zu verursachen. Jede Klasse verfügt über drei verschiedene Charaktere, alle mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Diese werden nach und nach freigespielt. Je häufiger ein Charakter gespielt wird, desto schneller werden die stärkeren Spielfiguren freigeschaltet. Auch die Monster sind spielbar. Die Entwickler von Turtle Rock Studios ermöglichen den Spielerinnen und Spielern momentan 3 verschiedene Monster spielen zu können, die jedoch analog zu den Jägerklassen durch Spielfortschritt freigeschaltet werden müssen. Goliath ist das erste wählbare Monster. Mit weiten Sprüngen und freiem Klettern ist es den menschlichen Charakteren von der Geschwindigkeit und Beweglichkeit zwar überlegen, erleidet jedoch zu Beginn sehr viel Schaden. Um sich vor den Jägern zu schützen, kann das Monster kleinere Aliens, die auf der Karte überall umherlaufen, erlegen und fressen. Durch das Fressen der kleineren Aliens gewinnt das Monster an Panzerung dazu und kann sich, wenn es genug gefressen hat, zu einer größeren Form weiterentwickeln. Diese namensgebende Weiterentwicklung (engl.: „evolve“) kann das Monster zweimal vollziehen, um seine finale Form zu erreichen.
"Evolve" bietet nicht nur den Spielmodus der Monsterjagd, sondern insgesamt 5 Spielvarianten. Im Modus „Nest“ sind zufällig mehrere Monstereier auf der Karte versteckt, die es von den Jägern zu zerstören gilt. Das Monster kann jeweils ein Ei ausbrüten, um den einen schwächeren, aber immer noch gefährlichen Helfer für sich kämpfen zu lassen. Die Runde endet sobald entweder alle Jäger ausgeschaltet oder alle Eier vernichtet wurden. Im Rescue-Modus müssen die Spielerinnen und Spieler in einer bestimmten Zeit möglichst viele Überlebende eines Monsterangriffs retten. Das Monster muss hierbei versuchen das Jägerteam auszuschalten. Der vierte Modus ist ein Verteidigungsmodus. Hier muss ein Evakuationsschiff vor vielen Horden von Monstern beschützt werden. Wenn das spielergesteuerte Monster, das Jägerteam oder das Evakuierungsschiff vernichtet werden, endet das Spiel. Der letzte Spielmodus, Evacuation genannt, ist nicht nur online, sondern auch offline spielbar. In fünf freiwählbaren Runden werden nichtbesetzte Plätze automatisch vom Computer übernommen. Die Runden sind hierbei insofern wählbar, dass zu Beginn eines jeden Evacuation-Spiels zwischen den unterschiedlichen Spielmodi ausgewählt werden kann.

Pädagogische Beurteilung:
Bedrohliche Atmosphäre
"Evolve" bietet auf ganzer Linie eine gelungene Atmosphäre. Die Karten wirken als Jäger recht groß, als Monster dagegen deutlich kleiner, sind aber durchweg durch eine ansprechende Optik geprägt. Alte Fabrikgebäude und die nicht ganz ungefährliche Fauna verbreiten mit dem düsteren Aussehen das Gefühl einer omnipräsenten Bedrohung. Die Soundkulisse fügt sich nahtlos ein. So tragen raschelndes Gebüsch, Monstergebrüll und wuchtige Soundeffekte ebenfalls positiv zur Atmosphäre bei. In "Evolve" treffen zwei Steuerungsarten aufeinander. Die Jäger werden aus der Ego-Perspektive gesteuert, wogegen das Monster durch die sogenannte Third-Person-Ansicht manövriert wird. Eine Spielrunde ist durchschnittlich 5 – 15 Minuten lang, sodass ein kurzweiliges, actionreiches Spiel nach kurzer Zeit beendet ist und eine Wartezeit bis zur nächsten Runde die Spannung etwas löst.

David gegen Goliath
Vier gegen einen. Das scheint zunächst unfair, relativiert sich jedoch im Verlauf einer Spielrunde sehr schnell. Die Jäger verursachen über die Runde hinweg stets den gleichen Schaden, das Monster hingegen vollzieht verschiedene Entwicklungsstufen und kann durch kontinuierliches Fressen von kleineren Tieren oder Jägern seine Rüstung nach und nach aufbauen. Je länger die Runde dauert, desto schwieriger wird es das Monster zu erledigen. Somit geht für alle Spieler ein gewisser Zeitdruck einher. Das Monster muss dafür sorgen, dass es schnell in den Stufen aufsteigt und umgekehrt müssen die Jäger versuchen, so schnell wie möglich das Alien zur Strecke zu bringen. Die asynchrone Spielweise ist geprägt von ausgewogenen Stärken und Schwächen der einzelnen Klassen. So muss der Medic beispielsweise jederzeit versuchen die Teammitglieder zu heilen, sobald sie Schaden erleiden und sich gleichzeitig selbst so gut es geht aus der Schussbahn zu halten, da diese Klasse nur über wenig Lebenspunkte verfügt. Um dem Monster schnell zu Leibe zu rücken, ist ein gutes teambasiertes Vorgehen von großer Bedeutung und kommt auch dem Spielspaß zu gute. Besonders das Katz- und Mausspiel fordert hierbei den überlegten Einsatz aller Mitspieler. Das Monster wird einige Sekunden früher auf der Karte abgesetzt und kann somit einen Vorsprung herausarbeiten und einige Meter gut machen.

Multiplayer
"Evolve" wird grundsätzlich in Online-Mehrspielerpartien gespielt. Die Teams finden sich über die Plattform Steam zusammen und spielen so gegen einen weiteren Onlinespieler, der die Rolle des Monsters übernimmt. Der Spieler bekommt vor jeder Partie die Möglichkeit, seine Rollenpräferenzen anzugeben. Spielt jemand beispielsweise ungern das Monster, so stellt er das Monster an die letzte Stelle der Präferenzen. Am meisten Spaß bereitet "Evolve", wenn man mit Freunden zusammenspielt und parallel noch in einem Sprachchat oder lokal vor dem PC miteinander die Strategien absprechen kann. 

4 gegen 1 – unfair und zu schwierig?!
Wer als Jäger gegen ein Monster kämpft, benötigt ein ausgeprägtes Teamspiel. Wenn alle Spieler gut zusammenspielen, dauert eine Runde ungefähr 5 Minuten. Wenn das Monster jedoch die Schwächen eines zusammengewürfelten Teams ausnutzt, kommt es häufig dazu, dass das Monster genug Zeit gewinnen kann, sich mehrfach zu entwickeln und die Jäger zu besiegen. Die Komplexität der einzelnen Spielmodi ist relativ gering gehalten, doch das Zusammenspiel der Jäger erfordert einen tieferen Einblick in die Fähigkeiten der einzelnen Klassen. Grundsätzlich ist die Balance zwischen den Fähigkeiten der insgesamt momentan 15 spielbaren Charaktere sehr ausgeglichen. Es fühlt sich fast nie so an, als wäre ein Charakter übermächtig. Jedoch ist jeder Kampf gegen das Monster beziehungsweise gegen die Jäger sehr temporeich und fordernd. Es ist häufig schwierig den Überblick zu behalten und die unterschiedlichen Taktiken noch gekonnt einzusetzen.

Bezahlmodell
Ein vollkommen fertiges Spiel zu kaufen ist mittlerweile eine Seltenheit. Häufig werden Zusatzinhalte via sogenanntem DLC (Downloadable Content) nachgeliefert. So auch in "Evolve". Einige Monster- und Jägercharaktere werden beispielsweise nur über diese Zusatzinhalte erhältlich sein, was bei vielen Spielern Verärgerung auslöste. Man muss den Entwicklern von Turtle Rocks jedoch zu Gute halten, dass das Spiel auch ohne diese zusätzlichen Monster oder Jäger gut zu spielen ist und die meisten zusätzlichen Gegenstände rein kosmetischer Natur sind. Fragwürdig bleibt jedoch weiterhin, warum diese Vermarkungsmethode gewählt wird und ein Vollpreistitel für rund 60€ nicht ausreicht, um ein Spiel ohne DLC zu verkaufen, besonders da die Kosten der Zusatzinhalte mit 5 bis 13€ im Verhältnis zu anderen Spielen und deren Zusatzinhalten eher sehr hoch ausfallen. Der bereits aus anderen Spielen bekannte „Season Pass“, der normalerweise alle bisherigen und zukünftigen Zusatzinhalte mit einem Festpreis abdeckt, enthält bei "Evolve" nur eine geringe Auswahl der kosmetischen Verbesserungen und erhältlichen Monster. Hier ist die Verwendung der Bezeichnung „Season Pass“ irreführend. Alle bisher spielbaren Spielvarianten und Charaktere, sowie Karten werden aber ohne weitere Kosten für alle Käufer, unabhängig von Standard- oder Spezialversionen gemeinsam spielbar bleiben.

Eine Monsterjagd ist nichts für Kinder
"Evolve" ist von der USK ab 16 Jahren freigegeben worden. Diese Begründung teilen die Spieletesterinnen und Spieletester, da die durchweg düstere und bedrohliche Atmosphäre nur mit der Abstraktionsfähigkeit von Jugendlichen als fiktional zu erkennen ist. Die Spielcharaktere sind bewusst überzogen und heroisch dargestellt. Sie treten als bis an die Zähne bewaffnete Kämpfer auf. Die Monster und Aliens in der Fauna des Planeten Shears wirken sehr martialisch und beängstigend. So gibt es einige Schreckmomente, wenn man beispielsweise einer Spur hinterherjagt und plötzlich von fünf Monstern von der Seite angegriffen wird. Treffer werden weitestgehend unblutig dargestellt, die Fressanimationen bei den Monstern sind jedoch detailliert animiert.

Fazit:
"Evolve" ist ein sehr taktischer, asynchroner Shooter, der durch stimmige, aber bedrohliche Atmosphäre überzeugen kann. Das Geschäftsmodell ist aufgrund der unübersichtlichen und hochpreisigen Zusatzinhalte zu kritisieren, wobei jedoch zu Gute gehalten werden muss, dass das Zusammenspiel von Standardversion-Spielern und Spezialversion-Spielern bis auf weiteres gesichert sein soll. Solange weitere Spielvarianten und neue Karten kostenlos nachgeliefert werden und sich die Zusatzinhalte auf Charaktere und kosmetische Aspekte beschränken, kann die Langzeitmotivation aufrecht erhalten bleiben und bietet für viele Jugendliche ein sehr taktisches und spannendes Spielerlebnis.