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Dragon Age: Inquisition
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Dragon Age: Inquisition

Genre
Rollenspiele
USK
ab 16 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 16 Jahre
Vertrieb
Electronic Arts
Erscheinungsjahr
2014.11
Systeme
PC, Playstation 3, Playstation 4, Xbox 360, Xbox One
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Episches, actionorientiertes Rollenspiel
Redaktion
Daniel Heinz
Spieleratgeber-NRW
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Handlungsort dieses Teils der epischen Rollenspiel-Reihe ist der mittelalterlich anmutende Kontinent Thedas. Hier herrscht ein länderübergreifender Krieg der Templer gegen rebellierende Magier. Damit das Morden ein Ende findet, ruft die oberste Priesterin der Kirche zu einem großen Konklave auf und lädt hochrangige Vertreter beider Parteien an einen neutralen Ort. Doch statt zu einer Einigung zu kommen, legt eine gewaltige Explosion den Tempel in Schutt und Asche, wodurch die Führungsriege der beiden Parteien ausgelöscht wird. Gleichzeitig tut sich im Himmel ein Riss in die Parallelwelt des "Nichts" auf, aus dem unaufhörlich alptraumhafte Dämonen strömen.
Der Held / die Heldin des Abenteuers ist ebenfalls vor Ort, wird von einer seltsamen Lichtgestalt berührt und trägt seither ein grünes Mal auf der Hand. Mit diesem ist es ihm möglich, die überall auftauchenden Dimensionsrisse zu schließen. Er mausert sich schnell zur einzigen Hoffnung der spontan einberufenen Inquisition, welche die Welt vor dem Untergang bewahren will. Und wie in Rollenspielen üblich, steckt hinter diesem Anschlag ein finsterer Bösewicht, dessen Pläne es zu vereiteln gilt. Abseits dessen gibt es zahlreiche andere Handlungen, die sich um das eigentliche Geschehen ranken. Überall gilt es politische Intrigen sowie soziale und religiöse Konflikte zu lösen. Fortan ist es Aufgabe des Spielers, mit einer Gruppe von Abenteurern verschiedene Orte zu bereisen, dort Herausforderungen zu bestehen, folgenschwere Entscheidungen zu treffen, um schließlich die Inquisition zu neuer Macht und Stärke zu verhelfen.

Pädagogische Beurteilung:
Die Erstellung eines Helden
Mit der Erstellung einer eigenen Spielfigur beginnt die Qual der Wahl. Neben Geschlecht und Namen muss sich der Spieler zwischen den Völkern der Menschen, Elfen, Qunari und Zwerge sowie den Klassen "Krieger", "Magier" und "Schurke" entscheiden. Dies bestimmt den späteren Spielstil. Während der Krieger im Nahkampf seine Stärke zeigt, der Schurke aus der Verstohlenheit agiert, kann ein Magier mächtige Zauber wirken. Aufgrund zahlreicher optischer Individualisierungsmöglichkeiten kann sich der Spieler eine Figur nach seinem Geschmack erstellen, was eine Identifikation erleichtert.

Einstieg
Zu Beginn werden dem Spieler grundlegende Steuerungsbefehle und Handlungsoptionen verständlich erläutert, wovon vor allem die Neulinge profitierten können. Im Spielverlauf finden sich vielerorts Bücher, Schriftrollen und Objekte, die dabei helfen, interessante Fakten über Spielwelt, vergangene und aktuelle Ereignissen, wichtige Charaktere oder Kreaturen nachverfolgen zu können. Da einzelne Texte bei der Lösung von Aufgaben helfen und zu der stimmungsvollen und glaubwürdigen Atmosphäre beitragen, wird vom Spieler eine gewisse Lesebereitschaft gefordert. Allerdings sind viele der Texte unwichtig und lieblos präsentiert. Die Menge dieses Füllwerks schreckt eher ab, als zum Lesen zu motivieren.

Gemeinsam sind wir stark!
Im Spiel ist es möglich, in einer Gruppe mit maximal drei weiteren Gefährten durch die Lande zu ziehen. Im Spielverlauf trifft man bis zu neun vollkommen unterschiedliche Mitstreiter mit einer jeweils unverwechselbaren Persönlichkeit, die sich aus gänzlich verschiedenen Motiven für das eigene Vorhaben begeistern lassen. Die teils boshaften, teils witzigen Gespräche innerhalb einer solchen Heldengruppe unterstützen die Spielatmosphäre.
Als sozialer Interaktionspunkt dient der Inquisitions-Stützpunkt. Hier trifft der Held / die Heldin alle Mitstreiter, kann mit ihnen Gespräche führen, sich um ihre Sorgen kümmern, Persönliches erfahren oder mit ihnen streiten. Bei genügend Vertrauen ist es zudem möglich, Liebesbekundungen auszusprechen, woraufhin sich auch (sowohl homo- als auch heterosexuelle) Romanzen entwickeln können. Und die Spielfigur kann auch Sex haben. Auf der Darstellungsebene wird dies nicht explizit gezeigt, eher kitschig und stellenweise humoristisch inszeniert. Dennoch werden in diesen Zwischenszenen auch nackte Haut und Brüste gezeigt.

Level up!
In verschiedenen Gebieten müssen Aufgaben erledigt werden, wodurch der Spieler an Macht gewinnt. Hierdurch lassen sich neue Gebiete freischalten.
Auch die Hauptfigur und die Gefährten können im Spielverlauf stetig verbessert werden. Ab einer gewissen Anzahl an Erfahrungspunkten können mit einem hohen Maß an Freiheit Spezialisierungen, Fähigkeiten, klassenspezifische Kampfkünste oder Zauber erlernt werden, die dem eigenen Spielstil entsprechen. Hierbei sollte der Spieler stets im Auge behalten, dass sich die jeweiligen Fähigkeiten einer Gruppe möglichst optimal ergänzen sollten, weshalb die Wahl mit Bedacht getroffen werden muss. Eine weitere Option, den Charakter zu verbessern, besteht im Erwerb von Gegenständen (Items). Ob Waffen, Rüstungen, Schmuck mit verschiedenen Boni – es gibt viel zu finden und zu gewinnen in Thedas, was einen wesentlichen Anreiz dafür darstellt, die Spielumgebung genauestens erkunden zu wollen.

Präsentation
Grafisch ist dieses Rollenspiel über jeden Zweifel erhaben. Insbesondere in Zwischensequenzen wirken die Animationen der Figuren sehr realitätsnah und erinnern an dramatische Theaterdarbietungen. Diese könnten Fans von epischen Fantasygeschichten als reizvoll, ungeduldige Spieler wiederum als langatmige Spielunterbrechung empfinden. Auch die Musik und die durchgängig vertonten Dialoge sind stimmungsvoll umgesetzt.

Action!
Kämpferische Auseinandersetzungen warten an jeder Ecke von Thedas. Gewaltlos lässt sich "Dragon Age: Inquisition" nicht lösen. Die Kampfsequenzen laufen in Echtzeit ab, können allerdings auch jederzeit pausiert werden, um Befehle zuzuweisen oder eine Verschnaufpause einzulegen. Sind die Kämpfe anfangs noch vergleichsweise einfach zu bestehen, gestalten sie sich im Spielverlauf zunehmend fordernder. Fähigkeiten der Gruppenmitglieder ergänzen sich hierbei, was dem Geschehen eine taktische Tiefe verleiht. Um unnötigen Frustmomenten vorzubeugen, kann der Schwierigkeitsgrad während des laufenden Spiels der jeweiligen Herausforderung angepasst werden. Neben immer wiederkehrenden Standardkämpfen mit ähnlichen Gegnertypen müssen außerdem zahlreiche, besonders mächtige Zwischengegner und auch Drachen besiegt werden. Um diese zu bestehen wird Taktik und Geduld gefordert.

Nichts für Kinder!
Zwar kann die Darstellung von Blut in den Einstellungen gedrosselt werden, hierdurch wirken die Kämpfe allerdings nicht minder brutal, so setzt z. B. der Kämpfer zu einen mächtigen Hieb auf den Kopf seines Gegners an oder der Drache zerquetscht einen Mitstreiter unter seinen Füßen. Durch die Tatsache, dass die Gruppe nicht aus der Ego-Perspektive gesteuert wird, behält der Spieler dennoch eine gewisse Distanz zum Geschehen auf dem Bildschirm.
Auch viele der zentralen Themen, die in den zahlreichen Haupt- und Nebenaufgaben bespielt werden, weisen auf ein düsteres Setting hin, welches Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren durchaus verängstigen oder desorientieren kann. Leichenschänderei, Hinrichtungen, Auftragsmorde - "Dragon Age: Inquisition" bedient sich zahlreicher ernster Elemente, um das dramatisch-düstere und apokalyptische Szenario zu untermauern.

Entscheidungen
Besonders faszinierend sind die zahlreichen folgenschweren, emotional inszenierten, moralischen Entscheidungen, welche dem Spieler während des Abenteuers abverlangt werden. Vor allem da viele Themen auf realweltliche Konflikte verweisen. Durch ein "Multiple Choice"-System hat der Spieler vielerorts die Wahl, wie er sich in gewissen Situationen zu verhalten wünscht. Doch statt die getroffenen Entscheidungen deutlich als "Gut" oder "Böse" zu deklarieren, obliegt es dem Spieler selbst, eine entsprechende Bewertung vorzunehmen und deren Tragweite auf zukünftige Ereignisse abzuschätzen. Beispielsweise muss sich der Spieler an einer Stelle entscheiden, ob er den Magiern oder Templern helfen möchte. Da beide sowohl für Gräueltaten verantwortlich sind, aber auch durchaus plausible Motive haben, kann dies schwer fallen. Weiterhin ist es möglich, moralisch fragwürdige Entscheidungen zu treffen. Beispielsweise muss der Held auf seinem Thron über das Schicksal von Gefangenen urteilen. Ob er hier eine Hinrichtung anordnet oder Gnade walten lässt, bleibt ihm überlassen. Egal welche Wahl der Spieler trifft - die Konsequenzen seiner Entscheidung werden nicht nur in der jeweiligen Situation, sondern auch im weiteren Spielverlauf deutlich. So kann z.B. der begnadigte Gefangene im Anschluss zahlreiche Menschen töten. Durch solche gehäuft auftretenden, nachvollziehbaren moralischen Dilemmata ist es dem Spieler oft nicht möglich, bewusst und eindeutig entsprechend den Kategorien "Richtig" oder "Falsch" zu handeln, er steckt in einem moralischem Konflikt. Die Reaktionen der Gefährten reflektieren getroffene Entscheidungen zusätzlich und verschaffen diesen Begebenheiten noch mehr emotionale Tiefe. 

Quantität ist nicht gleich Qualität
Die unterschiedlich gestalteten Gebiete wie Schneelandschaft, Wüstenabschnitt, Wald und Sumpf sind riesig. Und den Spieler erwarten ganz unterschiedliche Geschichten und Herausforderungen. In einem Gebiet steht der Konflikt zwischen Templern und Magiern im Mittelpunkt. In einem anderen geht es um Untote, die auf einem ehemaligen Schlachtfeld zu neuem Leben erwachen.
Doch abseits dessen erwarten den Spieler jede Menge Sammelaufgaben, die Geduld erfordern, sich ständig wiederholen und wenig spannend inszeniert sind. So können überall eine Vielzahl an Rissen im Himmel geschlossen, Sehenswürdigkeiten und Lager für die Inquisition beansprucht, Scherben und Mosaikteile gesammelt, Mineralien geschürft und Kräuter geerntet werden. Das Erfüllen dieser redundanten Aufgaben streckt die Spielzeit in die Länge und kann über 100 Stunden beschäftigen. Spieler der Natur „Jäger und Sammler“ könnten solche Aufgaben reizvoll finden. Wer sich hingegen eher mit der Geschichte und interessanten Dialogen - der eigentlichen Stärke des Spiels - beschäftigen möchte, empfindet dies wohl eher als störendes Beiwerk. Denn durch das Absolvieren der Sammelaufgaben verliert man für viele Stunden den roten Faden und ggf. die Bindung zur eigentlichen Geschichte. War der erste Teil (Beurteilung zu Dragon Age: Origins) noch beinahe durchgängig handlungsorientiert, wirkt dieses Abenteuer in weiten Teilen wie ein weitläufiger Fantasy-Spielplatz. In diesem gibt es zwar viel zu entdecken, allerdings nur wenig Spannendes zu erleben.
Zwar interessant, aber dennoch wenig ansprechend umgesetzt ist der Kriegsrat. Ausgehend von einer Landkarte wählt man Missionen, die mit Diplomatie, Spionage oder der Armee gelöst werden. Das Ergebnis wird dann in einer Textbox eingeblendet.

Schwächen in der Erzählung
Dieses Füllmaterial stört auch hinsichtlich der Stringenz der eigentlichen Handlung. So wird man als Anführer/in der Inquisition mit verschiedensten Aufgaben betraut, die selbst eines Botenjungen nicht würdig wären. Dabei muss man doch die Welt retten! Viele dieser Aufgaben sind zwar optional, allerdings wirkt ein prall gefülltes Tagebuch mit seitenweise unerfüllten Aufgaben auch nicht gerade befriedigend.
Auch im Bereich des “Rollen“spiels sind Schwächen sichtbar. Als guter, stets hilfsbereiter Held zu agieren fühlt sich stimmig an. Doch wer sich in einer virtuellen Umgebung als gemeiner, machtbesessener und selbstsüchtiger Bösewicht ausprobieren möchte, erfährt dafür kaum eine Reaktion von der Bevölkerung. 

Zeitliche Bindung
Das Rollenspiel mit dem hohen Umfang bedarf längerer Sitzungen und kann eher nicht Zwischendurch gespielt werden. Ein erneuter Durchgang ist durchaus lohnenswert. So erlebt man vielleicht ein leicht abgewandeltes Abenteuer, je nachdem welche Entscheidungen man fällt. Da der Hersteller in regelmäßigem Abstand Spielerweiterungen anbietet, welche neue Areale und Abenteuer eröffnen sowie weitere Charaktere in das Geschehen einfügen, erhöht sich der Wiederspielwert zusätzlich. Es ist möglich, dass faszinierte Spieler länger als geplant in der virtuellen Welt verweilen wollen. Von einer langfristigen Bindung an die Spielwelt, wie dies bei Online-Rollenspielen der Fall sein kann, ist i.d.R. allerdings nicht auszugehen.

Fazit:
Auch dieser Teil der Rollenspiel-Serie ist ein entscheidungskritisches, emotionales, erwachsen erzähltes, episches Erlebnis für Spieler, die Geduld und Ausdauer mitbringen und vor allem bereit sind, viel Zeit zu investieren. Die hier präsentierte düstere Fantasywelt mit den zahlreichen gewaltvollen Konflikten kann jüngere Jugendliche und Kinder ggf. verängstigen. Bei vielen Aufgaben handelt es sich um redundante Sammelaufgaben, die von der eigentlichen Spielgeschichte ablenken.