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Risen 3: Titan Lords
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Risen 3: Titan Lords

Genre
Rollenspiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 16 Jahre
Vertrieb
Deep Silver
Erscheinungsjahr
2014.08
Systeme
PC, Playstation 3, Xbox 360
System im Test
Xbox 360
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Prolliger Piratencharme, ein absurdes Kampfsystem & wenig Neuerungen
Gruppenleiter
Christopher Wandel
Games4Kalk
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Pünktlich zum Release liegt der dritte Teil der Risen-Reihe vor den Mitgliedern der Gruppe The Game Connection. „Bist du sicher, Chris, dass das Spiel ab zwölf ist?!“ Ja, das Spiel ist ab zwölf Jahren freigegeben und sorgt allein durch das Cover der Hülle für den Eindruck: Hier geht die Post ab! Als Gothic-Fan der ersten Stunde verfolgt der Autor die Entwicklungen der Spieleschmiede „Phyrania Bytes“ und weiß um jede Neuerung dieser Fantasy-Reihe. Dass Gothic (Beurteilung zu Gothic 3) damals zu Risen wurde, war eine gute Entscheidung. Zu lange zogen sich die ewig gleichen Dialoge und Schlagabtausche in die Länge, eine merkliche Weiterentwicklung hinsichtlich des Kampfsystems ließ auch stets auf sich warten. Mit der Geburt der Risen-Reihe wurden die ersten mutigen Schritte unternommen, um den Spielern endlich einmal das zu bieten, was in anderen Fantasy-Rollenspielen längst schon Standard war. Ob "Risen 3" diesem Anspruch an Raffinesse und Weiterentwicklung gerecht wurde, wird die Beurteilung zeigen.

Pädagogische Beurteilung:
Belangloser Start, es fehlt das Kafkaeske!
Sowohl in Risen als auch in Gothic waren die Anfänge stets kafkaesk: Wir werden völlig unvorbereitet in eine neue Situation geworfen, ohne zu wissen, warum „uns“ das passiert noch wohin die Reise gehen wird. Dieser überraschende Start fehlt im dritten Teil; stattdessen laufen wir mit unserer Schwester Patty über den Strand der Krabbenküste, sammeln ein paar Gegenstände ein, erlegen ein paar wilde Tiere, überlisten eine Hand voll Piraten und: sterben! Dieser erste Abschnitt stellt Tutorial als auch Auftakt der Hauptgeschichte dar. Unsere Beerdigung wirkt ein wenig zu traurig und zu kitschig für die Tester – wären sie an seiner statt verstorben: jeder von ihnen hätte sich anstatt Tränen eine epische Grabesrede gewünscht. Die ist aber auch gar nicht so wichtig, denn die epischen Erlebnisse sollen ja noch folgen.

Drei Wochen nach der Beerdigung wird unser Grab von einem seltsam aussehenden Kerl aufgesucht. Sein Name ist Bones und er scheint magiebegabt zu sein. Wer bereits den zweiten Teil der Risen-Reihe gespielt hat, wird sich an diesen Zeitgenossen noch erinnern. Seinen Voodoo Kräften ist es zu verdanken, dass die Hölle ein weiteres Mal auf unsere Seele warten muss. Doch das gibt es nicht umsonst. Auf unsere Seele müssen wir erst einmal verzichten. Diese befindet sich im Schattenreich und muss zurück in unseren Körper gelangen. Doch stellt dieses Unterfangen einen Wettlauf gegen die Zeit dar, schließlich laufen wir Gefahr selbst zu einem Diener des Schattenreichs zu werden.
Nachdem das Tutorial, das Ende unseres Lebens sowie die Wiedergeburt gelaufen sind, steht es uns frei, die Insel Krabbenküste noch einmal unter die Lupe zu nehmen oder aber die Fahrt auf das offene Meer anzutreten. Immerhin gibt es noch weitere Inseln zu entdecken. Welche sich davon zu Anfang am besten eignen ist nicht so ganz klar. Um unsere Seele (in Risen „Geist“ genannt) zurückzuerlangen benötigen wir eine mächtige, magische Quelle. Als Magiekundige werden die Magier auf der Insel Taranis und die Eingeborenen der Insel Kila benannt. Auch die Dämonenjäger aus Calador stellen eine Option dar. Somit scheint die Welt auf jeden Fall riesig und die Wahlfreiheit gewaltig zu sein. Doch steht die benannte Freiheit im direkten Gegensatz zu besagtem „Wettlauf gegen die Zeit“. Das Gefühl, dass wir unter allen Umständen unseren Geist zurückerlangen müssen stellt sich bei der Vielzahl an Möglichkeiten nicht ein. Vielmehr schleicht sich der Eindruck ein „Sieh dich erst mal um, werde etwas stärker und besser und kümmere dich dann um deine Angelegenheiten“. 
Gelegentlich werden wir im Schlaf von Albträumen heimgesucht, die uns daran erinnern sollen, dass wir über unsere „Geistlosigkeit“ noch ein Ziel vor Augen haben nämlich besagten Geist wiederzuerlangen. Doch dagegen gibt es eine simple Lösung: nicht schlafen! Wie auch in den vorangegangenen Teilen ist dies für den Helden nicht notwendig! Solange wir ausreichend Proviant zur Verfügung haben müssen wir uns über fehlenden Schlaf keine Gedanken machen. Schlaf dient somit überwiegend der Zeitüberbrückung. 

Und täglich grüßt das Murmeltier
Nach insgesamt fünf Teilen und vielen guten Running Gags des deutschen Herstellers Piranha Bytes, fällt nach und nach auf, dass gewisse Pfade nun ausgetreten scheinen. Die Dialoge der Bürger in einem Ort sind oftmals schlicht und stellenweise vulgär. Der raue Ton untereinander konnte sich lang genug halten, jetzt ist er lästig. Doch viel schlimmer: Die gesamte Szenerie wirkt erschreckend leblos für ein sonst so lebhaftes und abwechslungsreiches Spiel. Dies trifft auch auf unseren Helden zu. Kommentare wie „Wo ich herkomme, ist es ehrliche Arbeit, Leuten aufs Maul zu hauen“ sind nicht männlich, sondern prollig! Auch wenn das Piratenthema eigentlich im zweiten Teil bedient wurde, scheint der raue Seebären-Charme nicht zu verfliegen.

Das Moralsystem auf dem Prüfstand
Neu hingegen ist das auf Punkten basierende Moralsystem. Die Dialogfelder bieten hierbei wie gewohnt verschiedene Reaktionsmöglichkeiten an. Behandeln wir die Einwohner freundlich und zuvorkommend, so erhalten wir Pluspunkte auf dem sogenannten Seelenkonto. Lassen wir den harten Proll raushängen, verringern sich die Punkte entsprechend. Der unterwegs gefundene Seelenstaub dient als Zahlungsmittel, um verärgerte Begleiter wieder gütig zu stimmen. Dies ist schade, schließlich wird dadurch der Anspruch genommen, dem Seelenkonto den nötigen Ernst beizumessen. Somit ist fraglich, ob die Idee dem Namen „Moralsystem“ überhaupt gerecht wird oder ob es sich hierbei nicht vielmehr um ein Seelenpunkte-System ohne nennenswerten Effekt handelt. 

Drei Lager
Wie immer haben wir die Möglichkeit zwischen drei Lagern zu wählen. Jedes Lager präsentiert eine eigene Klasse. In "Risen 3" handelt es sich dabei um Wächter, Dämonenjäger und Voodoo-Piraten. Um einer Fraktion beitreten zu dürfen, müssen wir uns zunächst einen Namen machen. Zu diesem Anlass müssen wir uns einigen Aufgaben und Prüfungen stellen, die uns Erfahrungspunkte einbringen.
Hinweis: Bevor man sich einem Lager anschließen, empfiehlt es sich alle Lager aufzusuchen und sich den entsprechenden Aufgaben zu widmen. Beim vorschnellen Beitritt gehen wertvolle Erfahrungspunkte verloren!
Sobald wir uns einer Gemeinschaft angeschlossen haben, besteht die Möglichkeit neue Fähigkeiten und Zauber zu erlernen. Dies ist auch dringend notwendig, denn ab jetzt werden die Abenteuer und Gefahren stetig schwerer. Erfreulicherweise wird jetzt die Geschichte auch deutlich relevanter, denn all unsere zukünftigen Handlungen ziehen Konsequenzen für den weiteren Spielverlauf mit sich. 

Eine Spielwelt mit Wohlfühlatmosphäre
Was die Qualität der Spielwelt betrifft, so hat sich Piranha Bytes wieder einmal selbst übertroffen! Jede Insel hat ihren ganz eigenen Charme und bietet abwechslungsreiche Eindrücke in Sachen Flora und Fauna. Dies trifft zumindest für die PC Version zu, die Qualität der Xbox 360 Version lässt trotz hochwertigem Bildschirm stark zu wünschen übrig. Dies führte dazu, dass einzelne Szenen sogar am PC zur korrekten Beurteilung nachgespielt werden mussten.

Es gibt immer was zu tun
Nachdem bereits einzelne Versäumnisse oder Schwächen auffielen, muss an dieser Stelle betont werden, dass es dennoch nicht an Beschäftigung mangelt. In "Risen 3" gibt es jede Menge zu tun! Entweder wir widmen uns den typischen Aufgaben und erledigen etwas für jemanden oder wir finden Gegenstände die eine Quest eröffnen (wie beispielsweise Artefakte oder Bücher).
Nebenbei besteht ebenfalls die Möglichkeit sich weiterzubilden. Wie auch in den anderen Teilen ist es uns gestattet, einen Beruf zu erlernen. So ist es uns beispielsweise als Schnapsbrenner möglich heilende Tränke herzustellen, als Schmied hingegen können wir zerbrochene Schmuckstücke und Waffen reparieren. Und an Rohstoffen mangelt es nicht, überall in der Natur sind wertvolle Pflanzen zu finden und Edelmetalle schlummern tief in den Höhlen. Dies betrifft auch die Vielzahl an Gegenständen. Die Wildnis ist voll mit verborgenen Truhen, rätselhaften Sarkophagen und sonstigen Behältern, die es von uns zu leeren gilt. Wer sich die Mühe macht genauer hinzusehen wird belohnt! Kleine Rätsel und Schatzkarten sorgen für zusätzlichen Reichtum, bedürfen allerdings einer großen Portion Mut. Denn auch hier müssen erst einmal zahlreiche Feinde und Monster zur Strecke gebracht werden. Zudem sind die Schätze gut versteckt. 

Absurdes Kampfsystem
Auch wenn die Kampfszenen weitaus flüssiger laufen als im Vorgängertitel, ist das Kampfsystem ein absurdes Hin und Her aus „Halten & Klicken“. Aus diesem Grund sehen die Fechtkünste unseres Helden auch weniger episch aus, vielmehr erinnern die Bewegungen an einen holprigen Tanzversuch. Dies verbessert sich im Spielverlauf, konnte aber dennoch nicht gänzlich überzeugen. An dieser Stelle hätte mit Altbewährtem gepunktet werden können. Es lohnt sich also zu Anfang des Spiels ein wenig an den Stränden entlang zu laufen und sich mit dem neuen Kampfsystem vertraut zu machen. Sonst kann es passieren, dass die Spielfreude an den tendenziell stärkeren Gegnern zu Grunde geht. Da Gefechte meistens im Nahkampf mit Schwert oder Säbel ausgetragen werden, fließt hier auch ordentlich Blut. Auf explizitere Darstellungen wurde aber glücklicherweise verzichtet.

Kreuzfahrten sind spannender!
Nachdem Ubisoft in „Assassins Creed IV – Black Flag“ (Link zur Beurteilung) mit seinen Seeschlachten neue Maßstäbe setzte, scheint die Inspiration der Programmierer von Piranha Bytes nicht allzu lange angehalten zu haben. Zwar wurde das Spiel grundsätzlich vom karibischen Piratencharme befreit, dennoch scheint man dem Spieler hier unbedingt zeigen zu wollen, dass die Neuerung keinem derzeitigen Standard entspricht und dennoch dabei sein musste. Immerhin können wir wieder schwimmen. Die Kämpfe auf hoher See gegen Seeungeheuer kommen selten vor, machen aber Spaß. Dennoch fehlt es an Schiffen mit satter Prise und Mannschaften, die wir aufmischen können.

Fazit:
Es ist ein Jammer, dass fünf Vorgängertitel es nicht geschafft haben, die Hersteller auf eindeutige Schwachstellen sowie Potenziale hinzuweisen. "Risen 3" hätte ein herausragender Titel werden können. Die bombastische Spielwelt (zumindest als PC-Version) mit den vielen, abwechslungsreichen Landstrichen bietet den perfekten Schauplatz für ein einzigartiges Abenteuer, bis wir ins erste Dorf gelangen und der erste Bewohner den Mund aufmacht! Platte Dialoge, teilweise vulgärer Piratencharme und ein absurdes Kampfsystem beeinträchtigen die Spielfreude und lassen das Spiel eher „gewöhnlich“ erscheinen. Die Konsolenversion ist rausgeworfenes Geld, die Spieletester empfehlen daher das Spiel auf dem Computer zu spielen.
Neben der Hauptgeschichte gibt es zahlreiche Möglichkeiten sich die Zeit zu vertreiben. Abenteuer, Handwerksberufe, Auftragsmorde und Expeditionen beschäftigen den Spieler und sorgen dafür, dass die sonstigen Schwächen des Spiels nicht zum Abbruch führen.
Langjährige Gothic- und Risenfans werden jedoch enttäuscht sein. Entweder bedarf es langsam wieder einer neuen Geschichte, einer ganz neuen Reihe oder aber die Hersteller geben sich zukünftig dreimal soviel Mühe den Spielspaß alter Tage wiederzubeleben.

Beurteilung der Spieletester zuklappen
Spieletester
Games4Kalk
Köln
Bewertung Spielspass