Spieleratgeber NRW - Druckansicht von Seite #4125
Das Testament des Sherlock Holmes
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Das Testament des Sherlock Holmes

Genre
Adventure
USK
ab 16 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 16 Jahre
Vertrieb
Focus Home Interactive
Erscheinungsjahr
2012.09
Systeme
PC, Playstation 3, Xbox 360
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Point & Click-Adventure in der Rolle des berühmt berüchtigten Detektivs
Redaktion
Karolina Kaczmarczyk
Spieleratgeber-NRW
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Spielbeschreibung:
"Das Testament des Sherlock des Sherlock Holmes" ist ein Point & Click Adventure, welches alle Liebhaber des Detektivs Sherlock Holmes faszinieren wird. Es handelt sich hierbei um den sechsten Teil aus der Spielreihe (siehe auch Beurteilung zu Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper), welche auf Arthur Conan Doyles Geschichten über den fiktiven Detektiv Sherlock Holmes basieren. Das Spiel wird im Einzelspielermodus gespielt. Im Falle des Tests wurde das Spiel an einem Pc gespielt und dementsprechend über Tastatur und Maus bedient.
Die Story spielt im düsteren und verhängnisvollen London im Jahre 1898. Nachdem Sherlock Holmes, der wohl meist berühmt berüchtigte Detektiv Londons den Fall um die wertvolle Perlenkette einer Marquise löst, diese sich jedoch als eine Fälschung entpuppt, befindet sich Holmes selbst im Visier und wird des Diebstahls und Betrugs bezichtigt. Holmes dringt in tiefste Abgründe vor und leitet eine eigene Ermittlung ein, um seine Unschuld zu beweisen. Da sogar sein Freund Dr. Watson an seiner Unschuld zweifelt ist er nur noch auf sich und sein eigenes Können angewiesen.

Pädagogische Beurteilung:
Spielerischer Einstieg
Die einzelnen Spielfunktionen werden als Einstieg in Form eines Tutorials erklärt. In der ersten Szene, in der Holmes das Zimmer der Marquise untersuchen muss, werden Hilfestellungen eingeblendet, sodass der Spieler stets weiß, was er zu tun hat und während des Spielens die Funktionen kennenlernen kann. Eine Besonderheit des Spiels ist die Möglichkeit, die Spielperspektive zu wechseln, um ein umfangreiches Bild des Geschehens zu bekommen. Es ist sowohl möglich aus der klassischen „first-person“, als aus der „third-person“ Perspektive zu spielen. Im späteren Spielverlauf kann der Spieler auch zwischen Sherlock Holmes und Dr. Watson wechseln, um mit beiden Akteuren bestimmte Aufgaben zu lösen. So ist es möglich das Spiel selbst zu gestalten, wodurch die Handlung nicht linear erfolgt. Es liegt nämlich am Spieler, in welcher Reihenfolge er bestimmte Kriterien untersucht oder Indizien aufdeckt und dadurch die Ermittlungen gestaltet

Der Alltag eines Detektivs
Die Geschichte spielt im viktorianischen London. Dementsprechend sind nicht nur die Charaktere im Spiel, deren Sprache, sondern auch die Stadt selbst an den damals vorherrschenden Zustand angepasst. Während des Spiels müssen die Spieler mit anderen Charakteren interagieren, Gegenstände und Tatorte untersuchen, Tote obduzieren und darauf basierend die Tathergänge konstruieren, um mit der Recherche voranzuschreiten und die Rätsel zu lösen. Die Aufgaben fordern den Spieler kognitiv heraus, denn die zu lösenden Fälle benötigen Grips, Durchhaltevermögen und vor allem Gerissenheit. Ganz nach dem Schema von Point & Click-Adventures soll beim Spieler logisches Denken durch verzwickt gestellte Aufgaben gestärkt werden. Das Spiel beinhaltet Minispiele, welche zur Klärung von übergeordneten Fragestellungen führen sollen. So sammelt der Spieler im Laufe des Spiels Utensilien, die in Dr. Watsons Inventar zu finden sind und zur Lösung von Aufgaben führen sollen - wobei diese teilweise erst kombiniert angewendet werden können. Sollte der Spieler nicht weiterkommen, kann nötigenfalls Holmes‘ „Sechster Sinn“ aktiviert werden, der dann schließlich für Bruchteile von Sekunden Indizien zeigt, die für die Ermittlung elementar sind. Das Spiel ist mit Filmsequenzen durchzogen, die bestimmte Aktionen und Szenen darstellen, um dem Spieler spezifische Einsichten in die Handlung zu geben.

Passende Atmosphäre
Da es sich um ein Spiel handelt, bei dem Kriminalfälle gelöst werden, sollte mit kriminellen Tätigkeiten, Gewalt und insofern auch Mord und Toten gerechnet werden. Hierbei wurde allerdings eine Lösung angewandt, um auf explizite Darstellungen zu verzichten. Bilder und Szenen, die solche Inhalte zeigen, sind auf spezifische Weise comicartig verzerrt. Gewaltakte werden nicht gezeigt. Die visuellen Ebene des Spiels wird durch die Tonebene erweitert und spiegelt eine unheimliche und gleichzeitig spannende Atmosphäre wider.
Es wird im Spiel viel mit Verstärkung gearbeitet, welche auf positiver als auch auf negativer Ebene erfolgen kann. Positive Verstärkung findet durch materielle oder sprachliche Belohnungen wie Abzeichen oder durch Kommentare statt. Der Spieler ist stolz und fühlt sich erfolgreich, nachdem er knifflige Aufgaben gelöst hat und zusätzlich auch noch belohnt wurde. Negative Verstärkung findet ebenfalls durch die Kommentierung von Sherlock Holmes statt. Es findet jedoch kein traditionelles Scheitern statt, da man im Falle eines Fehlers nicht das gesamte Spiel wiederholen muss, sondern nur bestimmte sehr kurze Sequenzen.

Fazit:
Das Spiel eignet sich für Spieler, die Interesse an Kriminalgeschichten und spezifisch an den Geschichten von Sherlock Holmes haben. Durch den gelungenen Ausgleich des Inhaltlichen, Visuellen und Auditiven ist es dem Spieler schnell möglich, sich in die Geschichte hineinzuversetzen und im Spiel vollkommen aufzugehen. Es ist schade, dass das Verhältnis der beiden Hauptcharaktere Sherlock und Watson im Vergleich zur Primärliteratur und vergleichbaren medialen Angeboten, wie der Serie, etwas verzerrt dargestellt wird, sodass man trotz des Spielerlebens eine gewisse Distanz zum Geschehen bildet, sofern man die Hintergrundgeschichte kennt. Durch die zu der Zeit vorherrschenden Verhältnisse in London, wo Gewalt, Alkohol, Drogen und Prostitution Alltag waren, ist das Spiel erst ab 16 Jahren geeignet. Die Rahmenhandlung des Spiels sowie die Inhalte sind nicht für jüngere Spieler zu empfehlen.