Spieleratgeber NRW - Druckansicht von Seite #3855
Scrolls
https://www.spieleratgeber-nrw.de:443/site.3855.de.1.html

Scrolls

Genre
Strategie
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Mojang
Erscheinungsjahr
2013.06
Systeme
PC, Mac
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Motivierendes Online-Sammelkartenspiel für Strategen
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Das schwedische Entwicklerstudio Mojang ist vor allem für das Spiel Minecraft bekannt, welches mittlerweile über 33 Millionen Mal verkauft wurde. Wer Minecraft kennt, wird schnell merken, dass Scrolls eine komplett andere Spielerfahrung bietet und die beiden Spiele kaum etwas gemein haben. Anstatt sich wie in Minecraft aus Klötzen sein digitales Eigenheim zu basteln, erwartet den Spielerhier ein komplexes digitales Sammelkartenspiel á la Yu-Gi-Oh! oder Magic: The Gathering. Hinter der stimmigen, ansprechenden Optik verbirgt sich ein taktischer und fordernder Strategietitel. Um in den ca. 20-minütigen Mehrspielerduellen zu gewinnen, muss man Geduld und eine Portion Gehirnschmalz investieren.

Pädagogische Beurteilung:

Von Christoph Poier

Spielgefühl
Scrolls ist derzeit für PC und Mac erhältlich. Die Hardwareanforderungen sind dabei nicht allzu hoch. Das Spiel läuft auch auf älteren PCs und Laptops. Scrolls wird weitestgehend mit der Maus gesteuert. Hin und wieder kommt auch die Tastatur zum Einsatz. Die Entwickler planen, das Spiel in naher Zukunft auch für Tablets zu veröffentlichen.

Im Gegensatz zu „echten" Sammelkartenspielen werden die Karten in Scrolls zu kleinen Miniaturkreaturen auf einem Spielbrett. Dies gibt dem Spiel eine weitere taktische Dimension, nämlich deren Positionierung. Diese will wohl überlegt sein und entscheidet oft über Sieg oder Niederlage. Denn die Siegkonditionen sind eng mit dem Spielbrett verbunden. In den Spielen, welche ausschließlich 1 gegen 1 gespielt werden, verfügt jeder Spieler über 5 Reihen mit jeweils 3 Feldern, auf denen die eigenen Kreaturen platziert werden können. Diese beiden Reihen stehen sich direkt gegenüber. Am Ende jeder dieser Reihen befindet sich eine Säule. Jeder Spieler verfügt also über 5 Säulen. Ziel ist es nun 3 dieser 5 Säulen zu zerstören. Dies gelingt durch klugen Einsatz der eigenen Kreaturen. Wer nun die verschiedenen Spielelemente geschickt miteinander kombiniert, gewinnt. Grundsätzlich erfindet Scrolls das Rad nicht neu, ist aber durch kluge Kombination bereits bekannter Elemente ein interessanter Ideenmix.

Auch die ansprechenden Animationen und stimmungsvoll gezeichneten Karten und Spielfiguren tragen zu einem positiven Gesamteindruck bei. Mit viel Liebe zum Detail vermitteln die einzelnen Karten ein breites Spektrum an unterschiedlichen Stimmungen. Ob heroische Wikinger, mysteriöse Kultisten, stoische Generäle oder gruselige Vampire - Scrolls bietet eine Menge Abwechslung. Dabei ist die Gewaltdarstellung in Scrolls sehr reduziert. Die Kreaturen greifen zwar einander an, jedoch bleiben die Kampfanimation dezent im Hintergrund. Der Fokus liegt zu jeder Zeit auf den taktischen Entscheidungen der Spieler.

Deckbuilding
Obwohl es ein klassisches Tutorial gibt, welches die wichtigsten Spielregeln erklärt, müssen neue Spieler einiges an Geduld und Ausdauer mitbringen, um die Feinheiten des Ablaufs zu begreifen und selbst ausführen zu können.

Doch genau hierin liegt die Faszination von Scrolls. Wie in den bereits erwähnten Sammelkartenspielen ist es unmöglich, von Anfang an einen Überblick über die Masse an verschiedenen Karten und damit verbundenen Strategien zu haben. Diesen muss man sich erst erarbeiten. Wer also bereits andere Genrevertreter kennt und mag, wird vermutlich auch hieran interessant finden. Es gibt eine Menge zu entdecken. Scrolls fordert vom Spieler, dass sich dieser aus den zur Verfügung stehenden Karten eine Auswahl zusammenstellt. Dieser Auswahlprozess wird durch ein Regelsystem strukturiert. Es existiert ein Maximalwert, welchen die Summe der ausgewählten Karten nicht überschreiten darf. Dieser Prozess kann für neue Spieler undurchsichtig erscheinen und sie zunächst überfordern. Jedoch ist es auch ungemein befriedigend, wenn man anstelle der vorgefertigten Kartenzusammenstellungen eine eigene Konstellation ausprobiert und mit ihr erfolgreich ist. Hat man sich einen gewissen Überblick über die verschiedenen Karten eines Sammelkartenspiels erarbeitet, ist man schnell drin im eigentlichen Sammeln. Denn hat man erst einmal eine neue Strategie entdeckt, besitzt aber noch nicht alle verfügbaren Karten, gilt es die fehlenden Exemplare aufzutreiben. Hierzu nutzt man die Chatraumfunktion des Spiels. Diese ermöglicht den unkomplizierten Handel. Hierbei gilt auch: Ist man mit dieser Facette des Spiels vertraut, macht es eine Menge Spaß, die Angebote anderer Spieler nach einer speziellen Karte zu durchstöbern. Anfangs kann dieser Prozess jedoch schnell überfordern.

Wer sich grundsätzlich für das phantastische Setting erwärmen kann, bekommt einen sehr strategischen Titel geboten. Wegen der bereits beschriebenen Komplexität des Spiels muss einiges an logischem Denken eingebracht werden. Interessierte ab 13 Jahren können das Spiel i.d.R. mit Geduld meistern. Hervorzuheben ist noch, dass Scrolls bisher nur auf Englisch verfügbar ist. Übersetzungen sollen aber folgen.

Geschäftsmodel
Erwirbt man das Spiel im offiziellen Shop des Entwicklerstudios Mojang für knapp 15€, gibt es ein Repertoire aus einigen Karten hinzu. Weitere können im Shop des Spiels erstanden werden. Dafür muss der Spieler jedoch kein echtes Geld bezahlen, sondern Goldmünzen. Diese kann man in unterschiedlicher Weise durch Spielen verdienen. Zumeist über erfolgreiche Partien gegen andere Spieler. Zusätzlich existiert mit Kristallen eine zweite Währung. Diese müssen, im Gegensatz zu Goldmünzen, mit echtem Geld erstanden werden. Mit ihnen kann man zusätzliche Kostüme für die eigene Spielerfigur erwerben, aber auch weitere Kartensätze. Die Entwickler haben bereits zugesichert, dass Scrolls immer auch ohne zusätzliche Kosten spielbar bleiben soll. Das Geschäftsmodell ist grundlegend fair gestaltet. Allerdings sind für solche Zahlungen erfolgsorientierte oder ungeduldige Spieler am ehesten empfänglich. Doch neben dem Kaufpreis ist ein weiterer Einsatz von Echtgeld nicht notwendig, was mit Spielern thematisiert werden sollte.

Fazit:
Es braucht seine Zeit, sich einzuarbeiten und mit der Fülle an Karten vertraut zu machen. Ist man aber bereit die notwendige Zeit zu investieren, wird man mit einem strategischen und atmosphärischen Titel belohnt. Die Community um das Spiel agiert freundlich und hilfsbereit. Das ist bei vielen Onlinemehrspielertiteln leider anders. Beachtet werden sollte die Möglichkeit, neben dem Kaufpreis zusätzliches Echtgeld investieren zu können, um u.a. weitere erfolgsversprechende Kartenpakete kaufen zu können.