World of Tanks

Genre
Onlinespiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Wargaming
Erscheinungsjahr
2010.08
Systeme
PC
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Kurzweilige aber sehr komplexe Online-Panzersimulation mit möglichen Folgekosten
Freier Mitarbeiter
Philipp Dubberke
Spieleratgeber-NRW
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
World of Tanks muss heruntergeladen werden, ist nur im Internet spielbar und prinzipiell kostenlos. Es können jedoch Zusätze gegen echtes Geld gekauft werden, die zum schnellen Spiel zwischendurch nicht nötig sind, im späteren, professionellen Spielverlauf jedoch fast unumgänglich werden. Auch wenn der Name stark an das Online-Rollenspiel World of Warcraft erinnert, haben die beiden Spiele verhältnismäßig wenig gemeinsam. Die Spieler*innen übernehmen, wie auch in der Battlefield-Reihe möglich, die Kontrolle über einen Panzer und tragen zusammen mit 14 Mitspielenden im Internet sehr taktische Gefechte gegen ein Team aus 15 anderen menschlichen Mitspielenden aus. Für jedes Gefecht erhalten die Spielenden Kredit- und Erfahrungspunkte - hier zeigen sich die Gemeinsamkeiten mit Online-Rollenspielen – mit denen sich neue Panzer und Verbesserungen kaufen lassen. Es gibt keine Handlung. Der Einstieg ist kompliziert und kann in den ersten Runden frustrierend sein. Haben Jugendliche die Grundlagen jedoch erst verstanden, sind die Gefechte kurzweilig und bieten sehr viel taktisches Potential. Es werden ausschließlich Fahrzeuge angezeigt, es gibt keine sichtbaren Menschen im Spiel und auch Geschütze mit offenem Führerhaus zeigen lediglich einen leeren Sitz. Die Panzer sind in verschiedene Nationen unterteilt, in den Gefechten sind diese jedoch wild durcheinander gewürfelt, das verringert mögliche rassistische Problematiken, schafft sie aber nicht aus der Welt.

Pädagogische Beurteilung:
Um World of Tanks spielen zu können, ist lediglich eine Internetverbindung und ein moderner PC notwendig. Nach dem Anmeldung zum Spiel, müssen noch die Spieldateien heruntergeladen werden und die Spielenden können sich ins Gefecht stürzen – das Alter der Spielenden wird an keiner Stelle überprüft. Jedoch ist das Spiel recht komplex und junge Spielende verlieren ob der trockenen Darstellung schnell den Spaß, explizite Gewaltdarstellungen gibt es keine, es wird jedoch geschossen und es explodieren Fahrzeuge. Die Panzer-Simulation richtet sich eher an ein erwachsenes Publikum, das sich für Technik und Taktik begeistert, es gibt auch keinerlei Handlung. Die Motivation zu spielen, besteht im Wettstreit mit anderen Mitspielenden und dem Erspielen neuer Panzer.
Auch wenn Jugendliche nicht unbedingt die Kernspielerschaft darstellen, übt die vom Spiel thematisierte Militärtechnik auf sie einen starken Reiz aus - die Online-Rollenspieltypischen Belohnungsmechanismen stellen einen weiteren Ansporn auch für jüngere Spielende dar. Hier sollten Eltern den Dialog mit ihren Kindern suchen, um zu reflektieren, dass es sich sehr wohl um Krieg handelt, obwohl nur Fahrzeuge gezeigt werden. Die Panzerpalette bietet zwar auch Kettenfahrzeuge, die nach dem zweiten Weltkrieg gebaut wurden, der Bezug auf dieses historische Ereignis bietet sich jedoch trotzdem sehr an.

Zeitaufwand
World of Tanks lässt sich auf der Einsteiger-Ebene hervorragend "mal eben" spielen. Die Gefechte enden, sobald die gegnerische Basis eingenommen ist, alle Gegner zerstört sind oder schlicht nach 15 Minuten. Diese kurzen Scharmützel machen – das Verständnis der Spielmechaniken vorausgesetzt – Spaß, kratzen die Idee der komplexen Simulation jedoch nur an. Erwachsene Spielende, die mitunter sehr viel Zeit in das Spiel investieren, verbünden sich zu sogenannten Clans und tragen taktisch durchorganisierte Gefechte gegen andere Gruppierungen aus. Fast alle dieser Gruppen nehmen nur volljährige Spielende auf, einige akzeptieren auch Spielende ab 16 Jahren. Sollten Jugendliche sich einer solchen Truppe anschließen und ambitioniert mitspielen wollen, kann World of Tanks sehr zeitintensiv werden. Einige Clans haben feste Trainingszeiten, in denen Taktikschulungen stattfinden, hinzu kommen regelmäßige Schlachten gegen andere Gruppen. In diesem Fall bietet sich ein von Eltern und Kind gemeinsam geplantes Stundenkonto an, das den Jugendlichen die Möglichkeit bietet aktiv am professionellen Spielgeschehen teilzunehmen - jedoch auch übermäßigem Spiel entgegenwirkt. Trotzdem ist es mit einer solchen Zeitlimitierung kaum möglich, ohne den Einsatz von echtem Geld erfolgreich in sogenannten Clanwars (Schlachten gegen andere Clans) mitzuspielen. Dazu wird ein hochrangiger Panzer benötigt, der ohne eine sogenannte Premium-Mitgliedschaft gut und gerne 200 und mehr Stunden Spielzeit erfordert.

Kosten
Das Panzerspiel ist prinzipiell kostenlos, es können jedoch auch Inhalte gegen echtes Geld erworben werden, wobei die kritisch zu betrachtende Bezahlung mit dem Handy möglich ist. Mit echter Währung lassen sich unter anderem Panzer kaufen, die sonst sehr langwierig erspielt werden müssen. Diese sind nur notwendig, wenn die Spieler*innen wenig Zeit zur Verfügung haben, aber trotzdem aktiv am fortgeschrittenen Spiel teilnehmen wollen – etwa in einem Clan. Solch ein Premiumfahrzeug kostet jedoch bis zu 100 Euro, was teilweise teurer ist als ein neu erschienenes Vollpreisspiel für den PC. Eine solche Investition muss genau abgewogen werden, vor allem, weil zum professionellen Spielen auf hohem Niveau ebenfalls ein Premium-Zugang nötig ist, wenn die Spielenden nicht jeden Tag mehrere Stunden mit dem Spiel beschäftigt sein können – ein Premium-Zugang kostet pro Monat weitere zehn Euro oder einen Euro pro Tag. 

Fazit:
Wenn World of Tanks zwischendurch gespielt wird, ist es relativ unproblematisch, solange Eltern gemeinsam mit ihren Kindern reflektieren, dass es sich hier um eine Kriegssimulation handelt. Die unteren Panzerklassen erfordern keinen Zeitaufwand außer den im Schnitt zehnminütigen Gefechten – diese können jedoch schnell frustrierend werden, weil die Beherrschung des Panzer recht komplex ist und man auch auf erfahrene Spielende treffen kann, die sich mitunter auch mit kleinen Panzern auf den Karten herumtreiben. Sollten Ambitionen bestehen, wirklich gut zu werden, ist World of Tanks sehr zeitintensiv. Hinzu kommt, dass ab einem gewissen Spielfortschritt Echtgeldeinsatz fast unumgänglich wird – alles in allem ist die komplexe Simulation für Erwachsene gemacht, gegen ein kleines Geplänkel zwischendurch spricht jedoch nichts.