Wie Spiele psychologisch beeinflussen

Das Computerspiele ebenso wie andere Medien Tricks und Kniffe nutzen, um die Spieler möglichst lange zu fesseln ist bekannt. Doch welche psychologischen Hilfsmittel werden eingesetzt, um ein möglichst immersives Spielerlebnis zu erzeugen?

Von Linda Scholz

Bereits zu Beginn der Computerspiel-Ära sorgten einfache Elemente wie eine Highscore-Liste dafür, dass die Spieler immer weiter spielen beziehungsweise erneut spielen wollten, um besser zu werden und möglichst viele Erfolge zu erzielen. Das Gefühl knifflige Aufgaben zu meistern und der Wille sein Können unter Beweis zu stellen, sind hierbei wichtige Faktoren. Und auch heutzutage helfen Psycho-Tricks, Spieler gekonnt zu lenken und zu manipulieren. Allein bei der optischen Darstellung sind Tricks aus der Wahrnehmungs- und Farbforschung erkennbar, um die Spieler zu beeinflussen.

Folgende Quests müssen noch erledigt werden

Castleville

Tatsächlich stehen in den meisten Computerspielen verschiedene Aufgaben im Mittelpunkt, die durch einen anfänglichen Erfolg eingeleitet werden. In der Studie „The Endowes Progress Effect“ wurde genau dieses psychologische Mittel untersucht. Gerade solche Aufgaben sind es, die den Spieler erst motivieren und dann nicht mehr loslassen. Solange eine Aufgabe noch nicht erledigt ist, erscheint sie als unerledigt und erinnert den Spieler stets daran, dass es noch etwas zu tun gibt beziehungsweise eine Mission noch nicht vollendet wurde. Zusätzlich wird oftmals im Questbuch angezeigt, welche unerledigten Aufgaben und Missionen der Spieler noch hat. Besonders Online-Spiele und Free-to-Play Games machen sich dies zu Nutze. Dadurch, dass es kein wirkliches Spielziel gibt, kommen immer wieder neue Aufgaben und Missionen hinzu, um die Spieler möglichst lange an das Spiel zu binden. Durch aufblinkende Pop-Ups oder plötzliche Funde eines der gesuchten Gegenstände rufen die Spiele selbst die nicht vollendeten Aufgaben in das Gedächtnis der Spieler zurück. Durch die Zahlung geringer Geldbeträge kann eine Aufgabe hierbei meist schneller abgeschlossen werden.

Das Spiel mit den Farben

Medal of Honor

Doch auch die Farbgestaltung spielt bei Videospielen eine große Rolle. So assoziieren Spieler die Farbe Rot meist mit Gefahr, Explosionen oder Feuer, wodurch die Aufmerksamkeit geschickt gelenkt wird. Nicht umsonst werden gerade bei actionlastigen Spielen und Shootern sogenannte Blood-Screens bei Verletzungen angezeigt, von denen Studien belegen (vgl. Andrew Elliot, Psychologe der Universität Rochester: Color Red Increases the Speed and Strength of Reactions), dass sie aufgrund der roten Farbe die Reaktionsfähigkeit der Spieler steigern sowie Puls, Atmung und Blutdruck erhöhen. Dem einher geht das positive Gefühl der Erleichterung, sobald die schwierige Stelle erfolgreich absolviert wurde.

The Legend of Zelda - The Wind Waker

Auch bei Gegnern und Endbossen erkennt der Spieler dadurch die Schwachstellen und weiß, mit welcher Taktik er diese zu besiegen hat. Empfindliche Teile sind hierbei meist leuchtend oder farblich markiert. Während Pastelltöne meist beruhigend wirken und unter anderem der Wegfindung dienen. Denn auch in größeren Spielgebieten und Open World Spielen dienen leuchtende Objekte, Bereiche oder Türen dazu, dem Spieler unterbewusst den Weg vorzugeben. All diese Tricks helfen unter anderem der Immersion/dem Mittendrin Gefühl. Der Spieler fühlt sich als Teil des Spiels, da die kognitiven Prozesse unterbewusst ablaufen und er so den Anforderungen stets gewachsen ist.

Sehen und gesehen werden

Spiele werden optisch so dargestellt, dass sie möglichst real wirken. Gerade wenn es Lichtreflektionen oder Blut/Dreckspritzer auf dem Bildschirm gibt, erinnern Spiele sehr an Actionfilme und auch die direkte Ansprache von dem Spiel an den Spieler ist ein gekonnt eingesetztes Mittel, um den Spieler vergessen zu lassen, dass er ein Spiel spielt.

Far Cry 3

Diese Durchbrechung der vierten Wand erleichtert dem Spieler das Eintauchen in die virtuelle Welt zusätzlich. Durch Augenkontakt und das direkte Ansprechen der Spieler können diese mehr Empathie für die virtuellen Figuren empfinden oder sich mit ihnen identifizieren, da die Spielfiguren in dem Falle besonders menschlich handeln und unterbewusst in ihrer virtuellen Welt als menschlich agierend wahrgenommen werden. Neben Sympathie kann so auch die Abneigung beziehungsweise Antipathie gelenkt werden. Ist ein Antagonist dem Spieler also besonders unsympathisch, ist dieser gewillt, das Spiel zu vollenden, um dem Bösen seine gerechte Strafe zu verpassen. In dem Falle erlebt der Spieler Befriedigung, da er den Opfern Vergeltung verschafft. Hierbei wird der Feind meist nur in seiner vollen Boshaftigkeit dargestellt. Fragen nach Moral oder Ethik werden in vielen Fällen nicht thematisiert.

Mario Kart 8

Auch die bereits angesprochene Highscore-Liste findet heutzutage noch Verwendung. Mittlerweile ist es vor allem durch Apps und Mobile Games möglich, sein Können im direkten Vergleich mit anderen Spielern zu beweisen. In Konkurrenz zu anderen zu stehen und die Nase vorne zu haben ist ein Urinstinkt der Menschen und Spiele nutzen dies gekonnt, um den Willen der Schnellste, Beste und Erfolgreichste zu sein, verstärkt zu fokussieren. Sobald ein Spieler sieht, welchen Erfolg Freunde haben, will er diesen auch erreichen, um sich selbst und anderen zu beweisen, was er kann. Daher nutzen Spieleplattformen auch mehr und mehr verschiedene Trophäenlisten.

Musikalische Intermezzo

Final Fantasy XII

Der Erfolg kann jedoch ebenso als Belohnung fungieren wie virtuelle Güter, die der Spieler nach einem Kampf oder einer bestandenen Mission erhält. Der Hirnforscher Wolfram Schulz fand beispielsweise in einem Experiment heraus, dass der Körper bei positiver Belohnung das Glückshormon Dopamin ausschüttet (vgl. Max-Planck.Gesellschaft). Dieses Glücksgefühl wird vom Gehirn mit Bildern und Tönen verknüpft, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass viele Spiele altbekannte Geräusche nutzen, sobald der Spieler eine Belohnung erhält. So ist der Sound, der erklingt, sobald Link in The Legend of Zelda (Beurteilung zu The Legend of Zelda - Skyward Sword) eine Schatztruhe öffnet in allen Zelda-Ablegern immer der gleiche. Dasselbe gilt für die Siegesfanfare in Final Fantasy (Beurteilung zu Final Fantasy XIII-2). In leicht abgeänderter Form erklingt in jedem Teil der Reihe nach einem erfolgreichen Kampf die gleiche Melodie (vgl: The Psychology of Game Music). Doch ebenso können Musik und Geräusche negative Assoziationen hervorrufen. Während fröhliche Musik meist eine heitere Stimmung verbreitet, sorgt langsame, basslastige oder nicht melodische Musik für ein ungutes Gefühl beim Spieler. Durch Musik kann so auch Angst, Spannung und Unbehaglichkeit erzeugt werden, wie es in vielen Horrorspielen üblich ist.

Allgemein nutzen Computerspiele ähnliche Tricks wie etwa die Filmindustrie. Letztlich ist dies nicht immer etwas schlechtes, da dadurch auch ein intensives Spielerlebnis erzeugt wird. Es gilt jedoch solche Tricks zu kennen und auf diese zu achten. Gerade Themen wie lange Spielzeiten können bei einer selbstreflexiven Betrachtung so besser hinterfragt werden.

Quelle: PC-Games (www.pcgames.de) Ausgabe 05/14, Die Psycho-Tricks der Spiele-Designer von Michael Förtsch und Benedikt Plass-Fleßenkämper

Siehe auch: plassma.de