Exzessives Spielen als Diagnose deklariert

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Computerspielsucht unter der Bezeichnung Gaming Disorder zu einer eigenständigen Diagnose erklärt.

Die neu vorgestellte elfte Version des ICD-Kriterienkataloges (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) definiert als weltweiter Standard verschiedenste Verletzungen, Krankheiten, Störungen oder auch Todesursachen. Die Aufnahme der Gaming Disorder als eigenständige Diagnose führt nun dazu, dass sich Ärzte bei der Diagnose an den im Katalog beschriebenen Symptomen orientieren und diese entsprechend abrechnen können.
Der ICD-11-Katalog benennt für die Gaming Disorder drei Kriterien: Die Priorität des Spielens gegenüber anderen Aktivitäten, die Häufigkeit sowie die Dauer des Spielens, als auch das Weiterspielen trotz negativer Konsequenzen.

In Fachkreisen stößt diese Aufnahme allerdings auch auf Kritik. Laut einiger Psycholog_Innen könnte eine solche Diagnosestellung dazu führen, dass statt der Ursache lediglich das Symptom behandelt werden würde. Denn meist stecken hinter auffälligen Spielverhalten tieferliegende Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen.
Auch aus sozialwissenschaftlicher Sicht kann eine vorschnelle Diagnose problematisch sein, wenn die individuelle Lebenssituation der Betroffenen bei der Diagnose nicht ausreichend berücksichtigt wird, welche ebenfalls ein exzessives Spielverhalten begünstigen kann.

Durch die Vorstellung der ICD-11-Version besitzt diese noch keine Gültigkeit. 2019 soll sie auf der Weltgesundheitsorganisation verabschiedet werden und wäre dann ab dem 1. Januar 2022 gültig.

Der Spieleratgeber NRW wird sich in den nächsten ein bis zwei Wochen eingehender mit der Thematik auseinandersetzen und weitere Artikel dazu veröffentlichen.

Hier finden sie unser Dossier zum Thema Medienwirkung und exzessives Spielen.

Weitere Informationen zur Vorstellung des ICD-11 finden sie in diesem Artikel von aerzteblatt.de.