Hitman 3

Genre
Action-Adventure
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
IO Interactive
Erscheinungsjahr
2021.01
Systeme
PC, Playstation 4, Xbox One, Nintendo Switch, PlaStation 5, Xbox Series X/S
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Realistisch gestaltetes Action-Spiel rund um einen Auftragsmörder
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
volljährige Fans von Action-Spielen mit verschiedenen Missionen
Sprache
Englisch mit deutschen Untertiteln
Grafik
sehr atmosphärisch und realitätsnah gestaltete Umgebungen mit zahlreichen Details, oft starre Mimik und Gestik der Charaktere
Sound
realistische Geräuschkulisse der Umgebungen

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Agent 47
Mehrspielermodus
nicht vorhanden
Spielforderungen
strategisches Denken und Handeln
Zusatzkosten
nicht vorhanden
Problematische Aspekte
Darstellungen von Gewalt, Darstellungen von Drogen, Kraftausdrücke, fragwürdige Moral
Redaktion
Sarah Hermes
Spieleratgeber-NRW
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Spielbeschreibung:
IO Interactive liefert mit Hitman 3 den dritten und letzten Teil seiner World of Assassination-Trilogie. In diesem Action-Adventure besteht die Aufgabe der Spieler*innen darin, in der Rolle des Auftragsmörders Agent 47 zahlreiche Zielpersonen in einer Reihe verschiedener Missionen zu töten. Agent 47 arbeitet für das ICA, einem weltweit agierenden Konzern, der aus professionellen Auftragsmördern und Attentätern besteht und für die weltweit wohlhabendsten und einflussreichsten Kunden tätig ist. Die Agenten der ICA werden bei ihrer Arbeit von Betreuern unterstützt. Wie in den beiden Vorgängerversionen wird Agent 47 Diana Burnwood als Betreuerin an die Seite gestellt, welche regelmäßig Kontakt aufnimmt und wichtige Informationen über die Zielpersonen mitteilt. Die Spieler*innen nutzen mit Waffen, Fallen, Sprengstoffen, Giften uvm. eine Vielzahl verschiedener Strategien, um die Zielpersonen zu töten und die einzelnen Level damit erfolgreich zu beenden.

Pädagogische Beurteilung:
Spielwelt
Wie bei den Vorgängern ist die Geschichte in verschiedene Missionen unterteilt, die an 6 detailliert und farbenfroh gestalteten Schauplätzen in Dubai, England, Rumänien, Argentinien, China und Berlin stattfinden. Von einem Wolkenkratzer in Dubai über ein altes britisches Herrenhaus bis hin zu einem luxuriösen Weingut in Argentinien – die Locations der einzelnen Missionen sind abwechslungsreich gestaltet. Die verschiedenen Orte sind hierbei nur nach Erreichen des nächsten Levels zugänglich, also im Gegensatz zu OpenWorld-Games nicht frei erkundbar. In jedem Level wird den Spieler*innen in der Rolle des Auftragsmörders Agent 47 die Freiheit überlassen, wie sie die Zielpersonen töten möchten. Wahlweise kann erst eine Person des Personals ausgeschaltet und dessen Kleidung übernommen werden, um sich Zugang zu speziellen Räumlichkeiten zu verschaffen und somit in die Nähe der Zielpersonen zu kommen. Die Spieler*innen können sich aber beispielsweise auch als Detektiv ausgeben und für die Zielpersonen spezielle Fälle lösen, um sich diesen zu nähern und sie danach zu ermorden. Jedes Level bietet zahlreiche unterschiedliche Lösungswege, weshalb die Motivation auch bei einem erneuten Durchgang erhalten bleibt. Jede einzelne Mission beinhaltet zudem verschiedene kleinere Untermissionen – Aufgaben, die für das Erreichen des Missionsziels nicht zwangsläufig notwendig sind.

Sprache und Spielmodus
Wie bei allen Ablegern der World of Assassination-Reihe fehlt auch in Hitman 3 eine deutsche Sprachausgabe. Das Spiel brilliert jedoch durch eine sehr gute englische Synchronisation mit deutschen Untertiteln sowie Informationstexten zum Hintergrund des Auftrags und der Auftragsopfer. Die Untertitel bleiben allerdings gerade so lange stehen, dass sie bei sehr schnellem Lesen noch erfasst werden können, was an einigen Stellen den Spielfluss hemmt.
Auch für Fans des Mehrspielermodus lässt Hitman 3 zu wünschen übrig: Im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängerversionen wurde diesmal auf einen Multiplayer-Modus verzichtet. Mit dem Escalations-Mode, der Spieler*innen vor immer komplexere Aufgaben mit neuen Hindernissen stellt, dem Contracts-Mode, der es ermöglicht, eigene Aufträge zu erstellen und diese mit Freunden zu teilen, und dem Solo-Modus Sniper Assassin, der die Herausforderung stellt, die Zielpersonen in möglichst kurzer Zeit zu töten ohne den Alarm auszulösen, bietet Hitman 3 trotz des fehlenden Multiplayer-Modus dennoch drei vielversprechende Modi.

Dauer und Anforderungen
Die insgesamt 6 Missionen lassen sich von geübten Spieler*innen in 5-6 Stunden absolvieren. Einige der Lösungswege, wie beispielsweise das Übernehmen der Identität einer anderen Person, sind relativ zeitaufwändig, doch auch hier dauert es letztendlich nie länger als einige Minuten, um die Zielpersonen zu isolieren und zu überwältigen. Man sollte daher Spaß am mehrfachen Durchspielen haben, denn wer Missionen nicht immer wieder spielen und dabei neue Lösungswege entdecken und ausführen möchte, bekommt für sein Geld relativ wenig Spielzeit.
Durch die verschiedenen Missionen, die erfolgreich gemeistert werden müssen, um das jeweils nächste Level und letztendlich das Ziel zu erreichen, bedarf es strategischer Denk- und Handlungsfähigkeiten. Die einzelnen Schritte in den Missionen müssen vorher gut geplant und durchdacht werden, um sich den Zielpersonen nähern und diese überlisten zu können. Die Steuerung und die Aufgaben sind hierbei insgesamt einfach gestaltet und auch für Einsteiger*innen leicht verständlich. Um die Geschichte rund um Agent 47, seine Zielpersonen und den Konzern ICA aber gut verstehen zu können, ist es ratsam, vorher erst die beiden Vorgängerversionen zu spielen. 

Gewalt
Gewalt stellt ein zentrales Element dar und wird als selbstverständliches Mittel zum Erreichen des Spielziels, des Ermordens der Auftragsopfers, eingesetzt. Der Art des Tötens sind hierbei kaum Grenzen gesetzt: Aus der Perspektive von Agent 47 können Spieler*innen betroffene Personen u.a. durch direktes Erschießen, aber auch durch Erwürgen, Niederstechen und Vergiften ermorden. Darstellungen von Gewalt sowie Kraftausdrücke sind in Hitman 3 allgegenwärtig. In den dramatischen Szenen wird die Gewalt meist ohne jegliche Vorwarnung angewendet, wodurch die Betroffenen keinerlei Chance haben, den Attacken zu entkommen. Während die zentrale Aufgabe in jeder Mission darin besteht, die Zielpersonen zu töten, ist es den Spieler*innen selbst überlassen, ob sie neben den Zielpersonen noch weitere Personen zusätzlich ermorden. Dies schließt das massenhafte Töten von unbeteiligten Personen mit ein, wofür es in der Gesamtwertung am Ende der Mission jedoch Punktabzug gibt. Für viele Spieler*innen stellt dies aber wahrscheinlich keinen Anreiz dar, ein wahlloses Töten Unbeteiligter zu unterlassen. In jeder Mission gibt es vorgegebene Lösungswege, wie die Zielperson ausgeschaltet werden kann. Dennoch können die Spieler*innen frei von diesen Lösungswegen abweichen, und bei der Frage, wie sie die Zielpersonen töten wollen, ihre eigene Kreativität spielen lassen. Die einzelnen Missionen können daher auch mit „roher Gewalt“ statt mit zweckmäßigen Tötungsmethoden abgeschlossen werden. Hitman 3 regt dadurch an, sich eigene Methoden der rohen Gewalt und des Mordens zu überlegen, weshalb sich der Titel an volljährige Spieler*innen richtet. Gewalt wird in Hitman 3 insgesamt als äußerst attraktives Mittel dargestellt, um die ahnungslosen Zielpersonen zu überlisten und neben diesen auch Zivilist*innen zu töten, um den Auftrag erfolgreich abzuschließen. 

Moral
Im Rahmen der Handlung wird die dargestellte Gewalt dadurch versucht zu legitimieren, dass jede Zielperson ein schlechtes oder böses Individuum zu sein scheint. Dadurch wird eine fragwürdige moralische Rechtfertigung derartiger Gewalttaten initiiert und gleichermaßen wird Selbstjustiz gegen als böse erachtete Individuen als plausible Handlungsmöglichkeit dargestellt. Dies sowie die dargestellte Attraktivität der Gewalt tragen das Risiko, insbesondere Minderjährige in ihren Moral- und Gerechtigkeitsvorstellungen stark zu beeinflussen und gegebenenfalls nachhaltig zu belasten. 

Fazit
Der dritte Teil der Hitman-Reihe bietet ein Spielerlebnis mit einer packenden Story und detailliert gestalteten Umgebungen. Durch den Aufbau in verschiedene Levels, bestehend aus Missionen und einzelnen Untermissionen, wird das strategische Denken und Handeln der Spieler*innen gefordert. Ähnlich wie die beiden Vorgänger liefert allerdings auch Hitman 3 Darstellungen von harter Gewalt und einen Versuch der moralischen Legitimation von Gewalttaten, welche nicht an Minderjährige gerichtet ist. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist es aufgrund der fragwürdigen Moral und der zahlreichen Gewaltdarstellungen daher nicht altersgerecht.