Red Dead Redemption 2

Genre
Action-Adventure
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Rockstar
Erscheinungsjahr
2018.10
Systeme
Playstation 4
System im Test
Playstation 4
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Tragisches Western-Epos für Erwachsene
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Entdecker, Jäger, Sammler, Fans der Reihe
Sprache
Englisch mit deutschen Untertiteln
Grafik
realistisch, detailreich, cineastisch
Sound
einprägsame Melodien

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
eine zwielichtige Gang mit moralisch fragwürdiger Lebensgestaltung
Mehrspielermodus
nicht vorhanden
Spielforderungen
Geduld, Hand-Auge-Koordination,
Zusatzkosten
zusätzliche DLCs
Problematische Aspekte
moralisch problematische Handlungen möglich
Redaktion
Daniel Heinz
Spieleratgeber-NRW
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Spielbeschreibung:
Hinter dem dramatischen Westernepos um Hauptfigur Arthur Morgan, dem Mitglied der Van-der-Linde-Gang, verbergen sich laut Angaben des Publishers acht Jahre harter Arbeit von ca. 2.000 Menschen. Kulisse ist ein fiktives Abbild der Topografie, den gesellschaftlichen Spannungen und den Geschehnissen eines Amerikas im Jahr 1899, wobei die problematische Besiedlungsgeschichte ebenso präsent ist, wie der herannahende Kapitalismus und der Einzug der Zivilisation. Mitten in diesen Wirren befindet sich die Van-der-Linde-Gang und träumt von einem Leben ohne Gesetze, mit Reichtum im gelobten Land. 

Pädagogische Beurteilung:
Der Anfang
Zu Beginn wird man noch ein wenig an kurzer Leine gehalten, bestreitet im Schnee einige Missionen und lernt so die grundlegenden Funktionsweisen kennen. Wo andere Open World Games Spielende förmlich mit ihren Tipps und Hinweisen überschütten, jede noch so kleine Betätigungsmöglichkeit auf der Karte markieren und die gesamte Mechanik auf dem Silbertablett serviert wird, geht das Westernepos sparsam mit Informationen um und ermöglicht es Spielenden, sie selbst herauszufinden.

Topografie, Flora und Fauna
Von den verschneiten, den Rocky Mountains nachempfundenen Grizzlies geht es dann irgendwann bergab ins Grüne. Die Übergänge zwischen den unterschiedlichen Landstrichen geschehen dabei butterweich. Und wenn die Gang ihre Zelte in der Nähe des Städtchens Valentine aufschlägt, eröffnet sich dem Cowboy Arthur eine riesige, offene Welt mit atemberaubenden Naturpanoramen, spannenden Abenteuern, interessanten Begegnungen und skurrilen Situationen. Statt die Landschaft prozedural zu generieren, wurde hier jeder noch so kleine Winkel „per Hand“ erstellt. Auf diese Weise bleibt kein Panorama dem Zufall überlassen und überall existiert ein Blickfang, der den Erkundungsreiz von Spielenden wecken soll. Reitet Arthur durch schattige Wälder oder den nebelumwobenen Sumpf, so entsteht das Gefühl eines lebendigen Ökosystems. Gleiches gilt auch für die Ortschaften, wo jede Figur ihrem Tagewerk nachgeht.

Setting
Im Gegensatz zu anderen Spielen mit historischem Kontext erhebt Red Dead Redemption 2 nicht den Anspruch einer authentischen Darstellung der Geschehnisse und bleibt mit eigener Landschaft samt Fantasienamen stets erkennbar fiktiv. 
Immer wieder werden kritische Themen angeschnitten, darunter Segregation, soziale Ungleichheit und Gewalt. Der Ehrenkodex eines Amerikas zur Zeit der Besiedlung, führte zu einer Bewaffnung der Bevölkerung, ungeklärter Rechts- und Besitzverhältnisse, einem aufstrebenden Kapitalismus und Machtbestrebungen. Zwar kann Arthur hier nicht die Welt verändern, allerdings gilt es immer wieder Entscheidungen zu treffen, die den Fortgang leicht beeinflussen.

Allerlei zu tun
Wie in Open World Spielen üblich, gibt es hier jede Menge Betätigungsmöglichkeiten. Da stehen rufende Passant_innen am Wegesrand und bitten um Hilfe, wovon manche sogar eigene Questreihen auslösen und sich interessant weiterentwickeln. Wer mag, kann sich auch an den zahlreichen Herausforderungen probieren und Arthurs Kompetenzen als Bandit, Entdecker, Glücksspieler, Kräuterkenner, Reiter oder Jäger unter Beweis stellen. Und bei einem modernen Open World Game dürfen auch Survival-Aspekte nicht fehlen, weshalb jede Menge Kram gesammelt, hergestellt und individualisiert werden kann. Dazu wachsen der Bauch beim Essen und der Bart im Laufe der Zeit. Aber besonders intensiv ist das Westernepos in den zufällig entstehenden Situationen, die Spielende erleben. Es gibt viele kleine Details zu bewundern, welche die Kulisse samt Statisten lebendig wirken lassen. Die meiste Zeit des Abenteuers ist Arthur mit dem Pferd unterwegs. Das führt im Vergleich zum rasanten GTA aus gleichem Hause zu einem temporeduzierten Erlebnis. Kommt er wieder im Camp an, werden die Erlebnisse von den Mitgliedern aufgegriffen und gerade bei Feiern und gemeinsamen Ausritten entsteht eine gewisse Bindung zur Gemeinschaft und den einzelnen individuell ausgearbeiteten Charakteren.

Gewalt und Ehre
Viele interessant inszenierte Missionen münden irgendwann in gleichförmig inszenierten Shootouts, bei denen es herannahende Gesetzeshüter, Kopfgeldjäger, Banditen, ehemalige Sklaventreiber oder andere Gestalten geschickt zu treffen gilt. Ähnlich wie bei GTA muss Arthur oft flüchten. Je nachdem, wie sich Spielende verhalten, kann Arthur Ehre sammeln oder verlieren. Wird beispielsweise ein Obdachloser umarmt oder der von einer Schlange gebissene Mann verarztet, erhalten Spielende sofort Feedback und können an einem Balken ablesen, dass die Tat als ehrenhaft gewertet wird. Erschießt Arthur hingegen ein Pferd oder einen wehrlosen Passanten, so sinkt sie. Je nachdem, wie ehrenhaft er sich verhält, reagieren die Bewohner_innen anders und die Entlohnungen für gezahlte Kopfgelder differieren.

Alterseinschätzung
Ähnlich wie in GTA bietet die Spielwelt einen Rahmen, in dem sich Spielende recht frei bewegen und handeln können. So besteht auch hier die Möglichkeit, Menschen zu überfallen, mit dem Lasso einzufangen und hinter sich herzuziehen und so zu quälen, Dynamit in den Saloon zu werfen, mit dem Scharfschützengewehr einen Kutschfahrer in den Kopf zu schießen und vieles mehr. Ähnlich wie bei Italo-Western werden Verletzungen manchmal in Zeitlupe und Nahaufnahme gezeigt. Stellenweise zappeln Tiere noch am Boden, wurden sie von Pfeil oder Kugel getroffen. Und in einer roh wirkenden Sequenz zieht Arthur ihnen das Fell über die Ohren und wirft die blutig-fleischigen Überreste achtlos auf den Boden. Dies sind nur einige Beispiele der Szenerie, sensible Gemüter könnten durch die häufig auftretende und detailreich zur Schau gestellte Brutalität nachhaltig überfordert werden.
Auch die Handlung selbst ist oft schwer verdaulich. Zwar sorgt der historisch anmutende Kontext zunächst für eine gewisse Distanz. Der Schauplatz wirkt wie eine Filmkulisse und der sich bedrückend zuspitzende Ablauf, der im Desaster enden wird, ist mit einer gewissen Medienerfahrung und Kenntnissen über die Erzählweise eines Dramas schnell durchschaut. Doch die zahlreichen bitteren Einzelsituationen könnten Minderjährige dennoch schockieren.
Gerade weil sich Spielende im Laufe der Zeit mit dem (Anti-)Helden Arthur identifizieren und mit der brutal handelnden und zwielichtig inszenierten Gruppe der Outlaws sympathisieren, bedarf es einer Fähigkeit zur Einordnung des Geschehens, die bei Minderjährigen entwicklungsbedingt nicht vorausgesetzt werden kann. Und gerade gefährdungsgeneigte Jugendliche, die genau nach solchen gewalthaltigen Darstellungen in den Medien mitsamt Tabubrüchen suchen, könnten hier problematische Vorbilder finden und die anarchistische Gang unreflektiert heroisieren.

Fazit:
Das ansprechend gestaltete, opulente Drama der Van-der-Linde-Gang zeigt den sinnlosen Rückzugskampf einer Gruppe Outlaws gegen die herannahende Zivilisation und Industrialisierung. Die Beziehung zwischen dem Anführer und dem Protagonisten ist geprägt von Fragen zu Vertrauen und Loyalität. In einer freiheitlich ausgestalteten, schmutzig-schäbigen Kulisse werden gesellschaftliche Missstände thematisiert. Zahlreiche Abenteuer warten am Wegesrand, die mal spannend, mal skurril, mal witzig inszeniert werden.
Insgesamt herrscht allerdings Tragik vor. Minderjährige könnten durch die drastischen und häufig auftretenden Gewaltdarstellungen und die dramatischen Schicksalsschläge nachhaltig verunsichert werden. Zudem sind moralisch problematische Spielhandlungen möglich. Diese finden zwar in einer historisch anmutenden Kulisse statt und werden als „unehrenhaft“ gekennzeichnet, dennoch wird eine Reflektionsfähigkeit gefordert, die bei Jüngeren nicht vorausgesetzt werden kann. Erwachsene finden wiederum ein temporeduziertes, aber dennoch spannend inszeniertes Abenteuer vor, das über 100 Stunden unterhalten kann. Der Online-Modus war zum Testzeitpunkt noch nicht veröffentlicht.