Yakuza 6: The Song of Life

Genre
Action-Adventure
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Sega
Erscheinungsjahr
2018.04
Systeme
Playstation 4
System im Test
Playstation 4
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Skurriles Gangster-Epos für Erwachsene
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Japan-Begeisterte, Fans von epischen Gangstergeschichten
Sprache
Sprachausgabe nur auf Japanisch, Untertitel auf Englisch
Grafik
relativ realistischer Look von Spielwelt und Charakteren
Sound
lebendige Soundkulisse, Soundtrack fügt sich organisch ins Geschehen ein

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Kazuma Kiryu - ein ehemaliger Yakuza mit rauer Schale und weichem Kern
Mehrspielermodus
Kiryu kann einen eigenen Clan rekrutieren und sich mit den Clans anderer Spieler_innen messen
Spielforderungen
viel Text zu lesen, Reaktionsfähigkeit
Zusatzkosten
nicht vorhanden
Problematische Aspekte
gewalthaltige Spielinhalte, weibliche Figuren werden oftmals sexualisiert und/oder hilflos dargestellt, Alkoholkonsum, Glücksspiel
Autor
Ingmar Böke
Einzeltest
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4
Siehe auch

Spielbeschreibung:
Erneut werden Spieler_innen in die Rolle des Kazuma Kiryu versetzt, einem legendären Ex-Mitglied der japanischen Mafia (Yakuza). Gleichzeitig bringt Yakuza 6: The Song of Life die Geschichte des langjährigen Serienprotagonisten zu einem Abschluss, bevor im nächsten Teil der Reihe dann der Generationswechsel eingeläutet wird. Nach Verbüßen einer mehrjährigen Haftstrafe möchte der mittlerweile achtundvierzigjährige Kiryu eigentlich nur ein ruhiges Leben führen, wird jedoch schnell von seiner Vergangenheit eingeholt. Seine Ziehtochter Haruka wurde von einem Auto angefahren und liegt im Koma. Kiryu glaubt nicht an einen Zufall und beginnt im Rotlichtbezirk von Tokyo mit Nachforschungen. Zu seiner Überraschung stellt sich heraus, dass Haruka während seines Gefängnisaufenthaltes ein Kind von einem unbekannten Mann bekommen hat. Auf der Suche nach Antworten gerät Kazuma Kiryu ein weiteres Mal in einen blutigen Unterweltkonflikt.
Im Verlauf des Action-Adventures bereist Kiryu zwei offene Spielareale und muss sich regelmäßig in spektakulären Prügeleien beweisen. Auf den ersten Blick erinnert der Titel an die populäre GTA-Reihe, die Spielfläche fällt insgesamt jedoch deutlich kleiner aus. Auch das Verwenden von Fahrzeugen ist im Gegensatz zu GTA nicht möglich. Einen großen Teil seiner Faszination bezieht Yakuza 6: The Song of Life aus seiner komplexen Gangstergeschichte, detailliert ausgearbeiteten Hauptcharakteren und einer lebendigen Spielwelt. Diese fühlt sich deutlich realistischer an, als die vergleichsweise generischen GTA-Szenarien. Abseits der Hauptgeschichte gibt es genretypisch eine Unmenge an optionalen Inhalten zu entdecken. So können Spieler_innen viele schrille Nebenfiguren kennenlernen, verschiedenste Nebenmissionen erledigen oder eine Fülle an Minigames spielen.

Pädagogische Beurteilung:
Atmosphärische Spielwelt
Es herrscht reger Betrieb in den Gassen und Straßen des Rotlichtviertels Kamurocho. Umgeben von Menschenmengen, wird den Spieler_innen viel Freiheit bei der Erkundung der Spielwelt gelassen. Beispielsweise können Bars, Cafés oder Restaurants besucht werden, ein Abstecher ins Fitnessstudio eingelegt oder in der Spielhalle Sega-Klassiker wie Virtual Fighter 5 oder Space Harrier gespielt werden. Dass es an jeder Ecke etwas zu entdecken gibt, trägt enorm dazu bei, dass sich die Spielwelt derart organisch anfühlt. Als besonders atmosphärisch erweist sich die Spielwelt jedoch in der Nacht. Leucht- und Neonreklamen aller Art sorgen für Stimmung und das Spiel kann seine beeindruckenden Lichteffekte präsentieren. Auch wenn die Spielfiguren immer noch etwas hölzern animiert sind, beeindruckt Yakuza 6: The Song of Life mit der bislang besten und detailliertesten Technik der Reihe. Dies zeigt sich auch am zweiten Spielareal, das Spieler_innen im Verlauf kennenlernen. Das ländliche Onomichi, ein Gebiet in Hiroshima, stellt in seiner Idylle einen starken Kontrast zum Rotlichtbezirk dar und wirkt geradezu malerisch schön und erholsam.

Spektakuläre Kämpfe
Einen nicht geringen Teil der Spielzeit liefert sich Kiryu Schlägereien, in denen verschiedene Umgebungsobjekte wie Fahrräder oder Reklameschilder eingesetzt werden können. Wie übertrieben die Kämpfe inszeniert sind, zeigt sich beispielsweise an der Möglichkeit, einen Gegner in ein Geschäft zu zerren, seinen Kopf in eine Mikrowelle zu hämmern und anschließend den Ladenbesitzer anzuweisen, das Gerät einzuschalten. Sieht man von den vielen verschiedenen Objekten ab, die während Kämpfen zweckentfremdet werden können, kommt der Protagonist übrigens ohne Waffen aus. Neue Fähigkeiten können durch Erfahrungspunkte erlernt werden, die es sowohl für das Absolvieren von Kämpfen aber auch für die Aufnahme von Nahrung gibt. Optional verfügt Kazuma Kiryu über die Möglichkeit, Mitglieder für einen eigenen Clan zu rekrutieren. In einer Art Minispiel, das aus der Vogelperspektive dargestellt wird, kann Kiryus Clan gegen andere Klans antreten. Obwohl es sich bei Yakuza 6: The Song of Life weitestgehend um einen Einzelspielertitel handelt, lässt sich der Klanmodus auch online gegen andere Spieler_innen nutzen. Eine wirkliche Langzeitmotivation bieten die Clan-Kämpfe jedoch nicht.

Sprachbarriere
Egal mit wie vielen Gegnern gleichzeitig es der Hauptcharakter aufnimmt, durch seine Kampffähigkeiten wird er quasi als menschlicher Superheld präsentiert. Aus dieser Darstellung resultiert auch der einsteigerfreundliche Schwierigkeitsgrad. So fallen selbst Bosskämpfe nicht übermäßig schwer aus. Größere Probleme dürften einige Spieler_innen hingegen mit den sprachlichen Eigenheiten des Titels haben. Das Spiel wurde ausschließlich auf Japanisch vertont und verfügt lediglich über englische Untertitel. Während die Spielerfahrung durchaus von der authentischen Sprachausgabe profitieren kann, so bergen die vielen Dialoge und teils langen Zwischensequenzen gleichzeitig das Risiko, dass einige Spieler_innen Yakuza 6: The Song of Life als anstrengend empfinden könnten.

Wertevermittlung
Der Wert der Familie ist in Yakuza 6: The Song of Life von immenser Bedeutung. Das Spiel lässt keinen Zweifel daran, dass Kazuma Kiryu bereit wäre, sein Leben für das seiner Ziehtochter Haruka und ihres kleinen Sohnes Haruto zu opfern. Das Spiel wartet mehrfach mit menschlicher Wärme auf und punktet mit Hauptcharakteren, die sich nicht wie Abziehbilder anfühlen. Die Motivation des Protagonisten ist stets nachvollziehbar, wodurch es leichtfällt, sich mit Kazuma Kiryu zu identifizieren. Leider werden weibliche Figuren oftmals sexualisiert und hilflos dargestellt, wohingegen starke männliche Charaktere „die Dinge in die Hand nehmen". Auch der teilweise skurril-absurde Humor und diverse Kitschmomente werden nicht allen Spieler_innen zusagen.

Für Erwachsene
Gleichwohl Kiryu mit seiner Vergangenheit hadert, ist Gewalt für den Protagonisten oftmals Voraussetzung, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Die kämpferischen Fähigkeiten eines Yakuza-Mitglieds zeugen von Stärke und wer keine Stärke zeigt, ist schnell im Nachsehen. Die Handlung geizt weder mit Brutalität noch mit Dramatik. Der Blutgehalt der Kämpfe lässt sich auf Wunsch im Menü reduzieren. Dies ändert jedoch nichts an grundsätzlich enthaltenen Gewaltelementen innerhalb der Handlung. Darüber hinaus werden sowohl Glücksspiele als auch verharmlosender Alkoholkonsum gezeigt. Die Sprache fällt dem Genre entsprechend derbe aus. Von der USK hat der Titel eine 18er-Freigabe erhalten und gehört somit nicht in die Hände von Minderjährigen. Volljährige Interessenten, die unsicher sind, ob ihnen Yakuza 6: The Song of Life wirklich zusagt, können in Sonys Playstation Store eine kostenlose Demo-Version herunterladen.

Vorkenntnisse nicht zwingend notwendig
Über viele Serienteile hinweg hat die Yakuza-Reihe ein komplexes Universum erschaffen. Detaillierte Vorkenntnisse sorgen für zusätzliche Spieltiefe, sind aber dank eines umfassenden Rückblicks auf frühere Ereignisse nicht zwingend nötig, um der Handlung folgen zu können. Volljährige Spieler_innen, die den perfekten Einstieg in das Yakuza-Universum suchen, sollten jedoch zunächst Yakuza 0 spielen. Dieses erzählt die Vorgeschichte des ersten Teils und beleuchtet einen sehr jungen Kazuma Kiryu.

Fazit:
Durch seine erwachsenen Inhalte richtet sich Yakuza 6: The Song of Life ausschließlich an Spieler_innen ab 18 Jahren. Volljährige Japanfans könnten auch am jüngsten Serienteil viel Freude haben. Yakuza 6: The Song of Life ist ein dramatisches Gangsterepos, das neben seinen Figuren und seiner Handlung mit einer lebendigen Spielwelt und vielen optionalen Spielinhalten überzeugt. Die Verbindung von Ernst, Pathos, Kitsch und skurrilem Humor wirkt für westliche Verhältnisse jedoch sehr speziell und könnte einige Spieler_innen vor den Kopf stoßen. Selbiges gilt für die untergeordnete Rolle weiblicher Figuren und die immense Länge einiger Zwischensequenzen.