Metal Gear Rising: Revengeance

Genre
Action-Adventure
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Konami
Erscheinungsjahr
2013.02
Systeme
PC, Playstation 3, Xbox 360
System im Test
Playstation 3
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Blutige Stealth-Action mit scharfer Klinge und stumpfer Erzählung
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Metal-Gear-Fans sowie geübte Spieler_innen
Sprache
Englisch (mit deutschen Untertiteln)
Grafik
realistischer Look, wie vom Franchise gewohnt
Sound
treibender Soundtrack, überzogene Soundeffekte

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Cyborg-Ninja Raiden
Mehrspielermodus
nicht vorhanden
Spielforderungen
schnelle Reflexe
Zusatzkosten
nicht vorhanden
Problematische Aspekte
Gewaltdarstellung, -ethik
Gruppenleiter
Koray Çoban
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf | Spieletester an der HHU
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Spielbeschreibung:
Metal Gear Rising: Revengeance ist ein jüngerer Ableger der Metal Gear-Reihe, die unter Fans einen hohen Status genießt und sich mit jedem neuen Titel zu einer noch komplexeren Spielwelt verdichtet. In Metal Gear Rising steuern wir den Charakter Raiden, einen ehemaligen Kindersoldaten, der von der Paramilitär-Firma Maverick zu einem "Cyborg-Ninja" herangebaut wurde. Die Kollegen von Maverick schicken Raiden quer um den Globus, um andere terroristische Paramilitär-Organisationen zu Fall zu bringen, die nach eigenem Profit in einer dystopischen Welt endloser Kriegstreiberei eifern. In sieben Akten müssen die Spieler_innen mit Raiden deren Machenschaften aufdecken und schließlich mit Stahlkörper und Schwert jeden einzelnen Gegner beseitigen, der auf dem Radar erscheint.

Text von Robin Laumeyer

Pädagogische Beurteilung:
Eher für den Machetenmaestro als den Klingenknirps
Anders als in manchen Vorgängern, kämpft der Hauptcharakter hier als Cyborg-Ninja hauptsächlich mit seiner Klinge. Schon die Verpackung kündigt es an und fordert uns auf: „ZERSCHNEIDEN SIE ALLES!" Dieses Versprechen wird gehalten und hält auch durchaus bei Laune. Hat man die gut umgesetzte Spielphysik und die Basissteuerung des Zerschneidens erst einmal verstanden, kann vom kleinen Zaun bis zum riesigen Lastwagen tatsächlich fast alles zu Kleinholz gehackt und dadurch zum Verschwinden gebracht werden. Ein bisschen verrückt, aber durchaus spaßig.
Mit der Beherrschung der Steuerung steht und fällt aber auch der volle Spielspaß. Fans der Reihe, die mit den Techniken vertraut sind, sowie Spieler_innen, die reichlich Erfahrung im Umgang mit dem Controller mitbringen, werden keine Probleme mit der Steuerung haben. Für diese sollte es ein Vergnügen sein, die zahlreichen Kampftechniken zu lernen und zu perfektionieren.

Balanceakt zwischen Spiellust und -frust
Durch die verschiedenen Schwierigkeitsgrade kommen jedoch neben den Profizocker_innen auch Serien-Neueinsteiger_innen auf ihre Kosten. Kleiner Wermutstropfen: Während des gesamten Spielverlaufs kann der Schwierigkeitsgrad nicht zwischendurch gewechselt werden, sondern ist bis zum Ende festgelegt. Dies kann Spieler_innen vor eine harte Proble stellen, denn sie sind eventuell gezwungen, von vorne mit einer leichteren Einstellung neu zu beginnen, wenn sie kurz vorm Ende feststellen, dass sie dem letzten Gegner trotz aller Bemühungen nicht gewachsen sind - und das kann hier definitiv passieren. Auch die schwer zu beherrschende Kameraführung kann einem hierbei manchmal einen Strich durch die Rechnung machen. Abgesehen davon sind Grafik und Sound – Englisch mit deutschen Untertiteln – sehr ansprechend und tragen zur Atmosphäre bei.
Immer wieder leuchten zudem Quick-Time-Events auf, in denen man schnell reagieren und ganz bestimmte Tasten drücken muss. Mit etwas Übung sollten diese Passagen aber für jeden zu schaffen sein.

Geringer Spielumfang
Der Spielumfang ist eher kurzfristig, gerade aufgrund eines fehlenden Mehrspielermodus. Abgesehen von wenigen kleinen, freischaltbaren Bonus-Herausforderungen und einigen herunterladbaren Inhalten, ist die Hauptstory in unter zehn Stunden durchgespielt; für viele in noch kürzerer Zeit, manche können sich jedoch an ein oder zwei Endgegnern mehrere Stunden die Zähne ausbeißen. Das ist auch dem Umstand geschuldet, dass zu Beginn trotz eines kurzen Tutorials nicht alles erklärt wird und die Spielenden im Anschluss nur wenig an die Hand genommen werden. Trotz zahlloser Anläufe bei besagten Gegnern und einer hohen Frustrationskurve, schafft es der Titel aber dennoch immer wieder, die Spielenden beim Ehrgeiz zu packen, um es weiter zu versuchen.
Die Endbosse erfordern in der Regel eine gewisse Taktik, die anderen Gegner bieten jedoch innerhalb des Geschehens oftmals nur wenig Abwechslung. Wurden die Kämpfe gegen sie einmal richtig analysiert, rauscht man durch weite Teile der Akte nur so hindurch - auch dank immer weiterer Ausrüstungen, die Raiden im Verlauf an seinem Cyborgkörper installiert. Der Spielspaß hält sich daher in diesen Passagen eher in Grenzen und auch die obligatorischen Schleichoptionen bleiben meist zu optional.

Philosophieren übers Massakrieren
Die Kampfphysik versucht bisweilen einen seltsamen Spagat. Aus der gewaltverherrlichenden Darstellung der Kämpfe zwischen den opponierenden Paramilitärs wird überhaupt kein Hehl gemacht. Durch die Luft und auf den Boden spritzt eine Menge Blut, selbst aus den Maschinen, die eigentlich keine biologisch fleischlichen Körper besitzen. Mit dem Schwert kann jede Gliedmaße einzeln abgetrennt werden (und wird dazu optisch auch markiert) und auf jeden Gnadenstoß, bei dem der Gegner schließlich gänzlich entzweit wird, folgt eine blutige Explosion dessen Körpers. Eine nicht nur physikalisch übertriebene Gewaltdarstellung. Da hilft auch nicht, dass das Spiel im Anschluss von selbst das Schlachtfeld aufräumt und Körperreste und Blut verschwinden lässt. Zimperliche Gemüter dürften da schon längst abgeschaltet haben, auch wenn der Realismusgrad des Ganzen nicht besonders hoch ist.
Nicht nur der grafische Gewaltaspekt tritt hier in den Vordergrund, auch die Gewaltethik wird mehr als fragwürdig und stupide behandelt. Hier ist ein Verständnis für die Hintergründe parlamentarischer Privatorganisationen und Kriegstreiberei erforderlich. Volljährige Spieler_innen sollten merken, dass Metal Gear Rising dieses zentrale Thema nur schändlich simpel und oberflächlich bespricht. Der tiefsinnigste Akt handelt davon, dass Raidens Gegner ihm bewusst machen, dass die "bösen" Söldner, die er zur Strecke bringt, eigentlich auch nur mittel- und alternativlose Familienväter sind. Der Rest des Spiels besticht neben einigen coolen Dialogen und humorvollen Passagen allerdings meist weniger durch tiefsinnige Auseinandersetzungen.

Fazit:
Metal Gear Rising: Revengeance ist für Minderjährige gänzlich ungeeignet. Die völlig übertriebene Darstellung von Gewalt und die reichlich stumpf erzählte Story sind aber auch so nicht für jedermann. Für die Erzählung ist ein Einstieg bei einem früheren Metal Gear-Titel ratsam, aber kein Muss. Zudem sind die Steuerung und so mancher Gegner für Laien eine ziemliche Herausforderung und könnten zu einem frustrierten Spielabbruch führen. Fans der Metal Gear-Reihe und geübte Spieler_innen können aber durchaus ein paar Stunden Spielspaß haben.

Diese Kritik ist von Studierenden der Philosophischen Fakultät an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf verfasst. Die unter der Leitung von Koray Çoban durchgeführte und von Daniel Heinz und Dirk Poerschke unterstützte Übung 'Spieletester' präsentiert sich unter spieletester.phil.hhu.de.