Ryse: Son of Rome

Genre
Action-Adventure
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Microsoft
Erscheinungsjahr
2013.11
Systeme
PC, Xbox One
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Hinweis(e)
via Steam
Kurzbewertung
Kampflastige und kurzweilige Action-Unterhaltung im optisch imponierenden, historischen Gewand
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Fans einfacher Action-Unterhaltung
Sprache
gute deutsch Vertonung, deutsche Untertitel
Grafik
realistische 3D-Grafik
Sound
stimmungsvolle, gelegentlich düstere musikalische Untermalung

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
der römische Soldat Marius Titus
Mehrspielermodus
kooperativer Online-Arena-Modus
Spielforderungen
Reaktionsgeschwindigkeit, Hand-Augen-Koordination
Zusatzkosten
Mikrotransaktionen für Gold im Spiel (nur Xbox One)
Problematische Aspekte
allgegenwärtige Gewaltdarstellung, Rache als akzeptiertes Handlungsmotiv
Gruppenleiter
Koray Çoban
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf | Spieletester an der HHU
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Spielbeschreibung:
In Ryse: Son of Rome wird der römische Soldat Marius zu Zeiten von Kaiser Nero durch eine interessante, wenn auch nicht komplexe, Rachegeschichte begleitet. Der junge Soldat verliert bei einem Angriff britischer Barbaren auf Rom seine Familie. Auf der Suche nach Rache schließt er sich der Legion an, die nach Britannien entsendet wird, um dort den Aufstand niederzuschlagen. Mit der Zeit findet er heraus, dass es nicht die Briten waren, die hinter der Ermordung seiner Familie stecken und er kehrt nach Rom zurück, um dort die wahren Schuldigen zu töten. Im Vordergrund stehen dabei vor allem aufwendig inszenierte Zwischensequenzen, die sehr realistische Grafik sowie das brutale Kampfsystem. Die Handlung wird meist in cineastischen und episch inszenierten Zwischensequenzen vorangetrieben.

Text von Björn Augstein

Pädagogische Beurteilung:
Irgendwo zwischen "Der Soldat James Ryan" und "300"
Auf den ersten Blick wirkt Ryse recht eindimensional und dieser Eindruck täuscht nicht. Dennoch gibt es Momente mit Tiefgang, wie etwa die Landung der römischen Flotte in Britannien, welche unweigerlich an die Landung in der Normandie im Anti-Kriegsfilm Der Soldat James Ryan erinnert. Leid und Schrecken des Krieges werden auf erschreckend drastische und realistische Art und Weise inszeniert. Dann, nur wenige Augenblicke später, streckt man dutzende Gegner, dank Finishing-Moves in Zeitlupe samt Kamerafahrt, nieder. Hier wird das Töten fast schon kunstvoll inszeniert und weckt eher Assoziationen mit dem Film 300. Ähnlich wie bei 300 ist die Geschichte nicht besonders tiefsinnig, aber zumindest interessant.
Die Motivation des Helden besteht vor allem aus Rache. Eher beiläufig thematisiert werden Aspekte wie Ehre, Verrat, Krieg, Heldenverehrung sowie das Verhältnis zwischen Untertanen und Herrschenden. Die Geschichte stellt sich zunächst recht realistisch, wenn auch alles andere als historisch korrekt dar. Vor allem im späteren Verlauf nehmen auch römische Götter einen wichtigen Platz in der Handlung ein, was das Geschehen zunehmend mystischer und weniger historisch macht. Insgesamt orientiert sich die Handlung nur sehr grob an realen Ereignissen und nimmt sich dabei noch deutlich mehr Freiheiten als beispielsweise die Assassin's Creed-Reihe.
Nach spätestens 6-8 Stunden ist die Kampagne beendet. Dann bleiben noch der Multiplayer-Modus und die Möglichkeit, einzelne Level erneut durchzuspielen, um dort versteckte Objekte zu finden und zu sammeln. Belohnt wird man dafür allerdings nur mit Artworks.

Das Kampfsystem
Die Level sind linear und dienen meist nur dazu, um von einem Kampf zum nächsten zu gelangen, denn der Kern liegt im Kampfsystem. Dieses lässt sich schnell erlernen, bietet aber wenig Abwechslung. Marius kann mit Schwert oder Schild zuschlagen und Angriffe blocken oder diesen ausweichen. Für manche Gegner wird eine spezielle Vorgehensweise benötigt, so müssen Feinde mit einem Schild durch einen eigenen Schildschlag zuerst aus dem Gleichgewicht gebracht werden, ehe sie mit dem Schwert verletzt werden können. Solche simplen Schemata sind erfahrenen Spieler_innen durchaus bekannt. Hauptsächlich schlägt man also abwechselnd mit dem Schwert oder dem Schild auf die Gegner ein, wodurch sich bei gutem Timing eine Trefferserie aufbaut. Wurden Gegner lange genug bearbeitet, zeigt ein Totenschädel-Symbol über ihnen an, dass sie nun mit einem "Hinrichtung" genannten Finishing-Move getötet werden können. Diese Aktionen werden durch Zeitlupe und eine andere Kameraperspektive besonders in Szene gesetzt. Gleichzeitig stellen sie sich aber auch als Quick-Time-Events dar: Werden im richtigen Moment die entsprechenden Tasten gedrückt, erhält man Boni. Die expliziten Tötungen, die nicht selten auch mit dem Abtrennen von Körperteilen einhergehen, sind also nicht reiner Selbstzweck. Sie werden auch taktisch benötigt, um z.B. mehr Erfahrungspunkte zu erhalten oder Lebensenergie zu regenerieren. Beim Kämpfen kann so ein regelrechter Flow entstehen, der die menschlichen Gegner eher zu Punktelieferanten für Trefferserie, Erfahrung und Lebensenergie macht.
Durch die Erfahrungspunkte kann Marius im Menü jederzeit verbessert werden, indem er beispielsweise mit mehr Lebenspunkten ausgestattet wird. Darüber hinaus entwickelt sich die Ausrüstung aber nicht weiter und lässt sich auch nicht individualisieren.

Ein wenig Abwechslung
Gelegentlich versucht das Spiel auch mit Gameplay-Mechaniken der Tatsache Rechnung zu tragen, dass man mit Marius einen Befehlshaber steuert. An vorgegebenen Punkten können dann beispielsweise die eigenen Soldaten um sich gescharrt werden, um sie per Knopfdruck Speere auf Feinde werfen zu lassen oder gegnerische Pfeile mit ihren Schilden zu blocken. An anderen Stellen darf zwischen verschiedenen Zielen für die Bogenschützen bzw. Belagerungswaffen gewählt werden. Als Verteidiger einer belagerten Stadt muss man sich zum Beispiel entscheiden, ob die eigenen Ballisten auf die Katapulte der Gegner oder deren Belagerungstürme schießen sollen. Dies hat kleinere Auswirkung auf den anschließenden Kampf: Halten die eigenen Ballisten beispielsweise die gegnerischen Katapulte in Schach, muss man deren Einschlägen nicht ausweichen. Dafür bringen die Belagerungstürme zusätzliche Gegner, die es zu bekämpfen gilt. Insgesamt sind die Unterschiede dieser Entscheidungen aber nur minimal zu spüren und haben mit taktischem Gameplay wenig zu tun. Durch solche Abschnitte wird aber zumindest das ansonsten recht gleichförmige Spielprinzip etwas aufgelockert. Dies gilt auch für die Sequenzen, in denen man mit einer Balliste selbst schießen darf.

Der Multiplayer-Modus
Neben der Singleplayer-Kampagne gibt es auch einen Multiplayer-Modus. In diesem tritt man gemeinsam mit einer weiteren Person als Gladiator in der Arena gegen mehrere Wellen von Gegnern an. Das Kampfsystem gleicht dem des Einzelspieler-Modus, allerdings erweitert um Finishing-Moves, die gemeinsam durchgeführt werden können. Obwohl eine Koordination zwischen den Spielenden hilfreich sein kann, ist sie nicht zwingend erforderlich, um die relativ einfachen Herausforderungen in der Arena zu meistern.
Durch den erfolgreichen Abschluss von Arena-Missionen, erhält man Erfahrung und Gold, wodurch sich der eigene Gladiator mit neuer Ausrüstung aufwerten lässt. Bei der Xbox One-Version lässt sich dieses Gold zusätzlich auch für echtes Geld kaufen. Nötig ist das aber nicht unbedingt. Allgemein ist der Modus auch nicht motivierend genug, um damit mehr als gelegentlich die ein oder andere Stunde zu verbringen. Deshalb dürfte sich der Wunsch, echtes Geld auszugeben, in Grenzen halten, auch wenn die spielerische Anhäufung von Geld relativ langsam geschieht. Das Gold lässt sich zwar auch im Einzelspieler-Modus anstelle von Ehre ausgeben, Ehre erhält man im Verlauf jedoch so viel, dass man nie versucht ist, stattdessen Gold auszugeben.

Die Technik
Das Spiel wartet mit einer sehr realistischen Optik auf, was zwar den Eindruck eines Actionfilms verstärkt, aber auch den dargestellten Gewaltgrad sehr explizit macht. Auf technischer Seite gibt es wenig zu kritisieren, beim Testen (PC) trat nur ein gravierendes technisches Problem auf: Gleich mehrfach wurde durch einen Fehler fast der gesamte gespeicherte Fortschritt gelöscht. Sowohl der Fortschritt im Multiplayer-Modus als auch die Verbesserungen und gesammelten Objekte im Einzelspieler-Modus wurden deshalb auf das anfängliche Level 1 zurückgesetzt. Einzig der letzte Speicherpunkt blieb erhalten, wodurch zumindest die Geschichte fortgesetzt werden konnte. Je nach Fortschritt kann dies dazu führen, dass die Gegner dann eine frustrierende Herausforderung darstellen, da ihre Stärke das Level der Spielfigur deutlich übersteigt.

Fazit:
Ryse: Son of Rome sieht realistisch aus und ist kinoreif inszeniert. Der Geschichte kann leicht gefolgt werden, allerdings hat der Hauptcharakter wenig Tiefgang. Die Steuerung ist schnell zu lernen und taktisches Denken wird nicht zwingend benötigt, dafür jedoch eine gute Reaktionsgeschwindigkeit. Der dargestellte Gewaltgrad ist relativ hoch. Auf der einen Seite wird so der Schrecken des Krieges dargestellt, auf der anderen Seite werden die Feinde durch die Boni auch entmenschlicht. Für Erwachsene kann Ryse: Son of Rome dennoch 6-8 Stunden gute Action-Unterhaltung bieten.

Diese Kritik ist von Studierenden der Philosophischen Fakultät an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf verfasst. Die unter der Leitung von Koray Çoban durchgeführte und von Daniel Heinz und Dirk Poerschke unterstützte Übung 'Spieletester' präsentiert sich unter spieletester.phil.hhu.de.