A Way Out

Genre
Action-Adventure
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Electronic Arts
Erscheinungsjahr
2018.03
Systeme
PC, Playstation 4, Xbox One
System im Test
Playstation 4
Homepage des Spiels
Hinweis(e)
Kein Single-Player-Modus, kann ausschließlich zu zweit gespielt werden (lokal oder online)
via Xbox Live, Playstation Network
Kurzbewertung
Interaktiver Film für Erwachsene
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Volljährige Fans von interaktiven Filmen und/oder Action-Adventures à la Uncharted
Sprache
englische Sprecher, deutsche Untertitel
Grafik
realistischer Comic-Look
Sound
Soundtrack verstärkt spannende wie ruhige Szenen in ihrer Wirkung

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Die Häftlinge Leo und Vincent
Mehrspielermodus
Koop-Modus lokal oder online
Spielforderungen
Geschicklichkeit, passable Reflexe
Zusatzkosten
Multiplayer-Nutzung auf Playstation 4 und Xbox One mit Abo-Kosten verbunden
Problematische Aspekte
teilweise gewalttätige Spielinhalte, derbe Sprache
Autor
Ingmar Böke
Einzeltest
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
A Way Out markiert das zweite Videospiel, das vom schwedisch-libanesischen Filmregisseur und Spieleentwickler Josef Fares erdacht wurde. Im Gegensatz zum märchenhaften Erstlingswerk Brothers: A Tale of Two Sons richtet sich A Way Out jedoch explizit an ein erwachsenes Publikum. Die Besonderheit des interaktiven Thrillers: das Spiel verfügt ausschließlich über einen Zwei-Spieler-Modus. Sowohl beim gemeinsamen Spielen auf der Couch als auch im Online-Koop-Modus schlüpfen die Spieler_innen in die Haut der Häftlinge Leo und Vincent. Mit vereinten Kräften wollen diese in den 70er-Jahren aus einem Gefängnis ausbrechen, um sich an einem gemeinsamen Feind zu rächen. Während Leo ein Mann fürs Grobe ist, versucht Vincent Probleme mit Besonnenheit und Intelligenz zu lösen. Wer welchen Charakter übernimmt, müssen die Spieler_innen zu Beginn festlegen. Im eigentlichen Spielverlauf rätseln und kämpfen sich Vincent und Leo gemeinsam durch eine actionreiche Story, die sich auch für ruhigere Charaktermomente Zeit nimmt.

Online wie lokal arbeitet das Spiel zumeist mit einem geteilten Bildschirm, der Einblick in die Aktivitäten beider Figuren erlaubt. Die Protagonisten des 3D-Titels werden aus der Schulterperspektive dargestellt, die Umgebungen sind allesamt von überschaubarer Größe. Grafisch wird auf einen relativ realistischen Comic-Look gesetzt, der sich als zweckmäßig bezeichnen lässt. Die Sprachausgabe erfolgt in A Way Out ausschließlich auf Englisch, deutsche Untertitel können jedoch aktiviert werden. Obwohl einige Szenen unterschiedliche Herangehensweisen erlauben, ist die Entscheidungsfreiheit der Spieler_innen letztlich begrenzt. Von abweichenden Endsequenzen abgesehen, die vom Abschneiden in bestimmten Szenen resultieren, fällt die Hauptgeschichte sehr linear aus.

Pädagogische Beurteilung:
Interaktiver Action-Film
Der Fokus von A Way Out liegt auf dem Erzählen einer cineastisch inszenierten Geschichte. Diese ist gespickt mit Zitaten bekannter Filme, nicht zuletzt amerikanischer Gangsterfilme wie Heat oder Scarface. Spielerisch vermengt A Way Out unterschiedliche Genres. Im ersten Drittel arbeitet das circa sechsstündige Spiel insbesondere mit simplen Rätseln, Geschicklichkeitseinlagen, Schleichpassagen und interaktiven Dialogen. Mit zunehmender Spieldauer häuft sich jedoch die Anzahl an Action-Mechaniken. Beispielsweise in Form von spektakulären Schussgefechten oder Verfolgungsjagden mit Autos und Motorrädern. Sämtliche Spielmechaniken sind bewusst einsteigerfreundlich gestaltet, um die Narration nicht zu lange zu unterbrechen. Grundsätzlich gilt inhaltlich wie spielerisch, dass die beiden Charaktere bedingungslos aufeinander angewiesen sind. Dieses Gefühl dürfte sich auf die allermeisten Spieler_innen schnell übertragen, wodurch das Gesamterlebnis enorm an Reiz gewinnt.

Befinden sich Leo und Vincent beispielsweise auf der Krankenstation, muss ein Charakter die Aufmerksamkeit der Krankenschwester und der Wache auf sich lenken. Mit dem richtigen Timing ist es dem anderen Protagonisten nun möglich, sich in ein Büro zu schleichen, um dort einen benötigten Gegenstand zu entwenden. In einer anderen Szene befinden sich die Häftlinge Rücken an Rücken - mit ineinander gehakten Armen - in einem schmalen Schacht und müssen nach oben gelangen. Dies gelingt nur, in dem die Spieler_innen ihre Beinarbeit koordinieren, sich Stück für Stück nach oben vorarbeiten und gemeinsam bewerkstelligen, dass Leo und Vincent nicht die Balance verlieren und hinabstürzen. Das Teamplay in Action-Szenen kann beispielsweise so aussehen, dass Protagonist #1 ein Fahrzeug steuert, während Protagonist #2 auf Verfolger schießt. In einem anderen Beispiel liefert sich ein Charakter im Nahkampf ein Schussgefecht mit Gegnern, während der andere ihn aus erhöhter Position mit einem Scharfschützengewehr unterstützt. Scheitern die Spieler_innen in irgendeiner Situation, wird das Spiel an den Beginn der jeweiligen Szene zurückgesetzt. Diese kann so oft wiederholt werden, bis ein Abschnitt gemeistert wird.
Liebe zum Detail beweisen die Entwickler mit einem optionalen Spielelement, das keinerlei Auswirkungen auf den Spielverlauf hat. So gibt es in den Spielumgebungen eine Vielzahl an Mini-Spielen zu entdecken. Beispielsweise können die Koop-Partner_innen zwischendurch eine Runde Basketball spielen, im Armdrücken gegeneinander antreten oder sich in einer virtuellen Variante von „Vier gewinnt" messen. Spielerisch anspruchsvoll ist keines der Mini-Spiele, zusätzlichen Unterhaltungswert bieten sie allemal.

Emotionale Momente und viele Klischees
Gleichwohl die Geschichte über zwei kriminelle Hauptfiguren verfügt, werden Leo und Vincent nicht einfach nur als taffe Gangster gezeigt. Ebenso werden sie als Menschen präsentiert, deren Probleme teilweise leicht nachzuvollziehen sind. So wird etwa schnell deutlich, dass Leo seine Frau und seinen kleinen Sohn bedingungslos liebt und sich um deren Sicherheit sorgt. A Way Out nimmt sich im Spielverlauf die Zeit, ausgiebig auf die Beziehung von Leo und seiner Familie einzugehen und scheut sich dabei nicht vor Emotionalität. Eine ebenso emotionale Seite wird auch von Vincent gezeigt, dessen Frau ein Kind erwartet, während er im Gefängnis sitzt.
Einerseits gehören die ruhigen Momente zu den großen Stärken des Spiels. Andererseits brennt A Way Out mit zunehmender Spieldauer ein solch übertriebenes Action-Feuerwerk ab, dass es zunehmend schwerer fällt, Handlung und Charaktere ernst zu nehmen. Erzählerisch leidet die Glaubwürdigkeit teilweise auch unter den vielen Gangsterfilm-Klischees, die bedient werden. Unterm Strich wird A Way Out vielen Spieler_innen wohl am ehesten als inszenatorisch spektakulärer Titel in Erinnerung bleiben, der insbesondere durch seinen Teamplay-Ansatz begeistert.

Für Minderjährige nicht geeignet!
Dass das zweite Spiel von Josef Fares nicht für ein junges Publikum geeignet ist, wird durch die derbe Sprache bereits schnell deutlich. So geizen die kurzen und knappen Dialoge nicht mit Flüchen und Schimpfwörtern, wie man sie aus filmischen Vorbildern kennt. Dass sich Leo und Vincent in einer rauen Welt bewegen, vermitteln auch die Synchronsprecher überzeugend. Kompromisslos geht A Way Out darüber hinaus auch in Sachen Gewaltdarstellung zu Werke. In den Shooter-Passagen haben beide Spieler_innen aktiv eine Fülle an Gegnern zu erschießen. Infrage gestellt wird das Anwenden von Gewalt nicht - unabhängig davon, ob auf Kriminelle oder Polizisten geschossen wird. Die übertriebene Inszenierung der Action-Szenen federt den Gewaltaspekt etwas ab, letztlich bleibt aber ein Spiel mit gewalttätigen Spielinhalten, das eine harte Welt abbildet. A Way Out hat von der USK ein 18er-Siegel erhalten und gehört nicht in die Hände von Minderjährigen.

Koop-Rahmenbedingungen
Das optimale Spieleerlebnis liefert A Way Out, wenn sich beide Spieler_innen im selben Raum befinden und den Titel gemeinsam vorm Bildschirm erleben. Der direkte Austausch der Spieler_innen ist nicht zwingend erforderlich, erhöht aber den Spielspaß. Auch wenn der Koop-Titel online gespielt wird, muss lediglich einer der Spielenden den Titel kaufen. Der/die Besitzer_in verfügt im Startmenü über die Möglichkeit, einen zweiten Spieler zu einem gemeinsamen Spieldurchlauf einzuladen. Im Gegensatz zu anderen Multiplayer-Spielen ist es nicht möglich, sich mit fremden Spieler_innen verbinden zu lassen, um den Online-Modus zu nutzen. Stattdessen können auf PlayStation 4, Xbox One als auch auf dem PC ausschließlich Spieler_innen freigeschaltet werden, die sich in der Freundesliste der Online-Dienste PlayStation Network, Xbox Live beziehungsweise Origin befinden. Wichtiger Hinweis: Sowohl auf PlayStation 4 als auch auf Xbox One wird grundsätzlich ein kostenpflichtiger Zusatzdienst benötigt, um auf Multiplayer-Funktionen zuzugreifen. Auf der PlayStation 4 handelt es sich um ein Abo des Zusatzdienstes „PlayStation Plus", auf der Xbox One um ein Abonnement bei „Xbox Live". PC-Anwender_innen müssen sich hingegen bei Origin anmelden, dem Online-Dienst des Spielepublishers Electronic Arts. In diesem Fall entstehen jedoch keine Zusatzkosten bei der Nutzung.

Fazit:
A Way Out ist ein unterhaltsamer, cineastisch inszenierter Koop-Titel, der sich in seiner Härte ausschließlich an Erwachsene richtet. Der Schwierigkeitsgrad ist recht niedrig angesetzt, sodass die Handlung nur selten ins Stocken gerät. Obwohl sich das Spiel vieler Klischees bedient, bietet es mehrfach stille Charaktermomente, die emotional überzeugen können. Im Spielverlauf häuft sich die Anzahl stark übertriebener Action-Szenen. Einerseits verfügen diese über Unterhaltungswert, andererseits erschweren sie es zunehmend, die Handlung und Charaktere ernst zu nehmen. Genauso wie die Protagonisten aufeinander angewiesen sind, so können auch die Spieler_innen nur als Team bestehen. Eben dieser Team-Aspekt macht A Way Out letztlich trotz der ein oder anderen Schwäche empfehlenswert.