Remothered: Tormented Fathers

Genre
Action-Adventure
USK
nicht USK geprüft (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Darril Arts
Erscheinungsjahr
2018.01
Systeme
PC
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Hinweis(e)
via Steam
Kurzbewertung
Potenziell verstörender Survival-Horror für Volljährige
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Survival-Horror-Fans
Sprache
englische Sprachfassung, deutsche Texte
Grafik
stimmungsvolle 3D-Umgebungen, schwache Charakteranimationen
Sound
unheimliche Soundeffekte, atmosphärischer Grusel-Soundtrack

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Rosemary Reed, die ein verschwundenes Kind sucht
Mehrspielermodus
nicht vorhanden
Spielforderungen
Reaktionsfähigkeit, Stressresistenz, Frusttoleranz
Zusatzkosten
nicht vorhanden
Problematische Aspekte
sehr explizite Gewaltdarstellung, könnte Panikgefühle auslösen
Autor
Ingmar Böke
Einzeltest
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung: 
Hauptfigur des italienischen Survival-Horror-Spiels Remothered: Tormented Fathers ist die Mittdreißigerin Rosemary Reed. Aus zunächst unbekannten Gründen erforscht diese das Schicksal des verschwundenen Mädchens Celeste Felton. Auf der Suche nach Antworten steuern wir Rosemary aus der Schulterperspektive durch das Anwesen von Celestes Vater Dr. Felton. Dieser stellt sich jedoch schnell als Psychopath heraus, der sämtliche Ausgänge des Hauses hermetisch verriegelt und sich mit einer Gartensichel auf die Jagd nach Rosemary begibt. Beim Versuch, aus dem Anwesen zu entkommen, müssen wir uns regelmäßig vor Felton und anderen Bewohnern verstecken, die Widersacher mit gefundenen Gegenständen ablenken oder uns kurzzeitig vom Hals halten, um anschließend vor ihnen davonzulaufen. Im Spielverlauf lernen wir stetig neue Bereiche des Hauses kennen, lösen vereinzelt ein paar simple Rätsel und enthüllen schrittweise die wahre Geschichte von Dr. Felton und seiner Tochter Celeste. 

Pädagogische Beurteilung:
Erste Erkenntnisse
Bis Rosemarys Überlebenskampf beginnt, vergehen circa 30 Minuten. Bereits der Spieleinstieg des knapp sechsstündigen Horror-Titels zeigt jedoch einige Stärken und Schwächen auf, die das gesamte Spiel prägen. Nach einer cineastisch inszenierten Videosequenz steuern wir Rosemary durch ein kleines Waldstück zum Felton-Anwesen. Unterwegs passieren wir unter anderem einen idyllischen Blumengarten, der typisch für die Liebe zum Detail ist, die die Entwickler in die Umgebungen gesteckt haben. Ebenfalls auf Anhieb überzeugen können die atmosphärischen Lichteffekte; seien es Reflektionen in Pfützen oder das regelmäßige Wechselspiel zwischen Licht und Schatten. Als sehr enttäuschend erweisen sich hingegen die Gesichts- und Bewegungsanimationen der Charaktere. Laufen wir mit Rosemary etwas schneller, so wirken ihre holprigen Bewegungsabläufe nur noch entfernt wie die eines realen Menschen. Ebenso wenig überzeugt die starre Mimik der Protagonistin. Selbige erinnert äußerlich übrigens stark an eine jüngere Version der Schauspielerin Jodie Foster. 

Immenser Spannungsaufbau 
Nach wenigen Spielminuten befinden wir uns dank einer falschen Identität im Anwesen. Von Dr. Feltons Krankenschwester werden wir zu seinem Büro geführt und können uns unterwegs ein wenig mit dem Gebäude vertraut machen. Visuell beeindruckt das Haus durch seine detailverliebte Inneneinrichtung und die stimmungsvollen Lichteffekte auf Anhieb. Der Soundtrack macht das drohende Unheil geradezu greifbar und muss sich nicht vor bekannten Horrorfilmen verstecken. Unmittelbar vor und während unseres Gesprächs mit Dr. Felton wird ein immenser Spannungsaufbau betrieben. Was hat es mit dem alten Mann auf sich? Was hat er zu verheimlichen? Was ist mit Celeste geschehen? Welche Rolle spielt die Krankenschwester und welches Interesse hegt eigentlich Rosemary Reed an den Geschehnissen? Im Verlauf des Gesprächs fliegt unsere Tarnung auf und wir werden des Hauses verwiesen. Wie nicht anders zu erwarten, verschaffen wir uns heimlich ein weiteres Mal Zutritt. Schon bald werden wir entdeckt, das Anwesen witd abgeriegelt und für Rosemary Reed beginnt ein verzweifelter Überlebenskampf. 

Furchteinflößendes Versteckspiel 
Einen großen Teil der weiteren Spielzeit werden wir damit verbringen, vor den Anwohnern zu fliehen. Geduckt bewegen wir uns deutlich langsamer, verursachen aber auch weniger Geräusche. Verstecken können wir uns beispielsweise in Schränken oder unter Sofas. Kommt einer unserer Verfolger in die Nähe unseres Verstecks und wir verhalten uns nicht vollkommen still, werden wir entdeckt. Eine Reihe von Objekten können wir mitnehmen, um sie als Ablenkungsmanöver einzusetzen oder einen Widersacher kurzzeitig abzuwehren. Ebenfalls zum Einsatz kommen wiederholte Geschicklichkeitspassagen und einfache Umgebungsrätsel. Immer wenn wir einen bestimmten Ort erreicht oder einen speziellen Gegenstand gefunden haben, erfolgt ein Ereignis, das die Geschichte vorantreibt. Vor besonders wichtigen Szenen speichert das Spiel automatisch, ansonsten müssen wir den Spielstand manuell speichern, indem wir einen Spiegel aufsuchen. Außerdem dienen die Spiegel des Hauses dazu, unsere Lebensenergie aufzuladen. 

Große Schwächen in der Steuerung und Spielmechanik 
Von dem Moment an, in dem wir mit Rosemary das erste Mal vor Dr. Felton davonlaufen, wird die größte Schwäche von Remothered: Tormented Souls deutlich. Sobald wir unter Zeitdruck agieren, führt die unpräzise, hakelige Steuerung regelmäßig zu Frust. Eine kontrollierte Flucht scheitert teilweise schlicht und ergreifend an der unorganischen Weise, wie sich Rosemary fortbewegt. Zusätzlicher Frust kann entstehen, wenn uns eine bestimmte Interaktion gerade nicht erlaubt ist, weil wir nicht exakt so zu einem Objekt positioniert sind, wie es das Spiel gerne hätte. Ohnehin hat der Titel des Öfteren mit Übersichtsproblemen zu kämpfen, die wiederholt zu Rosemarys Ableben führen können. Bedenkt man, dass sich dieselben Spielmechaniken im Verlauf stetig wiederholen, kann der anfängliche Nervenkitzel auf Gameplay-Ebene schnell einem überwiegenden Frustgefühl weichen.

Motivierende Erzählstruktur 
Trotz einiger Stärken lässt Remothered: Tormented Souls durch seine Macken leider viel Potenzial liegen, und kann zumindest spielerisch nicht lange zum Weiterspielen motivieren. Stattdessen dürfte das antreibende Element bei vielen Spieler_innen das Aufblättern der Geschichte sein. Schrittweise erhalten wir neue Antworten, wobei am Ende zwar eine Reihe wichtiger Fragen beantwortet werden, aber nicht alle. Dieser Umstand dürfte auch darin begründet sein, dass die Entwickler Remothered als Trilogie angelegt haben, von der in den nächsten Jahren noch zwei weitere Titel erscheinen sollen. Die Sprachausgabe erfolgt im Übrigen ausschließlich auf Englisch, auf Wunsch können jedoch deutsche Untertitel aktiviert werden. 

Ab 18! 
Für Spieler_innen unter 18 ist Remothered: Tormented Fathers grundsätzlich nicht geeignet. Permanent liegt ein Gefühl der Bedrohung in der Luft und die zahlreichen Szenen, in den wir uns vor den Hausbewohnern verstecken oder fliehen, können durchaus ein Gefühl von Panik auslösen. Auch die plötzlich auftretenden Schreckmomente und die blutrünstigen Sterbesequenzen können emotionalen Stress auslösen. Grundsätzlich ist Remothered: Tormented Fathers in seiner Gewaltdarstellung nicht gerade zimperlich. Als Beispiel sei eine Szene genannt, in der sich eine Figur selbst die Augen aussticht. Dass Dr. Felton Rosemary mit blankem Hintern – gekleidet in eine Gärtnerschürze - durchs Haus jagt, kann zudem als unangenehmer, sexueller Unterton empfunden werden.

Fazit:
Remothered: Tormented Fathers gehört definitiv nicht in die Hände von Minderjährigen. Auch für Volljährige ist das blutrünstige Horror-Spiel nur eingeschränkt zu empfehlen. Einerseits weiß Remothered: Tormented Fathers mit seiner Atmosphäre, einer fesselnden Handlung und cineastischer Inszenierung zu überzeugen. Andererseits sorgt insbesondere die hakelige und unausgereifte Steuerung regelmäßig für Frust. Auch an den schwachen Charakter- und Bewegungsanimationen könnten sich einige Spieler_innen stören.