Shadow of the Colossus

Genre
Action-Adventure
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Sony
Erscheinungsjahr
2018.02
Systeme
Playstation 4
System im Test
Playstation 4
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
imposantes Remake eines Videospiele-Klassikers
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Spieler_innen die sich für ruhige und melancholische Spiele begeistern können
Sprache
Mysteriöse Sprache, deutsche oder englische Untertitel
Grafik
wunderschön inszenierte, neu überarbeitete Grafik
Sound
teils epochaler, teils ruhiger instrumentaler Soundtrack

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Wander und sein Pferd Agro
Mehrspielermodus
nicht vorhanden
Spielforderungen
Geduld, Frustrationstoleranz, Empathie
Zusatzkosten
Zusatzpakete mit optionalen Bonus-Inhalten
Problematische Aspekte
nicht vorhanden
Redaktion, Gruppenleiterin
Linda Scholz
Spieleratgeber-NRW, OT St. Anna Ehrenfeld
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Ein weites, vergessenes und einsames Land, ein junger Mann, der dieses Land auf seinem Pferd betritt und ein Mädchen, das durch eine Opfergabe ihr Leben verloren hat. Eine mysteriöse Stimme gibt den Auftrag, 16 Kolosse innerhalb der großen Welt zu bezwingen, um die Verstorbene wieder zum Leben erwecken zu können. Mit diesen einfachen Mitteln beginnt Shadow of the Colossus, das sich seit jeher durch eine außergewöhnliche Atmosphäre, interessante Spielmechanik und ein kunstvolle Inszenierung auszeichnet. Viele Medien, die sich mit Games auseinandersetzen, benennen Shadow of the Colossus als Meisterwerk und so ist es nicht verwunderlich, dass der Titel auf kaum einer Ranking-Liste der besten und außergewöhnlichsten Spiele fehlen darf. Ursprünglich erschien der Titel 2005 für die PlayStation 2 und wurde bereits 2011 als HD-Version für die PlayStation 3 neu aufgearbeitet. Mit dem Remake für die PlayStation 4 erfährt das Spiel aber nicht nur eine rudimentäre Verschönerung, vielmehr wurde der Titel komplett neu überarbeitet. Die Spielmechanik bleibt hierbei gleich, die grafische Darstellung ist allerdings wunderschön in Szene gesetzt und schafft es, die Atmosphäre des Originals zu vermitteln. 

Pädagogische Beurteilung:
Weniger ist mehr
Das Besondere an dem Titel ist, dass es auf viele Elemente verzichtet, die eigentlich typischerweise von dem Genre erwartet werden. So gibt es auch keine wirkliche Hintergrundgeschichte oder gar ein Tutorial. Nachdem Wander das tote Mädchen in dieses seltsame Land gebracht und in einem Tempel auf einen Altar gelegt hat, erklärt eine geheimnisvolle Stimme, dass 16 Kolosse bezwungen werden müssen, um das Mädchen wiederbeleben zu können. Hintergründe über Wander oder das Mädchen erhalten die Spielenden nicht, außer dass der Protagonist ein antikes Schwert gestohlen hat, welches ihm den Weg zu den Kolossen anzeigt. Ansonsten können die Spielenden mit Pfeil und Bogen schießen und auf dem Pferd Agro reiten. Auch Erklärungen zu der Steuerung oder weiteren Spielmechaniken gibt es kaum. Hier müssen die Spielenden selber herausfinden, was es zu tun gilt und welche Mechaniken möglich sind.

16 Kolosse
Hauptaugenmerk liegt auf den Kämpfen gegen die 16 Kolosse. Diese müssen zuerst in der Spielwelt selber gefunden werden. Auffällig ist hierbei die Leere innerhalb dieses weitreichenden Landes. Außer einigen Schreinen gibt es nichts in diesem verlassenen Land, keine weiteren Spielfiguren oder Tiere, außer ein paar Eidechsen, Fische oder Vögel. Hier verbreitet der Titel eine besondere Atmosphäre der Einsamkeit und Melancholie. So kann man einen großen Teil der Zeit auch damit verbringen, einfach die Gebiete ziellos zu erkunden.
Sobald der aktuelle Koloss entdeckt wurde, muss auch hier herausgefunden werden, welche Taktik zum Sieg führt. Die Spielenden müssen an den riesigen Kolossen hinaufklettern und mit dem Schwert an der Schwachstelle zustoßen. Die Schwierigkeit liegt hier bei der Ausdaueranzeige. Denn natürlich bewegen sich die riesigen Kreaturen und wollen Wander abschütteln. Die Spielenden müssen sich also festhalten, jedoch auch auf ihre Ausdauer achten, damit sie nicht runterfallen und wieder neu hinaufklettern müssen. 

Realistische Steuerung?
Beim ersten Spielen ist die Steuerung sehr auffällig. Während moderne Spiele alle Bewegungen und Steuermechaniken sehr weich, flüssig und ohne große Probleme inszenieren, ist die Steuerung bei Shadow of the Colossus hakelig und ungenau. Allerdings macht gerade dieser Faktor einen besonderen Aspekt aus und Wanders Bewegungen und Anstrengungen wirken in gewisser Weise authentischer. Auch das Pferd Agro lässt sich teilweise nur bedingt gut steuern, es ist störrisch und will auch mal in eine andere Richtung. Ein wenig kommt das Gefühl auf, dass Agro seinen eigenen Kopf besitzt und so hat es von allen Pferden aus Videospielen mitunter die meiste Persönlichkeit.

Die Frage nach der Moral
Mit der Zeit stellt sich immer mehr die Frage, warum man diese majestätischen und oft auch friedvollen Wesen tötet. Letztlich ist Wander selber der Fremde, der in das Territorium der mystischen Wesen eindringt und diese angreift. Die Motive dahinter sind ehrenvoll, letztlich soll ein Mädchen gerettet werden, das geopfert wurde. Warum dies geschah, erfahren die Spielenden jedoch nicht. Allerdings tut sich die Frage auf, ob der Zweck die Mittel heiligt? Gerade im Laufe der Zeit kommt ein mulmiges Gefühl auf, besonders da das Ableben der Kolosse sehr eingängig, ruhig und melancholisch inszeniert ist.

Fazit:
Das Remake zu diesem oft genannten Meisterwerk schafft es, die Stimmung des Originals zu vermitteln. Zwar gibt es auch einige Modernisierungen, die besonders einigen Fans des Originals teilweise nicht zusagen, allerdings ist der Titel dadurch für eine neue Spielerschaft leichter zugänglich. Spieler_innen die viel Action erwarten, werden hier enttäuscht. Shadow of the Colossus macht im Vergleich zu anderen Spielen vieles anders und schafft es gerade deshalb, eine besondere Atmosphäre und Stimmung zu vermitteln. Die Freude, herausgefunden zu haben, wie ein Koloss bezwungen werden kann, und die Melancholie, sobald man zum Gnadenstoß ansetzt, stehen hier in einem spannenden Verhältnis und schaffen es, die Spielenden, die sich auf dieses Abenteuer einlassen wollen, in den Bann zu ziehen und zu begeistern - auch wenn dies mit nur wenigen Mitteln und ohne viel Action, Special Effects oder grafische "Feuerwerke" geschieht.