South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe

Genre
Rollenspiele
USK
ab 16 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 16 Jahre
Vertrieb
Ubisoft
Erscheinungsjahr
2017.10
Systeme
PC, Playstation 4, Xbox One
System im Test
Playstation 4
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
South Park im Rollenspiel-Gewand mit den bekannten Fäkalwitzen & viel schwarzem Humor
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Fans der Serie und des Vorgängers
Sprache
deutsche Synchronisation mit vielen vulgären Witzen
Grafik
Bekannte Grafik aus der Serie
Sound
seichte Hintergrundmusik

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
selbsterstellter Avatar sowie alle bekannten Figuren aus der Serie
Mehrspielermodus
nicht vorhanden
Spielforderungen
Reflektionsfähigkeit
Zusatzkosten
optionale In-Game-Käufe für neue Spielinhalte
Problematische Aspekte
Fäkalhumor, sensible Themen werden mit viel schwarzem Humor behandelt
Redaktion, Gruppenleiterin
Linda Scholz
Spieleratgeber-NRW, OT St. Anna Ehrenfeld
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Spielbeschreibung:
Die Kinder in South Park sind in zwei Lager gespalten, die Freedom Pals und Coon and Friends. Beide Gruppen imitieren Superhelden und haben zum Ziel, das bekanntere Franchise zu werden. Doch zuvor muss eine vermisste Katze gefunden werden, um die Belohnung zu kassieren und mit diesem Grundkapital das eigene Marketing zu starten. Die Spieler_innen übernehmen hierbei erneut die Rolle des neuen Kindes in der Stadt. Verpackt ist die skurrile Geschichte in ein Rollenspiel mit rundenbasierten Kämpfen, vielen Dialogen und einigen versteckten Objekten.
Während sich der Vorgänger noch auf Fantasy-Themen spezialisierte und bekannte Medienproduktionen wie Game of Thrones oder Der Herr der Ringe parodierte, stehen im aktuellen Titel die Franchises von DC und Marvel im Schussfeld. Mit cleveren Dialogen und viel schwarzem Humor werden Themen der aktuellen Medienlandschaft sowie Serien, Filme und Comics mit Superheldenthematik persifliert.

Pädagogische Beurteilung:
Superhelden mal anders
Direkt zu Beginn können die Spielenden ihren eigenen Avatar selber erstellen. Hierbei können nicht nur das Kostüm oder die Accessoires, sondern auch Haare, Gesichtsmerkmale und Hautfarbe bestimmt werden. Letztere ist hierbei jedoch in Form des Schwierigkeitsgrades wählbar. Bereits hier zeigt der Titel, dass er nicht zimperlich mit kulturellen Themen umgeht: Umso dunkler die Hautfarbe, die man wählt, umso schwieriger wird es im Spiel. 
Neben dem eigenen Avatar tauchen im Laufe der Geschichte fast alle Figuren und Charaktere auf, die bereits aus der Serie bekannt sind. Alle Kinder haben hierbei ihre eigene Superheldenidentität, wobei im Grunde jede an einen bestimmten Superhelden des DC- oder Marvel-Universums angelehnt ist. Kurz nach dem Beginn können sich auch die Spielenden eine Superheldenfähigkeit aussuchen und bestimmen, wie sich der Avatar im Kampf verhält. 

Fähigkeiten und Ausrüstung
Durch erfolgreich absolvierte Kämpfe oder bestandene Missionen werden Erfahrungspunkte verteilt, wodurch der Avatar auflevelt und Stufen aufsteigt. So wird die eigene Figur im Laufe des Abenteuers mächtiger und mit der Zeit erhält man auch neue Fähigkeiten. Zudem können verschiedene Accessoires und Objekte gefunden, hergestellt und ausgerüstet werden, um die Statuswerte noch zu verbessern. All die Einstellungen können im Pausenmenü ausgewählt werden, welches wie ein Smartphone mit unterschiedlichen Apps gestaltet ist.
Hauptaugenmerk liegt hierbei auf dem fiktiven sozialen Netzwerk Coonstagram, welches an Instagram angelehnt ist. Die Spielenden müssen als Influencer Selfies mit den Bewohnern von South Park machen, um diese als Follower zu gewinnen. Manche Bewohner sind jedoch erst zu dem Foto bereit, wenn bestimmte Aufgaben im Spiel absolviert wurden.

Rundenbasiertes Kampfsystem
Die eigentlichen Kämpfe laufen rundenbasiert ab. Hierbei ist das Schlachtfeld in Felder unterteilt. Ist man an der Reihe, können die eigenen Teammitglieder bewegt und es kann eine Aktion gewählt werden. Hierbei gibt es genretypisch Aktionen, die Gegner verletzen, die Mitstreiter heilen und schützen oder die Figuren mit Statuswerten belegen. Nachdem die Aktionen gewählt wurden, erscheinen Tasten auf dem Bildschirm, die zeitkritisch gedrückt werden müssen. Ein gewisses Maß an Reaktionsschnelligkeit ist also auch gefordert. Der Schwierigkeitsgrad ist sehr moderat und auch für Genre-Neulinge gut zu meistern. Taktisches und strategisches Denken werden in geringem Maße dennoch gefordert. 

Schwarzer Humor
Die eigentliche Geschichte beginnt mit einer verschwundenen Katze. Die Kinder wollen diese Katze finden, um die Belohnung zu kassieren. Schnell findet man jedoch heraus, das hinter alldem viel mehr steckt. Eine ganze Verbrecherorganisation ist in die seltsamen Vorkommnisse verstrickt und schnell tauchen auch übernatürliche Wesen auf. Auch die Hintergrundgeschichte der eigenen Spielfigur wird mit der Zeit gelüftet. Hierbei orientieren sich die skurrilen Wendungen an den Erzählweisen, die bereits aus der Serie bekannt sind. Wer zuvor noch nie mit dem South Park-Franchise in Berührung kam, kann hierbei schnell verwirrt sein.
Auch die Dialoge, der Wortwitz und der Humor sind voll von verschiedenen Tabubrüchen. Zudem werden verschiedene gesellschaftliche Themen, die in der kulturellen oder medialen Landschaft einen gewissen Stellenwert besitzen, auf eine nicht sehr zimperliche oder feinfühlige Art behandelt, wie beispielsweise Rassismus, Sexismus, Homosexualität, Pädophilie, Drogenkonsum, Gewalt gegen Frauen, Kinder oder Tiere und so weiter. Letztlich gibt es in South Park kein Thema, das nicht überspitzt und überzogen behandelt wird, um wirklich weit unter die Gürtellinie zu gehen. 

Fazit:
Das South Park-Franchise polarisiert auf unterschiedliche Arten. Die Spiele der Serie beinhalten denselben schwarzen Humor und die gleichen Fäkalwitze, die bereits aus der Serie bekannt sind. Spieler_innen über 16 Jahren verfügen hierbei in der Regel über genug Medienerfahrung, um die Geschehnisse einordnen zu können. Die rektakuläre Zerreißprobe persifliert die gängigen Superhelden-Franchises und erweitert diese um rollenspieltypische Elemente. Die spielerischen Elemente stehen hierbei ab und an im Hintergrund, vielmehr geht es um die Geschichte, die Anspielungen und den Humor. Und auch dann richtet sich das Spiel hauptsächlich an Fans der Serie. Wer mit dieser nur wenig anfangen kann, wird auch am Spiel nicht lange Freude haben. Eltern sollten jedoch wissen, dass die Inhalte einiger Episoden der Serie teilweise noch drastischer als im Spiel sind.