Xenoblade Chronicles 2

Genre
Rollenspiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Nintendo
Erscheinungsjahr
2017.12
Systeme
Nintendo Switch
System im Test
Nintendo Switch
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Episches Anime-Rollenspiel mit außergewöhnlichem Setting
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Entdecker, Jäger, Sammler, Fans der Reihe und von Animes
Sprache
Englisch mit deutschen Untertiteln
Grafik
Anime-Stil, detailreich
Sound
einprägsame Melodien

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
eine sympatische Heldengruppe, die für das Gute einsteht
Mehrspielermodus
nicht vorhanden
Spielforderungen
Geduld, Hand-Auge-Koordination, Lesefähigkeit
Zusatzkosten
optionale Spielinhalte können mit Echtgeld erworben werden
Problematische Aspekte
sexualisiert dargestellte Frauenbild
Redaktion
Daniel Heinz
Spieleratgeber-NRW
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Das epische Rollenspielabenteuer im japanischen Anime-Stil hat ein außergewöhnliches Szenario. Durch einen verheerenden Krieg ist das Land Alrest wortwörtlich in dem schier endlos wirkenden Wolkenmeer untergegangen. In diesem treiben seither gigantische Titanen, die den Bewohnern als Lebensraum dienen. Dort wachsen Pflanzen, grasen Tiere und Menschen sowie andere Rassen haben auf deren Rücken oder in ihrem Inneren Dörfer und Städte gegründet. Im Zentrum von Alrest thront der Weltenbaum, an dessen Spitze sich der Sage nach das paradiesische Elysium befinden soll. Der junge, sympathische Rex lebt auf dem Rücken eines solchen Wesens und verdient seinen Lebensunterhalt als Bergungstaucher im Wolkenmeer. Der vergleichsweise kleine Titan namens Gramps kann sogar sprechen und die beiden hegen eine tiefe Verbundenheit. Der größte Traum des jungen Bergungstauchers ist es, eines Tages Elysium zu erreichen. Denn die uralten Titanen sterben aus – und somit verschwindet auch der Lebensraum von Flora, Fauna, Menschen und allen anderen Wesen. Als Rex eines Tages einen äußerst lukrativen Job annimmt und ein versunkenes Schiff birgt, findet er in einem gläsernen Sarg die schlummernde junge Frau Pyra. Sie entpuppt sich als die mächtigste aller Klingen. Hierbei handelt es sich um fleischgewordene Waffen, die ihren Meister mit Energie versorgen. Gemeinsam schmieden sie den Plan, den Weltenbaum zu erklimmen, Elysium zu erreichen und mit dem Schöpfer zu sprechen. Während des Abenteuers lernen sie zahlreiche Mitstreiter kennen und geraten in einen Strudel aus Macht, Intrigen, Krieg und Glauben, bei dem nicht weniger als das gesamte Universum in Gefahr gerät.

Pädagogische Beurteilung:
Imposante Fantasy-Welt
Die Spielwelt ist riesig und das Herumspazieren auf den Titanen mit unterschiedlichen Landschaften und Wetterbedingungen gestaltet sich außergewöhnlich und stimmungsvoll. Aus der Ferne lässt sich der Kopf des Titanen begutachten, an dessen Klippen das Wolkenmeer brandet. Es gibt zuhauf Tiere, die friedlich grasen, in Tümpeln herum schwimmen oder durch die Lüfte fliegen. Sie erinnern mal an Fabelwesen und mal an echte Tiere. Und in den Dörfern und Städten tummeln sich die Bewohner unterschiedlicher Rassen, es gibt Gasthäuser, Läden, wunderschöne Panoramen und jede Menge kleinerer und größerer Nebenaufgaben, um sich die Zeit in der imposanten Kulisse zu vertreiben. Im Laufe des Abenteuers werden zahlreiche unterschiedliche Titanen bereist, die jeweils unterschiedlich gestaltet sind. Die Musik unterstützt diese Atmosphäre und es gibt einige Lieder, die durchaus Ohrwurmcharakter haben. Das Spiel hat eine englische Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln, was eine gewisse Lesebereitschaft fordert.

Stereotype Darstellungen
Die Gestaltung der Figuren im japanischen Anime-Stil ist allerdings gewöhnungsbedürftig und bricht mit westlich geprägten Inszenierungen. Vor allem die überdimensionierten, weiblichen Attribute, die allzu knappe Bekleidung und entsprechende Kamerafahrten in Zwischensequenzen können irritieren. Vor allem deshalb, weil die Charakterisierung der Figuren kaum zu der visuellen Gestaltung zu passen scheint. Beispiel: Die Klinge Pyra wird als eine sensible, tiefgründige, liebevolle junge Frau charakterisiert. Im Kontrast steht die anzügliche Optik der Figur, deren Kleidung dem abenteuerlichen Settung nicht zu entsprechen scheint. Jugendliche ab 12 Jahren, darunter vor allem die Anime-Fans, kennen solche Darstellungen und können diese einordnen. Und gerade weil die weiblichen Figuren tiefgründig charakterisiert werden und den Männern durchaus ebenbürtig sind, findet die Sexualisierung überwiegend auf der optischen Ebene statt und ist niemals explizit.

Epische Handlung mit Humor
Die Handlung wird in zahlreichen Zwischensequenzen und kleineren Dialogen vorangetrieben und kann als episch und wendungsreich beschrieben werden. Grundlegend geht es um die Coming-of-Age-Geschichte des Jungen Rex, der seine Träume verwirklichen will, Freunde findet, sich verliebt, Verantwortung übernehmen muss – und das für nicht weniger als das gesamte Universum. Bei diesem beinahe naiv wirkenden Streben ist er stets von seiner Moral geleitet und verkörpert eine positive Heldenfigur, die selbst dem ärgsten Feind eine zweite Chance gibt. Das lässt Sympathie entstehen und erleichtert die Identifikation mit ihm. Gleiches gilt für den Rest der Heldengruppe. Da gibt es die etwas kratzbürstige, aber sympathische Katzendame Nia mit ihrer Klinge in Löwengestalt, den tollpatschigen, verstoßenen Königssohn, die ehrenhafte Offizierin und noch einige mehr. Innerhalb der Gruppe entwickelt sich eine bedingungslose Freundschaft, die für positive Werte einsteht.
Gerade der sich stetig verkleinernde Lebensraum, der durch das Titanensterben ausgelöst wurde, sorgt für gesellschaftliche und politische Unruhen in Alrest. Und während Rex und seine Kumpanen gen Elysium streben, werden sie zum Spielball der Mächtigen im Land. Im Verlauf wird es oft sehr dramatisch, es entsteht eine Wendung nach der nächsten und die Handlung spitzt sich immer weiter zu. Oft wird es sogar philosophisch, wenn über das Wesen des Menschen, die Verbindung mit den Klingen, den Sinn des Lebens oder ähnlich hochtrabende Themen gesprochen wird.
Gebrochen wird diese Ernsthaftigkeit durch viel slapstickhaften Humor, der stellenweise ins Alberne abdriftet. Vor allem die skurrilen Noppons - kleine, kugelige Wesen mit riesigen Händen an Stellen, wo sich herkömmlich Ohren befinden - erinnern aufgrund ihrer kindlichen Sprache an groteske Reinkarnationen von Jar Jar Binks. Solche Überzeichnungen sind typisch für die japanische Medienlandschaft und könnten die Geschmäcker spalten.

Komplexe Taktikkämpfe
Auf dem Weg durch die imposante Landschaft trifft die Gruppe auf allerlei Wesen. Manche von ihnen sind freundlich gesonnen, andere reagieren aggressiv und greifen sofort an. Das Kampfsystem ist taktisch geprägt und wirkt zunächst simpel, denn Rex führt Angriffe automatisch aus und kann nach deren Aufladen Spezialmanöver und mächtige Meisterangriffe ausführen. Doch sobald die Heldengruppe aus 3 Mitstreiter_innen mit jeweils eigenen Klingen besteht, wird es komplex. Denn die jeweiligen Angriffe müssen zielführend kombiniert werden und dabei kommt es auf Timing, Positionierung und die Auswahl der Klinge an, um erfolgreich zu sein. Zudem gilt es, die Figuren gemäß ihrer Funktion wie Heiler, Verteidiger oder Angreifer zu bedienen und auszurüsten.
Die Mechaniken werden meist knapp und nur einmalig erläutert. So kann es vorkommen, dass auf dem Bildschirm ein wahres Angriffsfeuerwerk ausgelöst wird und der Spielende keinen blassen Schimmer hat, wie er das geschafft hat. Selbst nach über 40 Stunden Spielzeit gibt es noch Feinheiten zu entdecken und zu professionalisieren, was die Auseinandersetzungen gegen ebenbürtige Kontrahenten immer wieder spannend macht.

Sammelbare Klingen
Jede_r Meister_in kann aus unterschiedlichen Schwertern auswählen. Diese müssen allerdings vorab aus sammelbaren Kernkristallen resoniert werden. Während hierbei überwiegend gewöhnliche Klingen entstehen, kann mit Glück und Geduld auch mal ein seltenes Exemplar zum Vorschein kommen. Diese Klingen sind nicht nur grafisch ansprechend gestaltet, sondern kennzeichnen sich auch durch individuelle Talente, spezielle Aufgaben und einen unverwechselbaren Charakter. Ganz wie in Pokémon lassen sich ihre Fähigkeiten durch Benutzung verbessern und ausrüsten.

Hinweise zur Medienerziehung
Wer das Abenteuer nicht allzu überstürzt angeht, der wird über 100 Stunden damit beschäftigt sein. Und gerade weil es überall etwas zu tun gibt und das Questbuch stets prall gefüllt ist, bleibt die Motivation hoch. Eltern sollten hier klare Regeln vereinbaren und Spielunterbrechungen vorher ankündigen, denn manch epischer Kampf kann sich über viele Minuten hinziehen.

Fazit:
Das Singleplayer-Rollenspiel im Wolkenmeer spricht ein Nischenpublikum an. Wer den Anime-Stil mag und dem überzeichneten Humor etwas abgewinnen kann, der findet hier ein tiefgründiges Abenteuer mit zahlreichen Erkundungsreizen, abwechslungsreichen Aufgaben, einer wendungsreichen Story mit sehr vielen Zwischensequenzen und sympathische Figuren, die für das Gute einstehen. Die hypersexualisierten Frauenfiguren wirken deplatziert, vor allem weil ihre Charakterisierung durchaus tiefgründig ist. Der Umfang und somit der Zeitaufwand des Abenteuers ist für eine Einzelspielerkampagne recht hoch. Die zahlreichen Kämpfe wirken aufgrund der taktischen Ansicht und Gestaltung, der wenig realistisch wirkenden Figuren sowie dem deutlich erkennbaren Fantasy-Setting auf Jugendliche ab 12 Jahren i.d.R. wenig bedrohlich. Sie können das Geschehen aufgrund ihrer Entwicklung und ihrer medialen Vorerfahrung als Fiktion einordnen.