Spielen für den guten Zweck

Am 10. April 2018 wurde der Deutsche Computerspielpreis verliehen. In diesem Jahr erhielt Friendly Fire den Sonderpreis der Jury. Bei diesem Charity-Stream sammeln deutsche YouTube-Stars Geld für den guten Zweck.

von Patrick Habetz und Linda Scholz

Charity-Streams sind hierbei keine gänzlich neue Erfindung. Auch im internationalen Raum gibt es zahlreiche Events, die live gestreamt werden, um Geld für Hilfsorganisationen zu sammeln. Hierbei werden diese Gaming-Events, die Spiele mal mehr und mal weniger in den Fokus rücken, live gestreamt und die Zuschauer_innen können direkt kommentieren und Geld spenden. Die Spenden können den Stream auch in gewissem Maße beeinflussen, wenn beispielsweise gewisse Dinge geschehen, wenn eine bestimmte Spendenhöhe erreicht wurde. Die Zahl der Zuschauenden und die Spendenhöhe veranschaulichen, wie das Thema Gaming und der gute Zweck kombiniert werden können.

Die bekanntesten Gaming-Charity-Livestreams im deutschen Raum sind Friendly Fire und Loot für die Welt. Friendly Fire findet jährlich im Dezember statt und geht 2018 in die vierte Runde. Das letzte Event im Dezember 2017, an dem die YouTuber Gronkh, Pietsmiet, Pandorya, der Heider, MrMoreGame und andere beteiligt waren, spielte über 600.000 Euro Spendengelder ein. Der Großteil (ca. 475.000 Euro) kam dabei über sogenannte Donations, also Onlinespenden während der zwölfstündigen Dauerübertragung, der Rest wurde über den Verkauf von thematisch passendem Merchandise (Fanartikeln) sowie durch Sponsorengelder gesammelt. In der Vergangenheit flossen die Gelder, abzüglich der Kosten, die das Event selbst verursacht, in ausgewählte wohltätige Vereine und Institutionen. 2017 wurde das Event von Sponsoren wie Microsoft und Unitymedia gesponsert, daher gingen die Spendengelder komplett an die Hilfsorganisationen. Mit digitalem Gaming hat das Event inhaltlich allerdings weniger zu tun. Die Performer selbst haben allesamt eine bedeutende Relevanz als Let’s Player oder Streamer in der Gaming-Szene, vor allem auf YouTube oder Twitch. Hier wird jedoch vielmehr die Reichweite und die Community der beteiligten Performer genutzt, um Gelder für den guten Zweck zu sammeln. Inhaltlich werden in den zwölf Stunden lockere Gesprächsrunden, Gesellschaftsspiele, kleinere Wetten oder Challenges, inklusive Bestrafungen für die Verlierer, sowie diverse typische Partyspiele gezeigt. Spielesessions stehen nur vereinzelt auf dem Programm. Dabei wird der an den Tag gelegte Humor auch schon mal derb, ist also nicht durchgängig für ein Publikum jeden Alters geeignet.

Loot für die Welt findet seit 2014 jährlich im  November statt. Initiatoren und Veranstalter sind die YouTuber LeFloid und Frodoapparat (die beiden betreiben zusammen einen weiteren YouTube-Kanal namens DoktorFroid), die Space Frogs, RobBubble sowie die Teams rund um die Social-Media-Stars. Außerdem gibt es Gastauftritte weiterer bekannter Größen aus der Szene, wie zum Beispiel Fabian Siegismund oder die Musikkünstlern Fewjar oder Marti Fischer. Der Charity-Stream geht über 48 Stunden und die Teilnehmer treten in verschiedenen Kombinationen in Schichten auf. Loot für die Welt 4 sammelte im November 2017 über 235.000 Euro Spendengelder für gute Zwecke und Institutionen. Inhaltlich liegt der Fokus hier viel stärker auf digitalen Spielen. Fast durchgängig wird gespielt, die Bandbreite der gezeigten Spiele ist groß und deckt verschiedene Genres ab. Von niedlichen Partyspielen wie Mario Party bis Mortal Combat ist alles vertreten, was zusammen Spaß macht. Zwischendurch werden spontane musikalische Intermezzos eingelegt, es wird zusammen gesungen oder in lockerer Runde über aktuell relevante Themen geredet. Auch auf die Community wird regelmäßig eingegangen. Da hier hauptsächlich Spiele gezeigt werden, sollte auch beachtet werden, dass diese nicht nach USK-Einstufung gefiltert werden. Auch die Ausdrucksweise und der Humor der Performer ist nicht unbedingt immer jugendfreundlich, obwohl sich Ausdrucksweise und Handlungsarten an eine jugendliche Zielgruppe richten. Dies trifft allerdings, wie auch bei den Teilnehmern von Friendly Fire, auf deren gesamte Inhalte zu. Die YouTuber treten in den Charity-Streams genauso auf, wie es die Fans von ihnen kennen.

Mitunter das größte Charity-Event weltweit ist das halbjährlich stattfindende Games Done Quick in Amerika. Hierbei handelt es sich um ein Speedrun-Event, es werden also unterschiedliche Spiele möglichst schnell durchgespielt. Das besondere an Speedruns ist, dass hier die Eigenheiten sowie Fehler des Spiels genutzt werden, um möglichst schnell das Ende zu erreichen. Zudem gibt es auch verschiedene spezielle Speedruns, wie beispielsweise "Races", in denen Speedrunner gegeneinander antreten, oder Multiplayer-Titel, die ein Spieler mit zwei Controllern spielt. Die Auswahl reicht von Retro-Games, über Indie-Titel bis hin zu Mainstream-Blockbustern. Auch über die Spenden können die Zuschauer_innen über Auswahlmöglichkeiten in den Spielen mit abstimmen, beispielsweise welcher Charakter ausgewählt wird. Die Teilnehmenden reisen hierfür aus der ganzen Welt an. Zudem gibt es zahlreiche Sponsoren, die sich auch mit Sachpreisen beteiligen, welche die Spendenden gewinnen können.
Über das Jahr verteilt gibt es zwei Events. Im Winter findet Awesome Games Done Quick (AGDQ) und im Sommer findet Summer Games Done Quick (SGDQ) eine Woche lang statt. So wurden im Juli 2017 fast 1,8 Millionen Dollar für Doctors Without Borders und im Januar 2018 wurden fast 2,2 Millionen für die Prevent Cancer Foundation gesammelt. Der nächste Termin steht bereits fest, vom 24. Juni bis zum 01. Juli 2018 findet SGDQ statt.