Der Sohn von Rambow

Der elfjährige Will Proudfoot lebt in der strengen konservativen, religiösen Gemeinschaft, der Plymouth Brethren Gemeinde. Für deren Mitglieder heißt es: kein TV, keine Musik, kein Kontakt mit nicht gläubigen Kindern und anderer Verzicht. Will erschafft sich deshalb in einem Buch eigene Geschichten und dreht per Daumenkino eigene Filme. Durch den Rabauken Lee Carter, den er an der Schule kennenlernt, sieht er jedoch eine Raubkopie des Films „Rambo“ und seine Welt verändert sich.

Von Torben Kohring

Zusammen mit Lee macht er sich daran eine eigene Fortsetzung zu drehen. Und so entwickelt sich im Verlauf des Drehs eine dicke Freundschaft von augenscheinlich unterschiedlichen Kindern. Doch die Strenge von Wills Gemeinde bedroht das gemeinsame Filmprojekt. Will muss sich mit seiner Mutter und den Mitgliedern der Gemeinde auseinandersetzen und zu vielen Tricks greifen, um ungestört an der Umsetzung seiner Idee arbeiten zu können.
Doch auch das Projekt selbst wächst den beiden zunehmend über den Kopf. Da ihre Arbeit nicht lange unentdeckt bleibt, wollen viele Ihrer Schulkameraden auch Teil des Films werden, was ihre junge Freundschaft vor eine harte Zerreißprobe stellt.

Garth Jennings erzählt eine Geschichte, die in erster Linie von Freundschaft handelt, dem unüberwindlichen Bund zweier Jungen, die zueinander finden und die ein gemeinsames Ziel verbindet. Zwei unterschiedliche Charaktere werden geeint von ihrer Liebe zum Film, lassen sich aufeinander ein und überwinden schließlich alle Hindernisse, die sich ihnen in den Weg stellen. Die beiden Hauptdarsteller Bill Milner und Will Poulter harmonieren dabei so prächtig, dass man sich zurück in seine Kindheit versetzt fühlt und die vergangenen Träume förmlich wieder greifbar werden. Wenn Will und Lee Blutsbrüderschaft schließen fühlt man sich an Zeiten erinnert in denen Winnetou der unangefochtene Held kleiner Jungen war und hört Bruce Springsteen in „No surrender“ singen: „We swore blood brothers against the wind
Now I'm ready to grow young again“.
Doch das ist nur die eine Seite des Films. Die andere handelt von der fast mystischen Macht der Medien und welche kreativen Potenziale durch sie freigesetzt werden können. Wenn Will zum ersten Mal in seinem Leben einen Film sieht und von Rambo derart begeistert ist, dann wünscht man sich noch einmal zu dem Augenblick zurück, da sich vor den eigenen Augen zum ersten Mal im Kino der Vorhang zu Seite bewegte und man in eine andere Welt eingetaucht ist. Wahrscheinlich können nur wenige Menschen diesen Augenblick im Nachhinein noch genau benennen, doch wohnt ihm definitiv Magie inne. Will überträgt seine eigenen Wünsche auf das Gesehene und möchte diese Wünsche auch selbst kreativ umsetzen. Und hier wird eins sehr genau deutlich: Medien und wie wir sie nutzen, haben einfach sehr viel mit uns selbst zu tun. „Der Sohn von Rambow“ weiß an manchen Stellen nicht genau, was er sein möchte: Drama, Komödie oder vielleicht Gesellschaftkritik? Wenn Kritik an der religiösen Gemeinschaft geübt wird, bleibt vieles an der Oberfläche, wenn Lee verunglückt werden sehr bewusst zu dramatische Auskleidungen ausgespart und letztlich wendet sich (wie erwartet) Alles zum Guten, doch was in viele Rezensionen als Anlass für Kritik genommen wurde ist auch eine der Stärken des Films. Er ist keine Persiflage auf Rambo, er möchte keine Gesellschaftskritik an religiösen Gemeinschaften üben, er ist eine Hommage an die 80er. Filme wie Rambo, die nur in den 80ern möglichwaren, Klamotten, für die dasselbe gilt, all dies rückt der Film zusammen und setzt ihnen ein kleines Denkmal.

„Der Sohn von Rambow“ ist ein wunderbarer kleiner Film darüber, wie Medien wirken und was Medien bewirken können und sei jedem ans Herz gelegt, der ganz eigene Erinnerungen an seine Kindheit und deren Medien hat und diese vielleicht einmal mit seinen Kindern teilen will.

Und letztlich verklärt doch die Erinnerung an die eigene Kindheit immer einiges.

Daten

Premiere: Januar 2007 (Sundance Film Festival, USA)

Deutschlandstart: 21. August 2008

FSK: freigegeben ab 6 Jahren

Genre: Komödie

Länge: 95 min

Land: UK

Bilder