Netzwerk Bielefelder Spieletester

Das Netzwerk Bielefelder Spieletester/Gaming realisiert seit 2015 unter dem Motto spiele.bielefeld viele digitale Gamingaktivitäten in der Kinder- und Jugendarbeit. In dieser Reportage wird das Bielefelder Netzwerk und insbesondere eine der Spieletester_innen-gruppen im Jugendzentrum Stricker vorgestellt.

von Elisa Budian

Acht Augenpaare starren gebannt auf das Bild, welches der Beamer an die Wand wirft. Eine kleine, zweidimensionale Figur wird von einem Jugendlichen am Laptop durch eine Pixellandschaft navigiert, die entfernt an alte Game Boy-Spiele wie Pokémon oder Zelda erinnern lässt. Hinter dem Spielenden sitzen einige andere Jugendliche, die ihm hin und wieder zurufen, was er tun soll. „Nein, nicht da lang. Du musst in den Keller!“, tönt es durch den Raum.

Wir befinden uns im Jugendzentrum Stricker. Hier wird heute das Rollenspiel Path Out getestet, in welchem der Game Designer Abdullah Karam seine eigene Flucht von Syrien nach Europa verarbeitet (hat). Als Gruppenleiterin der Spieletester_innengruppe im Jugendzentrum Stricker habe ich das Spiel ausgesucht und mitgebracht. Die Jugendlichen sind Stammgäste im Jugendzentrum und finden es super, dass hier seit kurzem auch gezockt werden kann. So sagt der 20-jährige Arif: „Dadurch haben Jugendliche die Chance, ihre eigene Meinung zu den Spielen mit einfließen zu lassen. Zudem hat man mal eine Gruppe von Zockern/Gamern, mit denen man zusammen was spielt und das dann auch bespricht oder Spiele aus anderen Sichtweisen anschaut“.

Das Jugendzentrum Stricker ist eines der aktuell fünfzehn Mitglieder des Bielefelder Netzwerks Spieletester/Gaming. Bielefeld hat damit eines der größten jugendpädagogischen Gaming-Netzwerke in Nordrhein-Westfalen. Tanja Reineke, Medienpädagogin im Bielefelder Jugendring e.V., ist seit der Gründung vor vier Jahren Koordinatorin des Netzwerks. Sie betont die gute Zusammenarbeit im Netzwerk: „Es ist eine gemeinsame Sache von allen. Jeder bringt sein Know-how ein. Jeder hat unterschiedliche Zugänge zum Thema Gaming und kann Unterschiedliches dazu beitragen. Das genau macht dieses Netzwerk auch aus, dass es so lebendig ist.“ Neben vielen regelmäßigen Spieletester_innengruppen veranstaltet das Netzwerk auch größere Events, wie zum Beispiel den Bielefelder Games Day (eine Mini-Messe mit vielen Aktionsständen) oder die FIFA-eSports-Liga, in der zahlreiche Jugendzentren im digitalen Fußballspiel gegeneinander antreten. Für Tanja Reineke ist es wichtig, die Jugendlichen in ihrem Medienerleben ernst zu nehmen: „Man weiß, dass Kinder und Jugendliche das Thema Games faszinierend finden. Und es gibt auch eine Generation von Pädagogen, die selber als Spieler aufgewachsen sind. Ich will die Kinder und Jugendlichen ernst nehmen in ihren Interessen und das gemeinsam mit ihnen erleben und begleiten, damit sie ein gutes Umgehen mit Medien und dem Thema Games finden. Das kann ich als Jugendeinrichtung nicht komplett ausklammern, wenn ich meinen pädagogischen Auftrag ernst nehmen will.“

Die Heimatplattform der Spieletester_innengruppen im Netzwerk ist der Spieleratgeber NRW, auf dessen Webseite die Rezensionen der von den Jugendlichen getesteten Spiele veröffentlicht und so einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden. Doch neben diesen Veröffentlichungen ist vor allem die kritische Auseinandersetzung der Jugendlichen mit dem Thema Gaming Hauptaspekt des Projekts. Der Spieletest im Jugendzentrum Stricker hat die Teilnehmenden sichtlich aufgewühlt. Path Out hat sie zum Nachdenken angeregt und zwischen ihnen ein Gespräch über Fluchtursachen oder die Frage, warum Europa jetzt fast keine Geflüchteten mehr aufnimmt, entfacht. Nicht jedes Mal treffe ich mit den mitgebrachten Computerspielen den Geschmack der Jugendlichen, aber immer bieten die Spiele eine Möglichkeit, an ihre Lebensrealität anzuknüpfen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.