gamescom 2011: Lego-Miners

GamesCom 2011. 

Jugendforum. 

Drei Notebooks, auf denen der Indie-Hit Minecraft läuft. 

Eine Kiste mit Lego. 

Fazit: Minecraft zieht Jugendliche an, wie Honig die Fliegen. Aber auch die, auf einer Multimedia-Messe so profan erscheinende, Kiste mit Plastikbauklötzen hat ihren eigenen Reiz und lockt Kinder und Jugendliche mit einem gewissen „Oh, das habe ich ja schon lange nicht mehr gesehen“-Effekt an den Stand.

Die Kombination aus Lego und dem virtuellen Baukasten „Minecraft“ (Pädagogischen Beurteilung) ist der Kern von „Lego Miners“:

von Philipp Dubberke

 

  • Es werden Gruppen mit drei Personen gebildet.
  • Die Gruppe hat 20 Minuten Zeit mit Lego-Steinen etwas zu konstruieren. Es ist den Kindern und Jugendlichen freigestellt, ob sie zwei-  oder dreidimensional bauen. Was sie bauen ist ihnen überlassen.
  • Das Werk wird fotografiert.
  • Die Gruppe wechselt vom Lego-Tisch an die Notebooks. Hier läuft eine speziell modifizierte Minecraft-Version - es sind reichlich graue, braune, und goldene Blöcke vorhanden.
  • Auch hier haben die Teilnehmer nun 20 Minuten Zeit, um ihre Lego-Kreation in der Minecraft-Welt nachzubauen. Dazu können verschiedenfarbige Blöcke beliebig gestapelt und aneinander gefügt werden.
  • Nach Ablauf der Zeit wird das Projekt mit einem Bildschirmfoto („Screenshot“) verewigt.
  • Besonders Kreative erhalten schon jetzt T-Shirts, Tassen oder andere Goodies.
  • Die Fotos und Screenshots werden vor ausgewertet und anschließend auf der Facebook-Seite vom Spieleratgeber-NRW zur Abstimmung gestellt. Das beste Team gewinnt Karten für das Phantasialand. Die Abstimmung findet momentan hier statt.

 

Ziel des Projektes:

Für Kinder und Jugendliche sind virtuelle Welten heutzutage ein Teil des Alltags, man bewegt sich in sozialen Netzwerken, verabredet sich im Internet und spielt alleine oder mit anderen online – teils in sehr komplexen und auch nach Ende des Spiels weiter bestehenden Welten. Diesen Lebensbereich stellt in unserer Aktion Minecraft dar und fungiert als digitale Spielwiese. Der Gegenpart ist das deutlich greifbarere Lego – es kann angefasst werden, macht Geräusche, wenn man es bewegt und schmeckt nach Plastik. Die Kombination der realen Klötze mit den virtuellen, stellt eine Herausforderung dar, auf die Kinder und Jugendliche ständig treffen und auch in ihrer Zukunft stoßen werden. In vielen Branchen wird mittlerweile zuerst digital entworfen, gebaut und getestet, bevor auch nur ein Handschlag mit realen Materialien getan wird. Aber auch im Alltag finden Transfers von real zu digital und andersherum statt: „Benehme ich mich in einem Chat-Raum anders, als in einem Raum voller echter Menschen?“, „Sind Online-Freundschaften dasselbe wie solche im echten Leben?“, „Wenn ich in einem Online-Spiel etwas erreiche, habe ich etwas davon?“. Unser Projekt soll diesen Übergang verdeutlichen und veranschaulichen. 

 

Kurzfazit:

Ein häufiger Satz der Jugendlichen am Stand war: „Kann ich nicht gleich in Minecraft bauen? Da hätte ich voll gute Ideen, Lego schränkt uns doch total ein.“ Es ist bemerkenswert, wie sicher und professionell erst 12-jährige sich in der digitalen Minecraft-Welt bewegen und zu welchen Leistungen sie binnen kürzester Zeit fähig sind. Zwei Jungs bauten etwa einen Swimmingpool mit Lego, den sie mit blauen Klötzen füllten. Wir hatten angekündigt, dass sie standardmäßig nur braune, graue und goldenen Blöcke zur Verfügung haben. Das war ihnen egal und binnen kürzester Zeit hatten die beiden sich aus unserem vorgegebenen Areal gebuddelt, einen unterirdischen See gefunden, Eisenerz abgebaut, aus Steinen einen Schmelzofen errichtet, das Erz eingeschmolzen und Eimer geschmiedet, mit denen Sie Wasser aus dem See in ihren Pool transportiert haben. Wir haben keine Einschränkungen zum Verlassen des vorgegebenen Bereichs gemacht, Spieler aber auch nicht dazu aufgefordert oder ihnen erklärt, wie sie das extra eingezäunte Areal verlassen können. Um in Minecraft Gegenstände erschaffen (wie etwa den Schmelzofen oder den Eimer) müssen  Materialien (Stein im Fall des Ofens, verhüttetes Eisen im Fall des Eimers) in einem Menü auf spezielle Weise angeordnet werden. Diese Rezepte sind nicht im Spiel ersichtlich und werden für gewöhnlich im Internet nachgeschlagen – die beiden Poolbauer hatten alle Baupläne im Kopf und haben sie wie selbstverständlich abgerufen.

Eine andere Gruppe hatte Probleme mit der Perspektive: Ihre Figur sollte gigantisch groß werden, was jedoch zur Folge hatte, dass die Spielfiguren immer nur einen kleinen Teil der Figur, jedoch nicht das große Ganze erkennen konnten. Nach etwas Probieren hat sich schließlich einer der 14-Jährigen mit seiner Spielfigur weit genug von dem Bauwerk entfernt, um alles überblicken zu können und hat seine beiden Mitspieler angeleitet, wo welcher Block positioniert werden muss. Je näher das Ende des Zeitlimits kam, desto harscher wurden die Anweisungen, aber schlussendlich ist das Bauwerk (wenn auch mit etwas schiefen Kopf) fertig geworden.