Der PlayStation Store von Sony

Videospiele und deren Inhalte gehen längst nicht mehr ausschließlich über die Ladentische dieser Welt. Auch die Konsolen haben ihre Onlineportale, auf denen nicht nur Spiele angeboten werden, sondern ganze Netzwerke voller Angebote und Kommunikation entstanden sind. Kadir Yilanci wirft einen Blick auf das Online-Angebot der Sony PlayStation.

von Kadir Yilanci

Während die Online-Fähigkeiten der PlayStation 2 nur rudimentär und viel zu umständlich genutzt werden konnten, setzt Sony mit der PlayStation 3 gezielt auf die Online-Karte und bietet innerhalb des PlayStation Netzwerkes zahlreiche Funktionen und Zusatzdienste. Mit beispielsweise PlayStation Home wird eine virtuelle Online-Gesellschaft angeboten, das entfernt an das Online-Rollenspiel „Second Life“ ähnelt und worüber sich die Nutzer per Headset oder Tastatur austauschen können. Über den neuen Musikvideo-Kanal VidZone, können aus einer großen Bibliothek alte, aber auch die neuesten Musikvideos angeschaut werden. Ein netter Dienst, der jedoch noch an der umständlichen Benutzerführung krankt.

Hauptangebot ist natürlich der PlayStation Store, in dem Spieler sich Demo-Versionen herunter laden, aber auch Spiele für die PlayStation 3 (PS3) und die Taschenkonsole PlayStation Portable (PSP) kaufen können. Ein immer größerer Trend ist es, zusätzliche Spielinhalte wie Figuren, Musikspielerweiterungen, Kostüme, Level und Spielmodifikationen anzubieten. In den USA ist es sogar möglich, Filme und Serien in HD-Qualität Online zu erwerben. Im Gegensatz zu Microsofts XBOX-Live-Dienst ist die Nutzung des PlayStation Networks, worüber auch Online gespielt werden kann, übrigens kostenlos.

Dieser Artikel wird sich mit dem Spiele-Dienst PlayStation Store, seinen Nutzungs-Voraussetzungen und Besonderheiten und selbstverständlich mit den angebotenen Spielen und Spielgegenständen beschäftigen. Abschließend wird exemplarisch das Spiel „Bionic Commando Rearmed“ vorgestellt und soll aus Ausblick dienen, wie alte Klassiker in einem modernen Gewand einen zweiten Frühling erleben.


Die Voraussetzungen

Das schon vorweg: Ohne Kreditkarte geht im Augenblick gar nichts im PlayStation Store. Während bei der Konkurrenz Nintendo und Microsoft neben Kreditkarten auch das Bezahlen mit Prepaid-Karten möglich ist, hat es Sony in Europa immer noch nicht geschafft, seinen Nutzern auch diese Bezahlmöglichkeit anzubieten. Noch unverständlicher ist dieser Umstand weil diese Form im amerikanischen PlayStation Store schon von Anfang an möglich war. Wann genau Sony Prepaid-Karten oder eine Alternative anbietet, ist im Moment nicht offenkundig. Somit ist der Dienst im Prinzip nur von Erwachsenen nutzbar, weil in Deutschland Kreditkarten nur ab 18 Jahren vergeben werden. Allerdings bietet Sony in der Benutzerverwaltung der Playstation 3 an, ein Unterkonto für Minderjährige zu erstellen, wo für sie freigegebene Inhalte über die Kreditkarte des Hauptkontos erworben werden können. Der Zugriff des Hauptkontos in das PlayStation Network sollte dann allerdings so eingestellt sein, dass das Kennwort immer eingeben werden muss, um diese Maßnahme nicht ad absurdum zu führen.

(Anm. d. Redaktion: Inzwischen, nach Veröffentlichung des Textes, ist es auch in Europa möglich eine Prepaid-Karten zu erwerben. Die sogenannte "PlayStation Network Card" gibt es für 20 und 50 Euro.)

Trotz dieser Altersbeschränkung über die Kreditkarte ist es im deutschen PlayStation Store nicht möglich, Vollversionen von Spielen mit einer USK-Freigabe ab 18 Jahren zu kaufen. Diese Titel werden einfach nicht angeboten. Hier greift der strenge Jugendschutz in Deutschland. Beispielsweise versenden deutsche Online-Plattformen Spiele ab 18 Jahren nur bei vorher durchgeführten Postident Verfahren der Deutschen Post, bei Einsendung einer Ausweiskopie oder bei eigenhändiger Übergabe der Ware. Obwohl die Altersverifikation zum Jugendschutz bei Zigarettenautomaten mit Ausweis, Führerschein und Geldkarte eingeführt wurde, ist die Altersverifikation im Online-Bereich nicht eindeutig geregelt. Während Microsoft für sein XBOX Live Dienst die Kreditkarte zur Alterskontrolle akzeptiert, scheint Sony damit noch Probleme zu haben und bietet kein ähnliches Verfahren an, so dass Erwachsene benachteiligt werden. Trotz Jugendschutz ist es aber möglich, Zusatzinhalte wie neue Karten für mediengebundene Erwachsenenspiele wie die Ego-Shooter Call Of Duty 4 und BioShock zu kaufen. Allerdings verweigerte die USK vor Kurzem eine Spielmodifikation für das Action-Adventure Resident Evil 5 die Freigabe. Das so genannte DLC-Paket (Downloadable Content) Versus wurde in Deutschland nicht veröffentlicht.

Man könnte nun auf die anderen Stores zugreifen, um Erwachsenentitel zu kaufen. Denn es ist (noch) möglich, eine OnlineID für andere Länder zu erstellen. Doch mit einer hiesigen Mastercard können keine Spiele oder DLCs in fremden Stores gekauft werden. Die Mastercard muss nämlich mit einer im jeweiligen Land vorhandenen Rechnungsadresse verknüpft sein. Eine Visa Card hingegen ist nicht standortgebunden. Sony sollte hier nachbessern und ein System anbieten, dass Erwachsene innerhalb und ausserhalb Deutschlands nicht aussperrt und das zudem auch jugendschutz-konform ist. Die aktuellen Jugendschutzmechanismen der PlayStation 3 werden übrigens demnächst in einem eigenen Artikel ausführlich vorgestellt.


Spiele und DLC kaufen

Ist nun eine Kreditkarte vorhanden, kann der Nutzer die Kreditkarteninformationen mit seiner OnlineID verknüpfen oder spätestens bei seinem ersten Einkauf eingeben. Selbstverständlich wird die Transaktion der Daten verschlüsselt übertragen.

Der Shop ist einfach aufgebaut. Links sind die einzelnen Rubriken zu finden, die neuesten Produkte werden im Hauptbereich angezeigt. Über die Select-Taste des PS3-Controllers können Nutzungsbedingungen, Datenschutzhinweise, Gesundheitswarnhinweise, sowie Informationen zur Altersfreigabe und Kindersicherung angezeigt werden.

Die Navigation erfolgt mit dem Controller. Über die Rubrik PS3-Spiele gelangt der Nutzer zur Spielehauptseite, die nach Genres wie Action-Adventure, Familie, Puzzle, Shooter usw. mit entsprechenden Symbolen unterteilt ist. Nach dem Klick auf ein Spiel erscheinen die darunter abgelegten Inhalte. Das kann zum einen die Demo-Version bzw. Vollversion des Spiels sein oder auch nur mal ein Kostüm oder Levelzusatz. Eine Suche nach Titeln ist übrigens über die Funktion „Spielsuche“ auf der Startseite möglich, leider nur alphabetisch. Ein Blick auf den weitaus umfangreicheren amerikanischen PlayStation Store zeigt, das hier die Rubriken durchdachter angeordnet sind. So befindet sich die Rubrik „Demos“ schon auf der Startseite und es gibt thematische Untergliederungen wie „Fight of the Night“ wo Spiele und Filme, in denen gekämpft wird, zusammengefasst werden.

Einige Titel bieten eine Vorschau-Funktion an. Der Kunde kann sich so einen Trailer zu dem Spiel anschauen. Nachdem man sich für einen Titel entschieden hat, wird er in den Einkaufskorb gelegt, über Kaufen bestätigt, sofort herunter geladen und installiert. Alles in allem ein einfach zu bedienendes Verfahren. Gekaufte Spiele für die Taschenkonsole PlayStation Portable müssen selbstverständlich noch auf den Memory-Stick der PSP übertragen werden.

Nach der Installation ist der Titel ist nun mit der eigenen OnlineID verknüpft. Beim versehentlichen löschen oder defekter Konsole können die Titel problemlos wieder herunter geladen werden. Es ist übrigens sogar erlaubt, die OnlineID samt ihren gekauften Inhalten auf maximal 5 PlayStation 3 Konsolen zu aktivieren. So ist es möglich, die gekauften Spiele unter seinem engsten Freundes- und Verwandtenkreis auszutauschen, was ein sehr vorbildliches und kundenfreundliches Verfahren ist. Jedoch sollte darauf geachtet werden, wem die eigene OnlineID gegeben wird, da damit alle relevanten Informationen zum Kaufen von Titeln aus dem Shop übermittelt werden. Zumindest die Kreditkarten-Informationen sollten vorher gelöscht werden.


Die Inhaltes des Stores und die Preise

Im Prinzip wäre es möglich, den gesamtem Vertrieb der Spiele über den PlayStation Store abzuwickeln. Doch die aktuellen PS3 Spiele, die auf dem Medium Blu-Ray ausgeliefert werden, sind bis zu 50 GByte groß, dass selbst über eine schnelle Leitung der Download einfach zu lange dauern würde. Der begrenzte Speicher der PS3 könnte zwar durch den Einbau größerer Festplatten umgangen werden, aber diese Methode ist eher ein Thema für die nächste Konsolen-Generation.

Daher werden bis auf wenige Ausnahmen nur Demo-Versionen von Spielen auf Blu-Ray angeboten. Die Mehrzahl der Spiele sind Entwicklungen eigens für den Store. Neben einfachen Puzzle- und Geschicklichkeitsspielen befinden sich einige sehr aufwendige und innovative Entwicklungen wie beispielsweise das Spiel „Flower“. In dem gewaltfreien Spiel steuert der Spieler ein Blütenblatt mit der Neigungssteuerung des PS3-Controller durch eine atemberaubend schöne Landschaft und sammelt weitere Blüten auf, bestäubt dadurch karge und ausgedörrte Bereiche und verhilft so der Natur zu ihrem Recht. Das Spiel setzt auf Besinnung und Entspannung und vermittelt dem Spieler nebenbei eine nachdenkliche ökologische Atmosphäre. Übrigens ist das Spiel besonders für videospielunerfahrene Menschen wärmstens zu empfehlen, weil die Steuerung besonders einfach umgesetzt wurde. Flower kostet 7.99 €.

Neben den Spielen sind weitere Zusatzinhalte für Vollpreistitel wie Level, Missionen, Spielmodifikationen, Kostüme usw. im PlayStation Store erhältlich. Übrigens ein neuer Trend und eine zusätzliche Einnahmequelle für die Entwickler, der jedoch aus Nutzerperspektive sehr kritisch zu betrachten ist. Viele Nutzer sprechen in Foren von „Abzocke“, denn während früher zusätzliche Level umsonst abgegeben wurden, um die Lebenszeit des Spiels zu verlängern, kosten so genannte Map-Packs bis zu 13 Euro plus natürlich dem Hauptspiel, das bis zu 70 Euro kosten kann.

Mag der hohe Preis bei aufwendigen Spiele-Erweiterungen durchaus seine Berechtigung haben, besteht jedoch bei vielen Inhalten wie Level, Kostümen oder kleineren Spielmodifikationen die berechtigte Frage nach dem Mehrwert. Während beispielsweise die Metal Gear Solid Modifikation (5.99 €) für das tolle Jump ,n‘ Run Spiel Little Big Planet aufwändig umgesetzt ist und durch die Farbpistole eine neue Spielmechanik ins Spiel bringt und somit einen spielerischen Mehrwert bietet, so fragt man sich nach dem Sinn für die zahlreichen Kostüme für Little Big Planet, die bis zu 2 Euro kosten können.

Bei den Spielentwicklern gibt es sogar Ideen, das Grundspiel günstig bzw. kostenlos anzubieten, aber für Erweiterungen oder Kostüme Geld zu verlangen. Für den PC ist das mit dem Spiel Battlefield Heroes von Electronics Arts bereits umgesetzt. Der DLC (Downloadable Content) Trend wurde vom Spiele-Magazin GEE kritisch unter die Lupe genommen und ist auf einem Spiegel-Online erschienen Artikel zu lesen: http://www.spiegel.de/netzwelt/spielzeug/0,1518,613635,00.html [Stand: 23. 06. 2009]

Zum Glück kostet nicht alles im PlayStation Store Geld. Zunächst einmal gibt es wie im realen Geschäft von Zeit zu Zeit Preisnachlässe auf bestimmte Titel. Auch werden Inhalte manchmal später kostenlos angeboten, wie an den Zusatzleveln des Spiels „Mirrors Edge“ zu sehen ist. Daneben gibt es Mehrspieler-Level, Kostüme, Soundtracks und sogar die aufwendige Kurzfilmreihe „Shoot“ auch kostenlos.


Das Spiel „Bionic Commando Rearmed“

Seit geraumer Zeit holen die Entwickler viele ihrer alten Klassiker der Videospielgeschichte aus ihrer Schatulle heraus und bieten sie inhaltlich unverändert als Download-Titel über die Onlineshops von Nintendo, Microsoft und Sony an. Längst vergessene Titel kommen so noch mal zu ihrem Einsatz. Selbstverständlich geschieht dies im Hinblick auf zusätzliche Umsatzkanäle.

Ein weiterer Trend ist es allerdings die alten Klassiker an die technischen Möglichkeiten der neuen Geräte anzupassen und sie im neubesticktem Gewand zeigen zu lassen. Der Action-Shooter Bionic Commando Rearmed (auch für PC und XBOX Live erhältlich) ist so ein Titel, der zwar nichts von seinem ursprünglichen 2-dimensionalem Spielprinzip von links nach rechts eingebüßt hat, aber mit 3D Architektur, schönen Texturen und stimmungsvollen Lichteffekten glänzt und bei mit Videospielen aufgewachsenen Menschen wie eine Zeitreise in ihre Jugend wirkt. Übrigens ist vor kurzem der große Bruder „Bionic Commando“ (USK18) für PC, XBOX und PS3 erschienen und verfrachtet das Spiel in eine 3D-Welt, in der sich der Held aus der Außenperspektive durch riesige Landschaften und Städte schwingt. Diese Version zeigt eindrucksvoll die Evolution eines klassischen Spielprinzips von der 2. Dimension in eine realistische 3D Umgebung. Bionic Commando wird übrigens demnächst vom Spieleratgeber einer Beurteilung unterzogen.

Die Spielgeschichte von Bionic Commando Rearmed ist schnell erzählt: Ein archetypischer Vorzeigeheld kämpft gegen eine die Weltherrschaft anstrebende Organisation. Waren in der japanischen NES (Nintendo Entertainment System) Originalversion von 1988 Anleihen an Hitler-Deutschland mit Nazisymbolik und sogar Hitler als Endgegner! überdeutig, wurde die neue Variante des Spiels Rearmed, wie auch die damalige amerikanische Version nicht nur um Texte und Hakenkreuze entschärft, sondern auch angenehm persifliert. So dient beispielsweise ein lollipop-lutschender Kranführer als ziemlich hartnäckiger Zwischengegner.

Das Spielprinzip damals wie heute ist ein seitlich ablaufendes Jump ,n‘ Run, mit dem Unterschied, dass zahlreiche Waffen zum Einsatz kommen. Die Besonderheit bei Bionic Commando damals war das Fehlen einer Sprungtaste. Die einzelnen Ebenen des Spiels wurden nicht mit einem Sprung, sondern mit dem biomechanischen Greifarm des Helden erreicht, ähnlich wie Tarzan mit seinen Lianen. Und das ist alles andere als Einfach und verlangt vom Spieler Geschick, Konzentration und eine große Stressresistenz. Es kommt häufig vor, das man daneben greift und das Level von vorne beginnen muss. Das Urspiel vom japanischen Entwickler Capcom galt als eines der schwierigsten Spiele überhaupt, weil eben beim Einsatz des Greifarms präzise Aktionen gefragt sind. Für das Remake hat Capcom allerdings nicht nur einen einfacheren Schwierigkeitsgrad eingebaut, sondern plant Meldungen im Internet zufolge eine leichte Modifizierung des Spiels, um es einfacher zu machen. 

Auf übermässige Gewaltdarstellung wurde verzichtet. Bluteffekte gibt es in der deutschen Version des Spiels nicht. Da man aber auf menschenähnliche Gegner schießt bekam das Spiel eine USK-Freigabe ab 16 Jahren. Diese Altersgruppe sollte keine Probleme mit der dargestellten Gewalt, den überdrehten und persiflierten Militarismus, aber auch mit dem fordernden Schwierigkeitsgrad haben. Wer sich auf Bionic Commando Rearmed einlässt bekommt ein zeitloses und umfangreiches Spielprinzip für knapp 10 Euro, das sogar kooperativ mit einem Mitspieler gespielt werden kann. Sogar für bis zu 4 Spieler bietet das Spiel Multiplayer-Varianten und damit gemeinsamen Spielspaß.

Der Trend, alte Schinken wieder rund zu erneuern scheint besonders der japanische Entwickler Capcom zu verfolgen. Neben Bionic Commando wurden Klassiker wie 1941 und Super Street Fighter 2 einer Rundum-erneuerung unterzogen. Daneben setzten aber auch vermehrt Eigenentwicklungen auf das klassische 2 dimensionale Spielprinzip. Das kommende XBOX Live Arcade Spiel Shadow Complex sowie das Fantasy Abenteuer Trine für PS3 und PC machen Spaß auf mehr.