Browsergames Überblick

Online-Browsergames, ein Begriff der bei vielen Leuten, in Erinnerung an durchgezockte Nächte und alte Allianzbekanntschaften, Begeisterung auslöst. Bei anderen begegnet man skeptischer Zurückhaltung oder offener Ablehnung: „Wie langweilig ist das denn, so ganz ohne Grafik und Sound“. Wieder andere haben das Phänomen noch gar nicht wahrgenommen, ist es doch neben den öffentlichen Diskussionen um „Killerspiele“ und „Computerspielsucht“ bisher kaum zu Tage getreten.

von Dennis Andrzejewski

Außen pfui, innen hui.

Technisch bewegen sich Browsergames in der Tat auf einem sehr einfachen Niveau. Um an einem Spiel teilzunehmen benötigt man nichts weiter als einen internetfähigen PC. Sämtliche Spieldaten und Funktionen werden über den Internetbrowser (Internetexplorer, Firefox, Safari) übertragen. Zusätzliche Software muss nicht installiert werden. Hat sich der interessierte Nutzer für ein Spiel entschieden besucht er die Internetseite des Anbieters, registriert sich in einer ähnlichen Weise wie er es in einem Internetforum oder auf einer Auktionsseite vornimmt und erhält dadurch einen Spielaccount mit eigenem Namen und Passwort. Die Teilnahme ist in aller Regel kostenlos, da die Spiele sich zum größten Teil über Werbung finanzieren. Bei einigen Anbietern ist es möglich sich durch einen geringen Monatsbeitrag (Bsp.: Das Spiel „Die Stämme“: 2,90 €uro/Monat) von der eingeblendeten Werbung freizukaufen und überdies einige Zusatzfunktionen zu erwerben welche die Spielsteuerung vereinfachen, jedoch nicht zwingend notwendig sind.
Über seine Zugangsdaten wählt sich der Spieler auf einem Server ein. Das sind leistungsstarke Computer, die in Rechenzentren stehen und auf die je nach Spiel mehrere tausend Spieler gleichzeitig Zugang haben. Bei „Ogame“, einem Weltraum-Strategiespiel, belaufen sich die Spielerzahlen zwischen 3000 und 10000 Spielern pro Server (im Spiel Universum genannt), bei „Die Stämme“, einem Strategiespiel das vor einer mittelalterlichen Kulisse spielt, sind es zwischen 370 und 57000 Spieler pro „Welt“. Bei einer Vielzahl von parallel bespielten Servern kommen so Gesamtspielerzahlen von mehr als 2,5 Millionen Personen bei den genannten Vertretern des Genres zusammen. Die Zahl der Browsergames insgesamt kann hier kaum beziffert werden; Sie wird aber bei einigen hundert verschiedenen Spielen liegen. Dabei sind die vielfältigsten Spielhintergründe zu finden. Von den angesprochenen Strategiespielen mit unterschiedlicher Rahmenhandlung über Management- und Rollenspiele oder Simulationen aber auch Rätsel- und Sportspiele. So ist für jeden Geschmack etwas dabei. Die Handlungsmöglichkeiten sind fast ausschließlich auf gegenseitigen Wettkampf ausgelegt, der in den meisten Fällen durch kriegerische Handlungen repräsentiert wird. Aufgabe ist es meist das eigene Dorf, den eigenen Planeten oder die eigene Firma aufzubauen, zu verbessern und seinen Einflussbereich zu vergrößern. Dazu werden die Dörfer, Planeten oder Firmen der Mitspieler je nach Spielkonzept angegriffen, ihrer Spielressourcen beraubt und gegebenenfalls komplett erobert.
Je nach Art und Aufbau des Spiels sind die Spielzeiten dabei häufig auf einen potentiell endlosen Verlauf ohne ein definiertes Endziel ausgelegt. Es gibt aber auch Systeme mit festgelegten Runden die über Minuten, Stunden oder auch Tage gehen können.
Der Erfolg ist in den meisten Fällen an das möglichst effektive Aufbauen des eigenen Accounts und dadurch nicht zuletzt an die aktiv im Spiel verbrachte Zeit gekoppelt. Ein heraus stechendes Merkmal aller Onlinespiele ist dabei die permanente Verfügbarkeit. Jederzeit, wann und wo es gewollt ist hat der Spieler die Möglichkeit über jeden beliebigen Internetzugang in das Spiel einzusteigen. Egal ob von zu Hause, der Arbeitsstelle oder der Hotellobby am Urlaubsort. Darüber hinaus dienen Browsergames häufig mit einer persistenten Spielwelt. Das bedeutet die virtuelle Welt schreitet voran, unabhängig davon ob man an ihr teilnimmt oder nicht. In der Konsequenz werden um den Spieler herum alle Teilnehmer weiter wachsen, stärker und besser werden während er selbst nicht aktiv spielt. Das verleitet natürlich dazu permanent Präsenz zu zeigen um mit den Gegenspielern Schritt zu halten und Konkurrenzfähig zu bleiben und nicht Ziel eines unbemerkten Angriffs zu werden.

„Schließen wir ein Bündnis oder wenigstens ´nen NAP?“

Die Communitiy (engl.: Gemeinschaft) der Spieler haucht dem Browsergame Leben ein. Onlinewelten leben von der Interaktivität der Mitglieder untereinander. Im Fall der Browser basierten Spiele interagieren die Teilnehmer miteinander als Gegner oder Verbündete. Grundsätzlich heißt es dabei jeder gegen jeden. Die Beteiligten können jedoch Gemeinschaften gründen um sich gegenseitig Schutz zu gewähren und gemeinsame Angriffsaktionen zu koordinieren. Dabei ist es unwichtig ob das Spiel auf einem kriegerischen Prinzip beruht oder im Falle einer Wirtschaftssimulation auf geschäftliche Konkurrenz. Die so geschmiedeten Verbindungen werden je nach Spiel als „Clan“, „Ally“ (von Allianz), Stämme oder ähnliches bezeichnet und beheimaten je nach Regel der betreffenden Gruppe bis zu 100 Spieler. Innerhalb einer solchen Allianz tauschen sich die Spieler über In-Game-Messages (IGMs), das sind spielinterne Mailfunktionen, Nachrichtenforen oder Chatprogramme aus. Die Spieler beschließen Regeln für das Sozialverhalten innerhalb der Gruppe die verschriftlicht werden und verteilen Ämter unter ihren Mitgliedern, um administrative Aufgaben zu erfüllen. Diese häufig als Ministerposten bezeichneten Organe haben die Aufgabe Kontakte mit anderen Spielergruppen aufzunehmen, eventuelle Bündnisse oder Nicht-Angriffs-Pakte (NAPs) zu schließen. Sie schlichten interne Streitigkeiten, organisieren die Kommunikation der Gruppenmitglieder untereinander und koordinieren die Angriffs- und Verteidigungsmaßnahmen. Ein Teilnehmer des Strategiespiels „Inselkampf“ äußerte sich diesbezüglich so: „Bei Inselkampf wird mehr Politik betrieben als in Berlin.“

Browsergames als Zeitfresser!?

Durch den ausgeprägten zeitlichen Rahmen in dem Online-Browserspiele stattfinden – bei Strategiespielen kann eine Spielwelt über den Zeitraum von mehreren Jahren bespielt werden – und die soziale Gemeinschaft die in dieser virtuellen Welt geführt wird entsteht eine beachtliche Bindung an das Spiel und die Menschen denen man darin begegnet. Die gemeinsamen Erlebnisse in kämpferischen Auseinandersetzungen, das miteinander Planen, Kämpfen, Siegen und Verlieren schweißt die Spielgruppe emotional zusammen. Dadurch entstehen freundschaftliche Bindungen in denen man sich auch über private Dinge austauscht. So werden Kontakte häufig auch außerhalb des Spiels weiter gepflegt. Dazu kommt, dass der Spieler im Verlauf dazu neigt die Spielinhalte gedanklich mit in seine reale Welt zu nehmen. Da viele Steuerungsaufträge der Spiele, Truppenverschiebungen oder Bauaufträge für Gebäude, über mehrere Stunden dauern tauchen während des Alltages die Fragen auf ob die eigenen Truppen wohl gerade den Angriff überstanden haben oder ob Bauaufträge zu Ende gehen und was als nächstes zu tun ist. Alle diese Elemente legen den Rückschluss nahe, dass man sich als Spieler sehr auf diese virtuelle Welt einlassen kann. Unter Umständen zu sehr, so dass eine Art Abhängigkeitsverhalten entstehen kann in der der Alltag und reale Verpflichtungen neben dem Spiel zu kurz kommen.
In der großen Summe der Spieler handelt es sich aber einfach um außergewöhnliche Spielerfahrungen, die eine Menge Spaß bereiten obwohl oder gerade weil sie mit den einfachen Mitteln erzeugt werden, die Online-Browsergames zur Verfügung stehen.

Geschichte und Entwicklung

Das erste dokumentierte Online-Browsergame im oben beschriebenen Stil ist vermutlich das Science-Fiction-Strategiespiel „SOL“. Es wurde in Hamburg programmiert und ging 1995 in einer deutschen und einer englischen Version online. „SOL“ ist heute immer noch verfügbar und unter folgendem link zu finden. Im Laufe der Jahre hat die Vielfalt und Zahl der Onlinespiele wie oben beschrieben deutlich zugenommen. Damit nicht genug gibt es seit 2005 sogar einen Genreeigenen Award der alljährlich die besten browserbasierten Spiele in drei größenabhängigen Kategorien auszeichnet. Ausgerichtet wird dieser Preis von www.gdynamite.de, einem Onlinemagazin für Internetspiele.
Die technische Entwicklung und die flächendeckend vorhandenen leistungsfähigeren Internetverbindungen haben dazu geführt, dass auch Browserspiele grafisch immer ausgefeilter und anspruchsvoller werden.