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Problematisches Verhalten in Online-Spielen
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Problematisches Verhalten in Online-Spielen

Anlässlich des Safer Internet Day 2017 stellen wir Ihnen eine Übersicht zum Thema Toxic Behaviour zur Verfügung.

Von Daniel Heinz

Spielen gehört zum Heranwachsen dazu und bietet Kindern und Jugendlichen Spaß, Spannung und Abwechslung von den alltäglichen Pflichten. Und so ist es kaum verwunderlich, dass Spielen auch zu sozialen Zusammentreffen auf analoger und digitaler Ebene führt und Raum für die Entstehung von emotionalem Ausdruck bietet. Dazu gehören neben gewinnbringendem Sozialverhalten auch Konflikte.  Man denke nur an die herumfliegenden Spielfiguren bei einer Partie „Mensch ärgere Dich nicht“, Regeldiskussionen bei „Cowboy und Indianer“ oder frustrierte Jugendliche nach einem verlorenen Fußballspiel. Die digitale Ebene der Online-Spiele sollte hierbei besondere Beachtung erhalten. Gerade die scheinbare Anonymität im Internet sorgt dafür, dass die Hemmschwelle für unangemessene Handlungen und Äußerungen vielfach geringer ist. Dies zeigen auch zahlreiche Untersuchungen zum Cyber-Mobbing im Allgemeinen. Gerade dann, wenn das digitale Spiel eine Wettbewerbsausrichtung hat, entsteht ein idealer Nährboden für toxisches Verhalten. Da die Spieler_innen unter einer gewissen Erwartungshaltung stehen und Erfolg haben wollen, finden Neulinge in einer Community anstatt konstruktivem Feedback, oft eine Vielzahl an Beleidigungen und Demütigungen vor. Und auch auf Plattformen, die Games zum Thema haben, sind rüde Verhaltensformen keine Seltenheit. Zu nennen sind hier Video- oder Streaming-Plattformen wie YouTube oder Twitch, bei denen Zuschauer_innen anderen Personen beim Spielen zuschauen. Besonders Mädchen und Frauen sehen sich innerhalb digitaler Spielwelten mit sexualisierten Aussagen und Beschimpfungen konfrontiert, da diese innerhalb der Gesellschaft noch immer als Männerdomäne angesehen werden. Mädchen und Frauen sehen sich in diesem Kontext gezwungen, ihr Hobby zu legitimeren. Grundsätzlich geraten Nutzer_innen, die nicht den normierten Rollenbildern unserer Gesellschaft entsprechen, an Kritik und toxisches Verhalten.

Eine kleine Begriffskunde
Folgt man den Diskursen über die Kommunikation im Internet, so treten schnell Begriffe wie „Hate Speech“ (Hassrede im Internet) oder „Cyber-Mobbing“ (systematische und wiederholte Schikane von Personen über das Internet) in den Vordergrund. Die klicksafe-Handreichung „Ethik macht Klick“ ordnet die verschiedenen Bereiche von toxischem Verhalten ein, die im Folgenden auf den Bereich des Gaming bezogen werden.

Unter Shitstorm ist eine Welle der Empörung zu verstehen, die sich verselbstständigt und von einem auf den nächsten Nutzer überspringt. Dieser taucht sehr emotionalisiert und entfernt von der sachlichen Debatte auf. Manchmal wird hier ein bestimmtes Thema öffentlich kritisiert. Nicht selten passiert es aber auch auf der persönlichen Ebene, z.B. wenn eine Person aus einer Community einen Shitstorm über sich ergehen lassen muss, weil sie im Spiel Fehler gemacht hat.

Unter Bashing werden regelrechte Beschimpfungskriege verstanden, die oftmals ausarten und emotional aufgeladen geführt werden. Beispielsweise, kann es durchaus vorkommen,  wenn zwei Gilden oder Clans in starker Konkurrenz stehen, dass schnell aus Spaß bitterer Ernst wird. Vergleichbar ist dieses Verhalten mit den Auseinandersetzungen von Fans unterschiedlicher Fußballvereine.

Trolling hingegen ist bewusst aggressives Verhalten aus Spaß. Die sogenannten „Trolls“ stören bewusst Konversationen und Interaktionen zwischen anderen Spieler_innen durch unsachliche Einwürfe, Sabotage, respektloses Verhalten und das Ansinnen, Ärger innerhalb einer Gemeinschaft zu schüren.

In Spieler_innen-Kreisen wird das rüde, beleidigende und – im Sinne des Teamplays – unfaire Verhalten als „Toxic Behaviour“ bezeichnet. Hierzu gehören neben den oben genannten Bereichen auch unfaire Spielhandlungen, wie bewusste Spielabbrüche, absichtliches virtuelles „Sterben“ und andere Verhaltensweisen, wenn sie dem Gedanken des Teamplay zuwiderlaufen und bewusst geschehen.

Was sollten Eltern beachten?

Spiele passend auswählen!
Bei der Spielauswahl sollte nicht ausschließlich der Inhalt oder das gesetzliche Alterskennzeichen berücksichtigt werden, sondern auch die Community, die vorherrschenden Verbindlichkeiten, das Regelgerüst und welcher Druck von der Gemeinschaft ausgeht. Gerade für Kinder, die mit Online-Begegnungen wenig Erfahrung haben, könnten problematische Verhaltensweisen als durchaus verunsichernd, bei dauerhafter Nutzung gegebenenfalls sogar desensibilisierend wirken. Weiterhin ist es von Interesse, welche Vorkehrungen seitens des Anbieters getroffen werden, um toxisches Verhalten zu unterbinden. Um dies zu erkennen, können die Nutzungsbedingungen oder (falls vorhanden) Eltern-Informationen des Anbieters gelesen werden. Darüber hinaus sei die entsprechende pädagogische Beurteilung auf unserem Ratgeber zu empfehlen.

Spielregeln beachten!
Für Eltern ist es wichtig zu wissen, welche Verhaltensweisen vom Spiel oder der Community sanktioniert werden. So gelten als Beispiel bei „League of Legends“ Spielunterbrechungen oder absichtliches „Sterben“ (wie oben beschrieben) als toxisches Verhalten. Wie oben bereits erwähnt, sollten Erziehungsregeln an die Spielumgebung angepasst werden. Es verhält sich ähnlich wie auf dem Bolzplatz: Vor dem Abpfiff darf niemand das Spielfeld verlassen und jeder ist angehalten, sein Bestes für das Team zu geben. Wenn also daheim der Sohn oder die Tochter am Computer spielt, kann er oder sie nicht spontan zum Essen kommen, da dies nicht nur nachhaltige negative Auswirkungen auf das Spiel, sondern auch auf das zu Sozialverhalten der Mitspieler_innen haben kann.

Gemeinsames Spielen kann auch Fähigkeiten fördern!
Das gemeinsame Spielen über das Internet ist nicht einseitig problematisch und es bestehen auch Möglichkeiten einer prosozialen Wirkung. Gemeint sind Kompetenzanforderungen und der mögliche Kompetenzerwerb in den Bereichen Kommunikation, Kooperation, Teamfähigkeit, Akzeptanz – also das Verhalten untereinander. Dies belegen Studien, wie zum Beispiel diese zum Thema exzessives Nutzen von Computerspielen. Zudem ist Gaming ein geteiltes Hobby und Thema im Freundeskreis.

Kinder stark machen!
Heranwachsende sollten den Umgang mit Online-Kommunikation bestenfalls in Begleitung erlernen. So können sie erfahren, dass Angriffe meist nichts mit ihnen selbst, sondern mit dem Frust des Gegenübers zu tun haben. Es gilt zu lernen, wie sie unsoziale Kommentare melden oder sich angemessen zur Wehr setzen. Reflektierte Spielende werden zudem auch seltener selbst zum Täter_in oder Troll. Kinder stark machen bedeutet auch, ihnen Selbstständigkeit zuzutrauen und ihnen Vertrauen zu schenken. Statt allzu rigider Verbote ist es angebracht, sich für das Hobby zu interessieren und heranwachsenden ein Ohr für ihre Medienerlebnisse und Probleme zu schenken.

Gelassen bleiben!
Ehrgeiz und Frust gehören zum Spiel dazu. Da kann es schon mal vorkommen, dass ein Controller wütend in die Ecke gepfeffert wird. Solches Verhalten sollte nicht überbewertet werden, allerdings auch eher die Ausnahme bleiben.

Informationen nutzen!
Im Internet gibt es zahlreiche Informationen darüber, wie Kinder hinsichtlich Online-Begegnungen im Allgemeinen unterstützt werden können. Anbei eine kleine Auswahl:

Klicksafe http://www.klicksafe.de/themen/kommunizieren/cyber-mobbing/

Schau hin https://www.schau-hin.info/extrathemen/cybermobbing.html

Handysektor https://www.handysektor.de/mediathek/videos/erklaervideo-cybermobbing.html

 

Bildquellen: https://goo.gl/WjllVo, https://goo.gl/xDGLwS, https://goo.gl/95TxbD