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Digital Storytelling: von der Buchvorlage zum eigenen Film
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Digital Storytelling: Von der Buchvorlage zum eigenen Film

In den Herbstferien 2016 startete das neue Maker Kids Projekt der Stadtbibliothek Köln. In Kooperation mit der Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW wurde ein viertägiger Workshop auf die Beine gestellt, in denen Teilnehmer_innen von 10-12 Jahren eigene Filmprojekte zum Buch „Die Märchen von Beedle dem Barden“ der Harry Potter Autorin Joanne K. Rowling verwirklichen konnten.

Von Karolina Albrich

Die Märchen von Beedle dem Barden:
Die Märchen von Beedle dem Barden eignen sich in vielerlei Hinsicht für die Durchführung eines Projektes dieser Art. Als Zweig der großen Harry Potter Reihe, erfreuen sich diese großer Beliebtheit bei Kindern und Jugendlichen. Die einzelnen Geschichten sind kurzgehalten, verständlich geschrieben und eignen sich deshalb gut für die Zielgruppe von 10-12 Jahren. Die Märchen sind schön illustriert und motivreich. Zahlreiche Motive wie Freundschaft, Liebe und Neid können leicht aufgegriffen und zu Kurzfilmprojekten entwickelt werden. Auch die Märchen selbst lassen sich mit einfachen Hilfsmitteln (wie zum Beispiel Lego) gut darstellen. Die Märchen eignen sich darüber hinaus hervorragend für eine inhaltliche Erarbeitung in fünf Gruppen. Themen rund um Storytelling, Urheberrecht, Filmebenen und Filmarten können gut auf das Buch bezogen werden, um den Teilnehmer_innen Theorieinhalte buchbezogen zu vermitteln. Die Geschichten von Beedle dem Barden zeigen, dass Märchen noch immer eine gewisse Aktualität besitzen, die einen guten Einstieg bieten, um die Teilnehmer_innen an die Faszination für Bücher heranzuführen und Lesekompetenz sowie Medienkompetenz zu fördern.

Technik:
Für die Umsetzung der Kurzfilmprojekte entschieden wir uns für Tablets. Die zahlreichen und meist intuitiv bedienbaren Apps eignen sich gut, um Kindern und Jugendlichen einen selbstwirksamen Prozess der Filmentwicklung zu ermöglichen. Ziel war es, dass die Teilnehmer_innen möglichst eigenständig ihre Projekte umsetzen. Hierfür eignet sich die Verwendung von Tablets gut. Die Apps mit denen gearbeitet werden konnte, wurden im Vorfeld gezielt ausgewählt. Dennoch konnten die Teilnehmenden aus einem Pool verschiedener Apps auswählen, sodass die eigene Entscheidungsfreiheit bestärkt wurde, mit welchen Apps sie präferiert arbeiten wollten. Bei der Auswahl wurde darauf geachtet, möglichst kostenlose Apps zu verwenden, um den Kindern Ideen zu liefern, welche Apps sie selbst bei eigenen Projekten in ihrer Freizeit einsetzen können.

Der Workshop beginnt …
Am Dienstag startete der Workshop mit einem kleinen Kennenlern-Spiel, gefolgt von einem inhaltlichen Input zum Thema Urheberrecht und Filmarten. Besonders wichtig war es am ersten Projekt-Tag, das Buch inhaltlich zu erarbeiten. An diesem Punkt wurde eine dreißigminütige Lesezeit gesetzt, die auch gerne angenommen wurde. Die Arbeitsanweisung war, sich im Anschluss für ein oder zwei Lieblingsmärchen zu entscheiden. Dies war insofern wichtig, weil nach der Lesezeit eine Gruppenarbeit angesetzt wurde, in der die Kinder den Inhalt eines der Märchen auf ein Plakat bringen sollten, um das jeweilige Märchen im Anschluss vor der gesamten Gruppe vorstellen zu können. Die Art und Weise, wie das Märchen auf dem Plakat dargestellt wurde, war offengehalten, sodass viele verschiedene Ergebnisse zustande kamen.

Der Mittwoch startete mit einem Aufwärmspiel und einem inhaltlichen Input zum Thema Filmebenen gefolgt von einer Technikeinführung. Es wurden gemeinsam Regeln zum Umgang mit der Technik aufgestellt. Nach der Technikeinführung wurden Projektgruppen gebildet; zwei Gruppen wollten ihr Lieblingsmärchen mit Lego als StopMotion Film umsetzen, eine weitere Gruppe wählte einen musikalischen Zugang und plante ihr Lieblingsmärchen als Musikvideo zu produzieren und die vierte Gruppe wollte einen Spielfilm drehen. Je nach Bedarf wurden den vier Gruppen ein bis zwei Tablets zur Verfügung gestellt. Die Teilnehmer_innen begannen eigenständig ihr Projekt zu planen; die Stop-Motion Gruppen überlegten sich, wie sie ihr ausgewähltes Märchen mit Lego inszenieren und verfremden können und begannen damit, Kulissen aufzubauen. Die Musikvideo-Gruppe plante, dass sie den Text zu ihrem Musikvideo als Rap-Form aufnehmen und die Musik dazu selbst mixen wollte. Sie entwickelten auch erste Ideen für das dazugehörige Musikvideo. Die Spielfilm-Gruppe erarbeiteten ein Drehbuch und plante ihre Kostüme.

Am Donnerstag ging es dann nach dem obligatorischen Anfangsspiel und dem inhaltlichen Input zum Thema Bearbeitungstools direkt ans Filmen, da es nach dem Mittagessen, nachdem die letzten Filmaufnahmen gemacht wurden, bereits an die Bearbeitung der Projekte gehen sollte. Das Filmen selbst hat hervorragend funktioniert und die Teilnehmer_innen waren ohne viele Probleme in der Lage, eigenständig und selbstbestimmt zu arbeiten. Natürlich gab es auch einige Fragen zur Bedienung der Technik und zur Handhabung der Apps, welche jedoch schnell geklärt werden konnten. Donnerstagnachmittag begannen die Gruppen schließlich nach und nach die gemachten Filmaufnahmen zu bearbeiten. An diesem Punkt mussten wir den Arbeitsprozess mehr unterstützen. Es gab einige Streitigkeiten, die jedoch schnell geklärt werden konnten, nachdem gemeinsam zusätzliche Regeln hinsichtlich des Technikumgangs, des Umgangs miteinander sowie einer gerechteren Arbeitsverteilung aufgestellt wurden. Der dritte Projekt-Tag war sowohl für uns als auch für die Teilnehmenden der arbeitsintensivste, aber auch der produktivste Tag, was den Lernerfolg hinsichtlich sozialer Kompetenzen, Kreativität, Einfallsreichtum und auch der Medienkompetenz betrifft.

Am Freitag begann schließlich der finale Projekt-Tag und alle Gruppen machten sich direkt an die Arbeit, um ihre Projekte zu Ende zu bringen. Jede pädagogische Kraft widmete sich einer Gruppe, um gemeinsam die Kurzfilme fertigzustellen. Gegen 13 Uhr wurden allmählich die ersten Gruppen fertig und um 14 Uhr beendete auch die letzte Gruppe ihr Projekt. Nun wurden zwei Kinder ausgewählt, die die Abschlusspräsentation moderieren sollten. Danach wurde die Präsentation der Ergebnisse geprobt und die Bibliothek wurde von allen gemeinsam für die Gäste vorbereitet. Bevor gegen 15 Uhr die Abschlusspräsentation beginnen sollte, versammelten sich alle in einer Abschlussrunde. Viele Familienmitglieder kamen zur Präsentation, was die Kinder sehr stolz zu machen schien. Die Stimmung war ausgelassen und fröhlich.

Reflexion:
In der Abschlussrunde haben wir die Teilnehmer_innen um ein Feedback gebeten. Alle hatten viel Spaß und fanden es schade, dass das Projekt schon vorbei war. Die Frage, ob sie erneut an einem Projekt der Stadtbibliothek teilnehmen würden, beantwortete eine große Mehrheit mit „Ja“. Auch merkten die Kinder an, dass es toll war, mit den Tablets eigenständig zu arbeiten und etwas ganz Eigenes zu entwickeln. Das Buch mochten sie sehr und auch mit ihm zu arbeiten fanden sie gut. Die Inhalte zu den Themen Storytelling, Urheberrecht, Filmebenen und Filmarten wurden gut angenommen. Viele verfügten allerdings bereits über Vorwissen in diesen Bereichen. Hinsichtlich der praktischen Umsetzung der Filmprojekte mit den Tablets wurde viel Neues gelernt. Ein Großteil hatte sich noch nie mit der Bearbeitung von Filmen auseinandergesetzt. „Ich wusste nicht, dass das so viel Arbeit ist!“ (Lukas, 12) war eine häufige Aussage der Teilnehmenden. Grundsätzlich lernten die Kinder auch nach einer frustrierenden Arbeitsphase, wieder zurück zum Projekt zu finden und weiterzumachen. Einige suchten zwischendurch nach etwas Ruhe, was in den Räumlichkeiten der Bibliothek sehr gut funktioniert hat. Sie machten es sich in einem ruhigen Platz der Bibliothek mit einem Buch gemütlich und nahmen eine Auszeit. Der Großteil war ohnehin lesebegeistert, weshalb sie die Möglichkeiten der Bibliothek ausgiebig nutzten und die Pausen mit Lesen verbracht haben oder sich Filme und Bücher aussuchten und für zu Hause ausliehen. Doch auch die Kinder die angaben, selbst nicht so viel zu Hause zu lesen, sah man von Tag zu Tag immer häufiger die Regale durchstöbern.

Durch den Einsatz von Tablets konnte wie erhofft eigenständig und selbstwirksam gearbeitet werden. Die große Vielfalt der zur Verfügung stehenden Apps ermöglichte eine vielseitige Anwendbarkeit im Arbeitsprozess. Insgesamt entstanden vier Kurzfilme: ein Musikvideo, ein Spielfilm und zwei Stop-Motion Filme. Inhaltlich beziehen sich die beiden Stop-Motion Filme auf „Das Märchen von den drei Brüdern“, das Musikvideo auf „Des Hexers haariges Herz“ und der Spielfilm auf „Der Brunnen des wahren Glücks“. Alle Märchen wurden kreativ umgesetzt und unterscheiden sich voneinander. Selbst die beiden Stop-Motion Filme, die sich noch dazu auf das gleiche Märchen beziehen, sind dennoch einzigartig. Grundsätzlich kann man sagen, dass das Projekt die Fähigkeiten der Teilnehmer_innen hinsichtlich Lese-, Sozial- und Medienkompetenz fördert und eine Brücke zwischen Buch und Film schlägt, indem es einen kreativen und selbstwirksamen Umgang mit den Inhalten der Bücher und deren Umsetzung als Film mit Hilfe der Tablets gelingen lässt. Die Kinder haben im gemeinschaftlichen Arbeitsprozess großartige Ergebnisse erzielt.

Digital Storytelling geht weiter!
Die nächsten Digital Storytelling Projekte werden in den Osterferien in Köln in den Stadtteilen Mühlheim und Nippes stattfinden. Interessierte können sich ab Mitte März bei der Stadtbiliothek Köln anmelden. Wir freuen uns auf euer Kommen!