Art Academy Atelier

Genre
Edutainment
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 8 Jahre
Vertrieb
Nintendo
Erscheinungsjahr
2015.06
Systeme
Wii U
System im Test
Wii U
Kurzbewertung
Ausgefallenes und spaßiges Mal-Erlebnis für Kunstliebhaber
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Interessant für
Kinder (und Erwachsene), die gerne malen/zeichnen und auch sonst kreativ sind
Sprache
Deutsch, nur Texte
Grafik
eher realistisch, außer dem zwergenhaften Kunstlehrer Vince und seinem Hund Bacon
Sound
beruhigend leichte und fröhliche Hintergrundmusik

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
unter Umständen der digitale Lehrmeister
Mehrspielermodus
nicht vorhanden
Spielforderungen
Lesekenntnisse, Interesse an Kunst
Zusatzkosten
nicht vorhanden
Problematische Aspekte
nicht vorhanden
Gruppenleiter
Koray Çoban
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4Screenshot 5Screenshot 6Screenshot 7
Siehe auch

Spielbeschreibung:
Der eigene Erfolg hat schon einigen Spielen den Weg vom Handhelden zur stationären Heimkonsole geebnet. Nach mehreren Umsetzungen der Art Academy-Reihe für den DS und den 3DS, stellt Nintendo dieser Logik folgend mit Art Academy Atelier eine Version für die Wii U in die Verkaufsregale. Die Kunstakademie bietet offline 16 Lektionen und 14 Minilektionen, die in Einsteiger-, Fortgeschrittenen- und Werkzeugkurse eingeteilt sind. Zudem hat man die Möglichkeit, seine Mal- oder Bleistifte sowie Pinsel und viele weitere Werkzeuge im ‚Freien Zeichnen‘ auszuprobieren. Eine Art Familien-Leinwand ermöglicht es zudem, wenn auch zeitversetzt, gemeinsam an einem Werk zu arbeiten. Ein weiteres Feature ist die Möglichkeit, Zeitraffer-Videos zu erstellen. Ist ein Kunstwerk fertiggestellt, kann man die Entstehung des Gemäldes in Bewegtbildern nachverfolgen. Die einzelnen Werke lassen sich hinterher online auf YouTube oder Nintendos hauseigener Sozial-Plattform Miiverse teilen. Zudem lassen sie sich intern wie extern abspeichern und gegebenenfalls in einer virtuellen Galerie oder ausgedruckt in den eigenen vier Wänden aufhängen.

Pädagogische Beurteilung:
Malen, mal anders

Die Steuerung des Spiels erfolgt ausschließlich am Gamepad mittels Eingabestift. Das Touch-Display wird je nach gewähltem Material beispielsweise zum einfachen Papier, zur Malpappe oder zur Leinwand aus Leinen oder Baumwolle umfunktioniert. Der Eingabestift wiederum fungiert als einfacher Blei- oder Farbstift, als Pinsel oder als Sprühdose mit jeweils unterschiedlichen Härte- und Breitegraden. Einmal akzeptiert und etwas länger ausprobiert, gelingt diese künstliche Umgestaltung des Gamepads erstaunlich gut. Selbst kleinste Details lassen sich in den jeweiligen Zeichnungen mit ein wenig Fingerspitzengefühl gekonnt herausarbeiten.

Audiovisuell schwer zu erfassen
Audiovisuell ist Art Academy, zumindest nach gängigen Maßstäben, nur schwer zu beurteilen. Der Lehrmeister Vince und sein Hund Bacon werden in einer eher kindlichen Optik präsentiert, wohingegen das Menü mitsamt der Materialauswahl und die virtuelle Galerie zwar teils bunt, aber eher schlicht und zweckmäßig dargestellt werden. Der jeweils ausgewählte Bildträger bzw. Maluntergrund ist ebenfalls eher schlicht und wirkt sehr realitätsnah. Zu hören ist lediglich eine beruhigende, teils fröhliche Hintergrundmelodie mit Anleihen aus der klassischen Musik. Eine Sprachausgabe der einzelnen Lektionen ist nicht vorhanden. Die jeweiligen Aufgaben werden lediglich in Textform erläutert.

Am Anfang war der Unmut
Das Atelier liegt bereits seit geraumer Zeit in unserer Testergruppe zum Testen vor. Erst durch einen parallel laufenden Test eines analogen Kartenspiels (YuGiOh!), erklärten sich die Kinder bereit, am Kunst-Experiment teilzunehmen. Der anfängliche Unmut wich zunächst einer interessierten Neugier. Die Akademie konnte die Tester_innen dabei insbesondere mit seiner Materialvielfalt begeistern, da das „zuhause nicht mal eben so gemacht werden kann“. Diese Begeisterung hielt sich allerdings beim Großteil nur kurz. Nach etwa zehn Minuten schlug der Unmut zurück. „Das ist doch kein Spiel!“ - mit dieser und ähnlichen Äußerungen verschafften die Tester_innen ihrer Frustration ein Ventil. Die Gruppe wurde mit fortschreitender Testdauer immer unruhiger und suchte sich andere Beschäftigungen. Einige erklärten sich beispielsweise bereit, schnell über das Spiel zu schreiben, um den Test möglichst zügig abzuschließen. Dies liegt daran, dass Art Academy eben das ist, was es verspricht, ein Malspiel, das in der Gruppe weniger Spaß macht. 

Am Ende war auch Begeisterung
Insbesondere die Dauer, der Schwierigkeitsgrad und die textbasierten Aufgabenstellungen der Lektionen hemmten den Spielspaß. Trotz dieser eher negativen Gruppendynamik, gab es zwei Kinder, die das Atelier begeistern konnte. Dabei spielten die erwähnte Vielfalt des Kunstmaterials und der mögliche Lernfortschritt eine erhebliche Rolle. Eines der Kinder berichtete gar, dass es zuhause die ganze Woche eine Tomate, die Vorlage der ersten Lektion, gezeichnet bzw. gemalt hat. Hier lässt sich erkennen, das ein Grundinteresse für das Malen und Zeichnen vorhanden sein sollte. 

Intrinsisch (un)motiviert
Art Academy
ist kein klassisches Spiel. Im Test zeigte sich, dass die Kinder, die ohnehin gerne bis sehr gerne malen und zeichnen, den digitalen Kunstunterricht geradezu aufsogen und die gebotenen Möglichkeiten genossen. Kinder, die hingegen nur ab und an oder gar nicht malen, lehnten nahezu alles ab. Weder hatten sie die Muße, sich den Text der einzelnen Lektionen durchzulesen, noch hatten sie Verständnis dafür, am Touchpad statt mit Blatt und Papier zu malen. Wenn das Spiel allerdings begeistert, dann ist stunden- bis wochenlanger Spiel- bzw. Malspaß nahezu vorprogrammiert.

Fazit:
Für Kunstliebhaber bzw. -schaffende ist Art Academy Atelier eine empfehlenswerte Simulation. Die einzelnen Lektionen sind, je nach Schwierigkeitsgrad, überaus zeitintensiv und dadurch auch teils mühsam. Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, die sich eher nicht dem Thema Kunst beschäftigen, sollten dagegen eher die Finger davon lassen, denn klassische Spielelemente, beispielsweise in Form von Frust und Flow-Erlebnissen, sucht man hier vergebens. Ein dickes Fragezeichen steht hinter der Überlegung, dass man eventuell seinen eigenen Nachwuchs durch die digitale Kunstakademie zum echten Malen motivieren kann. Zumindest beim Test in unserer Gruppe ließ sich diese Überlegung nicht belegen. Inwiefern der digitale Lernfortschritt sich auf analoge Fertigkeiten übertragen lässt, ist zu bezweifeln.

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Spieletester
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Düsseldorf
Bewertung Spielspass

„Obwohl es ein Videospiel ist, mag ich frei zeichnen, also mit richtigem Stift, viel mehr.“

„Wenn man ein richtig gutes Bild malen will, muss man sich ungefähr zwei Jahre damit beschäftigen.“

„Auf dem Gamepad kann man nicht richtig malen. Das geht mit einem Stift oder Pinsel viel besser.“

„Ich mal eh nicht gerne, warum soll ich dann jetzt?“

„Mit was man alles malen kann, ist echt voll cool. In echt würde das ja voll viel kosten und vor allem voll lange dauern, alles erstmal ab- und aufzubauen.“

„Das ist langweilig zum Zocken.“