The Sims Social

Genre
Onlinespiele
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 14 Jahre
Vertrieb
EA Games
Erscheinungsjahr
2011.08
Systeme
PC, Mac, Linux
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Solider Online-Simsableger, jedoch mit Zeit- & Kostenfallen
Redaktion
Philipp Dubberke
Spieleratgeber NRW
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Spielbeschreibung:
Mit "The Sims Social" macht der Entwickler Playfish unter der Schirmherrschaft von Electronic Arts das Sims-Prinzip auf jedem internetfähigen Rechner kostenlos verfügbar. Um die Lebenssimulation zu spielen, braucht der Spieler lediglich ein Facebook-Konto - dann kann es im Stil von Farmville direkt im Internetbrowser losgehen. Es ist keine weitere Anmeldung oder Installation nötig. Der Spielablauf besteht anschließend darin, die Grundbedürfnisse des eigenen Sims zu befriedigen, seine Fähigkeiten zu verbessern und mit diesen Geld zu vedienen. Das hart verdiente Simgeld kann dann dazu genutzt werden, das Haus auszubauen, sowie Möbel und Kleidungsstücke zu kaufen, sprich auf der virtuellen Prestigeleiter nach oben zu klettern. Dazu müssen nach und nach auch Facebook-Freunde aquiriert werden, auf deren Hilfe der eigene Sim angewiesen ist – etwa um einen neuen Raum anzubauen. Die Spielfigur verbraucht Energie, die sich mit der Zeit von alleine wieder auffüllt (75 Minuten für das Maximum), es ist aber auch möglich gegen echtes Geld (auch mit dem Handy!) Energie, Möbel und Kleidung zu kaufen.

Pädagogische Beurteilung:
Der Ablauf:
Der Spieler erstellt sich eine Spielfigur, wählt Geschlecht, Name, Aussehen und Kleidung und zieht in die rudimentär eingerichtete Wohnung ein – so wie auch in sämtlichen anderen Vollpreis-Sims-Titeln. Die Erfüllung der Grundbedürfnisse des "Sims" Essen, Hygiene, Harndrang, Soziales und Erholung müssen stets im grünen Bereich gehalten werden, sonst verweigert der Sim andere Aufgaben. Ist er hochzufrieden, wird er "inspiriert" und verdient die doppelte Menge Simoleons (Spiel-Währung). Um an das Geld zu kommen, mit dem sich allerlei Möbel und Erweiterungen kaufen lassen, muss der Sim seine Fähigkeiten Musik, Kochen, Kunst und Schreiben einsetzen. Hier kommt die Besonderheit vieler Browserspiele zum tragen, weil jede Handlung, die nicht den Grundbedürfnissen dient, Energie verbraucht. Davon kann der Sim maximal 15 ansammeln, sind die kleinen Blitze alle, kann der Spieler nur die Grundbedürfnisse erfüllen, was jedoch keinen Spielfortschritt einbringt. Jetzt muss er entweder fünf Minuten pro Einheit warten (sprich über eine Stunde für volle Energie) oder beginnt die Freunde in der Nachbarschaft zu besuchen, um Bonuskraft zu erhalten. Hier verknüpft "The Sims Social" sich mit Facebook und zeigt alle Freunde an, die auch die Sims spielen, so dass man diese in die Nachbarschaft des eigenen Sims einladen kann. Tut man dies nicht, ist ein Vorankommen unmöglich. Die Nachbarn dienen nämlich nicht nur dazu, an Energie zu kommen oder den Sozialwert des eigenen Avatars zu verbessern, sondern müssen auch helfen, wenn etwa ein neuer Raum ans eigene Haus gebaut werden soll, oder wenn Kaffeebohnen für das neueste Kochrezept fehlen, das unbedingt gebraucht wird, um die Kochen-Fähigkeit zu erhöhen. Wenn energietechnisch gar nichts mehr geht, man nicht warten will und der Sim somit mangels Energie zur Tatenlosigeit verdammt ist, helfen nur noch Energieriegel und besondere Getränke. Diese erhält der Spieler ab und an vom Spiel, von Freunden oder er kauft sie gegen echtes Geld.

Der Handel mit echtem Geld
Die kleinste Einheit der virtuellen Währung, die mit dem Handy bezahlt werden kann sind 8 "SimCash" und kosten 0,99 Euro. Der Gegenwert im Spiel ist beispielweise ein Energiedrink, der 10 Aktionspunkte wiederherstellt, welche jedoch theoretisch locker in zwei Minuten wieder verbraucht sind. Das erworbene "SimCash" kann auch dazu eingesetzt werden um Aufgaben zu überspringen, oder neue Kleidung und Einrichtung zu kaufen. Manche Gegenstände wie etwa ein extravagantes Sofa in Kussmundform, sind nur gegen Bares erhältlich, das schlägt jedoch auch gleich mit 49 SimCash zu buche – was knapp fünf Euro in Echtgeld sind. Für 0,99 Euro erhält man lediglich einen Stuhl oder kleine Accessoires. Der Spieler ist nicht gezwungen echtes Geld zu investieren, viele Möbel und Kleidungsstücke können auch mit erspieltem Geld bezahlt werden, bei Energielosigkeit hilft das jedoch nicht, da hilft nur warten. Eltern müssen sorgsam abwägen, ob es wirklich sinnvoll ist, echtes Geld in das Browserspiel zu investieren, auch weil das Hauptspiel "Die Sims 3" schon für unter 40 Euro zu haben ist.

Der Zeitaspekt:
Die Sims entpuppen sich seit der ersten Version als fesselnd für Kinder und Jugendliche. Ein eigenes Haus bauen, das Leben eines Erwachsenen führen und einem Beruf nachgehen, ist einfach faszinierend. Besonders dann, wenn man selbst noch zur Schule geht und durch die Eltern und das eigene Alter in vielen Dingen stark eingeschränkt wird. Im Spiel kann der Sim den ganzen Tag schlafen, nur Süßigkeiten essen und soviel vor dem Fernseher flätzen, wie er möchte. Der pädagogische Haken: Wenn der Sim ein solches Leben führt, erreicht er in der Spielwelt auch nichts, er verdient kein Geld, knüpft keine Freundschaften und findet keinen Partner.
Dadurch dass "The Sims Social" lediglich im Internetbrowser läuft, ist die Grafik deutlich weniger ansprechend, als etwa im aktuellen Vollprei-Pendant "Die Sims 3" und auch der Umfang ist sehr viel geringer. Trotzdem erfüllt es die basalen Bedürfnisse nach Vorankommen und Verbesserung und lockt immer wieder mit neuen Belohnungen, der Sim bekommt neue Klamotten, ein größeres Bett, einen besseren Fernseher und irgendwann einen komplett neuen Zimmeranbau. Um an diese Dinge zu gelangen muss der Sim "arbeiten". Benutzt das Alterego die Mikrowelle und kocht ein Fertiggericht, bekommt es dafür Geld und wird gleichzeitig besser im Kochen, neue Gerichte bringen mehr Geld, erfordern aber auch mehr Zeit und Zutaten, die Freunde schicken müssen. Je besser der Sim wird, desto höher steigt er im Level, kann immer bessere, aber auch teurere Luxugegenstände kaufen und so weiter und so fort.
Dabei spielt sich die Browservariante nicht so wie ein "normales" Sims, der Spieler kann nicht für eine Stunde am Stück spielen. Die 15 Punkte Energie sind binnen weniger Minuten verbraucht und dann war es das für 75 Minuten. Es gibt Möglichkeiten die Spielzeit zu verlängern, indem Freunde besucht oder kleine Aufgaben gelöst werden, am Grundprinzip der begrenzten und sich mit der Zeit auffüllenden Punkte ändert das jedoch nichts. Will man mit seinen Freunden mithalten, schaut man am besten jeden Tag mehrmals ins Spiel und verbraucht seine angesammelten Energiepunkte, denn diese steigen nie über das 15er-Maxium und verfallen dann einfach. Man hat also keinen Nutzen davon, wenn man mal einen ganzen Tag nicht spielt, es macht keinen Unterschied ob eine Stunde vergeht oder ein ganzer Tag. Außerdem lohnt es sich, mindestens einmal am Tag zu spielen, da das Spiel jeden Tag, den man in Folge gespielt hat, mit besseren Belohnungen honoriert (bis maximal fünf Tage) und man einmal am Tag einen Bonus für Besuche bei Freunden bekommt.
Das kann gerade für Kinder und Jugendliche problematisch werden, gerade wenn Freunde schon deutlich vorangeschritten sind und bessere Gegenstände und ein größerer Haus besitzen. Steht der Computer zur eigenen, freien Verfügung wird das Spiel so schnell zum Teil des Internetalltags und neben Emails, Videos und sozialen Netzwerken zum Zeitfresser. Hier bietet sich eine vorher gemeinsam festgelegten Internetzeit an, die sich die Kinder und Jugendlichen frei einteilen können.
Dann muss der Nachwuchs selbst abwägen, wieviel der wertvollen Zeit tatsächlich in "Die Sims Social" fließen soll. Der Haken: geht es um den direkten Vergleich der Spielleistungen, sind immer jene im Vorteil, die sich mehrmals am Tag und am besten jeden Tag zumindest einmal mit dem Spiel beschäftigen können. Da ist es – gerade in Anbetracht möglicher Echtgeldausgaben – sinnvoller auf ein echtes Sims-Spiel zu setzen.

Ebenfalls kritisch zu beurteilen ist die Möglichkeit sich mit anderen Sims anzufeinden, da es sich hier schließlich um die eigenen Facebook-Freunde handelt. Für Erwachsene mag es spaßig erscheinen einem Freund in die virtuellen Blumen zu urinieren oder eine Spinne im Bad zu verstecken, wenn sich jedoch eine Facebook-Clique in Mobbing-Manier dazu entschließt den Sim eines gerade unbeliebten Kindes geschlossen schlecht zu behandeln, kann sich das auch schnell auf die realen Beziehungen auswirken und für den Betroffenen eine negative Erfahrung sein. Hier ist gerade bei jüngeren Spielern der Dialog mit den Eltern wichtig, um zu verdeutlichen dass sich nur um eine digitale Welt handelt und zu reflektieren, wie es zu solchen Aktionen kommen kann und wie man damit umgehen sollte.

Fazit:
"The Sims Social" macht Spaß, sieht toll aus, läuft auf nahezu jedem Rechner und kostet nichts. Das ist prinzipiell eine gute Sache. Aber auch nur dann, wenn der Spieler reflektiert mit dem Browserspiel umgehen kann und seine Zeit einzuteilen weiß. Das Spiel animiert enorm zum häufigen Spielen - am besten jeden Tag mehrmals, damit man ja keine Belohnungen verpasst. Hinzu kommen die Risiken, die ein Echtgeld-System birgt, gerade wenn ganz einfach mit dem Handy bezahlt werden kann. Daher empfehlen wir die Lebenssimulation für Spieler ab 14 Jahren. Zusätzlich sollten Eltern mit ihren Kindern intensiv über das Spiel sprechen, auf die Kostengefahr hinweisen und die Spielzeit limitieren.