Guitar Hero - World Tour

Genre
Gesellschaftsspiele
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 8 Jahre
Vertrieb
Activision
Erscheinungsjahr
2008.11
Systeme
PC, Playstation 3, Xbox 360, Wii, Mac
System im Test
Playstation 3
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Motivierendes Bandspiel für kleine Gemeinschaften
Gruppenleiter
Max Fischer
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
"Guitar Hero World Tour" ist nach den Titeln "Guitar Hero 1", "Guitar Hero 2", sowie "Guitar Hero 3: Legends of Rock" der vierte Teil der von Activision vertriebenen Musikspielreihe. Das grundlegende Spielprinzip zielt schon wie in den Vorgängerversionen darauf ab, verschiedene Songs mit Hilfe eines speziellen Instrumentencontrollers nachzuspielen. Die zu treffenden Noten werden auf einer Art durchlaufendem Gitarrenhals in der Mitte des Bildschirms dargestellt. Um einen Song abzuschließen, müssen die richtigen Töne mit dem entsprechenden Timing getroffen werden. Bei zu vielen verpassten Noten macht sich zunehmende Unruhe im Publikum breit bis der Spieler schließlich von der Bühne geworfen wird. Besonders lange fehlerlose Notenserien werden mit sog. Starpower belohnt und ermöglichen bei dessen Aktivierung eine höhere Highscore.
Der größte Unterschied zu den vorherigen Titeln der Serie besteht darin, dass neben dem obligatorischen Gitarrencontroller das Instrumentarium um ein Schlagzeug und ein Mikrofon erweitert wurde. Das führt dazu, dass man nun Jam-Sessions als Quartett starten kann (das vierte Mitglied ergibt sich aus der Verwendung eines weiteren Gitarrencontrollers als Bassgitarre). Der Drumcontroller funktioniert nach dem klassischen Prinzip über eine eingeblendete Notenspur, bei welcher jede Trommel bzw. jedes Becken einer Farbe zugeordnet wird. Das Mikrofon reagiert auf die richtige Tonhöhe des Interpreten nach dem Prinzip des populären Karaoke-Spiels "Sing Star”. Neben dem Spielen in kompletter Bandbesetzung bietet sich dem Spieler auch die Möglichkeit, die Songs mit jedem Instrument einzeln in Angriff zu nehmen.
Im Spiel enthalten sind fünf verschiedene Spielmodi. Im Karrieremodus müssen entweder alleine als Solokünstler oder mit Kumpels zusammen als Band der Reihe nach verschiedene Auftritte absolviert werden, um alle Songs des 85 Stücke umfassenden Repertoires von "Guitar Hero World Tour” freizuspielen. Diese können anschließend in einem "Schnellen Spiel” jederzeit einzeln angewählt werden. Der "Kopf an Kopf”-Modus sollte vor allem für Spieler von Interesse sein, die sich gerne mit anderen Gamern messen. Hierbei besteht die Möglichkeit, an einer Konsole direkt gegen einen Kumpel zu spielen. In die gleiche Kerbe schlägt der Onlinemodus, welcher die Möglichkeit eröffnet, das eigene Können mit dem von Gitarristen aus der ganzen Welt zu vergleichen. Abgerundet wird die Auswahl von einem virtuellen Tonstudio, in dem eigene Songs eingespielt und optional im Internet veröffentlicht werden können.
Um das Geschehen an die Fähigkeiten und Vorkenntnisse des jeweiligen Spielers anzupassen, kann zwischen fünf unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden zwischen Anfänger und Experte gewählt werden.

Pädagogische Beurteilung:
Für unerfahrene Spieler steht zu Beginn ein umfassendes Tutorial zur Verfügung. Nach dem Prinzip "Learning by Doing" wird anhand von kurzen Übungssequenzen in die Steuerung des Titels eingeführt. Für jedes Instrument enthält das Spiel spezifische Aufgaben, die zunächst in die grundlegenden Steuerungsbefehle einführen, um nach erfolgreichem Abschluss einen Einblick in fortgeschrittene Spieltechniken zu gewähren. Unterstützt wird das übersichtliche und durchdachte Tutorial durch eine komplett deutsch synchronisierte Sprachausgabe, welche auch Spielern mit weniger ausgeprägten Lesefähigkeiten einen frustrationsfreien Einstieg ins Spielgeschehen ermöglicht.
Die Jugendlichen der Spieletestergruppe wagten den Sprung ins kalte Wasser und versuchten sich trotz mangelnder Vorerfahrung an den ersten Stücken ohne im Vorhinein absolvierte Einführung. Mit sehr unterschiedlichem Erfolg. Während einige Tester die koordinativen Herausforderungen des gleichzeitigen Anschlagen des Hebels mit der Rechten und des Drückens der richtigen Knöpfe mit der Linken auf einer niedrigen Schwierigkeitsstufe relativ problemlos bewältigten, stellten die Anforderungen andere Jugendliche vor größere Probleme. Hier merkte man den Testern vor allem die mangelnde musikalische Vorerfahrung an, welche in dieser Hinsicht sowohl das Gefühl für Rhythmus, als auch die Fingerfertigkeit schulen. Beides Attribute, die dem Spieler bei der Beschäftigung mit Titeln der "Guitar Hero"-Reihe zugute kommen.
Waren anfängliche Schwierigkeiten überwunden, sorgte das Spiel in der Gruppe für einhellige Begeisterung. Selbst Schüler, die dem Titel zunächst skeptisch gegenüber standen ließen sich von dem Geschehen auf dem Bildschirm schnell in den Bann ziehen. Ein Spieler (13) zeigte sich von der "einfachen und coolen Steuerung" begeistert. Einem anderen Tester (12) sagte vor allem die Möglichkeit zu, "mit Kumpels zusammen eine eigene Band zu gründen und dann richtig abzurocken. Einfach cool!". Vor allem die Erweiterung des Instrumentenrepertoires sorgt für mehr Abwechslung und bereichert den Spielspaß ungemein. Während der Schlagzeugcontroller vor allem das rhythmische Geschick des Spielers auf die Probe stellt, wird durch das Mikrofon das melodische Verständnis geschult. Neben einem hohen Spielspaß und langfristiger Motivation kann "Guitar Hero" dem Spieler über das Massenmedium Videospiel einen ersten Einblick in eine aktive Beschäftigung mit Musik geben. Dies könnte bei tiefergehendem Interesse in dem Wunsch münden, ein richtiges Instrument lernen. Ein Wehmutstropfen liegt allerdings zweifellos in den hohen Anschaffungskosten. Während Activision für das Spiel inklusive Gitarrencontroller etwa 75 € verbucht, werden für das komplette Bandset inklusive einer Gitarre, Mikrofon und Schlagzeug knapp 200 € fällig. Dieser Umstand dürfte viele potenzielle Käufer abschrecken. Eine Alternative stellt der Erwerb des wesentlich billigeren aber qualitativ nicht so hochwertigen Instrumentensets des Konkurrenzprodukts "Rock Band" dar, welches zumindestens auf den Plattformen Playstation 3 und Xbox 360 mit der "Guitar Hero"-Software kompatibel ist.

Die fünf Schwierigkeitsstufen "Anfänger", "Leicht", "Mittel", "Schwer" und "Experte" sollen vom absoluten Novizen bis zum Könner eine möglichst hohe Bandbreite an Spielern ansprechen. Während auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad nur das rhythmisch korrekte Anschlagen der Seite ohne gleichzeitiges Betätigen der Grifftasten mit der linken Hand gefordert wird, ist der Spieler ab der Stufe "Schwer" dazu gezwungen rasend schnelle Notenserien inklusive Umgreifen unter der Verwendung eines fünften Knopfes zu meistern. Diese hohe Bandbreite sorgt für eine hohe Langzeitmotivation, sorgt in Verbindung mit dem hervorragenden Tutorial für eine stetig ansteigende Lernkurve. Ein weiterer positiver Aspekt ist die Möglichkeit, in einer Band den Schwierigkeitsgrad individuell an die Fähigkeiten der einzelnen Spieler anzupassen. Durch diesen Umstand werden Anfänger nicht ausgeschlossen, wie dies beispielsweise oftmals bei Sportspielen der Fall sein kann. Ein Spieler (12) freute sich in diesem Zusammenhang über die Möglichkeit "mit besseren Leuten zusammen zu spielen und sich auch mal was abzugucken."

Die Songauswahl wurde im Vergleich zum Vorgängertitel "Guitar Hero 3 – Legends of Rock", welcher sich überwiegend aus Klassikern der Rockgeschichte zusammensetzte, etwas breiter angelegt. Klassiker wie "Eye of the Tiger" werden durch aktuelle Titel ("Durch den Monsoon" von Tokio Hotel) und einige lateiamerikanische Stücke ergänzt. Dadurch gewinnt das Spiel deutlich an musikalischer Bandbreite. Die Jugendlichen der Spieletestergruppe hätten sich allerdings noch mehr aktuellen Bezug der Songauswahl gewünscht. Das führte im Spielverhalten im Test dazu, dass allseits bekannte Stücke wie "Eye of the tiger" oder Michael Jacksons "Beat it" immer wieder angewählt wurden. Ein Spieler (12) äußerte den Wunsch "mehr bekannte Lieder" zu spielen. Das würde noch mehr Spaß machen. Hier hätten mehr Gassenhauer die Identifikationswirkung gerade bei jüngeren Spielern steigern können. Ansonsten besitzt der Sound eine außerordentlich hohe Qualität. Die Stücke sind allesamt Originalaufnahmen und wer über eine Dolby Sorround Anlage verfügt, kann sich über fette Bässe und kristallklare Höhen freuen.

Fazit:
"Guitar Hero – World Tour" knüpft in den Bereichen Steuerung, Sound und Spielspaß lückenlos an die hervorragende Qualität der Vorgängerversion an. Die zusätzlichen Instrumente bedeuten vor allem im Zusammenspiel mit Freunden einen deutlichen Gewinn, sind allerdings mit einem Anschaffungspreis von knapp 200 € sehr teuer. Einziges Manko ist nach wie vor die Songauswahl, die zu wenig Bezug auf die aktuelle Musikszene nimmt und damit gerade jüngeren Spielern mangelnden Realitätsbezug bietet. Trotz kleinerer Schwächen ist "Guitar Hero World Tour" ein außergewöhnlich gutes Spiel, welches das Potenzial besitzt lange Zeit an den Bildschirm zu fesseln.
Ist ein gewisses Maß an Koordinationsfähigkeit und Geduld vorhanden, kann das Spiel bedenkenlos für Kinder und Jugendliche ab 8 Jahren empfohlen werden.

Beurteilung der Spieletester zuklappen
Spieletester
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Köln
Bewertung Spielspass