Mittelerde: Schatten des Krieges

Genre
Action-Adventure
USK
ab 16 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 16 Jahre
Vertrieb
Warner Bros.
Erscheinungsjahr
2017.10
Systeme
PC, Playstation 4, Xbox One
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Filmreif erzähltes Action-Adventure mit brutalen Hack&Slay-Einlagen
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Tolkien-Fans und Fantasy-Anhänger sowie Fans der Herr der Ringe Filmtrilogie
Sprache
Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch
Grafik
eine Mittelerde so stimmungsvoll und umfassend, wie in den Filmen
Sound
kinoreife und atmosphärische Soundkulisse

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Waldläufer Talion und Celebrimor der Ringschmied
Mehrspielermodus
verschiedene Onlinemodi
Spielforderungen
Hand-Auge-Koordination, gute Reflexe, strategisches Verständnis
Zusatzkosten
Mikrotransaktionen, die gerade im Multiplayer einen starken Vorteil bieten
Problematische Aspekte
teils sehr brutale Gewaltdarstellungen, Mikrotransaktionen, Pay-to-Win
Gruppenleiter
Thorsten Tennert
Stadtbibliothek Brilon
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
In diesem Action-Adventure erlebt man Mittelerde aus der Sicht des Waldläufers Talion. Talion wird nach seinem gewaltsamen Tod mit dem Geist des Ringschmiedes Celebrimbor verschmolzen und beide schwören Rache an Sauron. Nach und nach erfährt man, wer Sauron war und wie die Ringe der Macht geschmiedet wurden, um so das Schicksal Mittelerdes zu bestimmten. Talion und Celebrimbor treten direkt gegen die Armeen des dunklen Herrschers an, um Mordor zu erobern und Mittelerde von der Geisel Saurons zu befreien. Bis zum Spielende hat man sehr viele neue Facetten und alte Bekannte der von Tolkien erschaffenen Welt kennen, lieben aber auch fürchten gelernt. Wie beim Vorgänger kann der Spielende auch hier den Pfad der Hauptstory verlassen, viele Nebenmissionen erfüllen und die riesige Spielwelt frei erkunden.

Pädagogische Beurteilung:
„Ein Ring sie zu Knechten!“ oder die Story weist den Weg
Ein Bestandteil dieses Spiel ist die epische Hauptstory. Hier werden Talion und Celebrimbor durch viele verschiedene Aufträge durch die Geschichte geführt. Die Inszenierung gleicht der epischen Kinoerzählung, welche Peter Jackson in den Jahren 2001 bis 2003 auf die Kinoleinwand zauberte. Man fühlt sich mitten im Kampf um Mittelerde und nimmt Teil an dem Schicksal der Hauptpersonen, aber auch Nebenfiguren wie Sauron, Kankra oder Gollum lassen den Spielenden manchmal mit Staunen zurück. Die vielen zusätzlichen Nebenaufgaben machen durchaus Spaß und lassen nicht das Gefühl des unnötigen Grindens (ständige Wiederholungen von Tätigkeiten) aufkommen. Der Hauptstrang der Geschichte ist durchweg spannend inszeniert und besonders interessant für jeden Fan der Herr der Ringe Kinotrilogie. Die Hauptaufgaben sind in der spielbaren Reihenfolge leicht zu erfassen und der Weg erschließt sich den Spielenden. 

„Man kann nicht einfach nach Mordor spazieren!“ oder zumindest nicht alleine
Das Nemesis System ist ein weiterer wichtiger Spielaspekt beim Schatten des Krieges. Durch die ständigen Veränderungen in der Rangfolge der Orks und der Möglichkeit, selbst in das Geschehen einzugreifen, bekommt das Spiel einen großen Motivationsschub. Besonders die liebevollen Details der jeweiligen Ork-Geschichten sowie ihre Reaktionen auf die Taten der Spieler_innen machen das System so interessant. Durch strategische Aktionen gewinnt man Orks für seine Armee und schwächt die Verteidigung der Gegenseite. Gerade im Aufbau seiner Armee merkt man dem Spiel seine gesetzliche Alterskennzeichnung ab 16 Jahren an, denn hier führen die Spielenden durchweg kriegerische Aufträge aus. Die besten Wege zum Stärken der eigenen Reihen ist nämlich das Töten bestimmter Gegner auf teils brutalste und heimtückischste Art und Weise. Für junge Erwachsene und ältere Jugendliche ist dies aber mit einem strategisch hochwertigen Spielspaß verbunden, der mit tief schwarzem Humor gespickt ist.

„Doch nicht die Gefahr zu meiden, hab ich dich gebeten“ oder wie kämpfe ich
Held Talion ist mobiler wie im ersten Teil. Er springt, klettert und kämpft sich durch die offene Welt. Die Steuerung fühlt sich gut an und ist schnell zu durchschauen, allerdings oft sehr unpräzise. Häufig möchte man geradeaus eine Wand erklimmen, der Held meint aber nach links zu laufen. Dies stört manchmal den Spielfluss, aber wirkt sich in Kämpfen nur selten aus. Pädagogisch betrachtet sind es gerade die Kämpfe, weshalb das Spiel Kindern oder Jugendlichen unter 16 Jahren nicht in die Hand gelegt werden sollte. Hier wird, anders als in den Kinofilmen (FSK 12), die kriegerische Gewalt nahezu zelebriert. Die Spielenden schlagen Köpfe ab, vergiften Feinde, die sich vor Schmerz krümmen und oft wird dieses mit markigen Sprüchen garniert. 

„Mein Schatz! Wir wollen ihn!“ oder das lästige Thema Lootboxen
Auch dieses Spiel kommt an dem lästigen Thema Lootboxen nicht vorbei. Wie in letzter Zeit fast überall üblich, haben auch hier die Hersteller die Chance erkannt, durch Mikrotransaktionen ihren Gewinn zu maximieren. Bei Schatten des Krieges kann der Spielende gegen Echtgeld verschiedene Schatzkisten erwerben, welche epischen Waffen und Ausrüstung oder extra starke Orks für die eigene Armee beinhalten. Gerade im fortgeschrittenen Multiplayer ist es fast unumgänglich diese zu kaufen, um gegen andere menschliche Spieler_innen bestehen zu können. Dies kann bei Jüngeren auch schnell dazu führen, dass diese den Überblick verlieren und das gesamte Taschengeld in die virtuelle Währung investieren, um mitspielen zu können. „Pay to Win“ (das Prinzip, durch den Einsatz von echtem Geld Gewinnvorteile zu kaufen) scheint hier Programm zu sein.

Fazit:
Schatten des Krieges ist technisch und erzählerisch auf höchsten Niveau. Gerade die Erzählungen, Videoeinblendung und Verwebung der Geschichte Tolkiens machen dieses Spiel zu einem echten Erlebnis. Es ist originell, teils nicht vorhersehbar und sehr schön in Szene gesetzt. Jedoch aufgrund der Gewaltdarstellungen und kämpferischen Verherrlichung ist dieses Spiel nicht für Kinder geeignet. Wie in vielen anderen Spielen der letzten Zeit, hat man auch hier mit Mikrotransaktionen in Form von Lootboxen zu kämpfen. Aus Sicht des Testers liegt auch hier eine Gefahr für jüngere Kinder, die den Einsatz von echtem Geld noch nicht ausreichend überschauen können. Die Inhalte sollten jüngeren Spieler_innen aufgrund oben genannten Begebenheiten nicht zugänglich gemacht werden, Ältere werden das Geschehen als fiktional einordnen können. Spieler_innen ab 16 Jahren, die sich für das Fantasy-Genre interessieren, kann dieses Spiel, gerade aufgrund der Erzählweise und der strategischen Ansätze, ans Herz gelegt werden.

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Spieletester
Stadtbibliothek Brilon
Brilon
Bewertung Spielspass